Der Polo 86C (oder Polo II) ist ein Fahrzeugmodell von Volkswagen, das von September 1981 bis Juli 1994 in den Werken Wolfsburg, Mosel und Pamplona (Spanien) insgesamt rund 1,7 Mio. Mal gefertigt wurde. Wie sein Vorgänger hatte er Frontantrieb mit vorne quer eingebautem Motor. Er war mit dreitüriger Steil- oder Schrägheck-Karosserie erhältlich.
Die Polo-Modelle der zweiten Generation waren als günstige und robuste Kleinwagen vor allem bei Fahranfängern und Minimalisten beliebt. Die Sicherheitsausstattung war gegen Ende der Bauzeit nicht mehr zeitgemäß und auch die Komfortausstattung war bei den meisten Fahrzeugen sparsam gehalten.
Modellgeschichte 1981–1990: Polo 86C Im September 1981 stellte VW den Nachfolger der ersten Polo-Generation auf der IAA vor. Das erste Fahrzeug verließ am 17. September 1981 das Wolfsburger Werk.Gifhorner Rundschau. Ausgabe 219/2016 vom 17. September 2016, S. 21. Mit der neuen Steilheck-Karosserie ergab sich bei kaum veränderten Außenabmessungen ein deutlich größerer Innenraum. Das Komfortmaß war mit 180 Zentimetern fast gleich geblieben, in den Pressetexten wird mit zwölf Millimetern mehr Raumlänge geworben. Neben der Sitzraumhöhe vergrößerte sich durch ausgeformte Türverkleidungen auch die Innenbreite. Das Kofferraumvolumen blieb bis zur Höhe der Abdeckung zwar fast unverändert. Durch Umlegen der Rückbank vergrößerte es sich jedoch auf 1000 Liter und es ließen sich selbst Güter von der Größe einer Waschmaschine transportieren. Die Heckklappe reichte nun 17 cm tiefer als beim Polo I, bis herunter zur Stoßstange. Entgegen der damaligen Entwicklungstendenz, blieb Volkswagen beim Polo II vorerst bei herkömmlichen Stoßfängern und einer Frontschürze aus Metall. Der Cw-Wert konnte auf 0,39 verringert werden (E-Version: 0,37). Die Leermasse vergrößerte sich zunächst nur geringfügig auf 700–720 kg.Neuentwicklungen im PKW-Bau. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1981, S. 348–349.
Die OHC-Motoren mit 1,1- und 1,3 Litern Hubraum mit 37 kW (50 PS) und 44 kW (60 PS) wurden vom Polo I übernommen. Der bisherige 0,9-Liter-Motor hingegen wurde zu einem Motor mit 1043 cm3 weiterentwickelt. Dieser ließ sich wesentlich wirtschaftlicher fahren: Er erreichte die gleiche Leistung von 29 kW (40 PS) schon bei 5300/min statt 5900/min, sowie 74 statt 54 Nm Drehmoment bereits bei 2700 statt 3500/min. Eine Besonderheit war die Verlegung der Verbrennung in den Kolben (Heronkopf). Dank hoher Quetschwirkung und entsprechend großer Bewegung des Kraftstoff-Luftgemischs stellte dieser Motor trotz auf 9,5 angehobener Verdichtung keine erhöhten Ansprüche an die Kraftstoffqualität beziehungsweise neigte nicht zum klingeln.
Kennzeichen des Fahrwerks waren an der Vorderachse Einfachquerlenker mit Stabilisator und Teleskopfederbeinen (MacPherson-Federbein), an der Hinterachse eine Verbundlenkerachse mit Teleskopfederbeinen, Zahnstangenlenkung, und eine Zweikreisbremse in X-Aufteilung mit Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten. Ab 37 kW gab es einen Bremskraftverstärker dazu, und in Verbindung mit dem 1,3-l-Motor einen Bremskraftbegrenzer für die Hinterräder.
Zu Anfang gab es den Polo in den Ausstattungsversionen C, CL und GL. Im CL gab es Tageskilometerzählwerk, Bremskontrollleuchte, Scheibenwisch-Intervallschalter und Wisch-Wasch-Automatik. Im GL gab es darüber hinaus einen von innen verstellbaren Außenspiegel und eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage.Zum Konzept der neuen VW-Baureihe Polo/Derby. In: Kraftfahrzeugtechnik. 1/1982, S. 27–29.
Außerdem gab es die Ausführung Formel E. Heckabrisskante und weitere Maßnahmen führten zur Absenkung des Cw-Wertes von 0,39 auf 0,37. Die Instrumententafel war mit einer Wirtschaftlichkeitsanzeige bestückt. Der hier verwendete 1,1-l-Motor hatte eine von 8 auf 9,7 heraufgesetzte Verdichtung. Die unveränderte Maximalleistung von 37 kW wurde schon bei 5600/min statt 5800/min erreicht und das Drehmoment betrug 82 Nm bei 3300/min statt 77 Nm bei 3500/min. Ein anders abgestuftes 4-Gang-Getriebe machte den vierten Gang zum Schongang, sodass die Höchstgeschwindigkeit im dritten Gang erreicht wurde. Aber auch der Achsantrieb selbst war niedriger übersetzt. Bei konstant 90 km/h betrug der Kraftstoffverbrauch dieser Ausführung nur 4,9 l/100 km. Eine Kostenersparnis ergab sich für den Fahrzeughalter daraus jedoch eher nicht, da der Anschaffungspreis größer war und Kraftstoff mit hoher Oktanzahl benötigt wurde.
Fahrzeuge für den außerdeutschen Markt trugen zumeist die Typenbezeichnung 86C, die sie auch beim Re-Import nach Deutschland behielten.
Modellpflege Frühe Ausführungen des Polo II hatten zum Teil dünne teilverchromte Kunststoffleisten relativ weit oben über die gesamte Länge des Fahrzeugs. Später waren es nur noch Kunststoffstoßleisten zwischen den Radhäusern auf Höhe der Stoßfänger. Zu den ersten Polos gehören auch die großen Lenkräder mit knochigem dünnen Lenkradkranz. Im Laufe der Zeit bekamen alle Polos kleinere, dick umschäumte Lenkräder. Auch die Rückfahrscheinwerfer wurden verändert: Die ersten Modelle hatten nur eine kleine Leuchtfläche mit rotem Rahmen, während später ein komplett weißes Streuglas eingeführt wurde.
Im Februar 1982 folgte die Neuauflage der Stufenheckvariante Derby. Die Schrägheckvariante Polo Coupé folgte im August 1982 und war von Anfang an eher auf Sportlichkeit ausgelegt. Deshalb war der neu entwickelte 1,3-l-55-kW-Motor (75 PS) vorerst auch nur für das Coupé in der neuen Ausstattungsvariante GT erhältlich, außerdem gab es das Coupé auch als CL und GL. Auch heute noch ist das Coupé die beliebteste Karosserievariante aller Polos.
Im August 1983 ersetzte ein neuer 1,3-Liter-Motor (VW EA111) mit 40 kW (54 PS) die bisherigen Motoren mit 37 (50) und 44 kW (60 PS).
Im März 1984 begann die Produktion des Polos im Seat-Werk Pamplona (Spanien), das später von der Volkswagen AG erworben wurde. Im August 1984 fiel die gehobene GL-Version weg. Im Gegenzug wurde die CL-Ausstattung aufgewertet. Das Polo Coupé war von nun an auch mit dem 29-kW-Motor (40 PS) erhältlich und die GT-Ausstattung war ab sofort auch mit dem 44-kW-Motor (60 PS) verfügbar. Gleichzeitig führte Volkswagen die neuen Autoradio-Generationen alpha, beta und gamma ein.
Im Januar 1985 wurde der Derby in Polo Stufenheck umbenannt. Gleichzeitig bekam er runde Scheinwerfer.
Ab August 1985 konnte man den Stadtlieferwagen mit Lkw-Zulassung bestellen. Dafür erhielt man einen Steilheck ohne Rückbank, dafür mit unverglasten Seitenwänden, Laderaumverkleidungen und Trenngitter hinter den Vordersitzen. Vor allem kleine Handwerksbetriebe oder Einzelhändler sollten damit angesprochen werden. Außerdem konnte man ab sofort das Coupé auch in der C-Ausstattung bestellen.
Im selben Monat wurde der 1,05-l-29-kW-Motor (40 PS) durch einen neuen 1,05-l-33-kW-Motor (45 PS) ersetzt. Außerdem wurde als Topmodell das Coupé als GT G40 vorgestellt.
Im Juli 1986 führte VW einen 1,3-l-Dieselmotor mit 33 kW (45 PS) für den Polo ein. Einen Monat später, im August 1986, entfiel die Ausstattungsvariante C.
Ab August 1987 beschränkte man sich für den Polo auf drei Ausstattungsvarianten – Fox, CL und GT. Die CL-Variante wurde etwas abgespeckt, der GT wurde etwas aufgewertet. Der Fox wurde als neues Basismodell aus einem ehemaligen Sondermodell heraus geschaffen. Der 1,3-l-55-kW-Motor (75 PS) war nun auch für das Steilheck erhältlich. Charakteristisch für den Polo II blieben die vorderen Dreieckfenster, die nicht (wie nach einer Überarbeitung am Golf II im Sommer 1987) wegfielen.
Der Polo Stufenheck und der Stadtlieferwagen waren ab August 1988 nicht mehr für den deutschen Markt erhältlich. Dafür erhielten die 33- (45-) und 40 kW- (55-PS)-Motoren einen Katalysator, den es für den 55 kW- (75-PS)-Motor erst ab Oktober 1989 gab.
Im August 1989 wertete VW alle Modellvarianten auf. Als letzte Änderung des Modellprogramms vor dem großen Facelift war ab April 1990 ein elektrisches Faltschiebedach als Sonderausstattung lieferbar. Ab August 1990 wurde ein neuer 1,4-l-35-kW-Dieselmotor (48 PS) verbaut.
Vom 21. Mai 1990 an wurde der Polo auch in Mosel montiert: Zunächst vom IFA-Kombinat PKW, in der damals noch bestehenden DDR. Dabei handelte es sich um ein gerade neu eröffnetes Endmontagewerk, das eigentlich für den Trabant vorgesehen war. Durch die politische Wende veränderte sich die Situation schlagartig. Infolge bereits früherer Kooperationen mit der DDR wurde schon im Dezember 1989 die IFA VW GmbH mit Sitz in Wolfsburg gegründet.Peter Kirchberg: Plaste, Blech und Planwirtschaft. Nicolai-Verlag 2000, S. 674. Anfangs liefen dann VW Polo und Trabant 1.1 gemeinsam auf demselben Endmontageband,Eine neue Chance für Sachsenring. Freie Presse vom 22. Mai 1990, S. 3. ab August 1990 wurden nur noch VWs in Mosel produziert. Im Dezember wurde dann die Volkswagen Sachsen GmbH gegründet, die den weiteren Aufbau des Werkes in Mosel organisierte.
Mit dem Polo 86C wurde von 1983 bis 1989 ein Markenpokal im Motorsport unter dem Namen „Internationaler Wintershall VW Polo Cup“ als Nachfolger des Golf-GTI-Cups ausgetragen. In den Jahren 1983 bis 1985 gingen Polo Coupés mit 1,3-l-Motoren an den Start, die dank eines Solex-Doppelvergasers 65 kW (88 PS) leisteten. Von 1986 bis 1989 gab es den G40-Motor mit 82 kW (115 PS) (Motorkennbuchstabe MM) und geregeltem Katalysator, der die 750 kg schweren Coupés in 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigte. Charakteristisch für die Cup-Polos waren die 13 Zoll großen Leichtmetallräder im Design des VW-Logos.
1990–1994: Polo 86C „2F“ Im Oktober 1990 erfolgte eine umfassende Modellpflege des Polos. Im Innenraum fand ein neues Armaturenbrett mit mehr Ablagen, höher gelegtem Radioschacht, Drehreglern für Heizung und Lüftung und neu gestalteten Instrumenten Platz. Außerdem wurden mit der Modellpflege neue Lenkräder, vollverkleidete Türen und hintere Seitenwände, neue Lenkstockhebel und erstmals zwei vordere Lautsprecherschächte eingebaut.
Außen wurde der Polo ebenfalls überarbeitet. Die Stoßfänger wurden großflächiger gestaltet, um sie für kleine Beschädigungen unempfindlicher zu machen. Der Vorderwagen und die Heckpartie wurden neu gestaltet, was eine Änderung der Seitenteile im Anschlussbereich an das Wagenheck bedingte. Größere eckige Scheinwerfer sorgen für eine bis zu 50 % höhere Fahrbahnausleuchtung und größere Rückleuchten für mehr aktive Sicherheit. Die Frontblinker wurden mit dem 86C „2F“ neben den Scheinwerfern montiert, sodass sie auch von der Seite erkennbar wurden. Der cw-Wert des Polo 86C konnte 1990 um 10 % verbessert werden. Dazu wurde die Heckscheibe bei Steilheck und Coupé bündig verklebt und der Vorderwagen wurde abgerundet. Daher wird er sehr oft als Polo 2F (Facelift) bezeichnet.
Den überarbeiteten Polo gab es wieder als Stadtlieferwagen (Typbezeichnung 86CF), jedoch in Deutschland und Österreich nicht mit Stufenheck. In Deutschland hatte nur die Deutsche Telekom Polo Coupés mit Lkw-Zulassung. Der Telekom-Polo hatte keine zugeschweißten Seitenscheiben, eine andere Ladefläche als das Steilheck, und die Trennwand ging nicht nur bis auf Kopfstützenhöhe, sondern schloss mit dem Dachhimmel ab.
Die Einführung des Polo-86C-Nachfolgers, der Polo 6N (oder der echte Polo 3) war von VW schon früher als 1994 geplant, aufgrund des enormen Erfolges des Polo 2F wurden die Pläne aber mehrfach verschoben. Besonders diverse Sondermodelle wie beispielsweise der Polo „Genesis“ mit einer besonders sportlichen Sonderausstattung ab Werk und Sonderfarben im Innenraum sorgten für hohe Verkaufszahlen. Weitere attraktive Sondermodelle waren unter anderem Polo Boulevard, Universal, Style, Scot und GT Extra.
Am 12. September 1991 wurde in Mosel die Montage des Polos wieder eingestellt. Seit Mai 1990 wurden insgesamt 17.978 Polos in Mosel hergestellt.Volkswagen Sachsen GmbH (Hrsg.): Chronologie des Engagements von Volkswagen in den neuen Bundesländern. Zwickau 2014, S. 1–2.
Im August 1991 wurden die Ausstattungsvarianten Fox, CL, GT & G40 aufgewertet.