Das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck nordöstlich von Neuhausen ob Eck im Landkreis Tuttlingen ist eines von sieben regionalen ländlichen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg. Es umfasst ein 18 Hektar großes Gelände im Naturpark Obere Donau.
Touristische Bedeutung Das im Juni 1988 eröffnete Museumsdorf wird in der siebenmonatigen Saison von Anfang April bis Ende Oktober von durchschnittlich rund 90.000 Gästen besucht. In der Saison 2011 kamen zum ersten Mal seit 20 Jahren mehr als 100.000 Besucher, wobei davon mehr als 11.000 Schüler das Museumsdorf über das Projekt „Schule im Museum“ kennengelernt haben.Freilichtmuseum knackt Besucherrekord. Zum ersten Mal seit 20 Jahren mehr als 100.000 Gäste – Schönes Abschiedsgeschenk für Landrat Wolf. In: Schwäbische Zeitung vom 9. November 2011
Seit Mai 2008 ist das Freilichtmuseum außerdem eine von 26 Infostellen des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.
Gebäude Die mittlerweile 25 historischen Gebäude stammen aus den Regionen Schwäbische Alb, Schwarzwald, Hegau, Baar, Oberer Neckar und Bodensee. Sie werden teilweise als Gebäudeensembles präsentiert, wie etwa der Schwarzwaldhof als Hofanlage mit Hausmühle und Getreidespeicher.
Das Museumsdorf umfasst unter anderem das Backhaus Hölzle, den Schafstall Obernheim, die wasserradbetriebene Hochgangsäge vom Behlishof bei Unterkirnach, das Wasch- und Backhaus St. Georgen, Sommerau, das Kaufhaus Pfeiffer aus Stetten am kalten Markt, das Kleinbauernhaus Mennwangen sowie eine Seilerei aus Rottenburg. Die sorgfältig ausgewählten, am ursprünglichen Standort oft vom endgültigen Abriss bedrohten Gebäude wurden vorsichtig abgetragen und im Museum originalgetreu wieder aufgebaut. Dieser Vorgang nennt sich Translozierung.
Auch die Einrichtung erfolgte nach Befragungen früherer Bewohner oder unter Zuhilfenahme schriftlicher Unterlagen möglichst originalgetreu. Desgleichen wurden die Gärten und Hofbereiche dem sozialen und wirtschaftlichen Stand der ehemaligen Besitzer entsprechend gestaltet.
Eingangsbereich Gasthaus Ochsen mini|links|170px|Gasthaus Ochsen Erbaut: 1707; Renoviert: 1864 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Schopfloch im Landkreis Freudenstadt Vom Reichtum seiner ehemaligen Besitzer zeugt unter anderem das fein gestaltete Fachwerk der Giebelseite. Bis 1951 war die ehemalige Schildwirtschaft an der Straße von Tübingen nach Straßburg in Betrieb. Das Haus dient als Eingangsgebäude des Museums, im ersten Geschoss befindet sich eine Gastwirtschaft. auf der Internetseite des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck; abgerufen am 10. Mai 2015
Stallscheune Haberstenweiler mini|links|170px|Stallscheune Haberstenweiler Erbaut: 1796 Darstellungszeit: 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Stiefelhof in Salem-Haberstenweiler im Bodenseekreis
Bauernhaus Schömberg, sogenanntes Bärbele-Haus mini|links|170px|Bauernhaus Schömberg Erbaut: nach 1750 Darstellungszeit: Erdgeschoss um 1870, Obergeschoss um 1920 Ursprünglicher Standort: Schömberg im Zollernalbkreis
Backhaus Hölzle Erbaut: 19. Jahrhundert Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Bietingen, Sauldorf im Landkreis Sigmaringen
Schafstall Obernheim Erbaut: 1881/82 Ursprünglicher Standort: Obernheim im Zollernalbkreis
Baugruppe Schwarzwald Hausmühle Peterzell mini|links|170px|Getreidemühle Erbaut: 1767 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: das Harzerloch bei Peterzell in St. Georgen im Schwarzwald im Schwarzwald-Baar-Kreis Die durch ein Wasserrad angetriebene Getreidemühle ist ein reiner Holzbau: das Ständergerüst bis auf Brüstungshöhe mit starken Holzbohlen, darüber mit senkrechten Brettern zwischen den Pfosten aufgefacht. Der offene Innenraum bietet genügend Kopfhöhe für das Beschütten des Mahlwerks. Sie war die Hausmühle vom Hochbronner Hof und machte den Waldbauern frei vom Bann an die Mühle des Grundherrn. auf der Internetseite des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck; abgerufen am 10. Mai 2015
Hochgangsäge Unterkirnach Erbaut: vor 1766 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Behlishof in Unterkirnach im Schwarzwald-Baar-Kreis
Speicher Oberkirnach mini|links|170px|Speicher Erbaut: unbekannt Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Stoffelhof in Oberkirnach in St. Georgen im Schwarzwald im Schwarzwald-Baar-Kreis
Haldenhof mini|links|170px|Haldenhof Erbaut: 1669 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Schonach im Schwarzwald, Schwarzwald-Baar-Kreis
Back- und Waschhaus (B5) Erbaut: um 1800 Darstellungszeit: 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Vorderer Christhof in Sommerau bei St. Georgen im Schwarzwald-Baar-Kreis
Albdorf Dorfplatz mit ehemaligem Stadtbrunnen aus Tuttlingen (1873)
Tagelöhnerhaus mini|links|170px|Tagelöhnerhaus Erbaut: Ende 18. Jahrhundert Darstellungszeit: Mitte 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Delkhofen, Gemeinde Deilingen im Landkreis Tuttlingen
mini|links|170px|Weber- und Kleinbauernhaus Weber- und Kleinbauernhaus Erbaut: 1683 Darstellungszeit: Mitte 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Dautmergen im Zollernalbkreis
Schul- und Rathaus mini|links|170px|Schul- und Rathaus Erbaut: 1830 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Bubsheim im Landkreis Tuttlingen
Schmiede mini|links|170px|Schmiede Erbaut: um 1690 Darstellungszeit: Anfang 20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Durchhausen, Landkreis Tuttlingen Die bis 1967 in Betrieb gewesene Schmiede hat zwei Anbauten und einem „Notstand“ – hier wurden Pferden die Hufeisen angebracht sowie Kühen und Ochsen die Klauen geschnitten. auf der Internetseite des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck; abgerufen am 23. Mai 2015
Hüle Viehtränke und Löschwasserteich auf der wasserarmen Schwäbischen Alb
Hafnerwerkstatt mini|links|170px|Hafnerei Erbaut: 1826 Darstellungszeit: 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Neuhausen ob Eck
Bauernhaus Biehle mini|links|170px|Bauernhaus Biehle Erbaut: 18. Jahrhundert Darstellungszeit: um 1925 Ursprünglicher Standort: Neuhausen ob Eck Das Biehle war ein Lehenshof des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen, das in Neuhausen große Besitzungen hatte. Im Erdgeschoss ist unter anderem eine Schuhmacherwerkstatt eingerichtet, das Obergeschoss wird für Sonderausstellungen genutzt. Bis 2018 erläutert die Ausstellung „Zwischen den Fronten“ das Landleben zu Kriegszeiten.
Dorfkirche mini|links|170px|Dorfkirche Erbaut: 15. Jahrhundert; Vergrößerung: zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts Darstellungszeit: 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Tischardt, Gemeinde Frickenhausen im Landkreis Esslingen Die kleine, evangelische Kirche mit spätgotischem Türgewand und Fenstereinfassung musste seinerzeit dem Ausbau der Tischardter Ortsdurchfahrt weichen. Sie ist unter anderem mit einer bis in den Chor reichenden Empore, Altar, Taufbecken sowie einem Harmonium ausgestattet.
Schaf- und Farrenstall mini|links|170px|Schaf- und Farrenstall Erbaut: um 1812; Abbau: 1989; Wiederaufbau: 1990/1991 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Brittheim, Stadt Rosenfeld im Zollernalbkreis
Bienenhaus mini|links|170px|Bienenhaus Erbaut: 1933 Darstellungszeit: 20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Aixheim, Gemeinde Aldingen im Landkreis Tuttlingen
Kaufhaus „Pfeiffer“ Erbaut: 1852 Darstellungszeit: 20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Stetten am kalten Markt im Landkreis Sigmaringen Das Kaufhaus (1925 bis 1995) zeigt ein großes Warensortiment; heute bietet das Museumslädele die Möglichkeit zum Einkauf von regionalen Produkten.
Baugruppe Reute Bauernhaus Mariazell mini|links|170px|Bauernhaus Erbaut: um 1606 Darstellungszeit: 19./20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Mariazell, Gemeinde Eschbronn im Landkreis Rottweil (Oberes Neckargäu/Albvorland)
Bei Aufbau im Freilichtmuseum 1998 wurde das Bauernhaus durch einen Brand zerstört. Das Haus wurde daraufhin originalgetreu, aber aus neuem Holz, wieder aufgebaut.https://freilichtmuseum-neuhausen.de/Entdecken/Geb%C3%A4ude/Bauernhaus-Mariazell/
Kleinbauernhaus Mennwangen Erbaut: vermutlich im 17. Jahrhundert Darstellungszeit: 19. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Mennwangen, Gemeinde Deggenhausertal im Bodenseekreis
Seilerei Rottenburg am Neckar
Erbaut: 1935 Darstellungszeit: 20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Rottenburg am Neckar im Landkreis Tübingen
Lagerschuppen Schramberg
Erbaut: 1923 Darstellungszeit: 20. Jahrhundert Ursprünglicher Standort: Schramberg im Landkreis Rottweil Der für Besucher nicht zugängliche Schuppen dient dem Museum als Depot und Werkstatt.
Museumsangebote Das Museum bietet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit vielen museumspädagogischen Angeboten, besonderen Aktionstagen und wechselnden Sonderausstellungen. Täglich gibt es Handwerker- und Technikvorführungen.
Höhepunkte sind der Fuhrmannstag mit Vorführungen mit Kaltblutpferden, der bundesweite Mühlentag, bei dem das Museum seine Hochgangsäge aus dem Jahre 1780 und seine kleine Getreidemühle aus dem Jahr 1767 zeigt, der Volksmusiktag Baden-Württemberg mit traditioneller schwäbisch-alemannischer Volksmusik zahlreicher Volksmusikgruppen sowie das Museumsfest Kirbe. Ein besonderes Projekt ist die „Historische Schweinehut“. Von Mai bis Oktober wird jeden Nachmittag eine freilaufende Schweineherde von der Schweinehirtin durch das Museumsdorf geführt. Ein Hausierer versetzt die Besucher in Zeiten zurück, wo im Killertal noch 20 % der Einwohner im ambulanten Gewerbe tätig waren.Hausierer Für Schulklassen bietet das Museum zahlreiche themen- und handlungsorientierte Projekte im Rahmen des museumspädagogischen Angebotes „Schule im Museum“. Dabei erkunden bis zu zehn Schulklassen täglich das Museumsdorf. Weit über 10.000 Schüler und über 600 Schulklassen nutzen dieses Angebot in einer Saison. Zu den Projekten zählen Spinnen und Weben, Flachsverarbeitung, Kochen in der alten Museumsküche, Schmieden in der Dorfschmiede, Lehmstreichen beim Fachwerkbau, Pflügen, Dreschen oder Backen beim Backhäusle mit Mehl aus der Mühle.Dünnete machen Lust aufs Lernen. In: Südkurier vom 30. Juli 2010
Tiere und Pflanzen Das Museum hält während der Museumssaison verschiedene Haus- und Nutztiere: Rinder, Esel, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse und Stallhasen. Meist sind sie Nachkommen alter Haustierrassen wie Merinolandschafe, Vorderwälder-Rinder, Schwäbisch-Hällische Landschweine oder Bunte Deutsche Edelziegen. Auch mehrere Bienenvölker sind zu sehen.
Auf den Feldern werden alte Kulturpflanzen wie Flachs, alte Getreidesorten und Kartoffeln angebaut.
Eine Streuobstwiese im Museum zeigt mehr als 50 alte und regionale Obstsorten.https://freilichtmuseum-neuhausen.de/Entdecken/Geb%C3%A4ude/Streuobstwiese/?&La=1
Filmkulisse 2007 war der Farrenstall Filmkulisse für den Kinofilm Krabat.
Im Februar 2011 fanden Dreharbeiten zu Die Sterntaler, einer Verfilmung dieses Grimmschen Märchens für die ARD-Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“, statt.Falko Hahn (fah): Casting für Märchenfilm im Schafstall. In: Südkurier vom 31. Januar 2011
Vom 8. bis 15. August 2011 bildete in erster Linie der „Haldenhof“ aus Schonach die Kulisse für die australisch-englisch-deutsche Kinoproduktion Lore.Freilichtmuseum als Filmkulisse. In: Südkurier vom 4. August 2011
Sonstiges Im Zentrum des Geländes wurde eine für die Schwäbische Alb typische Hüle nachgebildet.
Ein Hanomag Garant (Baujahr 1938) und ein Mercedes 170 VA (Baujahr 1951) wurden beim Umsetzen des ehemaligen Kaufhauses Pfeiffer in Stetten am kalten Markt gefunden und dem Freilichtmuseum im April 2010 von einem Enkel Pfeiffers geschenkt.
Siehe auch Die Sieben im Süden Liste von Freilichtmuseen
Literatur Herbert Jüttemann: Säge und Mühle. Die technischen Kulturdenkmale des neuerrichteten Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 18. Jg. 1988, Heft 2, S. 110–113. (PDF; 11,5 MB)
Weblinks
Offizielle Homepage des Freilichtmuseums