Tubocurarin ist ein Nervengift. Als Hauptbestandteil von Tubocurare zählt es zu den Pfeilgiften, die zusammenfassend als Curare bezeichnet werden. Diese gehören zu der Stoffklasse der Alkaloide. Der Name leitet sich vom spanischen tubo („Rohr“) ab, da es früher in Bambusrohren gelagert wurde.
Vorkommen mini|links|Behaarter Knorpelbaum (Chondrodendron tomentosum) Tubocurarin kommt unter anderem in Chondrodendron tomentosum und anderen Pflanzen der Gattung vor.Wink, Michael; Ben-Erik van Wyk; Coralie Wink, Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2008.
Wirkungsweise Tubocurarin besetzt kompetitiv die nicotinischen Acetylcholinrezeptoren der postsynaptischen Membran. Es erfolgt eine Blockierung der ligandengesteuerten Natrium-Ionenkanäle, wobei keine Depolarisation ausgelöst wird. Tubocurarin lähmt die quergestreifte Muskulatur des Bewegungsapparates und wird als nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans bezeichnet.
Pharmazie Als pharmazeutischer Wirkstoff wird Tubocurarin als Chlorid-Hydrochlorid-Pentahydrat eingesetzt. Harold King gelang erstmals die Reindarstellung von Tubocurarin (einem Bestandteil des Curare-Pfeilgifts), er erkannte dessen Isochinolin-Charakter und suchte daraufhin systematisch nach einer Verwendung einfacherer Komponenten von Tubocurarin als Arzneimittel (in Zusammenarbeit mit Eleanor Zaimis). So fanden sich neue Muskelrelaxantien und Ganglienblocker. 1935Harold King: Curare Alkaloids. Part I. Tubocurarne. In: Journal of the Chemical Society of London. Part 2, 1935, S. 1381–1389. wurde seine Demonstration, dass d-Tubocurarin-Chlorid das aktive Prinzip von rohem Curare ist, publiziert. Im Präparat Intocostrin fand es 1942 Anwendung zur Muskelrelaxierung bei der Narkose.Albert Faulconer, Thomas Edward Keys: In: Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 2, S. 1187–1198.Erich Kirchner: Vorbemerkung. In: Erich Kirchner, Wolfgang Seitz (Hrsg.): Klinik der Muskelrelaxation. 50 Jahre nach Griffith und Johnson. Steinkopff, Darmstadt 1994; Neudruck ebenda 2012, ISBN 978-3-642-95978-3, S. 1. Eine vergleichbare Wirkung wird mit Suxamethonium (etwa im Präparat Lysthenon) erzielt.
Toxikologie Zur Behandlung von Tubocurarinvergiftungen werden häufig Acetylcholinesterase-Hemmer eingesetzt. Diese verhindern, dass Acetylcholin im Synaptischen Spalt von der Acetylcholinesterase hydrolytisch in Essigsäure und Cholin gespalten wird. Dadurch wird die Konzentration an Acetylcholin im synaptischen Spalt erhöht. Das Verhältnis des Agonisten Acetylcholin und seinem Antagonisten Tubocurarin wird also in Richtung des Acetylcholins verschoben, wodurch die Wirkung des Tubocurarins abgeschwächt wird, da Acetylcholin somit verhältnismäßig öfter an die nicotinischen Acetylcholinrezeptoren bindet und diese aktiviert.
Einzelnachweise
Kategorie:Methoxyphenol Kategorie:Methoxybenzol Kategorie:Phenol Kategorie:Diphenylether Kategorie:Tetrahydroisochinolin Kategorie:Quartäre Ammoniumverbindung Kategorie:Peripheres Muskelrelaxans Kategorie:Nervengift Kategorie:Alkaloid Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Makrocyclische Verbindung