mini|Siegelmarke Der Königlich Preussische Landrath in Hanau Der Landkreis Hanau war ein Landkreis im Südosten des heutigen Landes Hessen, der von 1821 bis 1866 ein kurhessischer und danach ein preußischer Kreis war. Von 1886 bis 1974 bestand er als Landkreis Hanau weiter, nachdem die Stadt Hanau als Stadtkreis Hanau ausgeschieden war. Kreissitz war die Stadt Hanau.
Geographie Der Landkreis grenzte Anfang 1974, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an den Wetteraukreis und den Landkreis Gelnhausen in Hessen, an den Landkreis Aschaffenburg in Bayern und an den Landkreis Offenbach sowie an die kreisfreien Städte Offenbach am Main und Frankfurt am Main in Hessen. Im Südwesten des Landkreises bildete der Main eine natürliche Kreisgrenze.
Geschichte Kurhessen Entstehung Der Kreis wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1822 nach der kurfürstlichen Verordnung vom 29. Juni 1821Verordnung vom 29. Juni 1821 über die Umbildung der bisherigen Staatsverwaltung betreffend. In: Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Ausschreiben und anderen allgemeinen Verfügungen für Kurhessen vom Jahre 1821 (Hof- und Waisenhaus-Druckerei, Cassel), kurhessGS 1821, S. 29–62; auch in: Wilhelm Möller und Karl Fuchs (Hrsg.): Sammlung der im Kurfürstenthum Hessen noch geltenden gesetzlichen Bestimmungen von 1813 bis 1860. Elwert’sche Universitäts-Buchhandlung, Marburg und Leipzig 1866, S. 311–351. nach der Trennung von Justiz (§§ 36 ff. der Verordnung) und Verwaltung (§§ 58 ff. der Verordnung) als territoriale Einheit des Kurfürstentums Hessen gegründet. Die Verordnung über die neue Organisation der Staatsverwaltung teilte das Staatsgebiet in vier Provinzen ein. Jede Provinz wurde wieder in Kreise (§ 1) eingeteilt, die Provinz Hanau in vier.
Der neue Kreis erhielt die Bezeichnung „Kreis Hanau“. Er entsprach in etwa der ehemaligen „Untergrafschaft“ der Grafschaft Hanau-Münzenberg, die seit 1736 zur Landgrafschaft Hessen-Kassel, dem späteren Kurfürstentum Hessen, gehörte. Der Kreis Hanau wurde aus deren Städten Altstadt Hanau Neustadt Hanau und deren Ämtern Bornheimer Berg Büchertal Dorheim Windecken gebildet.
Geografische Situation Der neue Kreis Hanau hatte 31.651 Einwohner. Er bildete den südlichsten Zipfel des Staates. Nur über den östlich angrenzenden Kreis Gelnhausen war er mit dem übrigen kurhessischem Gebiet verbunden. Im Norden und Süden lagen die hessen-darmstädtischen Provinzen Oberhessen und Starkenburg, im Südosten das Königreich Bayern, im Westen das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt.
Die Revolution von 1848
Am 31. Oktober 1848 wurden die kurhessischen Provinzen und Kreise abgeschafft und durch Bezirke und Verwaltungsämter ersetzt. Hanau lag nun im Verwaltungsamt Hanau des Bezirks Hanau, die jedoch den gleichen Umfang wie der bisherige Kreis und die bisherige Provinz hatten. Bereits am 15. September 1851 wurde die Reform wieder rückgängig gemacht, Kreis und Provinz wurden wiederhergestellt.
Preußen Die folgenden Jahrzehnte waren durch ein ständiges Schrumpfen des Kreisgebietes gekennzeichnet:
Die Folgen des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 wurde Kurhessen als Verbündeter Österreichs von Preußen erobert und schließlich annektiert. 1867 wurde aus dem bisherigen Kurhessen der neue Regierungsbezirk Kassel, die bisherigen Kreise wurden beibehalten. Gleichzeitig gab der Kreis Hanau durch den Friedensvertrag vom 3. September 1866 mehrere Gemeinden an das Großherzogtum Hessen ab: Dorheim, Nauheim, Rödgen und Schwalheim kamen zum Kreis Friedberg Rumpenheim kam zum Kreis Offenbach Massenheim kam zum Kreis Vilbel. 1868 wurde der Kreis Hanau Teil der neu gebildeten preußischen Provinz Hessen-Nassau.
Weitere Ausgliederungen Das zunehmend starke Wachstum der Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte dazu, dass immer wieder Gebietskörperschaften aus dem Kreis ausschieden, weil sie entweder eine selbständige Einheit wurden – wie im Fall der Stadt Hanau – oder an stark wachsende Nachbarn abgegeben werden mussten, insbesondere an Frankfurt am Main. Im Zuge dieses Prozesses schrumpfte der Landkreis Hanau etwa auf die Hälfte seiner ursprünglichen Fläche.
1886. Am 1. April 1886 trat die Stadt Hanau aus dem Kreis aus und bildete einen eigenen Stadtkreis, blieb aber Verwaltungssitz des Landkreises – wie in Preußen üblich. Ebenfalls 1886 wurden die Stadtgemeinde Bockenheim sowie die Landgemeinden Berkersheim, Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim, Praunheim, Preungesheim und Seckbach vom Kreis Hanau abgetrennt und in den neuen Landkreis Frankfurt eingegliedert. Der Landkreis Frankfurt selbst wurde 1910 aufgelöst. Damals fielen die letzten dieser Gemeinden an die Stadt Frankfurt. Nach 1886 bestand der Landkreis Hanau aus der Stadtgemeinde Windecken, 32 Landgemeinden sowie mehreren Gutsbezirken. Großauheim war nun dessen größte Gemeinde.
1907 wurde Kesselstadt in die Stadt Hanau eingemeindet und schied aus dem Kreisgebiet aus.
1928. Zum 1. April 1928 verlor der Landkreis die Gemeinde Fechenheim, die nach Frankfurt eingemeindet wurde. Durch den Verlust der in Fechenheim ansässigen Industriebetriebe (u. a. Cassella-Farbwerke, Werkzeugfabrik Meuser & Co.) verlor der Landkreis 47 % seiner Gewerbesteuereinnahmen. Zum 30. September und 15. November 1928 wurden im Landkreis Hanau die Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Gemeinden bzw. dem Stadtkreis Hanau zugeteilt.Amtsblatt der Regierung zu Kassel, Jahrgang 1928 (Beilagen zu Nr. 39 und Nr. 48)
Letzte Neuordnungen in Preußen Die Provinz Hessen-Nassau bestand bis zum 30. Juni 1944, anschließend wurde sie in die preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau aufgeteilt, was jedoch aufgrund der Kriegswirren kaum praktische Folgen hatte. Am 1. Juli 1944 wurde der Landkreis Hanau vom Regierungsbezirk Kassel in den Regierungsbezirk Wiesbaden umgegliedert.
Hessen Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ging Hessen-Nassau im neugebildeten Staat Groß-Hessen und am 1. Januar 1946 im Land Hessen auf. Der Landkreis Hanau blieb, wie schon 1866, territorial unverändert. Ihm gehörten nach wie vor die Stadt Windecken und 31 weitere Gemeinden an. Seit April 1968 gehörte der Landkreis wegen der Auflösung des Regierungsbezirks Wiesbaden zum Regierungsbezirk Darmstadt. In den letzten Jahren seines Bestehens änderten sich mehrfach die Außengrenzen des Landkreises:
Am 1. Januar 1970 wurde die Gemeinde Heldenbergen aus dem Landkreis Friedberg Teil der neuen Stadt Nidderau im Landkreis Hanau. Am 31. Dezember 1970 wurden die Gemeinden Langen-Bergheim aus dem Landkreis Büdingen sowie Büdesheim aus dem Landkreis Friedberg in die neuen Gemeinden Hammersbach und Schöneck im Landkreis Hanau eingegliedert. Am 1. Juli 1971 schied die Gemeinde Gronau aus dem Landkreis aus und wurde in die Gemeinde Bad Vilbel im Landkreis Friedberg eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 schied die Gemeinde Mittelbuchen aus dem Landkreis aus und wurde in die kreisfreie Stadt Hanau eingegliedert. Am 1. August 1972 wurde die Gemeinde Altwiedermus aus dem Landkreis Büdingen in die Gemeinde Ronneburg im Landkreis Hanau eingegliedert.
Nach weiteren Zusammenschlüssen und Neugründungen von Gemeinden umfasste Landkreises zum Ende seines Bestehens im Juni 1974 noch 19 Gemeinden, darunter die vier Städte Bergen-Enkheim, Dörnigheim, Großauheim und Nidderau.
Im Zuge der Kreisreform in Hessen wurde am 1. Juli 1974 aus den drei Landkreisen Hanau, Schlüchtern und Gelnhausen sowie der kreisfreien Stadt Hanau der Main-Kinzig-Kreis gebildet. Gleichzeitig fanden zum 1. Juli 1974 noch weitere Eingemeindungen statt, so dass aus dem Altkreis Hanau letztendlich die Städte Bergen-Enkheim, Maintal und Nidderau sowie zehn weitere Gemeinden in den Main-Kinzig-Kreis eintraten. Bergen-Enkheim wurde am 1. Januar 1977 der Stadt Frankfurt als neuer Stadtteil zugeschlagen.
Einwohnerentwicklung 1821: 31.651 Einwohner 1871: 67.296 EinwohnerDie Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1886: 36.943 Einwohner 1890: 39.457 Einwohner, davon 32.317 Evangelische, 5.944 Römisch-katholische, 1.133 Juden 1900: 48.412 Einwohner, davon 38.533 Evangelische, 8.627 Römisch-katholische 1910: 57.075 Einwohner, davon 44.722 Evangelische, 10.901 Römisch-katholische 1925: 63.365 1933: 56.661 Einwohner, davon 43.806 Evangelische, 10.182 Römisch-katholische, 7 sonstige Christen, 864 Juden 1939: 60.153 Einwohner 1944: 58.884 Einwohner 1946: 76.332 1953: 83.431 1961: 96.174 Einwohner 1970: 135.155 Einwohner 1973: 154.700 EinwohnerStatistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Politik Landräte Der Landkreis Hanau hatte folgende Landräte:Hanna: Der Landkreis Hanau, S. 14; Rolf Jehke: Landkreis Hanau (= Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945.) Herdecke 2006; Thomas Klein: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau und in Waldeck 1867–1945 (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 70.) Darmstadt/Marburg 1988.
Kurhessen 1821–1839: Georg Friedrich Cöster bis 1835: Kreisrat; (1780–1839) 1840–1849: Heinrich Wachs (1796–1875) 1849–1852: Daniel Cornelius Maria Rauh (1801–1890) 1852–1853: Christian Ludwig Weber (1806–1879) 1853–1868: Friedrich Cornelius (1817–1885)
Preußen 1868–1883: Eduard von Schrötter (1822–1883) 1884–1885: Eduard von Broich (1834–1907) 1885–1889: Wilhelm von Bismarck (1852–1901) 1889–1895: Karl von Oertzen (1844–1914) 1895–1902: Bernhard von Schenck (1851–1934) 1902–1909: Rudolf von Beckerath (1863–1945) 1909–1918: Maximilian Laur von Münchhofen (1863–1936) 1918–1919: Georg Wagner vom Arbeiter- und Soldatenrat eingesetzt (November 1918–16. Januar 1919) 1918–1920: Carl Christian Schmid (1886–1955) 1920–1922: Johannes Gottlob Paul Voigt (1889–1954) 1922–1933: Eugen Kaiser (1879–1945) 1933–1945: Fritz Löser (1893–1973) 1945: Mathias Floeth Kommissarisch vom 6. April 1945 bis zum 30. Mai 1945. (1896–1956)
Hessen 1945–1966: Wilhelm Voller (1897–1973) 1966–1967: Fritz Schubert (1914–1967) 1968–1974: Martin Woythal (1928–2011)
Wappen
Gemeinden