Ernst Friedrich Karl von Salomon (* 25. September 1902 in Kiel; † 9. August 1972 in Stöckte, Winsen (Luhe)) war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Rechtsterrorist. Als Jugendlicher hatte er in den Anfangsjahren der Weimarer Republik in verschiedenen Freikorps gekämpft, war Mitglied der rechtsterroristischen Organisation Consul und hatte sich wiederholt an politischen Verbrechen beteiligt, unter anderem an der Vorbereitung des Attentates auf Walther Rathenau. Als Autor wurde er von Armin Mohler der Konservativen Revolution zugerechnet. Sein bekanntestes Werk ist der in Form einer Autobiografie verfasste Bericht Der Fragebogen von 1951, in dem er die Entnazifizierungspolitik in der amerikanischen Besatzungszone nach 1945 kritisierte.

Leben Jugend vor und während des Ersten Weltkrieges mini|alt=zeitgenössische Postkarte der Kadettenanstalt in Karlsruhe|Königlich Preußisches Kadettenhaus in Karlsruhe, das Ernst von Salomon 1913–1917 besuchte und in Die Kadetten beschrieb.

Ernst von Salomon entstammte dem lothringischen Adelsgeschlecht Salomon. Sein Vater Felix von Salomon, ein ehemaliger Offizier, war Polizeibeamter. Ernst hatte einen älteren Bruder Bruno und zwei jüngere Brüder Horst und Günther. Die Kindheit verbrachte er zunächst in Kiel. 1909 wurde sein Vater nach Frankfurt am Main versetzt, wo er zunächst als Kriminalkommissar und später als Abteilungsleiter der Kriminalpolizei arbeitete. Ernst wuchs in der Rothschildallee im Stadtteil Nordend auf und besuchte von 1909 bis 1912 die Musterschule. 1912 und 1913 besuchte er das Lessing-Gymnasium, musste es jedoch aufgrund mangelnden Erfolgs verlassen und wechselte daher ab 1913 zur preußischen Kadettenanstalt in Karlsruhe und 1917 zur Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde bei Berlin, wo er 1918 das Abitur ablegte. Die Zeit in der Kadettenanstalt wurde von ihm im autobiografischen Roman Die Kadetten verarbeitet. 1918 schloss sich Salomon rechtsextremen Gruppierungen an.

Weimarer Republik Im Dezember 1918 meldete sich Salomon freiwillig zu dem regierungstreuen Freikorps der „Landesjäger“ unter Generalmajor Georg Maercker. Mit diesem kämpfte er Anfang Januar 1919 während des Spartakusaufstandes in Berlin und nahm im Februar 1919 an der Sicherung der Weimarer Nationalversammlung teil. Er schloss sich dem im März 1919 gegründeten Hamburger Freikorps Bahrenfeld an, das im Juni 1919 in die Reichswehr überführt wurde. Mit den Hamburgern gelangte Salomon zur Eisernen Division ins Baltikum, wo er in Lettland unter dem Freikorps Hauptmann Liebermann als Maschinengewehrschütze zunächst unter dem Kommando der Obersten Heeresleitung, später im Dienste des Lettischen Volksrats gegen die Rote Armee Sowjetrusslands kämpfte.

Nach seiner Rückkehr aus dem Baltikum schloss sich Salomon der Marine-Brigade Ehrhardt von Hermann Ehrhardt an. Mit ihr nahm er im März 1920 am Kapp-Putsch teil, in dessen Verlauf die Brigade das Regierungsviertel in Berlin besetzte. Von Mai bis Juni 1921 kämpfte Salomon mit dem Freikorps Wolf im dritten Aufstand in Oberschlesien. Nach der Auflösung der Marine-Brigade Ehrhardt 1920 wurde Salomon Mitglied der Frankfurter Gruppe der rechtsterroristischen und antisemitischen Organisation Consul (O. C.), einer klandestinen Nachfolgeorganisation der Marine-Brigade, unter Friedrich Wilhelm Heinz. Ziel der Organisation Consul war es, die Republik zu beseitigen. Das sollte durch die Ermordung von exponierten Personen dieser Demokratie erfolgen. Dazu zählten vor allem Politiker jüdischer Abstammung, Politiker der demokratischen Parteien der Mitte, Politiker der Linken, Pazifisten und solche, die als „Erfüllungspolitiker“ galten.

So beteiligte sich Salomon auch am „angeblich nicht antisemitisch motivierten Attentat“ auf den Reichsaußenminister Walther Rathenau. Rathenau wurde am 24. Juni 1922 auf der Fahrt von seinem Wohnhaus zum Reichsaußenministerium in seinem offenen Wagen aus einem überholenden Auto von Erwin Kern und Hermann Fischer mit Schüssen aus einer Maschinenpistole und durch eine Handgranate ermordet. Salomon war an der Vorbereitung des Attentates maßgeblich beteiligt. In seinem autobiografischen Buch Der Fragebogen schilderte er, dass er für das Tatauto einen Fahrer vermittelt habe. Seine Rolle wird daher bis heute oft als eher gering eingeschätzt. In einer unveröffentlichten Passage des Buchmanuskripts gab er jedoch darüber hinaus zu, dass er im Vorfeld für den Anschlag auch den Tagesablauf und die Schutzmaßnahmen Rathenaus ausgespäht hatte. Die Täter und ihre Helfer wurden in kurzer Zeit aufgespürt. Kern und Fischer wurden am 17. Juli 1922 auf der Flucht in der Burg Saaleck gestellt. Dabei wurde Kern erschossen und Fischer nahm sich das Leben. Im Oktober 1922 wurde ein Prozess gegen 13 Tatbeteiligte vor dem mit dem Republikschutzgesetz neu errichteten Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik in Leipzig geführt. Salomon wurde wegen Beihilfe zum Mord zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Da das Gericht die Tat Salomons „als ‚gemeines Verbrechen‘ qualifizierte, das ‚allein dem Juden Rathenau gegolten habe‘“, verhängte es für fünf Jahre nach der Verbüßung der Strafe die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Diesen Teil der Strafe bemängelte Salomon als ungerecht und entehrend, wie er 1928 unter anderem in einer Artikelserie unter dem Titel Minister Rathenaus Ende. Erinnerungen eines an dem welthistorischen Attentate Beteiligten für das Berliner NSDAP-Organ Der Angriff ausführte.

Noch vor dem Rathenau-Attentat hatten die Frankfurter O.-C.-Männer um Karl Tillessen, Erwin Kern und Ernst von Salomon versucht, ein Mitglied ihrer O.-C.-Gruppe, Erwin Wagner, als vermeintlichen Verräter umzubringen. Wagner war ihnen im Januar 1922 bei der Befreiung von Ludwig Dithmar, einem der bei den Leipziger Prozessen verurteilten Kriegsverbrecher, als Fahrer behilflich gewesen. In der Nacht vom 4. auf den 5. März 1922 hatten Salomon und seine Mittäter Wagner in Bad Nauheim mit Totschlägern schwer am Kopf verletzt und seinen Körper mit einem Stein beschwert in den See des Kurparks geworfen. Als der noch lebende Wagner versuchte, dem Ertrinken zu entgehen und an Land watete, schossen die Täter auf ihn. Salomon verhinderte mit einer Armbewegung den tödlichen Treffer, so dass Wagner schwimmend zur anderen Seite des Sees entkam. Eigentlich war vorgesehen, dass Salomon selber schoss, doch fehlte es dem damals 19-jährigen Salomon nach Meinung des Historikers Martin Sabrow „noch an Skrupellosigkeit“. Wagner hatte es nach dem Mordversuch nicht gewagt, ihn der Polizei zu melden. So war dieser Fememord-Versuch fünf Jahre ungesühnt geblieben.

Der Mordversuch an Wagner wurde 1926 durch eine Zeugenaussage im Femeausschuss des Reichstages aufgedeckt. Bezüglich dieser Tat kam es 1927 zu dem „Gießener Fememordprozess“ gegen Heinz, Salomon und einen weiteren O.-C.-Mann, Ernst Casimir Schwing. Salomons Verteidiger war der auf Femesachen und rechtsradikale Attentäter spezialisierte „Staranwalt der Rechtsextremisten“ Walter Luetgebrune. Bei dem Prozess zogen alle Zeugen die Aussagen gegen die Angeklagten zurück. Die wiederum schoben alle Schuld auf den 1922 im Zusammenhang mit dem Rathenaumord getöteten Erwin Kern. Die Tätigkeit der O. C. blieb im Dunkeln und der Führer der Terrorgruppe, Karl Tillesen, konnte als Zeuge unwiderlegt behaupten, dass die Feme nicht in Mord, sondern in gesellschaftlicher Ächtung der Opfer bestanden habe. Man habe dem Opfer höchstens eine Abreibung verpassen wollen. Dazu waren die Angehörigen des Gerichts sehr gegen die Republik voreingenommen und sympathisierten teilweise mit den Tätern. So kam es zu milden Urteilen und die Tätigkeit der Organisation Consul wurde nicht aufgeklärt. Salomon wurde wegen Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis und Ernst Schwing wegen Beihilfe zum versuchten Totschlage zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Heinz wurde wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Salomons Strafe wurde mit seiner ersten Verurteilung zusammen auf eine Gesamtdauer von sieben Jahren festgelegt. Später räumte Salomon ein, dass das Urteil in Gießen ein Fehlurteil gewesen sei, da sie wirklich versucht hätten, Wagner zu ermorden. Dass es ihnen nicht gelungen sei, sei ein „Versager gewesen“. Infolge einer Begnadigung durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg wurde Salomon schon im Dezember 1927 aus dem Zuchthaus Marienschloß auf Bewährung entlassen. Er heiratete danach in Berlin seine Jugendliebe Lieselotte Wölbert, mit der er sich als Häftling im Zuchthaus Striegau 1923 verlobt hatte. Sie gingen nach wenigen Jahren auseinander, blieben aber bis nach 1945 verheiratet.

Nach der Haftentlassung beschäftigte sich Salomon unter anderem mit Geldsammlungen zur Unterstützung inhaftierter Fememörder. Walter Luetgebrune vermittelte ihm den Kontakt zu Paul Fechter, der am 29. April 1928 im Feuilleton der Deutschen Allgemeinen Zeitung Salomons erste größere Arbeit, den Essay Der erste Tag veröffentlichte.Zu der Zeit nach Salomons Haftentlassung siehe Klein 2002 (Literaturliste), S. 127. Fechter rühmte sich in seiner 1952 neu herausgegebenen „Deutschen Literaturgeschichte“, Salomon literarisch entdeckt zu haben. Die nun erwachte öffentliche Aufmerksamkeit führte zur Aufnahme des Autors in die Kreise der Konservativen Revolution und des Nationalbolschewismus um Friedrich Hielscher, Hartmut Plaas und Arnolt Bronnen. Salomon publizierte fortan Arbeiten in deren Presse.

1929 unterstützte Salomon an der Seite seines Bruders Bruno von Salomon die Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein zunächst publizistisch. Die Kampfformen der Bauern steigerten sich zu Bombenattentaten wie einem provokatorischen Scheinanschlag auf das Reichstagsgebäude in Berlin. Im Keller des Gebäudes explodierte in der Nacht zum 1. September 1929 eine „Höllenmaschine“, ein mit einem „nichtbrisanten, schwarzpulverartigen Sprengstoff“ gefülltes Paket. Der Sachschaden war minimal.Zum Hergang und zur Höllenmaschine siehe Ulrich Thürauf (Hrsg.): Schulthess’ Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Fünfundvierzigster Jahrgang 1929. Der ganzen Reihe 70. Band. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1931, S. 165; ähnlich Klein, S. 190. Dort auch der Hinweis zum Gutachten der Chemisch-Technischen Reichsanstalt zum nichtbrisanten Sprengstoff. Lange wurde Salomon die Täterschaft zugeschrieben, wobei gemäß neuerer Forschung Walther Muthmann als Täter gilt.Marcus M. Payk: Im Zaubergarten: Eine intellektuellengeschichtliche Annäherung an Ernst v. Salomons Roman „Die Stadt“ (1932). In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte (2026). Die Folge war eine größere Verhaftungsaktion, die nicht nur das nationalkonservative Lager betraf. Salomon konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden, und im Dezember ließ man ihn frei. Während der dreimonatigen Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Moabit vollendete Salomon auf Anregung von Ernst Rowohlt seinen autobiografischen Romanerstling Die Geächteten, der im Januar 1930 im Rowohlt Verlag erschien. 1933 folgte im gleichen Verlag Die Kadetten mit einem Bekenntnis zum Preußentum. Beide Bücher waren Erfolge – im Unterschied zum 1932 erschienenen Roman Die Stadt, den Salomon allerdings als sein bestes Werk einschätzte. Der Roman enthält eine autobiografisch gefärbte Schilderung der Rebellion. Dass zur Landvolkbewegung drei bekannte deutsche Schriftsteller, Hans Fallada mit Bauern, Bonzen und Bomben (Rowohlt, Berlin 1931), Salomon mit Die Stadt (Rowohlt, Berlin 1932) und Bodo Uhse mit Söldner und Soldat (Carrefour, Paris 1935), Romane als Augenzeugen geschrieben hatten, ist von der deutschen Literaturforschung bisher „weitgehend unbeachtet geblieben“.

Während des Nationalsozialismus