mini|Blick auf den Ehrenhof von Schloss Meseberg. mini|Gartenseite von Schloss Meseberg am Huwenowsee. Schloss Meseberg ist ein Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert in Brandenburg. Es liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Berlin in Meseberg, einem Ortsteil der Stadt Gransee mit 150 Einwohnern. Das Anwesen liegt direkt am östlichen Zipfel des Huwenowsees. Seit 2007 dient das Schloss als Gästehaus der deutschen Bundesregierung für internationale Staatsbesuche und Kabinettsklausuren. Diese Nutzung soll im Januar 2027 enden.
Geschichte mini|Th. Albert/Lith. Anstalt F. Schwabe: Schloss Meseberg um 1881/1883. Sammlung Duncker. Hermann Graf von Wartensleben ließ ab 1736 das heutige Schloss errichten, nachdem das alte Herrenhaus in Meseberg im März 1721 abgebrannt war. Das Rittergut hatte seine Ehefrau Dorothea, geborene von der Groeben, 1735 geerbt, zusammen mit Baumgarten, nachdem sie 1723 schon die Güter Rauschendorf und Schönermark als Mitgift erhalten hatte. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war das Rittergut im Besitz der Familie von der Groeben. Graf Hermann war ein Sohn des Generalfeldmarschalls und Ministers im Drei-Grafen-Kabinett Graf Alexander Hermann von Wartensleben (1650–1734).
Laut Bernhard Ludwig Bekmann wurden in Meseberg 1736 die Anlage des Gartens und 1737 der Hausbau begonnen. 1739 war der Bau vollendet. In die Kartusche über dem Giebel der Hofseite sind die Initialen „HvW“ gemalt. Der Architekt ist namentlich nicht bekannt, wird aber im Umkreis des Berliner Oberbaudirektors Philipp Gerlach vermutet. Der Gestalter des terrassierten Barockgartens hieß Münther.
Hermann von Wartensleben hatte kurz nach seiner Heirat schon Schloss Rauschendorf als Wohnsitz errichten lassen. Sein Bruder Friedrich Ludwig hatte 1735, einem Erlass des Königs folgend, mit der Errichtung des Palais Wartensleben am Pariser Platz in Berlin begonnen, der Architekt war vermutlich ebenfalls Philipp Gerlach.
mini|Schloss Meseberg zu DDR-Zeiten, fotografiert von Richard Peter zwischen 1950 und 1977. Zehn Jahre nach dem Tod Wartenslebens kaufte Prinz Heinrich von Preußen 1774 von seiner Erbin und ihrem Mann das Gut Meseberg samt den Gütern Rauschendorf, Schönermark und Baumgarten. Heinrich, der auf dem nahen Schloss Rheinsberg residierte, machte den Güterkomplex sofort seinem Günstling Christian Ludwig von Kaphengst zum Geschenk. Für den Erwerb hatte der Prinz Anleihen machen müssen und 29 Gemälde seiner Sammlung an Katharina die Große verkauft, ferner nahm er Einsparungen an seinem eigenen Haushalt und dem seiner Frau vor. Anlass dieser großzügigen Schenkung war der Wunsch Kaphengsts, eine eigene Existenz zu führen. Kaphengst ließ den vergitterten Ehrenhof entfernen, um vor dem Haupteingang ein Rasenrondell anzulegen, von dem aus eine Allee die Schlossanlage mit dem Dorfanger von Meseberg verband. Die vorhandene Anlage erweiterte er um weitere Gebäude, darunter den Marstall. Kaphengst führte einen aufwändigen Lebensstil, der ihn schließlich in den finanziellen Ruin trieb. Thiébault beschreibt ihn in seinen Erinnerungen als einen „großen, fröhlichen, mutigen und geistvollen Mann von außerordentlicher Körperstärke“, der jede Gesellschaft zum Lachen bringen konnte. Er nutzte die Gunst des Prinzen aber zunehmend finanziell aus. Schließlich verpfändete der Verschwendungssüchtige seine Güter.Hierzu und zum folgenden: Eva Ziebura: Prinz Heinrich von Preußen. Biographie. In: Aufbau-Taschenbuch, 1770, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-7466-1770-7, S. 186 ff., 233 ff., 309 f. Als Kaphengst bei Friedrich dem Großen auf Beförderung zum Oberst drängte, erhielt er eine grobe Absage und nahm seinen Abschied. Heinrich, der seit fünf Jahren einen neuen Favoriten hatte, trennte sich von ihm. Um die Schulden aus dem Kauf zu tilgen, musste Heinrich 1784 130.000 Taler Kredit in Frankreich aufnehmen, weil Friedrich dies seinem ständig in Geldnöten steckenden Bruder in Preußen unmöglich gemacht hatte. Für das hohe Ansehen Heinrichs beim französischen König Ludwig XVI. spricht, dass dieser die Bürgschaft übernahm. Das Schloss blieb bis 1817 im Eigentum von Kaphengsts Witwe. Kaphengst und seine Nachfolger hatten den Garten vor allem nach Süden erweitert und in einen Park umgestaltet, der große Teile der Seeufer umfasste.
Der Gutskomplex Meseberg mit Nebenbesitzung Baumgarten ging nachmals in den Verkauf. Neue Eigentümer wurde die Familie von Hövel, hier vertreten durch Friedrich von Hövel (1811–1898), verheiratet mit Friederike von Elverfeldt-Steinhausen (1821–1856). Die Hövels lebten hauptsächlich auf Meseberg. Dort fanden auch die Hochzeiten der beiden ältesten Töchter statt, so die der Agnes von Hövel mit dem späteren General Barnim von Zeuner.Vgl. Familienverband/Gesamthaus (Hrsg.): Geschichte des Geschlechtes der Freiherren von Elverfeldt. Band 2: (Urkunden und Regesten), II, Kommissionsverlag Bädeker, Elberfeld 1886, S. 244. Um 1880 besaß beide Güter der Herr von Hövel, welcher landläufig Baron genannt wurde, aber dem konventionellen Uradel angehörte. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. Dessen Vorfahren stammten aus der unmittelbaren Nähe von Dortmund und hatten dort einst u. a. die Rittergüter Haus Sölde und Haus Ruhr inne. Diese wurden für die Erwerbung des Komplexes Meseberg-Baumgarten veräußert. Baumgarten war damals 932 ha groß, Meseberg als Hauptgut 530 ha. Ein weiterer brandenburgischer Hövel-Besitz war Gut Rosengarten im Lebus, der ebenso zeitweilig als Wohnsitz diente. Dort wuchs der Sohn Balduin von Hövel auf.
Zu den späteren Eigentümern in Meseberg gehörte der Herausgeber der Vossischen Zeitung, Carl Robert Lessing. Er kaufte 1883 das Anwesen für seinen Sohn Gotthold Ephraim Lessing d. J. (1861–1919), für den 1919 im Park ein Mausoleum erbaut wurde. Die Frau des Herausgebers, Emma geb. von Gelbke, gab an Theodor Fontane die Geschichte der Baronin Elisabeth von Ardenne weiter und lieferte so die Vorlage für den Roman Effi Briest. In seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg bezeichnete Fontane Meseberg als „Zauberschloss“.
Bei der weiteren Ausgestaltung des Anwesens spielte die Familie Lessing eine gewichtige Rolle. Das Familienwappen – drei Ringe, welche die Ringparabel des verwandten Dichters Gotthold Ephraim Lessing symbolisieren – wurde mehrfach angebracht. Das Haus wurde unter anderem mit Gemälden von Carl Robert Lessings Bruder Karl Friedrich Lessing und seines Neffen Konrad Lessing versehen. Otto Lessing – ein weiterer Neffe Carl Roberts – schuf für Meseberg unter anderem verschiedene Büsten von Familienmitgliedern und Vorfahren sowie eine vielfigurige Kreuzabnahme für die Gutskirche. Meseberg und Baumgarten blieben bis ins 20. Jahrhundert über gemeinsame Besitzer mit Meseberg verbundenVgl. u. a. Friedrich Wilhelm August Bratring: Die Graf(f)schaft Ruppin in historischer, statistischer und geographischer Hinsicht. Ein Beitrag zur Kunde der Mark Brandenburg. Verlag Gottfried Hayn, Berlin 1799, S. 101.
Eigentlicher Schloss-Eigentümer um 1914 blieb Gotthold Lessing,Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Handbuch der Königlichen Behörden Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach`sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 126–127. dann seine Witwe Anna Lessing geb. Zelle.Amtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Stück 16, A. W. Hayns Erben, Potsdam 16. April 1921, S. 242. Die Gutsgeschäfte führte als Verwalter Robert Lessing. Das Rittergut Baumgarten beinhaltete Ende der 1920er Jahre 975 ha, Meseberg um die 500 ha.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Ruppin, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 103. 1945/1946 erfolgten die Enteignungen des Großgrundbesitzes.
Die Familie Lessing besaß das Gut bis 1931 bzw. 1934. Ihnen gehörte durch die Übernahme des Schlossareals von den Vorgängern auch eine bedeutende Sammlung alter Bücher.Hans Meier zu Eissen: Der Bücherraub in der DDR. Die ostdeutschen Adels- und Gymnasialbibliotheken 1945-1989. Der Postraub des Stasi-Generals "M". Dokumentation einer staatskriminellen Raubaktion. Im historischen Rückblick: Bibliothekskatastrophen aus drei Jahrhunderten. Selbstverlag, Münster 2007, ISBN 978-3-9800885-4-1, S. 357. Die Familie Lessing besaß das Gut bis 1931 bzw. 1934.
In der SBZ wurde das Anwesen 1945 entschädigungslos enteignet. Die von der Roten Armee geplante Sprengung des Schlosses konnte durch den Bürgermeister Franz Rhode verhindert werden. In den folgenden Jahrzehnten waren im Schloss ein Lebensmittelgeschäft, ein Kindergarten, das Gemeindebüro und andere Einrichtungen untergebracht. Pläne für eine weitere Nutzung als Kultur- oder Tagungszentrum konnten nicht verwirklicht werde, es blieb bei Sicherungsmaßnahmen gegen einen weiteren Verfall. Er setzte sich im wiedervereinigten Deutschland fort. Schloss Meseberg kam ins Eigentum des Landes Brandenburg und wurde nicht an den Alt-Eigentümer zurückgegeben, bis die Messerschmitt Stiftung das baufällige Anwesen 1995 ohne konkretes Nutzungskonzept erwarb. Mit dem Regierungsumzug zur Jahrtausendwende ergab sich der Bedarf nach einem neuen Bundesgästehaus bei Berlin statt des zuvor genutzten Bundesgästehauses auf dem Petersberg. Schloss, Garten und Park wurden von der Stiftung nach den Maßstäben der Denkmalpflege restauriert. Die Stiftung, die dafür rund 25 Mio. Euro aufwendete, überließ 2004 der Bundesregierung die Nutzung des Schlosses für zunächst 20 Jahre zum symbolischen Mietpreis von 1 Euro. Im Frühjahr 2005 begannen Bauarbeiten, welche die gesamte Elektrik und Sicherheitstechnik auf den neusten Stand brachten. Diese Maßnahme kostete bis Dezember 2006 über 1 Mio. Euro. Die Bundesregierung investierte weitere 12 Mio. Euro für Sicherheits- und Kommunikationstechnik und kommt auch für die laufenden Unterhaltungskosten auf. Diese sollen sich laut einer Kleinen Anfrage aus dem Jahr 2022 beispielsweise auf rund 501.352 Euro (2015) bzw. 632.418 Euro (2021) für Personalkosten und auf rund 700.088 Euro (2015) bzw. 724.314 Euro (2021) für Sachkosten belaufen haben. Zudem wurden die Kosten für die Bewachung auf Summen zwischen 1.952.953 Euro (2015) und 2.223.534 Euro (2021) beziffert.
Verbunden mit der Nutzung und der Absicherung waren auch Eingriffe in die historische Substanz des Gebäudes. Neben seiner Funktion als Gästehaus der Bundesregierung wird das Schloss für weitere Veranstaltungen wie Kabinettsklausuren und Konferenzen genutzt. Die Übergabe an den damaligen Kanzleramtschef Thomas de Maizière fand am 26. Januar 2007 statt. Erster Gast im Haus war der französische Staatspräsident Jacques Chirac.