Der Brandner Kaspar ist eine literarische Figur aus einer Erzählung Franz von Kobells in oberbairischer Mundart, die 1871 in den Fliegenden Blättern veröffentlicht wurde. Die Titelfigur Brandner Kaspar betrügt den als Person auftretenden Tod im Kartenspiel und ergaunert sich damit zusätzliche Lebensjahre. Dadurch entsteht zwar einige Verwirrung in der himmlischen Ordnung, doch am Ende wird der Kaspar von den Segnungen der ewigen Glückseligkeit überzeugt. Die Erzählung wurde mehrmals für das Theater adaptiert und verfilmt.
Urfassung von Franz von Kobell 1871 erschien in den Fliegenden Blättern Kobells Erzählung Die G'schicht' von' Brandner Kasper.Digitalisat Heft 1363 und 1364 der Fliegenden Blätter aus der Universitätsbibliothek Heidelberg. Sie spielt zu Anfang des 19. Jahrhunderts: Kasper Brandner, ein rüstiger Zweiundsiebzigjähriger, lebt als Schlosser, Büchsenmacher und Jagdgehilfe am Tegernsee. Seine Frau Traudl ist bereits verstorben, seine beiden Söhne dienen als Soldaten in einem bayerischen Artillerieregiment. An einem Abend erscheint bei ihm der Boanlkramer (ein bairisches Tabuwort für den Tod) und will ihn mit sich nehmen. Nach vielen vergeblichen Ausflüchten gelingt es dem Brandner, den Boandlkramer mit Kerschgeist betrunken zu machen und ihm beim Kartenspiel die Zusage abzugaunern, ihn erst mit 90 Jahren zu holen.
Einige Jahre später jedoch verunglückt eine Sennerin aus der Nachbarschaft des Brandner Kasper, kommt in den Himmel, und ihre Einlassungen führen dort zur Aufdeckung des illegalen Handels. Auf Befehl des Hl. Petrus (von Kobell der Portner genannt) begibt sich der Boandlkramer wieder an den Tegernsee, um den längst Überfälligen endlich abzuholen. Der Brandner Kasper hat inzwischen sehr unter den schlechten Zeiten gelitten, seine Söhne sind in der Schlacht am Bergisel gefallen. Dennoch will er dem Tod nicht folgen. Er lässt sich nur dazu überreden, einmal einen kurzen Blick ins Paradies zu werfen.
Oben angekommen, wird er vom Portner zu seinen Söhnen, seiner Frau und anderen Verwandten geführt. Die Freude über das Wiedersehen und das Erstaunen über die Herrlichkeit des Paradieses sind so groß, dass er beschließt, einfach „oben“ zu bleiben.
Theaterfassung von Joseph Maria Lutz Auf Kobells Geschichte basierend, schrieb 1934 der Pfaffenhofener Autor Joseph Maria Lutz ein volkstümliches Theaterstück mit dem Titel Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies. Seine Fassung hält sich eng an die Vorlage von Kobell und setzt, wie Lutz selbst schreibt, nicht auf überhitzte dramatische Knalleffekte, sondern auf echte Gemütstiefe. Humoristische Zutaten und Späße wollte Lutz, wie er im Vorwort zum Stück meint, nicht haben.
Bei der Uraufführung in Dresden spielte Erich Ponto den Boanlkramer. Seit seiner Uraufführung wurde das Stück auf über 100 Bühnen gespielt.
Theaterfassung von Kurt Wilhelm mini|alt=Links sitzt der Brandner Kaspar in beiger Hose, weißem Hemd und schwarzer Weste mit einem Schnapsglas in der rechten Hand. Der linke Ellenbogen lehnt auf dem Holztisch im Zentrum des Bildes. Der Tisch ist von schräg unten fotografiert, man kann aber die Schnapsflasche erkennen, ein Tischlicht und ein Glas vor der zweiten Person, dem Boanlkramer. Dieser ist schwarz gekleidet, das Gesicht ist weißgeschminkt. Er hat einen Haarkranz mit langen Haaren rund um die kahle Kopfmitte. Im Hintergrund ist ein Kreuz zu sehen mit der Aufschrift „Zum Heile Aller“ und den Jahreszahlen 1961, 1972 und 1990.|Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben (Aufführung 2011 im Theater Purkersdorf unter der Regie von Manfred Cambruzzi)
Entstehung Kobells Ururgroßneffe Kurt Wilhelm bearbeitete und inszenierte 1975 das Werk seines Vorfahrs für das Residenztheater in München. Die Fassung Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben stand bis 2001 über 1000 Mal im Programm des Bayerischen Staatsschauspiels und wurde von über 60 Bühnen übernommen. Wilhelm fügte auch die zahlreichen und nun doch stark humoristischen „himmlischen Szenen“ hinzu.
Die Musik zur Theaterfassung schrieb Rolf Wilhelm.
Handlung Erstes Bild Im ersten Bild werden vor der Kulisse einer Hofjagd für den König von Belgien die handelnden Personen vorgestellt. Kaspar Brandner, ein zweiundsiebzigjähriger verwitweter Kleinbauer und Schlosser, versucht sein kleines, verschuldetes Anwesen für seine Enkelin Marei zu erhalten und verdingt sich deshalb auch als Jagdhelfer auf dieser Hofjagd. Als ihn ein verirrter Schuss des herzoglichen Jägers Simmerl streift, sieht er kurz im Dickicht eine schwarze Gestalt. Flori, der Geliebte von Brandners Enkelin Marei, verbindet den Alten, dabei verabreden sie sogleich, den Simmerl gehörig auf den Arm zu nehmen. Als Simmerl auftaucht, spielt Brandner einen Schwächeanfall und bedient sich am „Kerschgeist“, den Simmerl ihm zur Stärkung verabreicht, während Flori den Jäger wegen seiner Zielsicherheit aufzieht und provoziert. Schließlich lässt sich Kaspar noch vom Jäger huckepack den Berg hinunter tragen, wo sie auf die Jagdgesellschaft treffen. Dort taucht auch Marei auf, die sich als Bursch verkleidet ebenfalls als Jagdhelfer betätigt. Simmerl und der Bürgermeister Senftl schäumen vor Wut, der erstere über Kaspars Schabernack, der zweite, weil die Marei ihn mit ihrer Verkleidung getäuscht hat. Auf dem Heimweg berichtet Flori von einem kapitalen Hirsch, der oben am Berg angeschossen wurde, aber noch fliehen konnte. Er schlägt Kaspar vor, den Hirsch zu suchen und herunterzuholen, um das Fleisch gewinnbringend zu verkaufen. Der Brandner lehnt aber ab aus Angst vor Strafe.
Zweites Bild Daheim in seiner Hütte steckt sich Kaspar erst mal ein Pfeifchen an, als plötzlich jemand klopft. In der Tür steht eine dürre, bleiche, schwarzgekleidete Gestalt. Brandner braucht erst mal eine Weile, bis er erkennt, dass er den „Boanlkramer“ vor sich hat – den Tod. Der verkündet dem alten Schlosser, dass dies heute sein Tag sei, und dass der Schuss auf der Jagd ihn hätte zu Tode erschrecken sollen. Brandner hängt aber am Leben und versucht, dem Zugriff des Boanlkramers auszuweichen. Da fällt ihm ein Schnapsglas in die Hände. Schlitzohrig zieht er die Flasche vom Jäger Simmerl hervor und lädt den Boanlkramer auf ein Gläschen ein, und noch eins, und noch eins. Der Alkohol macht den Boanlkramer redselig, und er klagt dem Brandner sein Leid, weil die Menschen nie freiwillig mit ihm gehen wollen und es ihm immer nur schwer machen, obwohl er sie doch ins Paradies geleiten soll. Kaspar spielt den verständnisvollen Freund und schafft es schließlich sogar, den Tod zu einem Kartenspiel zu überreden. Der Boanlkramer ist aber schon so betrunken, dass er einige Karten fallen lässt. Den unbeobachteten Moment nutzt Brandner aus, um sich die wichtigste Karte – den Gras-Ober (altdeutsches Blatt) – in den Ärmel zu stecken. Natürlich verliert der Boanlkramer das Spiel. Der Preis dafür sind weitere 18 Jahre, die Kaspar weiterleben darf. Der Boanlkramer macht sich torkelnd davon. Kurz darauf erscheinen Marei und Flori, der den Brandner noch einmal auf den angeschossenen Hirsch anspricht. Voll Übermut macht sich der Alte auf, das edle Wildbret in seine Hütte zu holen.
Drittes Bild Drei weitere Jahre gehen ins Land. An seinem 75. Geburtstag versammelt Brandner eine erstaunlich große Festgemeinde um sich, während am Horizont ein Unwetter heraufzieht. Dabei kursieren wilde Gerüchte: Mit dem Brandner stimme irgendwas nicht. Er hat es in den letzten Jahren geschafft, durch Tollkühnheit einen Großteil seiner Schulden loszuwerden. Dass er das mit Wilderei und dem Verkauf des ergaunerten Wildbrets geschafft hat, ist ein offenes Geheimnis, aber bisher konnte ihm niemand etwas nachweisen. Mit geradezu teuflischem Glück konnte er immer wieder den ihn verfolgenden Jägern entkommen. Trotzdem will Flori ausgerechnet an diesem Festtag noch einmal hinauf ins Gebirge, um eine Gams zu schießen, für die ihm ein reicher, unbekannter Städter viel Geld geboten hat. Marei ist damit gar nicht glücklich, sie hat dunkle Vorahnungen.
Bürgermeister Senftl hält widerwillig eine Glückwunschrede auf Kaspar und erwähnt dabei auch, wie ihm der alte Schlosser im Weg steht: Als Hauptgläubiger des Brandner wollte er dessen Hütte an einen adligen Preußen verkaufen, doch er konnte die Hütte nicht pfänden, weil Kaspar seine Schulden bezahlt hatte. Versöhnlich lobt er den Eifer und Fleiß seines Rivalen. Kaspar beantwortet die Rede mit einer eigenartigen Predigt über das Leben und den Tod. Am Ende stellen sich die tiefsinnigen Gedanken jedoch wieder nur als Schabernack heraus. Marei erfährt von der Vroni, einem Bauernmädchen, dass die Jäger mit ihren Waffen ins Gebirge gezogen sind. Während eines Geburtstagsständchens wechseln Jäger Simmerl und Bürgermeister Senftl mit einigen Jägern aus der Umgebung vielsagende Blicke. Simmerl fordert Marei zum Tanz auf und macht dabei einige Andeutungen, die Mareis Misstrauen noch verstärken. Schließlich wird Simmerl aufdringlich und erhält von dem Mädchen eine heftige Abfuhr. Dafür muss er sich den Spott der Festgäste gefallen lassen.
Marei erkennt, dass sich Unheil zusammenbraut, und alarmiert den Brandner: Senftl will ihren Liebsten in eine Falle locken, um ihn beim Wildern zu ertappen. Der von Flori erwähnte Städter war der vom Simmerl ausgeworfene Köder. Danach rennt sie dem Flori nach. Das Gewitter bricht los, Brandner hört plötzlich die Totenglocke, die den Boanlkramer ankündigt, und ahnt Fürchterliches. Voller Entsetzen läuft er den beiden hinterher.
Viertes Bild Im Himmel sitzen Erzengel Michael, der alte Thurmair und der Pilger Nantwein bei Bier und Kartenspiel vor der Himmelstür, als sich ein Neuankömmling ankündigt. Marei kommt schüchtern herein und muss sich erst mal umschauen. Nachdem aber alle sie freundlich begrüßt haben, fasst sie Mut und bittet die Himmlischen um Hilfe für ihren Flori. Die beiden Heiligen lassen sie durch einen Feldstecher schauen, und Marei sieht sich selbst tot dort unten liegen, abgestürzt in der Wolfsschlucht und begraben von einem Steinschlag. Der heilige Petrus kommt dazu und versucht, sie zu beruhigen: Schließlich sei dies das Paradies, und wenn der Flori auch herauf käme, wäre das doch so schlimm nicht. Dann geht er zum amtlichen Teil über, doch etwas verwundert ihn: In der himmlischen Buchführung ist Mareis Todesalter falsch angegeben: 18 Jahre zu früh. Dann eröffnet ihm Marei auch noch, dass ihr Großvater, der Brandner Kaspar, entgegen den Eintragungen noch lebt. Davon muss sich Petrus erst mal selbst überzeugen, indem er durch das Fernglas schaut. Obendrein stellt er fest, dass in der Buchhaltung ein „Schornai“ (Journal) fehlt. Er klingelt sofort nach Nantwein und befiehlt, den Boanlkramer zu suchen. Während der Wartezeit wird erst mal ordentlich über den bayrischen Dickschädel, die Kirche und die Preußen schwadroniert. Dabei kündigt sich ein Bote aus dem Preußenhimmel an. Er bringt einen Beschwerdebrief: Ein Preuße hätte am Tegernsee eine Hütte kaufen sollen, die aber vom Brandner besetzt war. Der Lauf der Weltgeschichte droht aus den Fugen zu geraten. Petrus hat Mühe, seine himmlische Sanftmut zu bewahren. Schließlich wird Marei eingeladen, sich einen Begleiter für den Einzug ins Paradies auszusuchen. Sie wählt einen aus ihrer Verwandtschaft und kehrt heim ins ewige Leben.