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Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 20. Wiener Gemeindebezirks Brigittenau
Charakteristische Straßennamen in der Brigittenau In der Brigittenau so wie auch in der Leopoldstadt sind die donaunahen Straßen im Zusammenhang mit dieser bzw. der Donauregulierung benannt.
Folgende Verkehrsflächen wurden nach Nebenflüssen der Donau benannt: Innstraße, Kampstraße, Leithastraße, Pielachgasse, Salzachstraße und Traisengasse; dazu im 2. Bezirk Ennsgasse, Erlafstraße, Innstraße und Ybbsstraße. In dieses Umfeld gehören auch die Donaueschingenstraße, die Marchfeldstraße, die Pöchlarnstraße und im 2. Bezirk die Wachaustraße
Folgende Verkehrsflächen wurden nach Personen benannt, die mit der Donauregulierung in Zusammenhang stehen: Engerthstraße, Wehlistraße, Pasettistraße, nur im 20. Bezirk: Gasteigergasse, Wexstraße
Historische Straßennamen – Literatur – Weblinks
A miniatur|Adalbert-Stifter-Straße mit AUVA im Hintergrund Adalbert-Stifter-Straße, 1899 benannt nach Adalbert Stifter, einem der bedeutendsten Schriftsteller des österreichischen Biedermeiers. Neben seinen zahlreichen Erzählungen war er Herausgeber des Sammelbandes „Wien und die Wiener“, und er malte Stadtansichten von Wien. Adolf-Gstöttner-Gasse, 1956 benannt nach dem Bergbaufachmann Adolf Gstöttner (1874–1943), Oberbergrat, Beamter im Staatsamt für öffentliche Arbeiten, Mitglied der Geologischen Gesellschaft Wien, Generalsekretär des „Vereins der Bergwerksbesitzer Österreichs“.Verzeichnis der Mitglieder der Geologischen Gesellschaft in Wien. In: Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Band 13, 1920, S. 1–12 ().Adolf Gstöttner in The transactions of the Fuel Conference London, 1928, abgerufen am 8. März 2010. Die Gasse hieß davor ab 1876 Straußgasse. Adolf-Schmidl-Gasse, 1910 benannt nach dem Topografen, Geographen, Höhlenforscher und Schriftsteller Adolf Schmidl (1802–1863), Professor für Geschichte, Geographie und Statistik am Josephs-Polytechnikum in Ofen. Er entwickelte die Speläologie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin und prägte dafür den Begriff „Höhlenkunde“. Schmidl publizierte zahlreiche Arbeiten, darunter „Wien, wie es ist, in Beziehung auf Topographie, Statistik und geselliges Leben“ (1833) und „Wien’s Umgebungen auf 20 Stunden im Umkreise“ (3 Bände, 1835–1839). Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit betätigte er sich auch als Schriftsteller, teils unter dem Pseudonym Salmoser. Aignerstraße, 1921 benannt nach dem Porträtmaler Joseph Matthäus Aigner; er porträtierte unter anderem Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth, Franz Grillparzer, Friedrich Halm und Nikolaus Lenau. Als Kommandant der Akademischen Legion machte Aigner 1848 die Oktoberkämpfe in Wien mit, wurde gefangen genommen und zum Tode verurteilt, jedoch vom Fürsten Windisch-Graetz begnadigt. Nach ihm ist auch der Aignersteg in der Brigittenau benannt. Allerheiligengasse, 1908 benannt nach der Allerheiligenkirche. Sie wurde 1769 als Kapelle errichtet, 1873 im Zuge der Donauregulierung gemeinsam mit dem Ort Zwischenbrücken abgetragen, 1905 am Allerheiligenplatz neu errichtet und 1945 durch Bomben zerstört. In den Jahren 1949–1950 wurde sie nach Plänen von Josef Vytiska in der Vorgartenstraße neu gebaut. Allerheiligenplatz, 1905 benannt; siehe Allerheiligengasse. Am Brigittenauer Sporn, 1973 benannt nach dem Teilungsbauwerk zwischen Donau und Donaukanal bei der Nußdorfer Wehr- und Schleusenanlage. 1866–1896: Sporngasse. Anton-Schmid-Promenade, 2002 benannt nach dem Installateur und Geschäftsbesitzer Anton Schmid (1900–1942). Während des Zweiten Weltkriegs war er Feldwebel in einer „Versprengtensammelstelle“. Nach der Besetzung von Wilna durch die Wehrmacht (1941) beschäftigte und schützte Anton Schmid rund 100 Juden, brachte rund 300 in Sicherheit und half beim Aufbau der jüdischen Widerstandsbewegung im besetzten Polen. Er wurde 1942 verhaftet und erschossen. Die Wohnungsanlage „Anton-Schmid-Hof“ in der Brigittenau ist ebenfalls nach ihm benannt. Die Promenade ist ein Gehweg am Donaukanal entlang der Brigittenauer Lände.
B miniatur|Statue der Hl. Brigitta im Forsthauspark Bäuerlegasse, 1885 benannt nach dem Schriftsteller und Journalisten Adolf Bäuerle; er gründete die Zeitungen Wiener Theaterzeitung (1804), Die Geißel (1848) und den Volksboten (1848, später umbenannt in Wiener Telegraph). 1813 kreierte er in dem Stück „Die Bürger in Wien“ die Figur des „Staberl“. Zusammen mit Josef Alois Gleich und Carl Meisl gehörte Bäuerle zu den „großen Drei“ des Alt-Wiener Volkstheaters vor Ferdinand Raimund. Bianca-Bienenfeld-Straße, 2025 benannt nach der Gynäkologin Bianca Bienenfeld (1879–1929); sie promovierte 1904 als zweite Frau in Österreich in Medizin. Ab 1912 betrieb sie als erste Frauenärztin eine Privatpraxis in Wien. Brigittagasse, ca. 1868 benannt nach der damals hier in Bau befindlichen Brigittakirche; diese ist wiederum benannt nach Birgitta von Schweden (sic!, 1303–1373), der Heiligen und Namensgeberin des Bezirks. (Die schon ab 1645 auf die Heilige Bezug nehmende Brigittakapelle befindet sich in der Forsthausgasse.) Brigittaplatz, Benennungsdatum unbekannt; siehe Brigittagasse. Brigittenauer Lände, 1868 benannt nach der Schiffsanlegestelle an der Donau in der Brigittenau. Eine Lände oder Schiffslände ist ein einfacher Landeplatz an einem Gewässer. Anders als bei einem Hafen besteht keinerlei bauliche Abgrenzung zur Wasserstraße. An der Brigittenauer Lände legten seinerzeit die flussabwärts fahrenden Donauschiffe an. Die Brigittenau entstand zu einem guten Teil auf durch die Wiener Donauregulierung gewonnenem Neuland und wurde 1900 als 20. Bezirk von der Leopoldstadt abgetrennt. Die Benennung erfolgte nach der heiligen Birgitta von Schweden (1303–1373). Die Straße hieß vorher Alleegasse bzw. Donaustraße. Burghardtgasse, 1868 benannt, Herkunft unklar; möglicherweise nach einem vor-babenbergischen Markgrafen.
D Dammstraße, 1852 benannt nach einem 1769–1784 erbauten Schutzdamm gegen Hochwasser; die spätere Wallensteinstraße wurde um 1863 ebenfalls als Dammstraße erwähnt. Denisgasse, 1874 benannt nach dem Schriftsteller, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologen Michael Denis (1729–1800), Jesuit, Professor am Wiener Theresianum (ab 1759), Kustos der Hofbibliothek (ab 1784). Denis half mehrere Jahre dem österreichischen Naturforscher Ignaz Schiffermüller, die Schmetterlinge der Wiener Umgebung zu sammeln und zu bearbeiten. Als Ergebnis erschien 1775 das Systematische Verzeichnis der Schmetterlinge der Wienergegend. Dietmayrgasse, 1874 benannt nach dem Juristen Johann Georg Dietmayr von Dietmannsdorf, 1605–1667, Stadtrichter (1644–1648), Bürgermeister von Wien (1648–1654, 1656–1659 und 1664–1667). Donaueschingenstraße, 1897 benannt nach der Stadt Donaueschingen, dem Ursprungsort der Donau in Baden-Württemberg. Dresdner Straße, 1875 benannt nach Dresden, Hauptstadt des deutschen Königreichs Sachsen. Der Name „Dresden“ stammt von sorbisch: für Sumpf- oder Auwald-Bewohner. Die Benennung Dresdner Straße bezieht sich darauf, dass in Dresden kurz zuvor eine Wiener Straße benannt wurde. (Das Kaisertum Österreich und Sachsen waren im Deutschen Krieg 1866 Verbündete; siehe auch Leipziger Platz bzw. Straße und Sachsenplatz im 20. Bezirk.) Diese Straße erinnert daran, dass Dresden 1874 über die Österreichische Nordwestbahn und die Elbtalbahn mit Wien verbunden wurde. Die Bahnstrecke ist heute Teil der Transeuropäischen Netze als Strecke Nr. 22 (Athen – Sofia – Budapest – Wien – Prag – Nürnberg/Dresden). Die Dresdner Straße befindet sich seit 1900 größtenteils im 20. Bezirk; im 2. Bezirk grenzt sie an den nördlichsten Teil des Stadtentwicklungsgebiets Nordbahnhof. Durchlaufstraße, 1906 benannt nach der Durchlaufs-Au, einer Insel in der Donau vor ihrer Regulierung, südlich der heutigen Nordbahnbrücke. „Durchlauf“ wurde der dortige Donauarm genannt.
E Eduard-Brückner-Gasse, 1956 benannt nach dem deutschen Geographen und Klimatologen Eduard Brückner (1862–1927); von 1904 bis 1906 arbeitete er als Professor an der Universität Halle, bevor er nach Wien ging, wo er bis zu seinem Tode als Geograph und Klimatologe wirkte. Die Gasse ist der Überrest einer Querverbindung zwischen Klosterneuburger Straße und Jägerstraße, die ab 1869 nach Andreas Hofer Hofergasse hieß. Engerthstraße, 1886 benannt nach dem Architekten und Ingenieur Wilhelm von Engerth (1814–1884), Direktor der Staats-Eisenbahn-Gesellschaft (ab 1855). Bekannt wurde er als der Entwickler der für die Semmeringbahn entworfenen Engerth-Lokomotive, der ersten praxistauglichen Gebirgslokomotive. Engerth war auch einer der eifrigsten Förderer der Wiener Donauregulierung. Er erfand 1873 das Schwimmtor in der Nähe der späteren Nußdorfer Sperranlage, durch das der Donaukanal vor Eisstößen und Überschwemmungen geschützt wurde. Der Engerthhof ist ebenfalls nach ihm benannt. miniatur|Friedrich-Engels-Platz
F Fanni-Rottenberg-Straße, 2025 benannt nach Fanni Rottenberg (* 1893), Opfer der Shoa. Sie wurde 1942 mit ihrem Ehemann Philipp vom Aspangbahnhof in das Ghetto Izbica deportiert, ihr Todesdatum und -ort sind unbekannt. Forsthausgasse, 1920 benannt nach dem nach 1645 erbauten Forsthaus in der Brigitta Au, das noch 1775 das einzige Bauwerk im Augebiet des heutigen 20. Bezirks war. Siehe auch Forsthauspark und Brigittakapelle. Friedrich-Engels-Platz, 1946 benannt nach dem deutschen Politiker, Unternehmer, Philosophen und Historiker Friedrich Engels (1820–1895); er entwickelte gemeinsam mit Karl Marx die heute als Marxismus bezeichnete revolutionäre soziale Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie. Im Jahr 1848 publizierte er gemeinsam mit Marx das Kommunistische Manifest. Nach Marx’ Tod gab Engels den zweiten und den dritten Band von dessen Hauptwerk Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie heraus. Der Platz, von dem die Floridsdorfer Brücke über die Donau ausgeht, ist nach der Donauregulierung entstanden. Er hieß ursprünglich Kaiser-Joseph-Platz, seit 1884 Kaiser-Platz, von 1920 bis 1934 Engels-Platz und 1934–1953 Pater-Abel-Platz.
G miniatur|Gaußplatz Gasteigergasse, 1912 benannt nach Hans von Gasteiger (1499–1577); er war einer der berühmtesten Wasserbaumeister Österreichs in der Renaissance. Gasteiger kam 1555 nach Wien, wo er drei Brunnenwerke zwischen der Ringmauer und dem Stadtwall errichtete. Danach widmete er sich der Regulierung und Beseitigung von Schifffahrtshindernissen im Donaustrom zwischen Krems und Wien und der Schiffbarmachung des „Wiener Arms“ (heute Donaukanal). Um 1564 errichtete er die Hernalser Wasserleitung. Siehe auch Engerthstraße, Pasettistraße, Wehlistraße und Wexstraße. Gaulhofergasse, 1968 benannt nach dem Pädagogen und Eugeniker Karl Gaulhofer (1885–1941), Referent für körperliche Erziehung im Unterrichtsministerium (1919–1932), Rektor der Akademie für Leibeserziehung in Amsterdam (1932–1941). Er war einer der bedeutendsten Turnpädagogen der Neuzeit, der Begründer des „Natürlichen Turnens“, und ein wichtiger Reformator des österreichischen Schulturnens. Gaulhofers Einfluss ging über Österreich hinaus. Zugleich war Gaulhofer ein Verfechter der „Rassehygiene“. Im Historikerbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ aus dem Jahr 2013 ist die Straße Gruppe B (Diskussionsbedarf) zugeordnet.Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“.