Crazy Horse (englisch für „Besessenes“ oder „Verrücktes Pferd“, eigentlich auf Lakota Tashunka Witko bzw. , Aussprache: tchaschunke witko; * um 1839; † 5. September 1877 in Fort Robinson, Nebraska) war ein Anführer der Oglala-Indianer, einer Abteilung der westlichen Sioux (Eigenbezeichnung Lakota).
Jugend Das genaue Geburtsdatum von Crazy Horse ist nicht bekannt. Der Häuptling He Dog, einer seiner engsten Freunde, sagte bei einem Interview am 7. Juli 1930: „Ich und Crazy Horse wurden im selben Jahr geboren und in derselben Jahreszeit … Ich bin jetzt 92 Jahre alt.“ Demnach wäre Crazy Horse um das Jahr 1838 geboren worden.
Encouraging Bear, spiritueller Berater von Crazy Horse, berichtete, dass Crazy Horse „in dem Jahr geboren wurde, in dem der Stamm, zu dem er gehörte, die Oglala, 100 Pferde gestohlen hat.“ Glaubt man den Winter-Zählungsbildern, den Winter counts, die von Cloud Shield und White Bull gefertigt worden sind, dann handelt es sich dabei um das Jahr 1840.
Auch sein Geburtsort ist nicht eindeutig bestimmbar. Ein Artikel in der New York Sun vom 14. September 1877 über den Tod von Crazy Horse benennt den South Cheyenne River als Geburtsort. Alle anderen Quellen nennen als Geburtsort in South Dakota entweder den Rapid Creek nahe dem heutigen Rapid City, oder Bear Butte bei Sturgis.
Sein Vater (* 1810) hieß ebenfalls Crazy Horse änderte aber den Namen in Worm, nachdem man begann, seinen Sohn ebenso zu nennen. Seine Mutter Rattling Blanket Woman (* 1814) war eine Minneconjou-Lakota. Sie soll sich erhängt haben, nachdem Crazy Horses Bruder bei einem Überfall auf den Stamm der Absarokee getötet worden war. Sein Vater heiratete daraufhin zwei Schwestern des Brulé-Lakota-Häuptlings Spotted Tail. Aus dieser Heirat stammt sein Halbbruder Little Hawk, der bei einem Gefecht am Platte River im Jahre 1871 getötet wurde.
Bevor Crazy Horse seinen Namen erhielt, wurde er Light Hair oder Curly Hair gerufen. Wie bei den Lakota üblich, wechselte der Name mit zunehmendem Alter. Mit etwa zehn Jahren änderte sein Vater den Namen in His Horse on Sight (anderen Übersetzungen zufolge auch: Horse stands in Sight, His Horse looking oder His Horse partly showing). Grund war, dass sein Sohn erfolgreich am Wildpferdefang in den Sandhills von Nebraska teilgenommen hatte. Mit 18 Jahren bekam er dann seinen endgültigen Namen nach einem tapferen Kampf mit den Arapaho.
Erste Gefechte mit dem US-Heer Crazy Horse soll sich im Jahre 1854 im Lager der Brulé-Teton in der Nähe von Fort Laramie aufgehalten haben, als dieses zum Schauplatz des sogenannten Grattan-Massakers wurde. Bei dieser Auseinandersetzung wurden der Sioux-Häuptling Conquering Bear, der unerfahrene Leutnant der US-Infanterie John Lawrence Grattan und 29 Soldaten getötet. Unmittelbar nach dem Grattan-Vorfall begab sich Crazy Horse in die Sandhills, wo er eine Vision hatte, die sein restliches Leben beeinflussen sollte. Die Vision besagte, dass er entgegen der Lakota-Sitte ohne Kriegsbemalung und Federschmuck, aber mit einer Staubschicht auf seiner Haut und seinem Kopf in den Krieg ziehen sollte, dann wäre er unverwundbar. Nach drei Tagen kehrte er ins Lager zurück. Sein Vater war nicht damit einverstanden, dass sein Sohn drei Tage verschwunden war, während das ganze Lager um Conquering Bear trauerte. Als Crazy Horse erzählte, dass er fort war, um eine Vision zu erhalten, wurde sein Vater noch wütender, weil man für eine derart heilige Zeremonie gewisse Voraussetzungen vorab hätte erfüllen müssen.
Im darauf folgenden Jahr 1855 soll Crazy Horse ebenfalls die Vergeltungsaktion des US-Heeres für den Grattan-Vorfall beobachtet haben, als Oberst William S. Harney in der Schlacht von Ash Hollow am Bluewater Creek (Nebraska) ein Lager der Brulé-Teton unter Häuptling Little Thunder vernichtete und zahlreiche Lakota töten oder verschleppen ließ.
Ende der 1850er und Anfang der 1860er Jahre wuchs das Ansehen von Crazy Horse als Krieger und sein Ruhm bei den Lakota immer mehr. Über diese Zeit gibt es wenige schriftliche Quellen, da die Mehrzahl der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Präriestämmen untereinander ausgetragen wurden.
Am 21. Dezember 1866 führte Crazy Horse eine kombinierte Streitmacht von etwa 1000 Kriegern der Oglala, Cheyenne und Minneconjou gegen die US-Truppen aus Fort Phil Kearny. Bei dieser Attacke, dem so genannten Fetterman-Gefecht, lockten Crazy Horse und einige andere hervorragende Krieger eine Abteilung der US Army unter Führung von Captain William Fetterman in einen Hinterhalt. Fetterman hatte zuvor geprahlt, allein mit einer Kompanie seiner Männer riding through the Sioux Nation das Problem im Alleingang zu lösen, wenn man ihn ließe. Crazy Horse hatte als Vorwand einen Holzfällertrupp aus dem Fort angegriffen, woraufhin der kommandierende Oberst Carrington Fetterman und seine Männer ausschickte, um die Holzfäller zu entsetzen, allerdings unter dem strikten Befehl, den Höhenrücken vor dem Fort nicht zu überschreiten, da man sonst den Sichtkontakt verlöre. Crazy Horse hatte einen klassischen Hinterhalt angelegt; als Fetterman und seine Männer durch den dicken Schnee über den Höhenkamm stapften, sahen sie sich einer Übermacht Oglala und Cheyenne gegenüber, die in Windeseile über die überraschten Soldaten herfielen. Keiner der Soldaten überlebte das Gefecht. Dies war die bis dahin schlimmste Niederlage des US-Heeres in den „Great Plains“.
Am 2. August 1867 erlitt Crazy Horse mit 500 Kriegern bei einem Überfall auf eine Holzfällerkolonne in der Nähe des Forts eine empfindliche Niederlage, da die Soldaten des Begleitschutzes zum ersten Mal mit neuartigen Springfield-Hinterladergewehren ausgerüstet waren. Dennoch trug der anhaltende Guerillakrieg der Indianer unter dem Oberkommando von Red Cloud dazu bei, dass die Weißen die Forts Reno, Phil Kearny und C. F. Smith im Jagdgebiet am Powder River aufgaben (Vertrag von Fort Laramie 1868). Im Jahre 1868 wurde Crazy Horse der Titel Ogle Tanka Un verliehen, was man als „Hemdträger“ übersetzen kann.
Im Sommer 1870 heiratete Crazy Horse Black Buffalo Woman, die aber bereits die Ehefrau von No Water war. Es war bei den Lakota aber Sitte, dass eine Ehefrau sich jederzeit von ihrem Mann scheiden lassen konnte. Dies geschah einfach durch Auszug zu Verwandten oder zu einem neuen Ehemann. Ebenso galt das Entfernen der persönlichen Gegenstände des Ehemanns aus dem Zelt als Scheidung. Vom Ehemann wurde erwartet, dass er dies respektierte, um das Zusammenleben des Stammes nicht zu belasten, auch wenn teilweise Entschädigungszahlungen geleistet wurden. No Water befand sich gerade nicht im Lager, als Crazy Horse und Black Buffalo Woman heirateten. Als No Water von der Verbindung erfuhr, suchte er die beiden zusammen mit einigen Kriegern. Als er sie gefunden hatte, schoss er Crazy Horse in den Kiefer. Einige Stammesälteste überzeugten Crazy Horse und No Water allerdings davon, dass kein weiteres Blut vergossen werden sollte. Als Kompensation für die Verletzung erhielt Crazy Horse drei Pferde von No Water. Crazy Horse musste aufgrund der Vorfälle seinen Titel „Hemdträger“ (Führer) abgeben. Etwa zur gleichen Zeit wurde sein Halbbruder Little Hawk getötet. Irgendwann im Jahre 1871 heiratete Crazy Horse seine zweite Frau Black Shawl.
Am 14. August 1872 überfiel er zusammen mit Sitting Bull Truppen, die Eisenbahnarbeiter der Northern Pacific Railroad eskortierten. Bei diesem Gefecht, das als „Gefecht am Arrow Creek“ bekannt wurde, gab es nur minimale Verluste auf beiden Seiten.
Little-Bighorn-Feldzug mini|Crazy Horse in der Schlacht am Little Bighorn: Bild von dem Oglala Amos Bad Heart Bull nach 1890. Mit der Punktierung des Körpers hat der Künstler wohl den Staub andeuten wollen, den der Häuptling vor jedem Kampf auf seiner Haut verteilte Im Jahr 1875 bemühte sich eine Regierungskommission vergeblich, den Lakota die Black Hills (eine Art Mittelgebirge, welches den Prärieindianern heilig ist) abzukaufen, da dort kurz zuvor reiche Goldvorkommen entdeckt wurden. Zur endgültigen Brechung des Widerstandes veranlasste die US-Regierung im nächsten Jahr ausgedehnte Feldzüge des Heeres gegen die letzten freien Stammesverbände, die sich um Crazy Horse und Sitting Bull scharten.
Am 17. Juni 1876 führte Crazy Horse mit etwa 1500 Lakota- und Cheyennekriegern einen Überraschungsangriff auf etwa 1000 Kavalleristen und Infanteristen unter Brigadegeneral George Crook. Auf Seiten des US-Heeres waren auch 300 Shoshonen und Crow-Krieger beteiligt. Diese Schlacht am Rosebud Creek war für die US-Soldaten zwar nicht sehr verlustreich, hinderte aber Crook daran, sich mit dem 7. US-Kavallerie-Regiment unter George A. Custer zu vereinigen, ein Umstand, der später zu der Niederlage des Regiments in der Schlacht am Little Bighorn maßgeblich beitragen sollte.
Am 25. Juni 1876, gegen 15 Uhr, überfiel Custers 7. Kavallerie-Regiment ohne vorherige Aufklärung das Sommerlager der Lakota und Cheyenne am Little Bighorn River. Crazy Horse schlug den ersten Angriff, der von Major Marcus Reno im Süden geführt wurde, rasch zurück. Als sich Renos Abteilung deswegen unter großen Verlusten zurückziehen musste, konnten Crazy Horses Krieger, Custers Bataillon nachsetzen, es schließlich auf einem Hügel („Custers last Stand“) einkesseln und bis zum letzten Mann niedermachen. Während Crazy Horse von Norden und Westen angriff, attackierten Hunkpapa-Krieger unter der Führung von Häuptling Gall die Soldaten von Süden und Osten.
In den folgenden Monaten verfolgte das US-Heer in einem gnadenlosen, auch über den Winter geführten Feldzug die letzten freien Sioux- und Cheyenne-Abteilungen, was zu Flucht, verheerenden Niederlagen und Kapitulationen der Indianer führte, nicht zuletzt auch wegen der rasch schwindenden Bisonherden, ihrer Lebensgrundlage.
Am 8. Januar 1877 kämpften die Krieger in ihrem letzten großen Gefecht, dem Gefecht am Wolf Mountain in Montana gegen die US-Kavallerie.
Am 8. Mai 1877 ergab sich Crazy Horse Einheiten des US-Heeres in Fort Robinson in Nebraska. Er hatte eingesehen, dass sein Volk durch Kälte und Hunger geschwächt war und nicht mehr weiterkämpfen konnte.
Letzte Monate und Tod In der Folgezeit arrangierte sich Crazy Horse zwangsläufig zunächst mit dem Heer. Am 15. Mai 1877 wurde er zum Unteroffizier der US-Indianerscouts ernannt. Er nahm sich die Franco-Indianerin Nellie Larabee als dritte Frau. Die Heeres-Führung forderte ihn auf, nach Washington D.C. zu fahren, um den neugewählten Präsidenten Rutherford B. Hayes zu treffen. Crazy Horse war zunächst dazu bereit, allerdings unter der Bedingung, dass seine Stammesgruppe ein Reservat im Norden erhält. Die Verhandlungen gestalteten sich aber sehr schwierig, bis Crazy Horse vom Plan einer Washington-Reise endgültig Abstand nahm.
Die Zeitzeugen sprachen davon, dass die Aufmerksamkeit, die Crazy Horse vom US-Heer, aber auch von den schon länger im Reservat lebenden Stammesangehörigen zuteilwurde, den Neid anderer Häuptlinge wie Red Cloud und Spotted Tail geweckt hätte. Diese hatten sich bekanntlich schon lange vor ihm im Reservat niedergelassen und mit den Weißen arrangiert. Neid dürfte jedoch nicht der ausschlaggebende Grund für die Spannungen zwischen den führenden Lakota gewesen sein, sondern eine tiefe Entfremdung zwischen den Realpolitikern Red Cloud und Spotted Tail und dem Kriegshäuptling Crazy Horse, der die gewaltigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen auf dem gesamten Territorium der USA unterschätzte. Die wachsenden Zwistigkeiten äußerten sich in Gerüchten, dass sich Crazy Horse seinem alten Kriegerleben wieder zuwenden wolle.