Mauretanien ([], amtlich , ) ist ein Staat im nordwestlichen Afrika am Atlantik. Die Präsidialrepublik grenzt an die Staaten Algerien im Nordosten, Mali im Osten und Südosten, Senegal im Südwesten sowie im Norden und Nordwesten an den Landesstreifen der Westsahara, der nach dem Abzug der Kolonialmacht Spanien 1975 größtenteils von Marokko annektiert wurde. Mauretanien besteht größtenteils aus Wüste, ausgenommen eine Dornstrauchsavannenzone entlang der Südgrenze bis zur Hauptstadt Nouakchott. Nach einem Putsch am 8. August 2008 herrschte kurzzeitig eine Militärdiktatur; ab 2009 fanden wieder Präsidentschaftswahlen in fünfjährigen Abständen statt.
Mauretanien gilt seit den Bürgerprotesten von 2011 als relativ sicher, vor allem aufgrund der stabilen Sicherheitslage und der effektiven Maßnahmen gegen Terrorismus. In der Islamischen Republik gab es seitdem keinen Anschlag. Trotzdem gilt Mauretanien als ein Land mit erheblichen Herausforderungen in Bezug auf Armut, da etwa 40 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind geprägt von einer hohen Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen, und einer Abhängigkeit von Landwirtschaft und Fischerei.
Geographie Natur Die Oberflächengestalt Mauretaniens bietet ein recht gleichförmiges Bild. An den Küstenstreifen, im Süden zwischen Senegalmündung und Cap Timiris flache Ausgleichsküste, im Norden buchten- und inselreiche Steilküste, schließt sich landeinwärts ein ausgedehntes Tiefland an, das mit seinen Sanddünenfeldern die ausgedehnte Senke Sebkha de Ndrhamcha als den tiefsten Punkt Mauretaniens umrahmt und den westlichen Rand der Sahara bildet. Ein kurzer Steilanstieg leitet zu dem weithin ebenen Hochland (300–500 m ü. M.) im zentralen Landesteil über. Hier liegen die Sandsteinplateaus von Adrar, Tagant und Affollé sowie einzelne Inselberge, darunter der Kediet Ijill, mit 915 m die höchste Erhebung des Landes. Zentral in der Sahara, auf der Grenze zwischen den Verwaltungsregionen Tiris Zemmour und Adrar, ist das Naturwunder Guelb er Richat gelegen. Gegen Osten senken sich die überwiegend von Geröllfeldern bedeckten Hochflächen zu dem abflusslosen, sandgefüllten Becken El Djouf.
Zwar ist der Süden Mauretaniens durch die in der Regenzeit sich gelegentlich mit Oberflächenwasser füllenden Trockentäler zahlreicher Wadis überformt,Gifex.com: Quels sont les cours d’eau de la Mauritanie ? einziger ständig wasserführender Fluss Mauretaniens ist allerdings der Senegal, der die Staatsgrenze zum gleichnamigen Nachbarland im Süden bildet. Aus Mauretanien erhält er zeitweise Zufluss aus dem Kolimbiné, dem Karakoro und dem Gorgol.
Klima Im Bereich des nördlichen Wendekreises gelegen, hat Mauretanien größtenteils trockenheißes Wüstenklima. Abkühlung bringt nur der kalte Kanarenstrom vor der Küste, wodurch es im Küstengebiet häufig zu Nebelbildung kommt. In der Nordhälfte des Landes fallen die Niederschläge unter anderem im Winter, allerdings selten mehr als 100 mm pro Jahr, im äußersten Süden sind es 300–400 mm, hauptsächlich von Juli bis Oktober. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen bei 20–24 °C, die Julitemperaturen bei 30–34 °C, wobei sommerliche Maximalwerte bis 50 °C erreicht werden.
Flora und Fauna Gras- und Buschflächen sowie Akazien markieren den Übergang von der Wüstensteppe zur Dornsavanne des Sahel. In den Oasen wachsen vor allem Dattelpalmen, in der Überschwemmungssavanne des Senegal auch Raphiapalmen, Affenbrotbäume und Bambus. Im Küstenland gibt es ausgedehnte Salzsümpfe.
Ursprünglich beherbergten die Savannen Großtiere, wie Antilopen, Elefanten, Löwen und Hyänen; die Wüstensteppe bot für Gazellen, Strauße, Warzenschweine, Geparden und Falbkatzen ausreichend Nahrung. Die meisten größeren Tierarten des Landes sind allerdings ausgestorben. In den Dünen finden sich verschiedene Skorpione und Schlangen.
Des Weiteren wurden in Mauretanien Nilkrokodile entdeckt, welche meist an Gueltas leben und die geringe Niederschlagsmenge so gut es geht nutzen, um sich in der Trockenperiode in kühle Felsspalten unter der Erde zurückzuziehen. Dabei fahren sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter und verfallen in eine Starre, die es ihnen erlaubt, monatelang ohne Wasser und Nahrung zu überleben.José C. Brito, Fernando Martínez-Freiría1, Pablo Sierra, Neftalí Sillero, Pedro Tarroso: Crocodiles in the Sahara Desert: An Update of Distribution, Habitats and Population Status for Conservation Planning in Mauritania. PLoS ONE 6(2): e14734. doi:10.1371/journal.pone.0014734, 25. Februar 2011
Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 2,7 Prozent abgenommen.
Nationalparks In Mauretanien gibt es folgende Nationalparks: Nationalpark Banc d’Arguin (1976 ausgewiesen) Nationalpark Diawling (1990 ausgewiesen) Nationalpark Awleigatt (2016 ausgewiesen)Parc National d'Awleigatt
Bevölkerung Demografie mini|Bevölkerungspyramide Mauretanien 2020 mini|271x271px|Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke Y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in TausendBlaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau)Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau)
Mauretanien hatte 2023 4,9 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,6 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 33,0 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 7,2 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,3. Ausgehend von einem hohen Niveau von fast 7 Kindern pro Frau sinkt die Fertilitätsrate seit den 1960er Jahren kontinuierlich. Die Lebenserwartung der Einwohner Mauretaniens ab der Geburt lag 2022 bei 64,7 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 17,6 Jahren. Im Jahr 2023 waren 41,2 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,2 Prozent der Bevölkerung betrug.
+ Entwicklung der Bevölkerung laut UN Jahr Einwohnerzahl 1950 660.000 1960 858.000 1970 1.149.000 1980 1.534.000 1990 2.030.000 2000 2.709.000 2010 3.610.000 2020 4.650.000
Bevölkerungsstruktur Der früher hohe Anteil an Nomaden ist stark zurückgegangen. 1957 lebten noch 90 % der Bevölkerung als Nomaden in Zelten, größere Städte gab es nicht.Walter Reichhold: Islamische Republik Mauretanien. Kurt Schröder, Bonn 1964, S. 59 Dagegen wohnten nach dem Zensus 2023 bereits 2,4 Millionen der 4,9 Millionen Einwohner in städtischen Siedlungen über 10.000 Einwohner. Vier Fünftel der Einwohner leben auf 15 % der Landesfläche, vorwiegend im Süden.
Mehr als andere Städte reflektiert Nouakchott die durch schnelle und nicht kontrollierte Urbanisierung verursachten Probleme. Anfangs als kleine zentrale Verwaltungsstelle mit etwa 30.000 Einwohnern im Jahre 1959 errichtet, erreichte sie schon im Jahre 1970 mehr als 40.000 Einwohner und wuchs in den 1970er Jahren um 15 bis 20 % pro Jahr. Dieses schnelle Wachstum hält auch am Anfang des 21. Jahrhunderts an: 2013 hatte die Stadt knapp eine Million Einwohner. Der daraus resultierende Mangel an Wasser und an Wohnraum ist ein großes Problem. Die meisten der Neuankömmlinge landen in sogenannten Kebbas (Vorstadtvierteln), die im näheren Umfeld der Hauptstadt entstanden sind. Im Jahre 1983 schätzte ein französischer Forscher, dass mehr als 40 % der Bevölkerung von Nouakchott in den Kebbas lebte und der Anteil noch weiter steigen werde. Die Regierung Mauretaniens versuchte, dieses Problem zu lösen, indem sie all denen Boden und Saatgut sowie Transportmöglichkeiten anbot, die zur Rückkehr in die ländlichen Regionen bereit wären. Die Realisierung des ambitionierten Programmes erwies sich aber in Anbetracht dauerhafter Dürre als schwierig.
Es ist eine wesentliche Anzahl an Ausländern – mehr als 15 % der Arbeitskräfte in den modernen Wirtschaftsbereichen – notwendig, um die Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften zu decken. Gleichzeitig verließen mehr als 600.000 Mauretanier ihr Land auf der Suche nach Beschäftigung in Richtung Westafrika, den Mittleren Osten und Westeuropa.
Volksgruppen
mini|Die Stadt Bareina in der Sahara im Süden Mauretaniens. In Mauretanien treffen arabische, berberische und schwarzafrikanische Völkergruppen zusammen, die sich stark miteinander vermischt haben, so dass Prozentangaben zu einzelnen Ethnien kaum möglich sind. Etwa 70 % der Bevölkerung sprechen Hassania. Sie gehören zu den arabisch-berberischen Mauren. Etwa die Hälfte dieser Hassania-Sprecher wird als Bidhan oder Weiße Mauren bezeichnet und gehört zu den beiden oberen Schichten der traditionell stark hierarchisch gegliederten mauretanischen Gesellschaft, den Hassani (Kriegern) und Marabout (Islamgelehrten). Die andere Hälfte heißt Haratin. Diese durchschnittlich etwas dunkelhäutigeren Menschen haben Vorfahren, die ehemals Sklaven waren. Die übrigen 30 % der Gesamtbevölkerung teilen sich mehrere schwarzafrikanische Völker (zusammen Soudans), die überwiegend entlang des Senegalflusses im Süden leben.Simonetta Calderini, Delia Cortese, James L. A. Webb, Jr. (Hrsg.): Mauritania. World Bibliographical Series, Volume 141. Clio Press, Oxford u. a. 1992, S. xii Eine ähnliche Einteilung schätzt grob 30 % Bidhan (weiße Mauren), 40 % Haratin (dunkelhäutige Mauren) und 30 % Schwarze. Zu den schwarzafrikanischen Völkern gehören die überwiegend Ackerbau treibenden Tukulor und die Fulbe, traditionell Rinderhirten. Beide werden wegen ihrer gemeinsamen Sprache Pulaar als Halpulaaren zusammengefasst. Kleinere Volksgruppen sind die Sarakolé, Wolof und Bambara. Etwa 5000 Europäer (meist Franzosen) leben im Land.
Der Kompromiss zwischen den verschiedenen Kulturen Mauretaniens ist wichtig für den Zusammenhalt der Nation. Traditionell wird das Land – auch geographisch – gemäß diesen Volksgruppen in das sogenannte Ard al-Bīdān, was „Land der Weißen“ bedeutet, und Ard as-Sūdān, „Land der Schwarzen“, unterteilt. Diese oft benutzten Begriffe werden jedoch nicht pejorativ gedacht. Die Einteilung ist mehr wirtschaftlich-traditionellen als ethnischen Ursprungs. In der Tat gehören viele Schwarzafrikaner der nomadischen Welt an, die Benennung „Mauren“ beziehungsweise „Bīdān“ gilt all jenen nomadischen Gruppen, die kulturell arabisiert wurden – ungeachtet ihres ethnischen Ursprungs, also inklusive der „Mauren“ mit schwarzafrikanischem Hintergrund. Die Kategorie „Schwarzafrikaner“ (négro africains) fasst sämtliche nicht-arabischsprachigen Mauretanier zusammen. Eine von schwarzen Nationalisten propagierte, noch weiter ausgedehnte Zuordnung schließt als „Schwarzmauretanier“ (négro-mauritaniens) auch die Arabisch sprechenden Haratins mit ein, mit der Absicht, eine größere Front gegen die „weißen“ Mauretanier bilden zu können.Abdel Wedoud Ould Cheikh: Traditionelle Gesellschaften und sozialer Wandel in Mauretanien. In: Ursel Clausen (Hrsg.): Mauretanien – eine Einführung. Deutsches Orient-Institut, Hamburg 1994, S. 15 Heute gilt der Islam als Bindung zwischen den verschiedenen Ethnien und ist die einzige vom Volk anerkannte Legitimierung eines jeden Gesetzes.
Im Jahre 2017 waren 3,8 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die meisten Ausländer kommen aus Mali, dem Senegal und Frankreich.
Sprachen Alleinige Amtssprache ist heute das Arabische; das während der Kolonialzeit offiziell gesprochene Französisch hat sich als Arbeits-, Handels- und Bildungssprache erhalten. Französisch ist neben Arabisch Unterrichtssprache.