Die Zumwalt-Klasse (Aussprache IPA: /ˈzʊmwɔːlt/) ist eine Zerstörer-Klasse der United States Navy (USN). Ursprünglich sollte die Klasse bis zu 32 Schiffe umfassen und die Arleigh-Burke-Klasse als Rückgrat der Zerstörerflotte der USN ablösen. Aus Kostengründen (4,4 Mrd. US-Dollar pro Einheit) wurde diese Zahl jedoch immer weiter reduziert, bis nur noch der Bau von lediglich drei Einheiten der Zumwalt-Klasse genehmigt wurde. Stattdessen wurde die Produktion weiterer Schiffe der Arleigh-Burke-Klasse in Auftrag gegeben.

Als erste wurde die USS Zumwalt 2016 in Dienst gestellt.US-Zerstörer im Panamakanal stecken geblieben. In: Spiegel Online. 23. November 2016. Mittlerweile sind alle drei Schiffe fertiggestellt, das letzte befindet sich Stand 2020 in der Erprobung.

Mit einer Vermessung von 15.656 ts sind die Schiffe der Zumwalt-Klasse deutlich schwerer als die derzeitigen Zerstörer der USN (und schwerer als die Schweren Kreuzer des Zweiten Weltkriegs). Sie haben außerdem ein radikal modernisiertes Design, das sie zu Tarnkappenschiffen macht.

Geschichte Projektentwicklung Bereits 1991, parallel zur Indienststellung der ersten Einheit der Arleigh-Burke-Klasse, startete die USN ein Programm, aus dem die nächste Generation von Kriegsschiffen hervorgehen sollte, die letztlich auch die Burkes ersetzen sollte. Dieses lief unter dem Titel SC-21 (Surface Combatant, 21st Century).

Aus diesem Programm ging Ende der 1990er Jahre auch das Zerstörer-Projekt DD-21 hervor. Zwei konkurrierende Teams traten in einem Wettbewerb um die Entwicklung der Klasse an. Team Blue bestand aus Bath Iron Works, zusammen mit Lockheed Martin, als Partner für die Schiffssysteme und Team Gold aus Ingalls Shipbuilding mit Raytheon. Geplant war, für die ersten Einheiten bis zu 1,5 Mrd. US-Dollar auszugeben, ab der zehnten Einheit noch 750 Mio. Dollar, bei einer Baurate von drei Schiffen pro Jahr und der ersten Indienststellung 2008.Norman Polmar: Naval Institute Guide to the Ships and Aircraft of the U.S. Fleet. US Naval Institute Press, Annapolis, 2005, ISBN 978-1-59114-685-8. Seiten 145 f. Vorgesehen waren 32 Einheiten der Klasse. Bereits hier war geplant, das Typschiff der Klasse USS Zumwalt zu nennen, nach Admiral Elmo R. Zumwalt, der im Zweiten Weltkrieg als Offizier diente und bis zum Vietnamkrieg zum Chief of Naval Operations aufgestiegen war.

Im Mai 2001 wurde das Programm zwischenzeitlich gestoppt, da die US-Regierung im Quadrennial Defense Review die Rüstungsausgaben und die USN selbst ihre Beschaffungsstrategie überprüfen wollten.Navy Delays DD 21 Source Selection Decision. Pressemeldung des DoD. In: defenselink.mil. (englisch). Diese brachte letztlich das Ende für das Projekt, davon abgeleitet wurde aber das neue Programm DD(X), das nun eine günstigere, kleinere Version des DD-21 zum Ziel hatte.

Die neue Ausschreibung wurde am 30. November 2001 gestartet, die alten Teams um Bath und Ingalls waren wieder die Konkurrenten. Am 29. April 2002 ging Ingalls, das inzwischen zu Northrop Grumman gehörte, als Sieger aus der Ausschreibung hervor. Der Entwicklungskontrakt hatte einen Wert von 2,9 Mrd. Dollar, enthielt aber noch keinen Vertrag über den Bau der ersten Einheit. General Dynamics, als Mutter der Bath Iron Works, legte dagegen Protest vor dem Government Accountability Office ein, dieser wurde jedoch im August negativ beschieden, sodass die Entwicklung bei Ingalls begann.

Northrop Grumman begann danach die Entwicklung, neben Raytheon wurden aber auch Bath Iron Works mit Lockheed Martin und BEA Systems als Partner ins Boot geholt. Ursprünglich plante die USN weiterhin, 32 Einheiten der Klasse zu bauen. Aus Kostengründen wurde dies bald auf 24, dann auf nur mehr sieben Einheiten reduziert.National Defense Authorization Act of 2007, (PDF, englisch).

2006 gab die USN bekannt, auch das neue Typschiff nach Zumwalt benennen zu wollen. 2008 wurde der Name der zweiten Einheit bekanntgegeben. Sie wird Michael Monsoor heißen, nach dem Navy SEAL Michael Monsoor, der 2006 im Irak umkam und posthum die Medal of Honor erhielt. Die Schiffe erhalten die Rumpfnummern DDG-1000 und -1001. Damit weicht die USN erneut von ihrem Klassifizierungsschema ab. Als Lenkwaffenzerstörer erhalten die Schiffe korrekt die Kennung DDG für Destroyer Guided Missile. Damit hätte die laufende Nummer nach Michael Murphy, der letzten zu diesem Zeitpunkt geplanten Einheit der Burke-Klasse, ansetzen müssen. Stattdessen fiel die USN auf die laufende Nummer der alten Zerstörer-Klassifikation DD zurück. Diese Nummerierung lief bis Hayler aus dem Jahr 1983, der die Kennung DD-997 trug. Aus symbolischen Gründen fielen zusätzlich die zwei folgenden Nummern weg.

Bau mini|links|Unterzeichnung der ersten Verträge 2008 Die ersten beiden Bauaufträge vergab die USN im Februar 2008 an Bath Iron Works für das erste und Ingalls Shipbuilding für das zweite Schiff. Bath wollte seinen Zerstörer, die USS Zumwalt, 2013 an die USN ausliefern, Ingalls 2014. Zu diesem Zeitpunkt waren Kosten von je 3,3 Mrd. US-Dollar vorgesehen. Tatsächlich könnten die Kosten für diese beiden Schiffe auf über 5 Mrd. Dollar pro Einheit steigen. Die folgenden Schiffe sollten rund 2,5 Mrd. US-Dollar kosten, Experten des Congressional Budget Office, Congressional Research Service und Government Accountability Office schätzen die tatsächlichen Kosten jedoch auf bis zu 4 Mrd. Dollar pro Einheit.DDG 1000 program will end at two ships. In: Navy Times (englisch). Allein für die Entwicklung hat die USN bis 2008 rund 13 Mrd. Dollar für das gesamte Projekt aufgewendet. In: Navy Times (englisch).

Ende Juli 2008 wurde bekannt, dass die USN den Bau der Zumwalt-Klasse nach den ersten beiden Einheiten beenden wollte. Neben den hohen Kosten gab es auch technische Gründe. Entgegen vorherigen Versicherungen sei die Klasse nicht in der Lage, Luftverteidigung gegen Flugzeuge oder ballistische Raketen zu leisten, so Vizeadmiral Barry McCullough am 31. Juli vor dem Kongress der Vereinigten Staaten. Stattdessen wolle die USN weitere konventionelle Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse anschaffen, die besser für diese Art der Kriegsführung geeignet seien. In: Defense News. (englisch). Nur drei Wochen später, am 19. August, gab die US-Senatorin Susan Collins aus Maine bekannt, dass die USN nun doch ein drittes Schiff der Klasse bauen wolle. Unter anderem dürften wirtschaftliche Gründe eine Rolle gespielt haben. Bath Iron Works mit Sitz in Maine ist stark von Zerstörerbauten abhängig, während Northrop Grumman mit seinen Zerstörer-Standorten Ingalls und Avondale noch mehrere andere Klassen im Bau hat, darunter die San-Antonio- und America-Klasse. So drohten mehrere Politiker der betroffenen Regionen damit, ansonsten Geld für zukünftige Bauvorhaben zu blockieren. In: Navy Times (englisch). Im September 2008 gaben Repräsentantenhaus und Senat in einer Erklärung bekannt, dass sie im Budget für 2009 2,5 Mrd. Dollar für DDG-1002 bereitstellen wollen, die jedoch nach Entscheidung des Marine-Staatssekretäres auch für den Bau von weiteren Burkes verwendet werden können. In: Navy Times (englisch).

Im April 2009 verkündete Gene Taylor, Vorsitzender des Seapower-Unterkomitees des United States House Committee on Armed Services, dass im Rahmen von Kostenreduktionen eine Einigung mit den betroffenen Werften getroffen worden sei, nach der Bath die Entwicklung und den Bau aller drei geplanten Schiffe übernehmen solle, während Ingalls dafür die Führungsrolle beim Wiederanstoß der Burke-Produktion bekomme. In: Navy Times (englisch).

Die Kiellegung des ersten Schiffes, der DDG-1000 Zumwalt, erfolgte am 17. November 2011; der Stapellauf am 28. Oktober 2013.

Technik Rumpf mini|Grafik der Rumpfform Der Rumpf ist 186 m lang und 25 m breit, der Tiefgang beträgt rund 8,4 m. Damit sind die Zerstörer fast 30 m länger und 5 m breiter als ihre Vorgänger der Arleigh-Burke-Klasse. Dabei sind sie jedoch über 50 % schwerer, statt rund 9.000 ts verdrängen sie gut 15.600 ts. Damit verdrängen die Zumwalts mehr als viele der ungefähr gleich langen Atomkreuzer. Aus dieser Gattung kommt lediglich die Long Beach an die neuen Schiffe heran, war dabei aber auch 40 m länger.

mini|links|Schnitt durch den Rumpf

Die Zumwalt-Klasse setzt auf eine andere Rumpfform als ihre Vorgänger. Die besonders schmale Bugform reduziert den Auftrieb in diesem Bereich und verhindert so, dass der Bug auf Wellen aufschwimmt, sondern lässt ihn die Welle durchschneiden, wodurch das Schiff und damit die Waffenplattform ruhiger im Wasser liegt. Gleichzeitig verhindert der zur Arleigh-Burke-Klasse niedrigere Tiefgang in Kombination mit dem Bugsonar und der flachen sowie zum Heck hin abflachenden Rumpfform ein Auflaufen oder ggf. Kippen in flachen, z. B. küstennahen oder dem Tidenhub unterworfenen, Gewässern oder auch Flüssen. Es wird ein Rumpf mit nach innen geneigten Seitenwänden (: tumblehome hull oder o-shape) eingesetzt, der im Gegensatz zur klassischen Rumpfform (englisch: flare hull oder v-shape) seine größte seitliche Ausdehnung nicht an Deck, sondern auf Höhe der Wasserlinie hat und von dort aus wieder schmaler wird. Es gibt ein einzelnes, komplett verkleidetes Deckshaus, dessen Wände sich ebenfalls nach innen neigen. Da außerdem auf Masten verzichtet wurde, erinnert die Rumpfform des Zerstörers eher an ein an der Wasseroberfläche fahrendes U-Boot.

Der völlige Verzicht auf rechtwinklig zur Wasseroberfläche angeordnete Flächen reduziert den effektiven Radarquerschnitt. Außerdem wurde auf niedrige akustische, magnetische und infrarote Signaturen Wert gelegt (Tarnkappentechnik). Obwohl die „Zumwalt“ größer als gewöhnliche Zerstörer ist, wirkt sie nach Aussage der USN auf feindlichen Radarschirmen nicht größer als ein Fischerboot. Dies erweitert – insbesondere in Kombination mit den Einsatzmöglichkeiten in Flachgewässern und der Bewaffnung (u. a. Long Range Land Attack Projectiles (LRLAP, „weitreichendes Projektil gegen Landziele“) oder auch Railgun) – die Einsatzmöglichkeiten, auch im offensiven Bereich, erheblich.

Hinter dem Deckshaus befindet sich eine Landefläche für Helikopter, in die Aufbauten ist ein Hangar integriert.

Antrieb Jedes Schiff der Zumwalt-Klasse soll insgesamt vier Gasturbinen besitzen. Davon werden zwei Hauptturbinen des Typs Rolls-Royce MT 30 mit einer Leistung von je 35 Megawatt und zwei Hilfsturbinen, ebenfalls von Rolls-Royce, mit einer Leistung von je vier Megawatt sein. Zum Antrieb der zwei Propeller werden zwei Drehstrom-Asynchronmaschinen eingesetzt. Die Schiffe der Klasse verwenden ein Integrated Power System (IPS, auch IEP). Zu den wichtigsten Merkmalen der IPS-Architektur gehört die Fähigkeit, Antrieb, Bordnetz und Kampfsysteme aus denselben Gasturbinen-Generatoren mit Strom zu versorgen. Diese Flexibilität ermöglicht signifikante Energieeinsparungen.

Bewaffnung mini|Grafik der Zumwalt im Einsatz Raketen und Marschflugkörper