mini|hochkant|Bill O’Reilly (2010) William James „Bill“ O’Reilly, Jr. [] (* 10. September 1949 in New York City) ist ein US-amerikanischer Fernsehmoderator. Von 1996 bis 2017 war er Moderator der US-amerikanischen Fernsehshow The O’Reilly Factor beim Fox News Channel. Darüber hinaus moderierte er die Radiosendung The Radio Factor,The Radio Factor die landesweit bis 2009 an Talk-Radiosender verbreitet wurde. Als Autor schreibt er eine Zeitungskolumne und publizierte bislang mehr als ein Dutzend Bücher, darunter zahlreiche Bestseller.

Werdegang Seit 1973 studierte O’Reilly an der Boston University und erwarb einen Master of Arts in Radio- und Fernsehjournalismus. Ab September 1995 folgte ein Master of Public Administration an der Harvard Kennedy School.Marvin Kitman: The Man Who Would Not Shut Up: The Rise of Bill O'Reilly. St. Martin's Griffin, New York City 2007, ISBN 978-0-312-31435-4, S. 150.

The O’Reilly Factor (Fox News Channel) Bill O’Reilly moderierte mit The O’Reilly Factor jahrelang das Flaggschiff von „Fox News“ und eine der meistgesehenen Sendungen unter den US-Nachrichtensendern (CNN, Fox News, MSNBC, HLN). Die Sendung befasste sich vorwiegend mit Meinungen über aktuelle Themen; die Berichterstattung stand dabei eher im Hintergrund. Bestimmte Themen wurden wiederholt aufgegriffen. Das einstündige Format war in mehrere Segmente unterteilt, wobei O’Reilly die Sendung stets mit einem eigenen Kommentar begann. Zu den meisten Themen wurden ein bis zwei Gäste zugeschaltet, die mit O’Reilly oder einem weiteren Gast debattierten. Fox News bediente sich dabei einer Vielzahl wiederkehrender Experten, Kolumnisten und Politik-Veteranen. Die Sendung gehörte dabei nicht zur Nachrichten-Sparte des Senders, sondern wurde als „Meinungssendung“ deklariert.

Die Talkradio-Show The Radio Factor wurde mit O’Reilly von 2002 bis 2009 vom Fox News Radio produziert und via Westwood One US-weit verbreitet.

Moderationsstil Der Unterhaltungswert von O’Reilly Factor lebte stark vom selbstbewussten Interviewstil O’Reillys. Er versuchte häufig, seine Gäste durch Fangfragen bloßzustellen oder in eine ideologische Ecke zu drängen. Bei Interviewgästen mit gleichgesinnter Meinung versuchte O’Reilly, sich mit potenziellen Fragen der gegenläufigen Meinung zu profilieren. Wie in diesem Genre üblich, hob O’Reilly oftmals auch seine Stimme, um einen Punkt herüberzubringen. Im Gesamtbild wirkte die Sendung polarisierend. O’Reilly teilte die Welt in Gut und Böse ein, was Anhängern jeglicher politischer Lager einen hohen Unterhaltungswert bot.

Einschaltquoten Der Factor litt bis 2015 unter sinkenden Einschaltquoten und damit einhergehend unter einer immer älter werdenden Zuschauerschaft (das Durchschnittsalter seiner Zuschauer liegt laut Konkurrent MSNBC bei 71 Jahren); „Fox News“ bestätigte auch, dass die meisten seiner Zuschauer zur Kategorie „65plus“ gehören.MSNBC’s Star Carves Anti-Fox Niche Seit 2015 stiegen die Einschaltquoten wieder, was Beobachter auch auf die Parteinahme von O’Reilly und seinem Sender für Donald Trump zurückführten. Dennoch trennte sich Fox im April 2017 von O’Reilly.

Podcast Nach seiner Entlassung startete Bill O’Reilly einen Podcast mit mäßigem Erfolg und trat gelegentlich in Glenn Becks Radioshow auf.

Typische/wiederkehrende Themen Status von Kinderschutzgesetzen in US-Bundesstaaten („Jessica’s Law“) „Krieg der Kulturen“ in den USA, betitelt als Linksliberalismus gegen Traditionalisten Irak-Krieg Kampf gegen den Terrorismus nationale Sicherheit und Beschneidung öffentlicher Freiheiten zweifelhafte Richtersprüche (insbesondere mit niedrig erscheinendem Strafmaß) illegale Einwanderer angebliche linke Meinungsmache in den gängigen US-Medien (insbesondere stellt O’Reilly die New York Times und NBC heraus) Stars und Sternchen in den Schlagzeilen und/oder juristischen Auseinandersetzungen

Inhalte/Meinungen Meistens vertritt O’Reilly Meinungen aus dem bürgerlich-konservativen Lager, wobei er sich oft als Vertreter für den kleinen Mann bezeichnet („I’m looking out for you“ oder „I am a simple man“ sind wiederkehrende Sätze).

Einordnung ins US-politische Spektrum O’Reilly bezeichnet sich selbst als politisch unabhängig (independent). Dennoch tendiert er zu konservativen Ansichten und nennt sich auch selbst als „fiscal conservative“. Wenige Wochen vor den „mid-term elections“ 2006 widmete er drei aufeinanderfolgende Sendungen einem Interview mit George W. Bush, was einer Nettosendezeit von zwei Stunden entspricht (seine einstündigen Sendungen haben abzüglich der Werbung eine Nettosendezeit von ca. 40 min).Bill O’Reilly's Exclusive Interview with President Bush

Konträre und populistische Meinung bei Randthemen Gelegentlich vertrat er jedoch von der Bush-Regierung und der Republikanischen Partei abweichende Haltungen, doch dabei wurde ihm von seinen Gegnern oft rechtslastiger Populismus vorgeworfen. Unter anderem rief er „im Interesse des kleinen Mannes“ zu einem Boykott von ExxonMobil als Krisengewinner der ständig steigenden Öl- und damit auch der Benzinpreise auf, während die Energiekonzerne einer der wichtigsten Geldgeber der Republikaner sind und über den damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney einen großen Einfluss auf die Politik der Regierung Bush hatten. In anderen Fragen, wie z. B. der Einwanderung, vertritt er simplifiziert anmutende und teilweise als rassistisch empfundene Positionen.O’Reilly's Racist Slurs – in Context

Debatte über die Kultur der USA Insbesondere thematisiert er den „Kampf der Kulturen“ eigener Prägung, den er in seinem permanent beworbenen Buch Culture WarriorCulture Warrior (Google Books) darlegt. Besondere Energie verwendet O’Reilly in seiner Kritik an Personen, die er als „Secular Progressives“ bezeichnet. Unter diesem Begriff fasst er einen Personenkreis zusammen, der für ihm widerstrebende Werte steht: gleichgeschlechtliche Beziehungen, organisierte Förderung von Minderheiten (affirmative action, die er in der jetzigen Form ablehnt), aus O’Reillys Sicht unangemessene Einforderung von Bürgerrechten (insbesondere die Bürgerrechtsorganisation ACLU), Multilateralismus (O’Reilly steht den UN feindselig gegenüber), Sozialstaat.

Christliche Feiertage Er versucht, sein Publikum zu aktivieren und emotionalisieren, indem er über das berichtet, was er den Krieg gegen Weihnachten nennt (War On Christmas), und ruft zu einem Boykott von Firmen auf, die das Weihnachtsfest säkularisieren,US-Christfest: Frohe Weihnachten – sonst setzt es was! etwa durch die Grußformel „Happy Holidays“ anstelle von „Merry Christmas“. Außerdem vertritt er die Meinung, dass der Vatikan antiamerikanisch ausgerichtet sei. Zum Teil reflektiert er damit erfolgreich Stimmungen in ausgewählten Bevölkerungsgruppen der USA.

Krieg im Irak Wie der gesamte Sender Fox-News vertritt O’Reilly außenpolitisch neokonservative Positionen. So befürwortet er eine aggressive „Krieg gegen den Terror“-Politik und eine interventionistische Außenpolitik und zählte so auch zu den entschiedensten Unterstützern des Irakkriegs von 2003. Im Zusammenhang mit diesem Krieg versprach O’Reilly am 18. März 2003: „Wenn die Amerikaner Saddam Hussein stürzen und er stellt sich als sauber heraus, er hat nichts (Anm.: keine Massenvernichtungswaffen), werde ich mich bei meiner Nation entschuldigen und der Regierung Bush nie wieder trauen.“ von Peter Hart, Common Dreams NewsCenter, 25. Februar 2004.Heidi Pauken: Devil in the Details: He Is the Eggman. In: The American Prospect. 1. März 2004. () von Paul Slansky und Arleen Sorkin, Flak Magazine. Später, am 10. Februar 2004, antwortete O’Reilly auf Nachfragen, sein Versprechen einzulösen, folgendermaßen: „Meine Analyse war falsch, und es tut mir leid. Ich habe mich geirrt. Ich bin damit sehr unzufrieden […] Ich stehe nun der Regierung Bush viel skeptischer gegenüber als damals.“ O’Reilly gab jedoch weiterhin unterstützende Kommentare zum Irakkrieg ab, auch wenn er die Ausführung des Krieges oft kritisierte. Er kritisierte die Washington Post wegen deren Kritik an Verbrechen von US-Soldaten im Irak als linksradikales Schmierblatt.

2012 erklärte O’Reilly während eines Interviews in der Fernsehsendung The Rumble mit Jon Stewart, dass der Irakkrieg ein Fehler gewesen sei. Er erklärte wörtlich: „Wir hätten nicht in den Irak gehen sollen. Nach Afghanistan jedoch mussten wir gehen.“

Todesstrafe Obwohl Bill O’Reilly des Öfteren angibt, er sei ein vehementer Gegner der Todesstrafe, fügt er öfter hinzu, er sei dies hauptsächlich, weil ihm eine Hinrichtung in manchen Fällen zu human erscheint. Stattdessen bevorzugt er, Häftlinge, die des Mordes, des Terrorismus oder des Drogenhandels schuldig gesprochen wurden, in Arbeitslagern in Alaska bei Wasser und Brot schwere Arbeiten verrichten zu lassen. Arbeitsverweigerungen will er nach seinen Vorstellungen mit Nahrungsentzug oder Einzelhaft sanktionieren.

Verwertung von Nischenthemen Obwohl offiziell eine politische Sendung gehobenen Anspruches, nehmen auch weniger seriöse Themen, wie Gewaltverbrechen und die „Reichen und Berühmten“, oft einen großen Teil der Sendezeit ein. Nach eigener Aussage überlässt O’Reilly gängige Nachrichtenthemen ohne Reizwirkung den traditionellen Programmen.

Intelligent Design Anlässlich eines Interviews mit dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins nannte er dessen Forderung, kreationistische Ideen im staatlichen Biologieunterricht nicht zuzulassen, Faschismus.The extremely polite Richard Dawkins answers stupid questions from Bill O'Reilly – YouTube

Krankenversicherungspflicht Bill O’Reilly betrachtet die durch den Patient Protection and Affordable Care Act unter Präsident Barack Obama eingeführte Krankenversicherungspflicht als ein „sozialistisches“ Instrument und argumentiert, die Versicherungspflicht könne die Schaffung neuer Arbeitsplätze behindern. An anderer Stelle hat O’Reilly einzelne Aspekte der Gesundheitsreform positiv gewürdigt.Erik Wemple: Fox News’s Bill O’Reilly flunks Obamacare 101

Nelson Mandela Den verstorbenen südafrikanischen Freiheitskämpfer und Präsidenten Nelson Mandela bezeichnete O’Reilly in einem Nachruf als Kommunisten.

Abtreibung Bill O’Reilly – obschon er kein generelles Verbot von Abtreibungen befürwortet – steht Abtreibungen generell kritisch gegenüber und unterstützte einige abtreibungsbeschränkende Maßnahmen. So unterstützte er die California Proposition 73, eine Gesetzesvorlage, die für Abtreibungen bei minderjährigen Mädchen eine vorherige elterliche Zustimmung vorgeschrieben hätte. O’Reilly ist ebenfalls ein entschiedener Unterstützer eines Verbots von sogenannten Teilgeburtsabtreibungen – einer Form von Abtreibungen für Föten der späten Schwangerschaft, bei der der Fötus mit einer Zange aus dem Gebärmutterhalskanal gezogen und dabei mittels eines chirurgischen Instruments ein Loch in den Hinterkopf gestoßen bekommt, durch das über einen Katheter das Hirn abgesaugt wird. Diese Form der Abtreibung wurde in den USA durch den 2003 erlassenen Partial-Birth Abortion Ban Act für Föten im 2. und 3. Trimester verboten.

Kritik und Kontroversen O’Reilly steht im Mittelpunkt vieler Kontroversen. O’Reilly, seine Sendung und Fox News werden oft dafür kritisiert, dem eigenen Anspruch und Untertitel der Sendung (The No-Spin Zone) nicht gerecht zu werden. „The No-Spin-Zone“ könnte man mit Tacheles-Bereich übersetzen. Der Name bezieht sich auf O’Reillys Anspruch, Politikern kein nichtssagendes Geschwafel durchgehen zu lassen. („Answer the question. Yes or no?“)

Rechtslastige Experten Wie bei anderen Sendungen von „Fox News“ wird oft kritisiert, dass in O’Reillys Sendung überwiegend Politiker und Medienvertreter des rechten Spektrums eingeladen wurden.

Faktische Fehler