mini|Das 1983 eröffnete Innovations- und Gründerzentrum in Berlin

Ein Gründerzentrum ist eine Einrichtung zur Unterstützung technologieorientierter, möglichst innovativer Neugründungen und Jungunternehmen bzw. auf Wachstum angelegter Startup-Unternehmen. Daneben sollen Technologie- und Gründerzentren zur regionalen Wirtschaftsförderung und Vernetzung beitragen. Synonym werden auch die Begriffe Existenzgründerzentrum, Technologiezentrum, Innovationszentrum, Startup-Zentrum oder auch Inkubator benutzt.

Weltweit existieren über 10.000, europaweit mehr als tausend Gründerzentren, davon befinden sich ca. 500 allein in Deutschland. Der Großteil dieser Zentren betreut Unternehmen und Gründer aller Branchen. Es gibt allerdings auch auf bestimmte Zukunftsthemen bzw. Spitzentechnologien spezialisierte Zentren, z. B. für Nanotechnologie, Informationstechnik (IT), Biotechnologie, Kreativwirtschaft, Umwelttechnik, Automobiltechnik oder Luft- und Raumfahrttechnik.Schwartz und Hornych: Technologie- und Gründerzentren im Lichte von Diversifizierung versus Spezialisierung, Diskussionspapiere des Institutes für Wirtschaftsforschung, Halle 2008.

Einer stadtökonomischen Untersuchung Berlins von 2014 zufolge sei ein urbanes Umfeld mit hoher Einwohnerdichte, lebendigem Ausgeh- und Kulturleben und guter Lebensqualität für die Startup- und Gründerszene wichtig, die Arbeit und Leben nah beieinander zusammenbringt. Büroviertel, Technologieparks und Gründerzentren auf der „Grünen Wiese“ und fernab städtischen Lebens seien demzufolge eher unattraktiv für die meisten Gründer, auch bei guter Verkehrsanbindung.Culturally Clustered or in the Cloud? Location of Internet Start-ups in Berlin (englisch), Kristoffer Moeller (TU Darmstadt), Studie für das Spatial Economics Research Centre (PDF-Datei; 3,8 MB), Zusammenfassung auf Deutsch bei gruenderszene.de.

Zu Gründerzentren gehören Netzwerke, die eine Gründerausbildung und Gründungsförderung anbieten.

Geschichte Das Konzept der Business Incubation stammt aus den USA, wo Joseph Mancuso 1959 das Batavia Industrial Center in einem Warenhaus in Batavia, New York, eröffnete. In den 1980er Jahren verbreitete es sich in England und Kontinentaleuropa und nahm unterschiedliche Formen an (Innovationszentren, pépinières d’entreprises, Technopolen, Wissenschaftsparks, Hochschulinkubatoren).

Auf dem AEG-Areal Voltastraße in Berlin-Gesundbrunnen wurde 1983 das Innovations- und Gründerzentrum (BIG) eröffnet, das erste Gründerzentrum Deutschlands. 1985 folgte dort der Technologie- und Innovationspark Berlin (TIB)..

Typen Eine spezielle Form ist der Hochschulinkubator. Unterschieden werden Non-Profit- und For-Profit-Inkubatoren wie beispielsweise Rocket Internet oder HitFox.HitFox: Berliner Spiele-Vertreiber wandelt sich zum Inkubator, Die Welt, 29. Mai 2013, abgerufen am 8. September 2015. Letztere werden überwiegend von privaten Trägern kofinanziert und sind in den USA weiter verbreitet als in Europa. Ferner werden Branchen- und gemischte Gründerzentren unterschieden.

Für die Vorbereitung und den Erfahrungsaustausch von Inkubatoren werden auch einschlägige Tagungen, Barcamps und Konferenzen veranstaltet.

Ziele Ziele eines Gründerzentrums können u. a. sein: Förderung von Unternehmensgründungen Unterstützung junger Unternehmen Verbesserung der Wachstumschancen Steigerung der Überlebensrate (85+ Prozent im Schnitt) Förderung des regionalen Strukturwandels Entwicklung von Netzwerkstrukturen und Synergien Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sowie zwischen Unternehmen Schaffung von neuen qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen Vermeidung des Abwanderns qualifizierter Arbeitskräfte

Entscheidend für den Erfolg von Unternehmensgründungen und Startups insgesamt sei laut einer RKW-Studie ein „fruchtbares regionales Gründer-Ökosystem“ und gründerfreundliches Klima, welches durch das Zusammenspiel von Talenten, erfolgreichen Unternehmern, Finanzierungsmöglichkeiten, Bildungseinrichtungen, bürokratiearmer Politik und Verwaltung, potenziellen Kunden, leistungsfähiger Infrastruktur (vor allem digitaler) und Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Offenheit für Innovationen, Kreativität und eine hohe Lebensqualität entstehe. Dies sei mit guter Koordinierung auch außerhalb großer Städte möglich, etwa mit einem proaktiven, qualitätsvollen Regionalmanagement und durch die Vernetzung regionaler Gründer-Initiativen und Gründerzentren.Neues RKW Magazin zum Treffpunkt: Gründerökosystem. RKW, abgerufen am 20. November 2015.

Vorteile Gründerzentren können sowohl Kosten- wie auch Entwicklungsvorteile für die Zentrumsfirmen bieten. So etwa Beratung und Coaching bei der Planung, Gründung und beim Aufbau der Firma, Unterstützung bei der Kapitalsuche, günstige und flexible Mietflächen (Büro, Labor, Produktionsstätten), Infrastrukturausstattung und Gemeinschaftseinrichtungen (Intranet, Veranstaltungsräume, Kantine etc.). Service- und Dienstleistungspakete durch das Zentrumsmanagement und Netzwerkpartner, wie Fördermittelmanagement, Sekretariatsservice, Networking, Kontaktvermittlung und Kooperationsberatung.

Nachteile Ein Teil der Gründerzentren arbeitet nicht kostendeckend, so dass die meist öffentlichen Träger Verluste ausgleichen müssen. Dies geschieht meist aus öffentlichen Haushalten. Weiter erhalten eine Reihe der Zentren Anschubfinanzierung in Form von Zuschüssen zu Investitionen.

Diese öffentlichen Aufwendungen fließen erst zurück, wenn sich die geförderten Unternehmen am Markt etablieren können und die investierten Gelder durch positive volkswirtschaftliche Effekte – z. B. Einkommensteuern der Mitarbeiter, Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer zurückgeführt werden.Bertram Dressel, Guido Baranowski, Andrea Glaser: Innovationszentren in Deutschland 2010/2011. Statistische Angaben zu den Innovationszentren in Deutschland, Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte. Berlin 2010.

Von Vertretern der Evolutionsökonomik wird darauf hingewiesen,Vgl. z. B. Howard E. Aldrich: Organizations evolving. London: Sage Publishers 1999. dass die am Erfolg möglichst vieler der von ihnen geförderten Start-ups interessierten Einrichtungen den Selektionsprozess durch den Markt nicht simulieren können. Jüngere Studien kommen gelegentlich zu der Einschätzung,Vgl. z. B. M. Schwartz: A control group study of incubators’ impact to promote firm survival. In: The Journal of Technology Transfer, 38(2012)3, S. 302–331. dass die Inkubation unabhängig von der Verweilzeit in den Technologiezentren nicht signifikant zum Überleben und Wachstums der inkubierten Unternehmen beigetragen hat.

Technologiezentren in Deutschland

Die deutschen Gründerzentren sind bundesweit über den Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (BVIZ)ADT Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V. und auf Länderebene (etwa Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Technologie- und Gründerzentren oder Verband der Baden-Württembergischen Technologie- und Gründerzentren) vernetzt. Gründerzentren haben sich seit fast 30 Jahren in Deutschland als wirksames Wirtschaftsförderinstrument bewährt. Im November 1983 wurde mit dem Berliner Innovations- und Gründungszentrum (BIG) das erste Gründerzentrum in Deutschland eröffnet. Allerdings wird deren Effektivität und Effizienz in einigen wissenschaftlichen Publikationen angezweifelt. Andere Studien aber bestätigen durchaus, dass sich die öffentlichen Investitionen zur Errichtung und zum Betrieb der Zentren in Form von Steuerrückzahlungen der ausgesiedelten Unternehmen für die betreibende Kommune bzw. Stadt lohnen.

Technologiezentren in den deutschen Ländern (Auszug):

Baden-Württemberg Technologiezentrum Allensbach (TZA), Allensbach CyberLab Hightech.Gründer.Schmiede., Karlsruhe Technologiezentrum Horb am Neckar, Horb am Neckar Stuttgart: Technologie-Transfer-Initiative (TTI) an der Universität Stuttgart ARENA2036 Technologiezentrum Konstanz (TZK), Konstanz Mannheim: MAFINEX-Technologiezentrum, Mannheim CUBEX MedTech-Zentrum, Mannheim BadenCampus, Breisach

Bayern mini|EGZ Ingolstadt Augsburg: Technologie- und Gründerzentrum aiti-Park, Augsburg Umwelt-Technologisches Gründerzentrum Augsburg Innovations- und Gründerzentrum (IGZ), Bamberg Existenzgründerzentrum (EGZ) Ingolstadt UnternehmerTUM, Garching bei München Innovationszentrum der Bundeswehr, Erding Munich Urban Colab, München Digitales Gründerzentrum Einstein1, Hof (Saale) Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB), Planegg bei München TechBase, Regensburg WERK1, München Schweinfurt: Chancen-Center Maintal Gründer-, Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS)

Berlin Berliner Innovations- und Gründerzentrum (BIG) im Technologie- und Innovationspark Berlin (TIB) Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof (WISTA) Startup Incubator Berlin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Social Impact Lab

Brandenburg GO:INcubator, Potsdam Technologiezentrum Teltow (TZT), Teltow

Bremen Bremer Innovations- und Technologiezentrum (BITZ) Gründerzentrum im World Trade Center

Hamburg Hit-Technopark Hamburg, Hamburg-Harburg

Hessen Technologie- und Innovationszentrum (TIZ), Darmstadt Science Park Kassel Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie GmbH

Mecklenburg-Vorpommern Wissenschafts- & Technologiepark Nord°Ost° (WITENO), Greifswald Neubrandenburg: Technologie-, Innovations- und Gründerzentrum, Neubrandenburg (Neu.TIG) Zentrum für Lebensmitteltechnologie, Neubrandenburg (ZLT) Parchimer Innovations- und Technologiezentrum, Parchim (PITZ) Kompetenzzentrum Flugzeugentwicklung und Flugzeugbau, Pasewalk (KFF) Rostock: AgroBio Technikum für grüne Biotechnologie, Groß Lüsewitz (Sanitz) bei Rostock Biomedizinisches Forschungszentrum (BMFZ) Lasertechnologie- und Transferzentrum (LTTZ) Maritimes Brand- und Sicherheitszentrum Ostsee (MBSZ) Rostocker Innovations- und Gründerzentrum, Rostock (RIGZ) Innovations- und Trendcenter, Rostock/Bentwisch (ITC) Informatik Center Roggentin, Rostock/Roggentin (ICR) Forschungszentrum für Biosystemtechnik und Biomaterialien, Rostock-Warnemünde (FBB) Technologiezentrum Warnemünde, Rostock-Warnemünde (TZW) – mit Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Life Science Kompetenzzentrum Technologie- und Gewerbezentrum Schwerin/Wismar, Schwerin und Wismar (TGZ) – mit Wasserstoff-Kompetenzzentrum (WZK) und Multimediaport Stralsunder Innovations- und Gründerzentrum, Stralsund (SIG) Biomedizintechnikum Teterow, Teterow (BMTT).

Niedersachsen Gründerzentrum Ostfriesland, Ostfriesland, Hauptstelle Aurich (GZO) Gründungszentrum Clausthal-ZellerfeldGründungszentrum Clausthal-Zellerfeld. Life Science Factory, Göttingen Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg, Oldenburg (TGO) Technologiezentrum Hildesheim GmbH Technologie- und Gründerzentrum, Osnabrück (ICO) Hannover: hannoverimpuls – gemeinsame Gründungsberatung von Stadt und Region Hannover und Betrieb folgender Büro-, Labor- und Werkstattflächen Technologiezentrum im Wissenschaftspark – Büros, Werkstätten, Labore H96 – Büros und Werkstätten Unternehmerinnen-Zentrum Hannover – Büroflächen Hafven – StartUpLab mit Coworkingspace, Büro- und Werkstattflächen Nexster – Entrepreneurshipcenter der Hochschule Hannover starting Business – Gründungsservice der Leibniz Universität Hannover

Nordrhein-Westfalen Aachen: Medizintechnisches Zentrum Aachen (MTZ) Technologiezentrum am Europaplatz (TZA) Gründerzentrum der RWTH Aachen Bio-Security Kompetenzzentrum für biologische Sicherheit in Bönen Technologiezentrum Dortmund, Dortmund Technologiezentrum-Tectrum und Gründerzentrum-GRIID Duisburg-Neudorf im sogenannten Mikroelektronikpark Kompetenzzentrum für Wärmepumpentechnik und Solarthermie NRW in Gladbeck. Innovationszentrum (IWG) Rechtsrheinisches Technologie- und Gründerzentrum Köln (RTZ) Technologiepark Herzogenrath, Herzogenrath (TPH)