Der Medienpreis Saure Gurke war ein Negativpreis, der von 1980 bis 2018 im Rahmen des Medienfrauentreffens für einen nach Ansicht der Teilnehmerinnen besonders frauenfeindlichen, von einer öffentlich-rechtlichen Anstalt produzierten Fernsehbeitrag vergeben wurde. Die kommerziellen Sender blieben ausgeschlossen, weil sie laut Gremium „außer Konkurrenz“ liefen. 2019 wurde die Verleihung eingestellt.J. Huber: "Saure Gurke für Sexismus: Ausgepreist In: taz vom 14. November 2019; abgerufen am 8. Juli 2020

Voraussetzungen Der Preis wurde an Beiträge verliehen: in denen Frauen nicht vorkommen in denen Frauen über ihren Körper definiert werden die den Zuschauerinnen und Zuschauern überidealisierende Rollenmodelle aufdrängen

Preisträger 1980 bis 1989 1980: Das Streitgespräch § 218 (WDR), Moderation: Theo M. Loch, Redaktion: Johannes Kaul, Gesprächsteilnehmer: Joseph Kardinal Ratzinger und Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel Trostpreise Hans-Joachim Kulenkampff „für seine altväterlich-charmante, auf keine Anzüglichkeit verzichtende Spielleitung“ die Redaktion Aspekte „für den Erfolg der letzten Jahre, diese Kultursendung möglichst frauenfrei zu halten“ die beiden Nachrichtensendungen Tagesschau und heute „für die getreuliche Wiedergabe männlicher Macht im öffentlichen Leben“ 1981: die Bonner Runde (ZDF), Moderation: Johannes Gross Trostpreise Manfred Sexauer „für seine unermüdliche Betonung weiblicher Vorzüge“ im Musikladen Tatort-Folge Katz und Mäuse (SFB), Drehbuch: Joachim Nottke & Karl-Heinz Knuth, Regie: Eberhard Itzenplitz 1982: Götter in Weiß…? aus der Reihe Die Frau an seiner Seite (Sender Freies Berlin), Buch und Regie: Host Cierpka Trostpreise die ARD- und ZDF-Sportredaktionen „für die schlüssig knappe Berichterstattung über das erste Frauen-Fußball-Länderspiel BRD:Schweiz“ Werner Höfer 1983: Abtreibung auf Krankenschein aus der Reihe Wie würden Sie entscheiden?, Buch: Alexander Fuhrmann Moderation: Gerd Jauch, Redaktion: Gerd Jauch (ZDF) 1984: Günther Nenning, Moderator der Talk-Show 3 nach 9 (Radio Bremen) Trostpreis: Franz Alt (Report Südwestfunk) für sein Buch Liebe ist möglich 1985: Günther von Lojewski, Moderator und Redakteur des Beitrages über Abtreibung in Report München (BR) Trostpreis: Alexander Niemetz (ZDF) für die Redaktion des Frauenmagazins SIE 1986: Mike Krüger (Moderator) und Jochen Filser (Redakteur) der Sendung Vier gegen Willi (Bayerischer Rundfunk) Trostpreise Wolf-Dieter Ebersbach (Südwestfunk) für die Rubrik „Frau und Auto“ in Das Rasthaus Karl Joeressen und Pierre Kandorfer (ZDF) für Die kleine Filmkunde 1987: Nur für Busse (SDR), Moderator: Jochen Busse, Redaktion: Günther Herbst 1988: Mutter ist die Beste (ZDF), Moderatoren: Enrico de Paruta und Ramona Leiß Trostpreis: WDR für den 7. Sinn vom 18. Februar 1988. „Mit schlüssiger Logik ist es der Redaktion gelungen, das fahrerische Unvermögen von Automobilistinnen darzustellen. Der Hang zu Stöckelschuhen und Lippenstift trübt Frauen den Blick fürs Einparken, Einfädeln und Anfahren am Berg.“ 1989: Madrid, Madrid, Madrid (Hessischer Rundfunk), Moderation: Wolf Hanke, Redaktion: Heiner Schölling Trostpreis: Geld oder Liebe vom 28. September 1989, Moderation: Jürgen von der Lippe

1990 bis 1999 1990: Ernst Elitz, Chefredakteur des SDR, für die Moderation von Thailand: Kinderprostitution aus der Reihe Weltspiegel 1991: Rothenbaumchaussee (WDR/NDR), Buch: Robert Muller, Regie: Dietrich Haugk Trostpreis: Tutti Frutti (rtl plus) 1992: heute-journal (ZDF), Jürgen Grahn; Moderation: Peter Voß 1993: Ich hab noch einen Koffer aus Berlin (ZDF), Autor: Werner Doye 1994: Die Männer vom K3 – Made in Hongkong, Buch: Harald Vock, Regie: Dietrich Haugk 1995: Fritz Pleitgen für seine Moderation von Mit Power zur Gleichheit? aus der Reihe Presseclub (WDR) Trostpreis: die Unterhaltungsredaktion Fernsehen wdr, Karin Zahn (Redaktion) 1996: Vom Verschwinden der Väter (Süddeutscher Rundfunk), Buch und Regie: Hartmut Schwenk 1997: Tatort-Folge Alptraum, Buch: Bodo Kirchhoff, Regie: Bodo Fürneisen Trostpreis: Goldkinder aus der ZDF-Reihe 37 Grad, Autorin: Iris Pollatchek, Redaktion: Wolf-Rüdiger Schmidt 1998: Reportage aus Afghanistan (Westdeutscher Rundfunk) von Armin-Paul Hampel 1999: die Sendung Sabine Christiansen Der Preis geht 1999 an die Sendereihe Sabine Christiansen. 1999

2000 bis 2009 2000: Klaus Bresser für seine Moderation der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises am 24. Oktober 2000 an Gabi Bauer, Maybrit Illner und Sandra Maischberger 2001: das Fernsehspiel Paulas Schuld (ZDF), Drehbuch: Hans Ulrich Krause, Regie: Claudia Garde 2002: die Sendung Männer – das diskriminierte Geschlecht? aus der Reihe Familienzeit (BR), Redaktion: Gerd Niedermayer, Moderation: Wolfgang BinderSpiegel: Ausgezeichneter Bayerischer Rundfunk. 3. November 2002 2003: das heute-journal vom 8. September 2003 mit Marietta Slomka und Karin Catal.Spiegel: Saure Gurke für das „heute journal“. 9. November 2003 2004: die Dokumentation Alphorn und Bankgeheimnis (Bayerischer Rundfunk) von Autor Thomas Hausner und Redakteuren Ulrike Leutheusser und Astrid Harms 2005: der Norddeutsche Rundfunk für sein Jahreswerk. Die Gleichstellungsbeauftragte des NDR, Sabine Knor, schickte die Auszeichnung als unbegründet an die Jury zurück und bezeichnete die Entscheidung der Jury als „Eigentor“. 2006: die ARD für die Sendung Die große Show der Naturwunder, Moderation: Frank Elstner und Ranga YogeshwarARD-Naturwunder-Show zur frauenfeindlichsten Sendung gewählt. 14. Oktober 2006 Trostpreis: Waldemar Hartmann für sein in Waldis WM-Club (ARD) vermitteltes Frauenbild 2007: die ZDF-Kochsendung Lafer! Lichter! Lecker! Trostpreis: Weltspiegel für die Sendung vom 25. Februar 2007 2008: Günter Struve, ARD-Programmdirektor Trostpreis: Carmen Nebel 2009: Tatort-Folge Architektur eines Todes vom Hessischen Rundfunk Trostpreis: Wetten, dass..?-Redaktion für die Sendung vom 7. November 2009

Ab 2010 2010: der NDR für die ARD-Jubiläumssendung 60 Jahre ARD – Die große Geburtstagsshow 2011: der Fernsehfilm Lügen haben linke Hände (ZDF) von Mathias Klatscha (Buch), Thomas Nennstiel (Regie), Berit Teschner und Klaus Bassiner (beide Redaktion) Trostpreis (Gurkenwarnung): ZDFneo für den Themenabend Sex Sells – die Welt der Pornoindustrie vom 17. September 2011 2012: Tagesschau-Bericht vom 16. Mai 2012 über die neue französische Regierung, bei dem unerwähnt blieb, „dass Frauen zum ersten Mal die Hälfte des Kabinetts in Paris ausmachen“. 2013: Der MDR für die Tatort-Episode Kalter Engel aus Erfurt. Ein MDR-Sprecher kommentierte dazu, dass sich den Preisverleiherinnen das entsprechende Drehbuch wohl nicht ganz erschlossen habe.Focus: Medienfrauen ätzen gegen sexistischen MDR-„Tatort“, 10. November 2013 Trostpreis (Gurkenwarnung): ZDF-Werbefilm Ballsauber in Schweden zur Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2013 2014: SWR-Direktor Christoph Hauser für den WM Club zum Thema Spielerfrauen Trostpreis: ZDF-Korrespondent Udo van Kampen für einen heute-journal-Beitrag 2015: Der MDR für den ARD-Sportschau-Beitrag von Frank Stuckatz über Sandra Kiriasis Trostpreis: ZDF-Quizshow Der Quiz-Champion für das Deutschland-Spezial 2016: Markt-Redaktion des WDR für den Film eMannzipation 2017: Claus Kleber für das Interview mit Maria Furtwängler im heute-journal am 12. Juli 2017. Kleber verweigerte die Annahme des Preises. 2018: Interview von ZDF-Sport-Reporter Martin Wolff mit Angelique Kerber. Wolff reagierte mit einer Entschuldigung.J. Huber: "Saure Gurke" für Kerber-Interview. Wie sexistisch ist das denn? In: Der Tagesspiegel vom 28. Oktober 2018; abgerufen am 22. Dezember 2018

Weblinks

Saure Gurke 2018 Brigitte Reimer (Mitinitiatorin des Preises): Die Saure Gurke - Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte, Beitrag auf der Fachtagung „Brutal – normal? Gewaltverherrlichung und Frauenverachtung in den Medien“ vom Deutschen Frauenrat am 16. Oktober 2009

Siehe auch Liste von Negativpreisen

Einzelnachweise

Kategorie:Negative Auszeichnung Kategorie:Fernsehpreis (Deutschland) Kategorie:Feministischer Preis Kategorie:Erstverleihung 1980