Bayon war eine Musikgruppe, die 1971 in der DDR gegründet wurde. Ihre Musik bewegte sich zwischen Folklore, Klassik, Jazz und Rock. Der meditative Charakter der überwiegend rein instrumentalen Kompositionen sollte die Fantasie der Zuhörer anregen. Aus diesem Grund wurde auch auf aussagekräftige Titel für die Stücke verzichtet. Viele von ihnen tragen allgemeine Namen wie Suite oder Nocturne.
Bayon spielte mit wechselnden Besetzungen, wobei der „harte Kern“ aus dem Gründungsmitglied Christoph Theusner und Sonny Thet bestand.
Name der Band Der Name der Gruppe leitete sich von der historischen Tempelanlage Bayon in Kambodscha ab.
Bandgeschichte Christoph Theusner wurde von seinem Vater Egon Theusner schon früh in Gitarre und Laute unterrichtet. Während seines Architekturstudiums in Weimar lernte er Sonny Thet kennen, der von Prinz Sihanouk nach Weimar geschickt worden war, um dort klassische Musik zu studieren. Bayon entstand im April 1971H. P. Hofmann: Beat Lexikon. Berlin 1977, S. 68. aus der Formation Garage Players (auch GP-Combo genannt), die eher Bluesrock im Repertoire hatte. Der Fortbestand beruht auf dem Entschluss von Sonny Thet, nach dem Umsturz in Kambodscha nicht in seine Heimat zurückzukehren. Tatsächlich wurden der größte Teil seiner Familie und der ehemalige Bayon-Cellist Li Song Leng von den Roten Khmer umgebracht.Booklet der CD Die Suiten, S. 5.
Ab 1971 nahmen sie Musik für den Rundfunk auf, was auf die Initiative der Produzentin Luise Mirsch zurückging (etwa die Suite Nr. 1 im Stil des Progressive Rock). Zeitweise standen bei Bayon-Konzerten bis zu elf Musiker auf der Bühne, da auch eine komplette Bläsersektion eingesetzt wurde. Etwa ab 1976 kristallisierte sich die kammermusikalische Quartettbesetzung heraus. Erst 1977 erschien ihre erste LP Bayon mit Klassikadaptionen und eigenen Kompositionen wie der Suite Nr. 3. Das Cover zeigt den Tempelturm von Bayon, wobei die steinernen Köpfe die Gesichtszüge der vier wichtigsten Musiker tragen:
Christoph Theusner (Gitarre, Gesang, Flöte, Klavier) Sonny Thet (Violoncello, Gitarre) Sam Ay Neou (Violine) Reinhard Pätzold (Bassgitarre)
Bereits in den 1970er Jahren begannen Bayon auch Musik für das Theater zu machen, so 1979 für eine Inszenierung von Traktor / Die Schlacht von Heiner Müller, später auch für Aufführungen des Urfaust und von Ulrich Plenzdorf (Bühnenfassung von Legende vom Glück ohne Ende). Im Jahr 1981 schrieb Bayon die Filmmusik für die Literaturverfilmung des Fernsehens der DDR Tiefer blauer Schnee. In den 1980er Jahren hatte die Gruppe gemeinsame Auftritte mit der Berliner Pantomimin und Tänzerin Anke Gerber. Im Jahr 2006 wurde im Soundtrack des Spielfilms Das Leben der Anderen das Lied Stell Dich mitten in den Regen neu veröffentlicht, in dem Bayon das Gedicht Versuch es von Wolfgang Borchert als Text verwenden.
Im Jahr 2010 wurde Bayon mit der Ehren-RUTH, dem deutschen Preis für Weltmusik, ausgezeichnet.Website des RUTH-Preises, abgerufen am 9. Mai 2010
Der Tod Theusners im Juli 2023Nachruf auf Christoph Theusner, Thüringer Allgemeine, abgerufen am 27. Juli 2023 bedeutete auch das Ende der Band.
Diskografie Langspielplatten 1977: Bayon (Amiga) 1980: Suite (Amiga) 1986: El Sonido (Amiga) 1989: Echos – Klangbilder (Solo-LP von Christoph Theusner, Amiga)
CDs 1992: Rock aus Deutschland OST – Vol.18 – Bayon (Zusammenstellung) 1995: Walkin’ Home (Zusammenstellung) 1996: Movens In Carmine – Nach Texten von Herder 1997: Die Suiten 1997: Gespräch über den Dächern – Nach Texten von Wolfgang Borchert 2000: First recordings 1971-1973 2002: Live 2005: Das Beste (Zusammenstellung) 2008: Tanz der Apsara 2014: Music for a while
Singles 1977: Lautensuite / Haus der Kindheit (Amiga)
DVDs 2009: Zwischen(T)raumzeit – Eine Konzertdokumentation
Filmmusik 1977: Ein Weimarfilm 1978: Großstadtkinder 1979: Tull (Fernsehfilm)
Dokumentarfilm 1980: Bayon (DEFA-Kurzdokumentarfilm, Regie: Jürgen Steinheisser)
Literatur
Weblinks Website von Bayon
(Archivversion) (Archivversion)
Website von Christoph Theusner Website von Sonny Thet
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Band Kategorie:Folkmusik (DDR) Kategorie:Jazz (DDR) Kategorie:Klassische Musik (DDR) Kategorie:Band (DDR)