Ernst Benno Mutschler (* 24. Mai 1931 in Isny im Allgäu; † 27. September 2025 in Mainz) war ein deutscher Arzt und Apotheker, Pharmakologe, Hochschullehrer, Lehrbuchautor und Gründer und bis 1997 Direktor des Pharmakologischen Instituts für Naturwissenschaftler der Universität Frankfurt am Main.
Leben Ernst Mutschlers Eltern waren Ernst Benno Mutschler und dessen Frau Luise geb. Krauss. Im Herbst 1950 bestand er am Uhland-Gymnasium Tübingen die Abiturprüfung. Nach zweieinhalb Jahren als Apothekenpraktikant studierte er ab 1953 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Pharmazie. 1955 wurde er im Corps Isaria recipiert.Kösener Corpslisten 1996, 82/1317; 133/1143.
Tübingen Nach drei Mensuren wechselte er an die Eberhard Karls Universität Tübingen, wo er am 3. Mai 1955 im befreundeten Corps Rhenania Tübingen recipiert wurde. Er klammerte die Charge des Conseniors und wurde nach drei Partien am 27. Februar 1956 inaktiviert. Nachdem er 1957 in Tübingen das pharmazeutische Staatsexamen bestanden hatte, studierte er Medizin.Rainer Assmann: Die Tübinger Rhenanen, 5. Auflage. Tübingen 2002, Nr. 1059. Mit einer Arbeit zur Analytik von Pilzinhaltsstoffen wurde er 1959 zum Dr. rer. nat. promoviert.Naturwissenschaftliche Dissertation: Beiträge zur Analytik von Pilzinhaltsstoffen am Beispiel von Sclerotinia minor Jagger und anderer Eumyceten.
Mainz und Frankfurt An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz habilitierte er sich 1964 für Pharmazie. Thema seiner Habilitationsschrift waren die Chemie und die Pharmakologie der Alkaloide Damascenin und Arecolin.Habilitationsschrift: Zur Chemie und Pharmakologie der Alkaloide Damascenin und Arecolin. Als Assistent am Pharmazeutischen Institut bestand er 1965 das medizinische Staatsexamen. 1966 wurde er auch zum Dr. med. promoviert.Medizinische Dissertation: Über die Synthese und Herzwirksamkeit einfacher Bisguanylhydrazone. 1968 wurde er zum Abteilungsvorsteher und Professor ernannt. Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main berief ihn 1974 auf ihren Lehrstuhl für Pharmakologie und ernannte ihn zum Direktor des Pharmakologischen Instituts für Naturwissenschaftler. 1975 wurde er in den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Chemie gewählt. Später kam er in den wissenschaftlichen Beirat der Bundesapothekerkammer und in den Wehrmedizinischen Beirat. 1980 nahm ihn die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz auf. 1997 wurde er emeritiert.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Mai 1997.
Werk Bekannt wurde Mutschler vor allem als Herausgeber und Mitherausgeber von zwei populären Lehrbüchern in den Bereichen Pharmakologie, Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Menschen. Beide Bücher, insbesondere das als „der Mutschler“ bekannte Buch Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, gelten als Standardwerke. Darüber hinaus ist er Autor und Koautor von mehr als 600 wissenschaftlichen Publikationen in den Bereichen Pharmakodynamik, Pharmakokinetik und Analytik von Arzneistoffen. Sein besonderes Forschungsinteresse galt der Synthese selektiver Agonisten und Antagonisten für Subtypen des Muscarin-Rezeptors.
Ehrungen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, Bundesverdienstkreuz am Bande (1988) Carl-Mannich-Medaille der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (1994) Dr. rer. nat. h. c. der Universität Regensburg (1997) Rottendorf-Preis für Pharmazie und Pharmakologie (1997) Dr. rer. nat. h. c. der Humboldt-Universität zu Berlin (1998) Aufnahme in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste → Ernst Mutschler. Honorary Fellowship des American College of Pharmacology (1996) Schmiedeberg-Plakette der Deutschen Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie (2002) Høst-Madsen-Medaille, die höchste Auszeichnung des Welt-Apotheker-Verbandes (International Pharmaceutical Federation, FIP) (2003)Høst-Madsen-Medaille. Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2004) Ehrenmitglied der Ungarischen, Slowakischen und Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft
Schriften Arzneimittelwirkungen. Ein Lehrbuch der Pharmakologie für Pharmazeuten, Chemiker und Biologen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1970. Mehrere Neuauflagen und Bearbeitungen. Gerd Geisslinger, Thomas Gudermann, Burkhard Hinz, Aimo Kannt, Peter Ruth, Ursula Storch: Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. Begründet von Ernst Mutschler, 12. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-8047-4506-3 (Print), ISBN 978-3-8047-4654-1 (E-Book, PDF) mit Peter Vaupel, Hans-Georg Schaible: Thews, Mutschler, Vaupel: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen 6. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8047-2342-9, 981 Seiten. 7. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2015. ISBN 978-3-8047-2979-7. mit Christoph Friedrich: Leuchttürme. Erfolgreiche Arzneimittelforscher im 20. Jahrhundert. Stuttgart 2020.
Weblinks
Ernst Mutschler. In: Verzeichnis der Professorinnen und Professoren der Universität Mainz. auf Gutenberg Biographics.
Einzelnachweise
Kategorie:Pharmakologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Apotheker (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Apothekerkammer) Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger der Schmiedeberg-Plakette Kategorie:Hochschullehrer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Regensburg Kategorie:Ehrendoktor der Humboldt-Universität zu Berlin Kategorie:Rottendorf-Preisträger (Pharmazie und Pharmakologie) Kategorie:Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Kategorie:Deutscher Kategorie:Württemberger Kategorie:Geboren 1931 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Pharmazeutische Wissenschaften)