Als Karnevalshochburg bzw. Fastnachts- oder Faschingshochburg bezeichnet man Gegenden, in denen traditionell Karneval, Fastnacht oder Fasching in besonderem Maße gefeiert wird. Hierbei kann es sich sowohl um Regionen, Städte, als auch Gemeinden handeln.
Europa Deutschland Es gibt eine deutliche Abstufung in Deutschland: In der Spitzengruppe sind Köln, Düsseldorf und Mainz, große prägende Züge sind zudem Aachen, Braunschweig (Schoduvel), Münster und Bonn. Danach folgen Duisburg, Dortmund und Krefeld.
Rheinland inklusive Rheinhessen Im Karneval, besonders in den rheinischen Gebieten, ist die Übernahme der Macht durch den Prinzen Karneval verbunden mit der Ausrufung der Kussfreiheit, die symbolisch steht für den Beginn des ausschweifenden, sitten- und tugendlosen Lebens während der „5. Jahreszeit“, die dort am 11. November beginnt und mit dem Aschermittwoch endet. Als Ausnahme ist hier Mainz zu sehen, wo am 11.11. die Zahl 11 gefeiert wird und die Kampagne traditionell am 1. Januar beginnt. Als Fastnachts- bzw. Karnevalshochburgen gelten in Deutschland das Rheinland einschließlich Rheinhessen: Aachen, Andernach, Bendorf, Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Emmerich am Rhein, Erftstadt, Eschweiler, Euskirchen, Heimbach-Weis, Herschbach, Kleve, Koblenz, Köln, Kottenheim, Krefeld, Landau in der Pfalz, Leverkusen, Meckenheim, Mainz, Mayen, Mönchengladbach, Monheim, Neuss, Rheinbach, Straelen, Trier, Polch, Wiesbaden, Wipperfürth.
Die Garden im Karneval und der Fassenacht sollten mit ihren Uniformen und Fantasieorden das Militär parodieren, entwickelten sich aber schnell zu Statussymbolen.
Eine Besonderheit stellt in Mainz der „politisch-literarische Sitzungskarneval“ dar. Die Eigenheiten der Mainzer Fassenacht haben mit französischen Revolutionsvorbildern nichts zu tun. Vielmehr ist ein großer Teil vom organisierten Kölner Karneval ab dem Jahr 1823 inspiriert. Die Gründung des Mainzer Carnevalvereins 1838 erfolgte aus ähnlichen Gründen wie in Köln und führte auch zur Rückbesinnung auf überkommene Traditionen. Die Elf ist seit vielen Jahrhunderten als Narrenzahl bekannt. Sie ist deshalb sündige Zahl, weil sie, den „Dekalog“ übersteigend, außerhalb der Zehn Gebote steht. Ähnlich die Narrenkappe, in zahlreichen Abwandlungen ganz abseits einer „Phrygischen Mütze“, ist ebenfalls seit Jahrhunderten mit Variationen bekannt. Die Narren haben nie an das Vorbild der Jakobinermütze gedacht, es gibt hierfür nicht den kleinsten Beleg, es ist zielorientierte Mutmaßung. In der „Narrhalla“ von 1843 ist klar und deutlich jeder Zusammenhang mit der „blutroten Mütze“ ausgeschlossen worden. In den Sitzungen seit dem Jahr 1838, schon vor Zitz, gab es literarisch-politische Büttenreden, aber auch Kokolores – nur sah der anders als heute gewohnt aus. Bekannte Figuren der politischen „geschliffenen“ Rede sind der Chef des Protokolls oder Bajazz und Till. Die Reden sind in aller Regel gereimt. In der Zeit des Nationalsozialismus gab es neben nationalsozialistisch, teilweise antisemitisch geprägten Büttenreden auch deutlich erkennbare kritische Beiträge. Seppel Glückert, damals einer der bekanntesten und populärsten Redner, konnte sich die eine oder andere systemkritische Passage in seinen Vorträgen erlauben, an ihn wagte man sich nicht. Für Martin Mundo galt das Gleiche.
Im niederrheinischen Dülken eröffnen alljährlich zum 11.11. die Mitglieder der Narrenakademie die Session mit einem Ritt um die Narrenmühle. Hierbei reiten sie auf Steckenpferden.
Der unorganisierte und ausschweifende Karneval im Rheinland führte immer wieder zu erheblichen Beeinträchtigungen, Rowdytum und alkoholbedingten Übergriffen. Die alten Bräuche waren verkommen oder vergessen. Die Zeitzeugen beschreiben die Rohheit und Skandalisierung des Karnevals, an den nur noch die Masken erinnerten. Und die hatten jetzt einen anderen Sinn als den des Rollentauschs. Mit der Gründung der ersten Karnevalsgesellschaften und des Festkomitees Kölner Karneval im Jahr 1823 wurde der Kölner Karneval in geregeltere Bahnen gelenkt. In Aachen geschah das 1829 mit der Gründung der Florresei (heute Ausschuss Aachener Karneval, AAK). In der Folge entstand der organisierte rheinische Karneval in seiner heutigen Ausprägung, also mit Prinz, Sitzungen und geordneten Umzügen. Seit dem Jahr 1992 wird in Köln der „Jeisterzoch“ („Geisterzug“) gefeiert, um an die rebellische Tradition des Karnevals und an den alten Kult um den Wintergeist „Ähzebär“ („Erbsenbär“) zu erinnern. In Bonn-Beuel wird seit der Gründung des Damenkomitees im Jahr 1824 die „Wäscherprinzessin“ gekürt, die dann gemeinsam mit anderen Möhnen in der Weiberfastnacht das Rathaus stürmt.
Als Symbol der närrischen Zeit führen einige Karnevalsvereine ein Dreigestirn, einen Karnevalsprinzen, ein Prinzenpaar oder einen Prinzen mit Zeremonienmeister.
Hessen
Der größte Fastnachtsumzug Hessens ist der Frankfurter Umzug, der alljährlich vom Großen Rat der Frankfurter Karnevalsvereine am Fastnachtssonntag veranstaltet wird. An diesem Umzug nahmen im Jahr 2005 insgesamt 6.108 Personen teil. Weiter waren 51 Garden, 38 Kapellen und Spielmannszüge, 775 Spielleute und 66 Pferde mit von der Partie. 450.000 Menschen wohnten dem Ereignis bei und ebenso viele waren es an den Bildschirmen bei der Liveübertragung des Hessischen Rundfunks. Am Faschingsdienstag findet das närrische Treiben in Frankfurt mit dem Karnevalsumzug in Heddernheim, dem sogenannten Klaa Paris einen letzten Höhepunkt.
Neben Frankfurt am Main und Wiesbaden ist Fulda eine weitere Karnevalshochburg. Die Fulder Foaset kann auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken. Der Höhepunkt ist jedes Jahr der Fuldaer Rosenmontagszug, dieser ist traditionell der größte in ganz Hessen. Er stellte im Jahr 2017 mit 240 Zugnummern und 4.100 Aktiven einen neuen Rekord auf. Über fünf Kilometer drängten über drei Stunden die Motivwagen mit 28 Musikkapellen, 170 Fußgruppen und 10 Pferden durch die Innenstadt. Mit Besucherzahlen um die 70.000 Menschen haben mehr Zuschauer den Rosenmontagszug live gesehen, als Fulda Einwohner hat.
Ein weiterer Publikumsmagnet der Region Südhessen ist der Rosenmontagszug in Seligenstadt. Die Fassenachter nennen sich dort „Schlumber“.
In Ober-Mörlen in der Wetterau, dem „Klein Mainz am Usastrand“, findet am Fastnachtssonntag der traditionelle Fastnachtszug mit 111 Zugnummern statt. Die Ober-Mörler Fassenacht wird historisch belegt seit 1753 gefeiert und ist überregional bekannt. Im Durchschnitt besuchen rund 35.000 Besucher den Fastnachtsumzug, im Jahr 2007 wurde der Besucherrekord von rund 50.000 Besuchern erreicht. Damit war der Ober-Mörler Fastnachtszug an diesem Tag einer der größten Züge in Hessen und der größte in der Wetterau. Einmalig ist hierbei die Figur des Mohr von Mörlau einer, dem Gemeindewappen entsprungenen, Fastnachtsfigur.
Der Karnevalverein Dieburg 1838 e. V. (KVD) ist mit derzeit knapp 1.800 Mitgliedern Deutschlands größter Karnevalverein im „Bund Deutscher Karneval e. V.“ (BDK). Die Dieburger Fastnacht findet nachweislich im Jahr 1508 ihre erste geschichtliche Erwähnung. Somit feierte man im Jahr 2008 das 500-jährige Fastnachtsjubiläum. Der Fastnachtszug am Fastnachtsdienstag wird von bis zu 100.000 Zuschauern verfolgt. Überregional bekannt ist die Stadt auch durch ihre Straßenfastnacht am Abend des Fastnachtssamstag und des Rosenmontags rund um den Marktplatz und den Fastnachtsbrunnen.
Eine besondere Form des Rosenmontagszuges findet alljährlich in Herbstein statt. In einer seit dem Jahr 1672 andauernden Tradition gibt es eine Sprungprozession, in der die männliche Jugend – dabei springen diese sowohl die männliche als auch weibliche Rolle – mit einem besonderen Sprung durch den Ort zieht. Die Herkunft wird auf Tiroler Einflüsse zurückgeführt, die Tiroler Landarbeiter beim Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg in die osthessische Kleinstadt brachten.
Nicht zu vergessen das karnevalistische Treiben im Rheingau und im übrigen Nassauer Land. Am Fastnachtswochenende finden Umzüge von Samstag bis Dienstag statt. Nachdem die einzelnen Ortschaften an Weiberfastnacht die Rathäuser stürmen und die Schlüssel vom Bürgermeister übernehmen, geht das lustige Treiben los. Die wichtigsten und über die Region hinaus bekannten sind die Fastnachtsumzüge in Rüdesheim am Rhein (Fastnachtssamstag), im jährlichen Wechsel Geisenheim-Marienthal, Geisenheim-Johannisberg und Aulhausen, sowie jährlich in Beselich-Obertiefenbach (Fastnachtssonntag). Zudem in Assmannshausen (Rosenmontag).
Westfalen Von Bedeutung für Westfalen ist der Münsteraner und Münsterländer Karneval. Im Jahr 2026 hatte lediglich der Umzug in Mainz (121 Wagen) zwei Wagen mehr als der Umzug in Münster. Dagegen hatten Köln mit nur 74 und Düsseldorf mit 110 Wagennummern jeweils einen zum Teil deutlich kleineren Umzug anzubieten. Im Vorjahr dürfte allerdings auch Braunschweig diese Zahl noch übertroffen haben, doch ist der Umzug in Münster wohl der aktuell größte in NRW.
Besondere Karnevalshochburgen im Münsterland sind zudem die Stadt Beckum mit vier (Weiberfastnacht, zwei am Karnevalssonntag und Rosenmontag) und die Gemeinde Recke mit zwei Umzügen, einen im Ortsteil Obersteinbeck mit rund 10.000 Besuchern und einen Rosenmontagszug in Recke selbst, der mehr als 30.000 Jecken anzieht.
In Steinfurt findet im Stadtteil Borghorst der Karnevalsumzug, der sich einer großen Beliebtheit im gesamten Münsterland erfreut, am Rosensonntag statt. Viele zehntausend Besucher verfolgen dieses Spektakel, das in den Festzelten spät in der Nacht seinen Abschluss findet. Einen Tag später rollt der Kinderkarnevalsumzug am Rosenmontag im Stadtteil Burgsteinfurt, an dem in jedem Jahr viele Karnevalswagen aus dem benachbarten Holland teilnehmen. In der alten Titularstadt Bevergern (heute Hörstel) im Kreis Steinfurt wird seit 1599 die Fastnacht begangen. Aus einer Spende Bier von den beiden Bürgermeistern der Stadt an die Armen, entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert der Rosenmontagszug. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts findet der Umzug an Rosenmontag ab 10:11 Uhr statt; dazu kommen etwa 5.000 Zuschauer. Am Tag davor wird eine Karnevalszeitung verkauft, die in den 1920er Jahren erstmals gedruckt wurde. Am Veilchendienstag wird um 14:11 Uhr der Karnevalsgeck öffentlich verbrannt. Seit gut 20 Jahren ist das Fest des Weiberkarnevals integriert. Eine Woche vor Rosenmontag findet eine Prunksitzung statt. Der Karnevalsprinz wird am Totensonntag im November gewählt. Ihm zur Seite gibt es das Türkenmariechen, das den Namen vom ehemaligen Schimpfwort der Bevergerner hat. Der Prinz fährt am Rosenmontag auf einem Prinzenwagen, einer Freitreppe, durch den Ort. Der Wagen stammt aus Bonn, wo er bis 1953 benutzt wurde. Der Karnevalsverein heißt Karnevalsgemeinschaft Bevergern (KGB).
miniatur|Sinnbild des Bevergerner Narren: Der Vastelabendjeck mit dem Motto „He dei nicks es krumme sprünge maken und lüde vaxeeren.“
Nur wenige Kilometer entfernt von Steinfurt feiert Bevergern eines der traditionsreichsten Karnevalsfeste überhaupt. Nachweislich seit über 400 Jahren feiert man in der kleinen Burgenstadt Karneval. Der Höhepunkt ist auch hier der Rosenmontagsumzug. Ab 10.11 Uhr pilgern hier mehrere zehntausend Besucher in das kleine ca. 4500 Einwohner zählende Städtchen.
Der Rosenmontagsumzug in Emsdetten, organisiert von der Karnevalsgesellschaft Emsdetten (KGE), zieht jedes Jahr mehrere 10.000 Zuschauer an.
Einen der größten Umzüge mit über 100.000 Besuchern hat die Stadt Bocholt.