Die Sozionik (engl. Socionics; zusammengesetzt aus society „Gesellschaft“ und bionics „Bionik“) ist eine in Psychologie, Soziologie und Informatik relevante Theorie der informationell-psychologischen Persönlichkeitstypen sowie der Beziehungen zwischen ihnen. Auf der Basis der psychologischen Typologie von Carl Gustav Jung sowie der Theorie des Informationsmetabolismus von Antoni Kępiński sticht sie durch die Angabe eines Informationsmodells der Psyche und eines prognostischen Modells der zwischenmenschlichen Beziehungen hervor.

Die Sozionik wurde in den 1970er und 1980er Jahren von Aušra Augustinavičiūtė entwickelt, einer litauischen Wirtschaftswissenschaftlerin, Soziologin und Psychologin, die die Fakultät für Ehe und Familie der Pädagogischen Universität Vilnius leitete.Аугустинавичюте А. (1996): Социон, или Основы соционики. Соционика, ментология и психология личности, 4-5. (russisch: Augustinavičiūtė A. (1996): Das Sozion oder Grundlagen der Sozionik. In: Socionics, Mentology, and Personality Psychology, 4-5).

Die akademische Anerkennung der Sozionik als Wissenschaft widerspiegelt sich in der Lehre an mehr als 150 staatlichen Universitäten in Russland, Ukraine, Bulgarien, Lettland, Litauen, Rumänien und in anderen Ländern, in Forschungen auf dem Gebiet der Sozionik an Hochschulen sowie in der Nutzung von sozionischen Methoden in mehr als 800 Dissertationen zu allen Geistes- und einigen Naturwissenschaften.

Der wesentliche Vorteil liegt nach Ansicht der Anwender nicht nur in der Analyse der Beziehungen, die es zwischen verschiedenen Typen geben kann. Die Anwendungsbereiche der Sozionik sind u. a.: Berufswahl, Partnerwahl, Zusammenstellung von Arbeitsgruppen, Verbesserung bestehender Beziehungen und allgemeine Menschenkenntnis. Auch Partnervermittlungen setzen auf sozionische Einstufung der Kunden.singleboersen-vergleich.de

Typenlehre Für ihre Theorie hat Aušra Augustinavičiūtė den Namen „Sozionik“ vorgeschlagen, da sie überzeugt war, dass jeder Persönlichkeitstyp in der Gesellschaft eine besondere Funktion erfüllt, die mit Hilfe der Sozionik beschrieben und erklärt werden kann.

Unter Anwendung der Theorie des Informationsmetabolismus (Informationsaustausch)Antoni Kępiński. Melancholie. Меланхолия.— М.: Наука, 2002. — 405 стр, ISBN 5-02-024984-X. von Antoni Kępiński, der Prinzipien von Kybernetik und Informatik auf die Typologie von C.G. Jung"Socionics was developed in the 1970s and 1980s mainly by the Lithuanian researcher Ausˇra Augustinavicˇiute. The name ‘socionics’ is derived from the word ‘society, since Augustinavicˇiute believed that each personality type has a distinct purpose in society, which can be described and explained by socionics. The system of socionics is in several respects similar to the MBTI; however, whereas the latter is dominantly used in the USA and Western Europe, the former is mainly used in Russia and Eastern Europe. For more information, the reader is referred to the website of the International Institute of Socionics and to several scientific journals edited by this institution (see https://socionic.info/en/esocjur.html#top). Despite of several similarities there are also important differences. For instance, the MBTI is based on questionnaires with so-called forced-choice questions. Forcedchoice means that the individual has to choose only one of two possible answers to each question. Obviously, such tests are self-referential. That means they are based on judgments of persons about themselves. Socionics rejects the use of such questionnaires and is based on interviews and direct observation of certain aspects of human behavior instead. However, if personality tests are well constructed and their questions are answered properly, we expect results that often make sense. For that reason, we do not reject test questions principally, but we have to take into account their self-referential character. Another difference relates to the fact that socionics tries to understand Jung’s intuitive system and to provide a deeper explanation for it, mainly in terms of informational metabolism (Kepinski & PZWL, 1972). Further, socionics is not so much a theory of personalities per se, but much more a theory of type relations providing an analysis of the relationships that arise as a consequence of the interaction of people with different personalities." übertrug, beschreibt die Sozionik bestimmte Varianten des Informationsaustauschs zwischen Subjekten abhängig von ihren charakteristischen Persönlichkeitstypen, die man auch als „Typ des Informationsmetabolismus“ (TIM) oder „sozionischer Typ“ bezeichnet. Aus der Theorie der psychischen Funktionen von C.G. Jung leitet die Sozionik das Bestehen von 16 solcher Typen her, als Ergebnis diverser Kombinationen von acht psychischen Funktionen,G. Fink, W. Mayrhofer: Cross-cultural competence and management. setting the stage. In: European J. Cross-Cultural Competence and Management. Vol. 1, No. 1, 2009. die man als „Funktionen des Informationsaustauschs“ betrachtet, von denen jede ihre eigene, getrennte, spezifische Informationsart wahrnimmt und verarbeitet, – als einen der acht Aspekte des einheitlichen Informationsstroms, den die Psyche wahrnimmt.A. V. Bukalov: The potential of the individual and the mysteries of human relationships. International Institute of Socionics, Moscow 2009, ISBN 978-5-91827-004-2. (А.В. Букалов: Потенциал личности и загадки человеческих отношений. Международный институт соционики, ИГ "Черная белка")

Typen und Funktionen Abhängig von der Reihenfolge von Funktionen entstehen unterschiedliche Typen der Psyche, des Denkens, der Wahrnehmung, der Verhaltensstrategie. Die Sozionik benutzt im Informationsmodell für jedes der 16 Typen acht Funktionen, anders als im Modell von C.G. Jung, der für die Beschreibung von jedem der acht Typen seiner Typologie nur vier psychische Funktionen benutzt hat. Die Funktionen des Informationsaustauschs (Informationsmetabolismus) stehen bei jedem Typ in einer bestimmten hierarchischen Reihenfolge und tauschen Informationen mit gleichartigen Funktionen eines anderen Persönlichkeitstyps. Die Art der informationellen Zusammenarbeit, als deren Ergebnis unterschiedliche Beziehungen zwischen Menschen entstehen, von Anziehung und Zusammenarbeit bis zu Abstoßung und Konflikt, wird durch die Positionen dieser Funktionen in den Informationsstrukturen der kommunizierenden Psychen bestimmt.

Die Sozionik ist als eine Fachwissenschaft im Grenzbereich zwischen der Soziologie, Psychologie, Biologie und Informatik entstanden. Sie erforscht unterschiedliche Persönlichkeitstypen, ihre praktischen Ausprägungen in der sozialen Umgebung und die Wechselbeziehungen zwischen ihnen. Die Persönlichkeit wird als ein komplexes systemisches Gebilde erforscht, das auf mindestens vier Funktionsebenen verwirklicht wird: der biologischen (Mensch – Natur), der psychologischen (Mensch – Mensch), der sozialen (Mensch – Gesellschaft), der Informationsebene (Mensch – Zivilisation, Internet).Грачев В.И. Библиотечная соционика – новое направление изучения библиотечной жизни // Научные и технические библиотеки.-1993.- № 7. – С.19-20. In Russisch. Artikel kann man übersetzen als „Gratschjov V.I. Bibliothekensozionik – eine neue Richtung in der Forschung des Lebens von Bibliotheken// Wissenschaftliche und technische Bibliotheken. 1993. – Nr7. – S. 19–20“

Status als Wissenschaft

Definitionen Die Sozionik ist eine Wissenschaft, die den Prozess des Informationsaustauschs zwischen dem Menschen und der Umwelt erforscht, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten und weitergeben.Никонова М.А., Родина Е.Н. Перспективы соционики в современном обществе // Человек – Общество – Культура: сб. науч. тр. – Мордов. гос. пед. ин-т. – Вып. 4. – – Саранск, 2012. – 120 с. – c. 82–85. Auf Russisch. Kann übersetzt werden als „Nikonova M, Rodina E. Perspektiven der Sozionik in der modernen Gesellschaft.“

Die Typologie im Rahmen der Sozionik ist von der Typologie von Myers-Briggs zu unterscheiden in der Beschreibung von Typen, besonders der Introvertierten. Außerdem unterscheidet sich die Sozionik von der Myers-Briggs-Typologie nicht nur durch ein vorhandenes klares Informationsmodell der Psyche, sondern auch durch ein konsequentes Modell von empirisch gut zu beobachtenden intertypischen Beziehungen.

Die Sozionik erforscht gezielt die Mechanismen und Prozesse, mit deren Hilfe der Mensch die zufließenden Informationen wahrnimmt und bewertet. In diesem Zusammenhang wird der Mensch zu einem psychischen Informationssystem, das über konkrete Kanäle der Nachrichtenübertragung verfügt. Die zwischenmenschliche Kommunikation stellt sich dementsprechend als Informationsaustausch (Informationsmetabolismus) dar, wobei der Begriff „Information“ ziemlich weit verstanden wird: Eine Information kann verbal und nicht-verbal sein, in Mimik und Gestik ausgedruckt werden, auch Gefühle, Launen und Eindrücke von Kunstwerken haben den Charakter einer Information.Чечик И. В. Учёт индивидуально-психологических характеристик американских стажёров в условиях краткосрочного обучения русскому языку в России. // Философский век. Альманах. Вып. 32. — СПб.: Санкт-Петербургский Центр истории идей, 2006. — 345 с. — С. 44-51. Kann übersetzt werden als Tschetschik I. Berücksichtigung der individuellen psychischen Charakteristika von amerikanischen Praktikanten unter Bedingungen eines kurzfristigen Russisch-Sprachkurses in RusslandПанарин И. Н., Панарина Л. Информационная война и мир. — Olma Media Group, 2003. — 382 с, ISBN 5-224-04397-2, 9785224043972. Kann übersetzt werden als „Panarin I., Panarina L., Informationskrieg und Frieden“

Auch Gruppen, Teams, sogar Ethnien und Staaten können Subjekte der informationellen Wechselwirkungen und der daraus folgenden Beziehungen sein und sind Objekte der „integralen Sozionik“,Букалов А. В. Интегральная соционика. Типы коллективов, наций, государств. Этносоционика // СМиПЛ, 1998, № 5. In Russisch. Kann übersetzt werden als Bukalov A., „Integralsozionik. Typen von Teams, Völker, Staaten. Ethnosozionik“ die eng mit Soziologie verbunden ist. Im Rahmen des sozionischen Modells kann man auch die informationelle Wechselwirkung zwischen Mensch und komplexen technischen Gegenständen sowie Informationssystemen betrachten.Крысько В. Словарь-справочник по социальной психологии. — СПб.: Питер, 2003. — 416 с. — С. 310, ISBN 5-314-00021-0. Krysko V. Lexikon der sozialen Psychologie. „Die Sozionik ist eine Wissenschaft, die ihre Methodik aus Soziologie, Informatik und Psychologie schöpft und sich an der Weiterentwicklung der Gesellschaft orientiert“

Deswegen kann man die Sozionik allgemein als eine Wissenschaft über Typen der psychischen Informationssysteme definieren – solcher wie der Mensch, das Team, die Ethnie, das Land sowie der Wechselwirkungen zwischen ihnen oder als Wissenschaft über Typen des Informationsaustauschs.Букалов А. В.Соционика - новый подход к пониманию человека и общества// СМиПЛ, 1996, №1. Bukalov A. „Sozionik – ein neuer Ansatz zum Verständnis des Menschen und der Gesellschaft“Струкчинская Е. М., Струкчинский С. З., Разгоняева Е. В. Соционика Учебное пособие. Алтайский гос. техн. ун-т, БТИ. — Бийск : Изд-во Алт. гос. техн. ун-та, 2011. Struktschinskaja S., Razgoniaewa E. „Sozionik. Lehrmittel.“ Altaische staatliche TU, 2011Пахотина Е. А. «Соционическая культура личности: философско-культурологический анализ». Автореферат дисс. канд. философских наук. — Тюмень, 2011. Pachotina E. „Sozionische Persönlichkeitskultur: eine philosophisch-kulturologische Analyse.“ Tyumen, 2011.