mini|hochkant|Georg von Sachsen um 1911 rahmenlos|rechts|hochkant|class=notpageimage skin-invert-image|Signatur Georg von Sachsen SJ (Friedrich August Georg Ferdinand Albert Carl Anton Paul Marcellus; * 15. Januar 1893 in Dresden; † 14. Mai 1943 im Groß Glienicker See an der Stadtgrenze Berlins) war der letzte Kronprinz des Königreichs Sachsen und Offizier der Sächsischen Armee, zuletzt im Range eines Oberstleutnants.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie in Deutschland 1918 und den Abdankungen des Kaisers und der Bundesfürsten wurde Georg römisch-katholischer Priester. 1925 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Er setzte sich bis zu seinem Tode für die Ökumene ein und hielt zahlreiche Predigten. Während der Zeit des Nationalsozialismus widmete er sich als missliebiger Angehöriger eines ehemaligen Königshauses verstärkt der Beratertätigkeit. Darüber hinaus war er im Berliner Una-Sancta-Kreis, einem ökumenischen Gesprächs- und Widerstandskreis, tätig und mit Persönlichkeiten des Kreisauer Kreises sowie des Attentats vom 20. Juli 1944 bekannt.
Im Mai 1943 erlitt Pater Georg während des Schwimmens im Groß Glienicker See (an der Stadtgrenze Berlins) einen Herzanfall, an dessen Folgen er im Alter von 50 Jahren starb.
Prinzenjahre Elternhaus mini|hochkant|Georg (links) mit seinem Bruder Christian auf einer Fotografie von August Kotzsch, vor 1900
Georg wurde am 15. Januar 1893 als erstes Kind des Prinzen Friedrich August von Sachsen, des späteren Königs Friedrich August III., und dessen Ehefrau Luise von Sachsen, geborene Erzherzogin von Österreich-Toskana, im Taschenbergpalais des Residenzschlosses Dresden geboren. Sein vollständiger Name lautete Friedrich August GEORG Ferdinand Albert Carl Anton Maria Paulus Marcellus. Die Geburt fand, dem Hofzeremoniell folgend, in Gegenwart des Königspaares und des Hausministers statt, um die Identität des Kindes bezeugen zu lassen. Das Ereignis – die Geburt eines Thronfolgers – wurde mit 101 Kanonenschüssen verkündet. Georgs Geschwister waren die Prinzen Friedrich Christian und Ernst Heinrich sowie die Prinzessinnen Margarethe (1900–1962), Maria Alix (1901–1990) und Anna Monika (1903–1976). Am Tag nach seiner Geburt wurde Georg in der Silbernen Kapelle des Taschenbergpalais von Bischof Ludwig Wahl getauft. Taufpate war Johann Georg von Sachsen, Taufzeugen waren König Albert und dessen Gemahlin Carola sowie die Großeltern Ferdinand IV. und Maria Antonia.Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 9.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1955, S. 8.; Clemens Brodkorb, Christoph Kentrup: Georg von Sachsen. Kronprinz – Priester – Jesuit., Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2004, S. 9 f., 20; Siegfried Seifert: Pater Georg von Sachsen – Reinhold Schneider, eine Begegnung. In: Wesen und Widerstand, Band 1, 1997, S. 48; Albert zu Sachsen: Kronprinz (Pater) Georg von Sachsen. Vom Thronfolger zum Geistlichen und Gegner des Nationalsozialismus. In: Sächsische Heimat: Zeitschrift der Bundeslandsmannschaft Sachsen e. V., der Stiftung Land Sachsen und des Arbeitskreisen Sachsen in Europa, Band 39 (1993), 2, S. 35 f.
Kindheit und Erziehung Bedingt durch Staats- und Repräsentationsverpflichtungen fanden Georgs Eltern nur wenig Zeit, sich um ihn zu kümmern, und überließen diese Aufgabe der Gouvernante seiner Mutter, der Französin Josefine Dallery (1852–1922). Vorschulunterricht erhielt der Prinz ab 1899 durch den Religionslehrer und Hofprediger Georg Kummer (1855–1918), den Hofkaplan Eberhard Klein (1850–1931) sowie weitere Gelehrte. Die als unbeschwert geltende Kindheit Georgs wurde jedoch bald durch elterliche Konflikte getrübt, die im Dezember 1902 schließlich zur Trennung des Paares führten und etwa einen Monat später mit der Scheidung endeten. Insbesondere Georg, der als schüchternes Kind galt und ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter hatte, litt unter dem Weggang der Mutter vom Hof sehr, zumal sein Vater jede Erinnerung an sie aus dem Alltagsleben der Kinder verbannte und viel Wert auf religiös orientierte Erziehung legte. So sollte Georg, familiär Jury gerufen, zu Verzicht und Genügsamkeit erzogen werden. Vom Großvater erhielt er eine wertvolle Reliquie des Heiligen Aloisius, seines Lieblingsheiligen. Die Vorliebe für den jungen Jesuiten Aloisius behielt er lebenslang bei.Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 11–23; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1955, S. 9 f., 14 f.; Dagmar Vogel: Dramatische Kronprinzenschicksale, Tauchaer Verlag 1995, S. 7 f.
Kronprinzenjahre Jugend und Ausbildung mini|hochkant|Kronprinz Georg nach seinem Eintritt in die sächsische Armee, um 1905 Mit der Thronbesteigung seines Vaters im Jahr 1904 wurde Georg im Alter von elf Jahren Kronprinz. Ab dieser Zeit besuchte er die von seinem Großvater gegründete „Prinzenschule“ im Taschenbergpalais, die Prinzensöhnen sowie den männlichen Nachkommen von höheren Beamten vorbehalten war und konservatives Gedankengut vermittelte. Die mehrheitlich protestantischen Lehrer wurden hierfür nebenamtlich von Dresdner Gymnasien und von der Kadettenanstalt entsandt. Zu Georgs Klasse gehörten Friedrich Krug von Nidda und von Falkenstein, Werner von Schmieden, der spätere Arzt Helmut Schulze (1892–1917) sowie der gleichnamige Sohn von Victor Alexander von Otto. Ein ehemaliger Lehrer schildert in seinen Erinnerungen Georg als pflichtbewusstes und gewissenhaftes Kind und seinen Mitschülern geistig so weit voraus, dass seine Arbeiten im Rahmen der Klasse kaum zu benoten waren, ohne den Anschein einer Bevorzugung zu erwecken. Er soll schon damals die Maxime „allen alles zu sein“ verinnerlicht haben. Parallel zum Unterricht erhielt er eine vormilitärische Erziehung durch den späteren Generalmajor Georg O’Byrn, der ihn umfassend auf seine spätere Militärkarriere vorbereitete.Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 23 f.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1955, S. 11–13; Clemens Brodkorb, Christoph Kentrup: Georg von Sachsen. Kronprinz – Priester – Jesuit, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2004, S. 15 f.
An seinem zwölften Geburtstag, dem 15. Januar 1905, trat Georg unter gleichzeitiger Beförderung zum Leutnant und Verleihung des Hausordens der Rautenkrone der sächsischen Armee bei. Dort wurde er der 1. Kompanie des 1. Königlich Sächsischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 100 unter dem Kommando von Oskar von Ehrenthal mit Sitz auf der heutigen Stauffenbergallee in der Albertstadt zugeteilt, wobei daneben auch die schulischen Pflichten zu erfüllen waren. Georgs Duzfreund war hier Arnold Friedrich Vieth von Golßenau. Zu Ostern 1905 erhielt er die Erstkommunion. Sein Vater konnte wegen der Staatsverpflichtungen kaum Zeit für die Kinder aufbringen, doch fand Georg ab 1906 in der neu an den Hof gekommenen Prinzessin Maria Immaculata von Bourbon-Sizilien (1874–1947), der zweiten Ehefrau des Prinzen Johann Georg von Sachsen, Ersatz für die fehlende Mutter. Die beiden unterhielten zeitlebens eine enge freundschaftliche Beziehung. Im Jahr darauf, 1907, wurde Georg vom Apostolischen Vikar Bischof Aloys Schäfer gefirmt.Clemens Brodkorb, Christoph Kentrup: Georg von Sachsen. Kronprinz – Priester – Jesuit, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2004, S. 19 f., 21; Klaus Günzel: „Ich möchte allein sein“. Ein Leben ohne Kompromisse: Georg, Sachsens letzter Kronprinz. In: Die Zeit vom 28. Mai 1998 (Digitalisat).
Am 9. März 1912 bestand Georg die mündliche Abiturprüfung.Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 24, 41; Siegfried Seifert: Pater Georg von Sachsen – Reinhold Schneider, eine Begegnung. In: Wesen und Widerstand, Band 1, 1997, S. 49. In den anschließenden Ferien reiste er durch Griechenland, Albanien, Montenegro und Bosnien. General Adolph von Carlowitz, der den Kronprinzen begleitete, war bis zum Kriegsausbruch zusätzlich für dessen militärische Erziehung verantwortlich. Nach seiner Rückkehr stattete Georg unter anderem dem städtischen Gewerbemuseum in Dresden sowie einer Geigenfabrik in Markneukirchen Besuche ab. Im September des gleichen Jahres bezog er die Königliche Villa in Strehlen und gründete seinen eigenen Hausstand. In Strehlen studierte er in Privatvorlesungen für drei Monate Staatswissenschaft. Währenddessen wurde das Palais Kap-herr, das sein Vater für ihn gekauft hatte, zu seinem neuen Wohnsitz umgebaut.Dresdner Anzeiger vom 28. März 1912. Ab 1. Oktober 1912 wurde er zusammen mit seinem Bruder Friedrich Christian im (Leib-)Grenadier-Regiment Nr. 100 zum Gruppen- und Zugführer ausgebildet. Der Dienstantritt der beiden Prinzen steigerte das Prestige des Regiments beträchtlich, was zu einem erhöhten Zulauf von Offiziersanwärtern führte. Georgs Militärzeit bestand hauptsächlich aus Drill- und Exerziermärschen, Reitunterricht, Schießübungen und diversen Lehrgängen. Daneben nahm er an zahlreichen Manövern teil. Am 20. März 1913 wurde er zum Oberleutnant befördert. Ein für die Zeit ab Sommer 1914 vorgesehenes Studium in Leipzig und Freiburg im Breisgau wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelt, den er euphorisch begrüßte.Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 25–34; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1955, S. 16, 23
Erster Weltkrieg 1914/15 mini|Kronprinz Georg (rechts) bei einem Truppenbesuch um 1916 Mit Ausbruch des Krieges wurde Georg Ordonnanzoffizier ohne Kommando bei der 3. (Sächsischen) Armee unter Generaloberst Freiherr Max von Hausen an der französischen Front. Hier erlebte er hinter der Front die Schlachten an der Sambre und Marne. Sein militärischer Begleiter und Adjutant dieser Zeit war der spätere Major Lionel Graf Vitzthum von Eckstädt. Im Oktober folgte Georgs Ernennung zum Hauptmann. Im gleichen Monat stellten sich bei ihm schwere Knie- und Handgelenksentzündungen ein, die Bettruhe und eine längere Kur in Wiesbaden erzwangen. Mit Beginn der Herbstschlacht in der Champagne 1915 war Georg wieder diensttauglich. Seine Hauptaufgabe war nun die Interessenvertretung seines Vaters gegenüber der höheren Generalität, aber auch Stellungsbesichtigungen, Truppenbesuche bei Angehörigen der sächsischen Regimenter in vorderster Linie sowie Lazarettbesuche gehörten zu seinem Aufgabenkreis. In diesem Jahr kam der Kronprinz über den Feldgeistlichen Johann Baptist von Dalwigk (1873–1941), einen Jesuiten, erstmals mit der Gesellschaft Jesu in Kontakt.Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 35 f.; Clemens Brodkorb, Christoph Kentrup SJ: Georg von Sachsen. Kronprinz – Priester – Jesuit, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2004, S. 27; Albert zu Sachsen: Kronprinz (Pater) Georg von Sachsen. Vom Thronfolger zum Geistlichen und Gegner des Nationalsozialismus. In: Sächsische Heimat: Zeitschrift der Bundeslandsmannschaft Sachsen e. V., der Stiftung Land Sachsen und des Arbeitskreisen Sachsen in Europa, Band 39 (1993), 2, S. 37.
1916 mini|hochkant|Kronprinz Georg um 1916