Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist eine Gebietskörperschaft im Land Sachsen-Anhalt. Er wurde im Zuge einer Gebietsreform am 1. Juli 2007 aus den ehemaligen Landkreisen Bitterfeld und Köthen sowie aus Teilen des bisherigen Landkreises Anhalt-Zerbst gebildet.
Geographie Die sichelförmige Fläche des Landkreises erstreckt sich über 1454 km².Regionaldatenbank des Bundesamtes für Statistik Vom nördlichsten Ort Nedlitz bis zum südlichsten Ort Brehna-Torna liegt eine Distanz von 59 Kilometern, während der westlichste Ort Köthen-Dohndorf vom östlichsten Ort Schwemsal 48 Kilometer entfernt ist. An seiner schmalsten Stelle auf der Höhe von Aken ist der Landkreis jedoch nur sieben Kilometer breit. Die Landschaft ist weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Im Bereich Bitterfeld-Wolfen gibt es große Chemiewerke und seit 2001 in Thalheim das Solar Valley mit Photovoltaikbetrieben. Im Süden bilden stillgelegte Braunkohlentagebaue eine Seenlandschaft, im Norden reicht der Landkreis an den bewaldeten Höhenzug Fläming heran, wo sich mit dem 173 Meter hohen Gorrenbergen über NN, in der Gemarkung Grimme auch die höchste Erhebung befindet. Bei Aken teilt die Elbe im Biosphärenreservat Mittlere Elbe den Landkreis in eine nördliche und eine südliche Hälfte, der südöstliche Teil wird von der Mulde durchflossen.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Der heutige Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Vergleich zum historischen Herzogtum Anhalt Der Name des Landkreises ist historisch nur bedingt richtig: Die Namenskombination mit Anhalt gab es in der Vergangenheit nur bei Territorien, die tatsächlich im Zusammenhang mit dem Fürstentum bzw. Herzogtum Anhalt standen, zum Beispiel Anhalt-Köthen und Anhalt-Zerbst. Das namensgebende Bitterfeld gehörte jedoch zu keiner Zeit zu einem anhaltischen Herzogtum. Allerdings gehörte Bitterfeld zum Kurfürstentum Sachsen, das wie Anhalt von den Askaniern begründet wurde. Im Kurfürstentum Sachsen endete deren Herrschaft jedoch bereits 1423, in Anhalt erst 1918.
Tatsächlich liegt der Landkreis zum überwiegenden Teil in Gebieten, die früher zu Anhalt gehörten, nämlich dem 1252 entstandenen Anhalt-Köthen und dem 1382 abgespaltenen Anhalt-Zerbst. Während Anhalt-Zerbst nur bis zur Zerbster Teilung 1793 eigenständig war, hatte Anhalt-Köthen bis 1847 Bestand, seit 1807 als Herzogtum. Beide Territorien gingen 1918 im Freistaat Anhalt auf. Der südliche Bereich des Landkreises um die Städte Bitterfeld-Wolfen und Brehna gehörte von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis 1815 zur Grafschaft Brehna, die seit 1423 zum wettinischen Herrschaftsbereich zählte. mini|ohne|hochkant=1.2|Köthen, mit ca. 25.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt, ist Kreissitz
Als Ergebnis des Wiener Kongresses kam das Gebiet der ehemaligen Grafschaft mit weiteren nördlichen Teilen Sachsens zur preußischen Provinz Sachsen und wurde 1816 dem neu gebildeten Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg zugeschlagen. Das restliche Gebiet ging 1918 nach der Gründung des Freistaates Anhalt in die Kreise Dessau-Köthen und Zerbst über.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten alle drei Kreise zum Land Sachsen-Anhalt. Nach der DDR-Gebietsreform von 1952 wurden die Kreise Köthen und Bitterfeld dem Bezirk Halle und der Kreis Zerbst dem Bezirk Magdeburg zugeordnet. Alle drei Kreise hatten auch nach der Neugründung des Landes Sachsen-Anhalt im Jahre 1990 weiter Bestand. Die zweite Kreisgebietsreform im Land Sachsen-Anhalt im Jahr 2007 sah ursprünglich nur die Zusammenlegung der Landkreise Bitterfeld und Köthen vor. Durch einen Bürgerentscheid erzwangen jedoch die Einwohner von Zerbst und 21 weiteren Gemeinden, die ursprünglich zum Landkreis Jerichower Land gehen sollten, eine Zuordnung zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Wegen seiner Lage im neugebildeten Kreis wurde Köthen zum Sitz des Landratsamtes bestimmt.
Bevölkerung Jahr Einwohner 2007 184.877 2010 176.642 2015 164.817 2020 157.217 Jahr Einwohner 2021 155.900 2022 154.366 2023 153.801 2024 153.035
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Besiedlung
In der Siedlungsdichte gibt es ein eindeutiges Süd-Nord-Gefälle. Allein in der größten Stadt des Landkreises, Bitterfeld-Wolfen, und den angrenzenden Städten Sandersdorf-Brehna und Zörbig leben auf etwa 282 km² (19 % der Gesamtfläche) 39 Prozent der Kreisbevölkerung. Die nördlichste Stadt Zerbst mit zahlreichen eingemeindeten Ortsteilen bringt es bei etwa 468 km² (32 % Flächenanteil) nur auf 14 Prozent Bevölkerungsanteil.
Politik Kreistag Das nebenstehend dargestellte Ergebnis der Kreistagswahl vom 9. Juni 2024 führte zu folgender Sitzverteilung im Kreistag:
+ Ergebnisse vergangener Kreistagswahlen Parteien und WählergemeinschaftenProzent2024Sitze2024 Prozent2019 Sitze2019 Alternative für Deutschland (AfD)32,818 18,7 10 Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)25,914 25,9 14 Die Linke9,65 13,9 7 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)8,85 11,5 6Freie Wähler (FW)7,24—— Freie Demokratische Partei (FDP)4,22 5,9 3 Pro Wolfen3,02 3,5 2 Bündnis 90/Die Grünen (GRÜNE)2,92 4,9 3 FREIE FRAKTION ZERBST (FFZ)2,81 2,9 2 Freie Wählergemeinschaft Anhalt1,91 1,7 1 Bürgerinitiative Anhalt-Köthen/Wählerliste Sport0,90 1,0 — Freie Wählergemeinschaft Anhalt-Bitterfeld—— 6,5 4 Freie Wählergemeinschaft Muldestausee—— 2,0 1 Interessengemeinschaft Bürger für Köthen (Anhalt) und Umgebung – Unabhängiges Wählerbündnis—— 1,2 1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)—— 0,5 — Gesamt 100 54 100 54 Wahlbeteiligung 60,2 % 49,0 %
Landrat 2007–2021: Uwe Schulze (CDU) seit 2021: Andy Grabner (CDU)
Schulze wurde am 6. Mai 2007 in einer Stichwahl mit 70,1 % der gültigen Wählerstimmen zum Landrat des neugegründeten Landkreises Anhalt-Bitterfeld gewählt. Vorher war er bereits Landrat des aufgelösten Landkreises Bitterfeld. Zur Wahl 2021 trat er aus Altersgründen nicht mehr an.
Grabner wurde bei der Landratswahl am 6. Juni 2021 mit 57,3 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Landratswahl am 6. Juni 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Die Wappen der Verwaltungsgemeinschaften, Städte und Gemeinden des Landkreises findet man in der Liste der Wappen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.
Flaggenbeschreibung Die Flagge ist schwarz - gelb (1:1) gestreift (Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend, Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mittig mit dem Landkreiswappen belegt.§ 2 der Hauptsatzung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld Hauptsatzung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld
Dienstsiegel Der Landkreis führt ein Dienstsiegel, das dem der Hauptsatzung beigefügten Dienstsiegelabdruck entspricht. Die Unterschrift lautet: „Landkreis Anhalt-Bitterfeld“.
Auszeichnung Am 23. September 2008 erhielt der Kreis den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Wirtschaft Im Süden des Landkreises ist nicht nur der industrielle Schwerpunkt der Region, sondern des ganzen Landes Sachsen-Anhalt beheimatet. Chemie (Chemiepark Bitterfeld-Wolfen), Metallverarbeitung und Solarzellenherstellung bestimmen die traditionelle Wirtschaftsregion Bitterfeld-Wolfen. Köthen bildet mit der Hochschule Anhalt das wissenschaftliche Zentrum des Landkreises, während der Norden überwiegend landwirtschaftlich geprägt ist.
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld Platz 386 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „hohen Zukunftsrisiken“. Im Zukunftsatlas 2019 wurde der Landkreis auf Rang 381 gelistet und konnte sich somit leicht verbessern.
Infrastruktur mini|Bitterfeld-Wolfen ist mit ca. 39.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt im Landkreis mini|Zerbst ist mit ca. 21.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Verkehr Durch den Landkreis verläuft ein dichtes Netz von Bundesstraßen, von denen die B 184 Leipzig – Magdeburg und die B 185 Harzgerode – Dessau von größter Bedeutung sind. Durch den Süden verläuft die Autobahn A 9 Berlin – München. Der direkte Weg der Zerbster Region zur Kreisstadt Köthen führt über die Bundesstraße 187a, die bei Aken jedoch über die Elbe nur mit einer Fährverbindung passiert werden kann.
Im Bahnhof Köthen treffen sich die Bahnstrecken Magdeburg–Leipzig, Dessau–Köthen und Köthen–Aschersleben. In Eisenbahnknoten Bitterfeld kreuzen die Bahnstrecken Berlin–Halle und Biederitz–Leipzig. Letztere erschließt auch das nördliche Kreisgebiet über Zerbst nach Magdeburg. Die Nahverkehrszüge werden größtenteils von DB Regio Südost und Regionalverkehre Start Deutschland betrieben. Seit Dezember 2019 gilt bei diesen Unternehmen der Tarif des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV).
Über den öffentlichen Binnenhafen Aken an der Bundeswasserstraße Elbe ist Zugang zu den Nordseehäfen sowie nach Süd- und Osteuropa gewährleistet.
Gesundheitswesen Im Landkreis befinden sich mit dem Gesundheitszentrum Bitterfeld-Wolfen, der Helios Klinik Köthen und der Helios Klinik Zerbst/Anhalt drei Krankenhäuser. Im Mai 2008 gab es in Anhalt-Bitterfeld 111 Hausärzte, fünf Prozent waren zwischen 60 und 64 Jahre alt.Mitteldeutsche Zeitung – Köthener Zeitung, „Ärztemangel thematisiert“, 11. Juni 2008
Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 20 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).
Gemeinden
Einheitsgemeinden(Städte sind fett hervorgehoben)(* Sitz des Landkreises) Wappen Gemeinde Einwohner () Flächein km²regionalstatistik.de Regionaldatenbank des Bundesamtes für Statistik (Stand: 31. Dezember 2016) 40px|zentriert Aken (Elbe) 40px|zentriert Bitterfeld-Wolfen 40px|zentriert Köthen (Anhalt)* 40px|zentriert Muldestausee 40px|zentriert Osternienburger Land 40px|zentriert Raguhn-Jeßnitz 40px|zentriert Sandersdorf-Brehna 40px|zentriert Südliches Anhalt 40px|zentriert Zerbst/Anhalt 40px|zentriert Zörbig
Gebietsänderungen mini|Sandersdorf-Brehna ist mit ca. 15.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt mini|St.-Germanus-Kirche in Gölzau In den Jahren seit 1990 fanden im Gebiet des heutigen Landkreises Anhalt-Bitterfeld wie im gesamten Land Sachsen-Anhalt umfangreiche Gebietsänderungen statt.Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
Von den ursprünglich 17 Verwaltungsgemeinschaften auf dem Gebiet des heutigen Landkreises bestehen seit dem 1. Januar 2010 keine mehr. Die Anzahl der Gemeinden verringerte sich von 118 auf 13.
Verwaltungsgemeinschaften (VG) Auflösung der VG Köthen-Arensdorf-Baasdorf – Eingliederung der Gemeinden in die Stadt Köthen (Anhalt) (1. Januar 2004) Auflösung der VG Ziethetal – Eingliederung der Gemeinden Dohndorf, Löbnitz an der Linde und Wülknitz in die Stadt Köthen (Anhalt); Eingliederung der Gemeinde Wörbzig in die Stadt Gröbzig in der VG Fuhneaue; Eingliederung der restlichen vier Gemeinden in die VG Osternienburg (1. Januar 2004) Auflösung der VG Sandersdorf – Eingliederung der Gemeinden in die Gemeinde Sandersdorf (1. Juli 2004) Auflösung der VGs Anhalt-Süd, Fuhneaue und Oberes Ziethetal – Bildung der VG Südliches Anhalt aus 22 Gemeinden der aufgelösten VGen (1. Januar 2005) Auflösung der VGs Muldestausee und Schmerzbach – Bildung der VG Muldestausee-Schmerzbach aus zehn Gemeinden der aufgelösten VGen (1. Januar 2005) Auflösung der VG Am Strengbach – Bildung der VG Bitterfeld aus den Gemeinden der aufgelösten VG Am Strengbach, der Stadt Bitterfeld, der Gemeinde Holzweißig sowie zwei Gemeinden aus der aufgelösten VG Muldestausee (1. Januar 2005) Auflösung der VG Jeßnitz-Bobbau – Eingliederung der Gemeinde Jeßnitz (Anhalt) in die VG Raguhn; Eingliederung der Gemeinden Greppin und Bobbau in die Verwaltungsgemeinschaft Wolfen (1. Januar 2005) Auflösung der VGs Loburg, Vorfläming und Zerbster Land – Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe aus 21 Gemeinden der aufgelösten VGen (1. Januar 2005) Auflösung der VG Zörbig – Bildung der Einheitsgemeinde Zörbig aus den Mitgliedsgemeinden (1. Januar 2005)