300px|mini|Verschiedene Gerichte zur Mittagszeit in Thailand Die thailändische Küche ist eine Mischung aus chinesischen, indischen und europäischen Einflüssen, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer Landesküche verschmolzen sind.
Geschichte Ein Großteil der thailändischen Küche entwickelte sich in Zentralthailand während der Sukhothai-Periode (1238–1350 v. Chr.). Der Aufstieg Ayutthayas im 14. Jahrhundert förderte den Handel, was zu kulinarischen Einflüssen von außen führte, die aus China, Indien, Indonesien und Kambodscha ebenso wie aus einigen europäische Länder kamen. Ab dem 15. Jahrhundert wurden aus Amerika Nutzpflanzen wie Chili und Tomate eingeführt. Die Vielfalt an Gewürzen und Gerichten, die heute als thailändische Küche gelten, war vermutlich um 1800 bereits weitgehend etabliert. Grundnahrungsmittel wie Reis und Fisch wurden erstmals in einer Inschrift von König Ramkhamhaeng (1283 n. Chr.) als Metaphern für Wohlstand und Sicherheit verwendet.
Zahlreiche Belege deuten darauf hin, dass die Domestizierung von Wildreis im chinesischen Jangtse-Tal stattfand und sich später in andere Gebiete Südostasiens ausbreitete, darunter Thailand.
Eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den Städten, war der rasante Aufstieg des thailändischen Streetfood, das mitunter als eigenständige kulinarische Form betrachtet wird.
Grundnahrungsmittel Reis, Fisch sowie einheimisches Obst und Gemüse bilden das Herzstück der thailändischen Küche. Regionale Unterschiede gibt es hinsichtlich der verzehrten Reissorten: Klebreis (khâaw niaw) ist im Norden und Nordosten beliebt, einfacher weißer Reis (khâaw jão), insbesondere Jasminreis, in den zentralen und südlichen Regionen.
Der thailändische Ausdruck für „eine Mahlzeit einnehmen“ (kin khao ) bedeutet wörtlich „Reis essen“, egal um welche Art von Speisen es sich handelt.
Zutaten Die thailändische Küche besitzt zahlreiche typische Zutaten, einige Beispiele sind: mini|Kuai-Tiao-Nudelsuppe Reis; am bekanntesten sind der Jasminreis, der auch als thailändischer Duftreis bekannt ist und vor allem in der Zentralregion und im Süden Thailands beliebt ist, und der Klebreis, der eher im Norden und Nordosten Thailands bevorzugt wird. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Sorten und Qualitätsabstufungen. Nudeln Kuai Tiao (, Reisnudeln) gibt es in verschiedenen Breiten, sie werden meist als Nudelsuppe oder gebraten als zum Beispiel Phat Thai () gegessen. Bami () haben eine gelbliche Färbung, sie werden aus Weizenmehl hergestellt, manchmal wird Ei hinzugefügt. Khanom Chin (, Reisnudeln) sind typisch für die Küche Süd-Thailands und werden meist mit einer scharfen curryähnlichen Sauce (Khanom Chin Nam Ya , „Reisnudeln mit Kräutersauce“) serviert. Wun Sen () sind aus Mungbohnen-Mehl hergestellte Glasnudeln, die gerne als Einlage in klaren Suppen verwendet, oder als erfrischender Salat, Yam Wun Sen (), zubereitet werden. Thai-Auberginen (Makuea Pro ) Cha-Om (): Triebe der Akazienart Acacia pennata, die u. a. in Suppen, Currys und Omelettes Verwendung finden. Gewürze und Kräuter mini|HoraphaBasilikum – In der Thai-Küche verwendet man insgesamt drei verschiedene Arten von Basilikum: „süßes Basilikum“ (Bai Horapha , wissenschaftlich Ocimum basilicum), das eng verwandt mit dem in Europa bekannten Basilikum (ebenfalls Ocimum basilicum) ist; „Zitronenbasilikum“ (Bai Maeng Lak , wiss. Ocimum citriodorum) und „indisches Basilikum“ (Bai Kaphrao , wiss. Ocimum tenuiflorum, auch Tulsi oder „heiliges Basilikum“ genannt) verschiedene Arten von frischen und getrockneten Chilischoten, wie zum Beispiel die kleine Phrik Khi Nu (, wörtlich Mäusekot-Chili, Capsicum frutescens), oder die etwas größeren „himmelweisenden Chili“ (Thai: Phrik Chi Fa , Capsicum annuum), von den Portugiesen im 16. Jahrhundert aus Südamerika eingeführt Dill (Phak Chi Lao ) vor allem in der regionalen Küche Nordost-Thailands verwendet Echter Sternanis (Boi Kak ) Fischsauce wird in fast jedem thailändischen Gericht verwendet; hergestellt wird sie aus Sardellen, Wasser und Salz. Reines Salz wird zum Würzen nur selten verwendet, im Allgemeinen wird es durch Fischsauce ersetzt. Ingwer (King ) Chinesischer Ingwer (Krachai ) Galangawurzel (Kha , auch Galgant oder „Thai-Ingwer“ genannt) Blätter der Kaffernlimette (Bai Makrut ) geben den Gerichten einen zitronigen Geschmack, sie tragen allerdings nicht zur Säuerung bei. Knoblauch (Krathiam ) Kokosmilch (Kathi – ) Koriander (Phak Chi ), von dem sowohl die Wurzeln als auch die Blätter und die Samen verwendet werden Kreuzkümmel-Samen (Yi-Ra ) Kurkuma (Khamin ) Limette (Manao ) Pandanus amaryllifolius (Bai Toei ) Schalotte (Hua-Hom ) Tamarinde (Makham ) gibt den Gerichten eine leichte säuerliche Würze. Zitronengras (Ta-Khrai )
Gerichte Grundsätzlich sind nach der Art des Servierens und der Einnahme der Mahlzeit zwei Gruppen von Gerichten zu unterscheiden. Bei „Ein-Teller-Gerichten“ ( ahan chan diao), wird eine komplette Mahlzeit, einschließlich sättigendem Stärkelieferant (meist Reis), Proteinlieferant und Gemüse auf einem einzigen Teller serviert und von einer Person allein gegessen. Das können sowohl Pfannengerichte sein, bei denen alle Zutaten zusammen zubereitet werden, aber auch Gerichte, bei denen die Fleisch-, Ei- und/oder Gemüsebestandteile separat gegart werden und erst zum Schluss zusammen mit dem (in der Regel gedämpften) Reis auf einem Teller serviert werden. Auf der anderen Seite gibt es „Gemeinschaftsgerichte“. Dabei bekommt jeder Teilnehmer der Mahlzeit bloßen Reis (seltener Nudeln) auf den individuellen Teller, die eigentlichen Hauptgerichte (Fleisch, Fisch, Gemüse) werden in mehreren Schalen auf die Tischmitte gestellt, aus denen sich alle bedienen können. mini|Luk Chup sind Miniatur-Früchte und -Gemüse aus Mungbohnenpaste ähnlich wie Marzipan – ein thailändisches Dessert mini|Geschnitzte Früchte für ein "Palastessen". Traditionell wird zwischen Dorfkost (Aahan Chow Bâan) und königlichen Speisen (Ahaan Chow Wang) unterschieden, wobei der Hauptunterschied weniger in den Zutaten liegt als vielmehr in der Verwendung von Servierplatten, der Vielfalt der Beilagen sowie der Art der Präsentation (Schnitzen, Formen oder Dekorieren der Speisen). Traditionelle Palastgerichte erfordern viel Zeit für die Zubereitung und die kunstvolle Präsentation. In Bangkok gibt es Restaurants, die sich auf diese Küche spezialisiert haben. Königliche Desserts sind Foi Thong (Goldfäden) und Luk Choob, kleine Süßigkeiten aus Mungbohnenpaste sind geformt wie kleine Nachbildungen verschiedener Früchte, mit Pflanzenfarben gefärbt und mit einer gelatineartigen Glasur (ähnlich wie Agar-Agar) überzogen.
Ein-Teller-Gerichte mini|Phat Thai Phat Thai (, „gebraten[e Nudeln] thailändisch[er Art]“) gilt als ein Nationalgericht Thailands. Gebratene Nudelgerichte wurden vermutlich während der Ayutthaya-Zeit von vietnamesischen Händlern eingeführt und nach und nach durch entsprechende Zutaten und Gewürze an den Geschmack der Thai angepasst. Phat Thai vereint in sich die vier Grundgeschmacksrichtungen der thailändischen Küche: scharf, sauer, salzig und süß. Dafür sorgen getrocknete Chili, Limette, Fischsauce und Rohrzucker, die oftmals auch separat zum individuellen Nachwürzen serviert werden. Die Nudeln werden mit Ei, Tofu und kleinen, getrocknete Garnelen gebraten. Zusätzlich können auch frische Garnelen, Krebs oder Huhn verwendet werden. Es wird in der Regel mit Mungbohnensprossen, Schnittlauch und kleingehackten geröstete Erdnüssen serviert, die man sich selbst, je nach Geschmack, hinzufügen kann. Khao Phat (, „gebratener Reis“) ist eines der beliebtesten Ein-Teller-Gerichte und ist sehr schnell zubereitet. Typischerweise wird Jasminreis mit einer Sorte Fleisch (meistens Huhn oder Garnelen, aber auch ohne Fleisch möglich), Ei, Zwiebeln, Knoblauch und manchmal Tomaten sowie den Geschmacksgebern Fischsauce, Zucker, Salz und u. U. Chilisauce bei hoher Temperatur und unter ständigem Rühren in einem Wok gebraten. Die fertig zubereitete Portion wird auf einem Teller serviert und kann mit Gurken- oder Tomatenscheiben, Zwiebeln und Koriander garniert werden. Eine besondere Variante ist Khao phat american, das vermutlich seit der Stationierung von US-Soldaten während des Vietnamkriegs üblich ist. Dabei wird der gebratene Reis mit Ketchup zubereitet und mit Spiegelei, gebratenem Würstchen und Speck serviert. Für Phat Kaphrao () wird eine Sorte grob gehacktes Fleisch (Schwein, Huhn, Rind oder Garnelen) mit dem namengebenden „indischen Basilikum“ (kaphrao), Chili, Knoblauch und Sojasauce bei großer Hitze im Wok gebraten. Es kann als eines von mehreren Gemeinschaftsgerichten serviert werden, ist aber vor allem als Ein-Teller-Gericht auf gedämpftem Reis und auf Wunsch mit einem Spiegelei als schnelle Mittagsmahlzeit beliebt.
Gemeinschaftsgerichte mini|Som Tam mit Krebs mini|Tom Yam Kung (Tom Yam mit Garnelen) Kaeng ( ): Weltberühmt sind auch einige Gerichte der thailändischen Küche aus der Gruppe der Kaeng, die in Deutschland oft als „Thai-Curry“ bezeichnet werden. Sie enthalten jedoch kein Currypulver, sondern haben eine (für das jeweilige Gericht spezifische) Gewürzpaste zur Basis. Dabei werden beispielsweise Wurzeln, frische Blätter und frische Chilischoten mit Garnelenpaste so lange im Mörser gestampft, bis sie zu einer homogenen, dicken Masse geworden sind. Kaeng ist ein Oberbegriff für ganz verschiedene Suppen oder flüssige Eintöpfe, so gibt es auch ein Kaeng Chuet (), das eine klare, sehr milde Brühe ist. Die international bekanntesten Kaeng-Gerichte sind wohl das „grüne Thai-Curry“ Kaeng Khiao Wan, das „rote Thai-Curry“ Kaeng Phet, das „gelbe Thai-Curry“ Kaeng Kari, das „muslimische“ Kaeng Masaman und das relativ milde, nach Erdnüssen schmeckende Kaeng Phanaeng. Auch Tom Kha ist eigentlich ein Kaeng-Gericht und wird von vielen Thailändern umgangssprachlich Kaeng Kha genannt. Maßgeblich für die Benennung des jeweiligen Gerichts ist die verwendete Gewürzpaste, das verwendete Fleisch (oder Fisch oder Tofu) ist dabei variabel. Es gibt allerdings bestimmte Kombinationen, die verbreiteter sind als andere, zum Beispiel „grünes Curry“ mit Huhn. Som Tam () kommt ursprünglich aus der laotischen Küche und ist besonders im (laotisch geprägten) Isan beliebt, ist inzwischen aber landesweit verbreitet und eines der wichtigsten Gerichte der thailändischen Nationalküche geworden. Es ist eine Art Salat aus klein gehackten und gestampften grünen (unreifen) Papayas, Zwiebeln, Tomaten, Limette, Lang-Bohnen, gerösteten Erdnüssen, Salz, Palmzucker und Chilischoten, gewürzt mit Fischsauce. Hinzu kommen oft getrocknete kleine Garnelen, manchmal auch Krebse. Der Geschmack ist üblicherweise etwas säuerlich. Es wird meistens sehr scharf gegessen. Es gibt auch Abwandlungen, bei denen die Papaya durch anderes unreifes Obst (z. B. Mango) oder durch gemischtes Obst ersetzt wird. Tom Yam () ist wohl eines der bekanntesten Gerichte Thailands. Diese würzige, sauer-scharfe Suppe wird mit Fischsauce, Schalotten, Zitronengras, Limonensaft, Galgant, Tamarinde und vielen Chillies gewürzt. Sie wird traditionell zu Reis mit verschiedenen Einlagen, wie Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchten serviert, die „klassische“ Variante ist dabei mit Garnelen: Tom Yam Kung wird oft als das thailändische Nationalgericht genannt.
Regionalküchen Die thailändische Küche lässt sich in vier Regionalküchen einteilen, die sich mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden und jeweils eigene typische Gerichte haben. Bangkok nimmt als Hauptstadt eine Sonderstellung ein.
Nordthailand mini|Khao Soi mit Huhn: typisches Gericht der nordthailändischen Küche