mini|hochkant=1.3|Mahn- und Gedenkstätte Landeshauptstadt Düsseldorf, Mühlenstraße 29, Düsseldorf-Altstadt, im März 2016 Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ist ein Kulturinstitut der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie ist Museum, Forschungsstätte und Archiv. Das Haus wurde 1987 eröffnet und ist seither der Erinnerung an die Düsseldorfer Opfer und Verfolgten des NS-Regimes gewidmet. Sie befindet sich im westlichen Teil des historischen Stadthauses in der Altstadt und zeigt seit einer grundlegenden Renovierung und ihrer Wiedereröffnung im Mai 2015 die Dauerausstellung „Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus“.Gedenkstätte öffnet ihre Pforten. auf welt.deDüsseldorfer Schicksale : Gedenkstätte öffnet nach langer Renovierung. auf: juedische-allgemeine.deHerr Katz besucht sich im Museum. auf: rp-online.de

Gedenkstätte im historischen Stadthaus mini|Raum des Luftschutzbunkers im Keller der Gedenkstätte (2007) Die Gedenkstätte befindet sich im Westteil des alten Stadthauses. Die Räume dienten in der Zeit des Nationalsozialismus als Büros, Vernehmungsräume und Haftzellen der Polizei. 1926 bis Anfang 1934 hatte hier das Polizeipräsidium seinen Sitz, dem zwischen April 1933 und März 1934 auch die neu entstandene Staatspolizeileitstelle Düsseldorf (Gestapo) untergeordnet war. Später bezogen die Schutzstaffel (SS) und das Wehrbezirkskommando das Haus, ferner waren städtische Behörden untergebracht, die an der Verfolgung und Ausgrenzung von Juden, Sinti und Homosexuellen beteiligt waren oder für den „Arbeitseinsatz“ der rund 40.000 Zwangsarbeiter auf Düsseldorfer Stadtgebiet (Arbeitsamt) verantwortlich zeichneten. Im Krieg wurden die Kellerräume als öffentliche Luftschutzräume genutzt, die noch heute zu besichtigen sind.

Entstehung Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde vorgeschlagen, eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Düsseldorf zu errichten. Beschlossen wurde zunächst die Errichtung eines zentralen Mahnmals, das aber erst 1958 am Nordfriedhof durch den Künstler Jupp Rübsam realisiert werden konnte.

Infolge der Majdanek-Prozesse gegen ehemalige Angehörige der Kommandantur und der Wachmannschaften des KZ Majdanek, die 1975 bis 1981 vor dem Landgericht Düsseldorf stattfanden, wurden die Überlegungen, eine zentrale Gedenkstätte einzurichten, von Jugendverbänden, den Kirchengemeinden, der Jüdischen Gemeinde, dem 1982 gegründeten Landesverband Deutscher Sinti und Roma NRW und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wieder aufgegriffen. Im Jahre 1986 stimmten schließlich alle im Rat vertretenen Parteien für die Einrichtung einer zentralen Gedenkstätte. Der Düsseldorfer Jugendring hatte besonders hierfür plädiert; alle Gruppen engagierten sich für die Einrichtung, die schließlich am 17. September 1987 als Kulturinstitut der Landeshauptstadt Düsseldorf eröffnet werden konnte. Die Gedenkstätte wurde von 1988 bis zum 31. Dezember 2010 von der Historikerin und Pädagogin Angela Genger geleitet, die zuvor Leiterin der Alten Synagoge Essen gewesen war; ihr Nachfolger wurde 2011 der Historiker Bastian Fleermann.

Konzept und Aufgaben mini|Büros und Archiv, Mühlenstraße 6 (2016) Die Mahn- und Gedenkstätte widmet sich der Befragung von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und dokumentiert und analysiert die Zeit des Nationalsozialismus in Düsseldorf. Sie verfügt über umfangreiche Archiv- und Sammlungsbestände sowie über eine Präsenzbibliothek mit über 8000 Bänden zur Zeitgeschichte. Zu besichtigen war bis 2011 die in den Jahren 1986/87 erstellte Dauerausstellung Verfolgung und Widerstand in Düsseldorf 1933–1945. Die Ausstellung, die maßgeblich durch die Historiker Bernd-A. Rusinek und Kerstin Griese konzipiert wurde, informierte über die Situation der katholischen und evangelischen Kirche und deren Mitglieder, über die Zeugen Jehovas, über die politischen Parteien wie SPD und KPD sowie über die Anarchisten. Düsseldorfer Künstler unter dem Nationalsozialismus wurden vorgestellt, ebenso dargestellt wurden die Euthanasie, die Verfolgung der Sinti und Roma und deren Ermordung. Ein eigener Raum erinnerte zudem an die ausgegrenzten, vertriebenen und ermordeten Juden in Düsseldorf. Diese Dauerausstellung wurde 2011 abgebaut.Angela Everts: Interview mit Bastian Fleermann: „Die Menschen gehen offener mit der Vergangenheit um“. In: Westdeutsche Zeitung. 27. Mai 2013, abgerufen am 7. März 2015.Michael Brockerhoff: Mahn- und Gedenkstätte wird um ein Hofgebäude erweitert. In: Rheinische Post. 12. September 2013, abgerufen am 7. März 2015. Archiv- und Verwaltungsräume sind seit 2009 dauerhaft im nahe gelegenen Haus Mühlenstraße 6 angesiedelt.Sema Kouschkerian: Auf Augenhöhe mit den Kindern. In: Westdeutsche Zeitung. 10. August 2011, abgerufen am 8. Juni 2015.

Umbau und Neukonzeption 2011 bis 2015 Zwischen 2011 und 2015 erfolgte eine räumliche Neukonzeption. Eine neue Ausstellungshalle in Innenhof führt alle Bereiche der Gedenkstätte zu einer einheitlich zu nutzenden Fläche zusammen. Nach vierjähriger Umbauphase, Modernisierung und Erweiterung wurde das Haus am 14. Mai 2015 mit verdreifachter Gesamtfläche durch Oberbürgermeister Thomas Geisel wiedereröffnet. Seitdem ist auch die neue, biografisch-erfahrungsgeschichtlich ausgerichtete Dauerausstellung „Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus“ zu sehen. Anhand von Beispielen wird der Frage nachgegangen, wie sich junge Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus verhalten haben, welche Alltagserfahrungen und Prägungen sie erfahren haben und was aus ihnen wurde. In einem neuen Anbau im ehemaligen Innenhof („Forum“) thematisiert eine kleinere Dauerausstellung die Nachgeschichte des Nationalsozialismus in Düsseldorf von 1945 bis heute. Im Hinterhaus befinden sich der „Julo-Levin-Raum“ für Veranstaltungen, Sonderausstellungen und die didaktische Arbeit und die Bibliothek. Der Luftschutzkeller ist weiterhin zu besichtigen. Die neu konzipierte Gedenkstätte ist barrierefrei, multimedial vernetzt und mit Hilfe eines Audioguides für englischsprachige Besucher erschließbar.

Beatrice-Strauss-Zentrum Seit April 2024 verfügt die Gedenkstätte über einen eigenen Veranstaltungsraum, der vor allem der Bildungsarbeit und den Abendveranstaltungen dient: das Beatrice-Strauss-Zentrum an der Marktstraße 2 (Innenhof), dem Rathaus Düsseldorf und dem Jan-Wellem-Reiterdenkmal unmittelbar benachbart. Der rund 160 Quadratmeter große Raum verfügt über eine Bühne und Veranstaltungstechnik. Das Zentrum ist dem Andenken an die Düsseldorfer Pädagogin und Wissenschaftlerin Dr. Beatrice Strauss gewidmet, die an der Jüdischen Volksschule an der Kasernenstraße unterrichtete und 1941 in das Ghetto Minsk deportiert wurde.Einladung Medientermin 10.4.24: Eröffnung des Beatrice-Strauss-Bildungszentrums. Pressedienst Stadt Düsseldorf, 2024. Abgerufen am 7. April 2024.

Gedenk- und Lernort Das Institut richtet im Auftrag der Stadt Gedenkveranstaltungen aus, beispielsweise zum 9. November oder an der Statue Ehra oder Kind mit Ball am alten Hafen in der Carlstadt (Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma). Die Gedenkstätte initiierte das Projekt Weg der Befreiung, das 2011 fertiggestellt werden konnte. Auch betreute es die Errichtung eines zentralen Mahnmals auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Derendorf, das seit April 2012 an die Deportation der rheinischen Juden zwischen 1941 und 1945 erinnert. Das Institut hat sich für die Einrichtung zahlreicher Düsseldorfer Gedenkorte für Opfer des Nationalsozialismus eingesetzt. Es finden Veranstaltungen und Sonderausstellungen, Schulprojekte, Führungen und Stadtrundgänge statt. Eine umfangreiche Bildungs- und Vermittlungsarbeit wird angeboten, verschiedene Publikationen sind erhältlich. Zwischen 1991 und 2007 wurde das Periodikum Augenblick. Berichte, Informationen und Dokumente der Mahn- und Gedenkstätte mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten herausgegeben (34 Ausgaben). Nach Angaben der Leitung kommen bis zu 30.000 Besucher jährlich in die Gedenkstätte, Stand 2017.Ohne Autorenangabe: Mahn- und Gedenkstätte feiert drei Jahrzehnte. In: Rheinische Post, 18. September 2017, S. D 2 Düsseldorf.

Die städtische Gedenkstätte ist im landesweiten Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW organisiert.

Sonderausstellungen seit der Wiedereröffnung Palimpsest. Erinnerungsschichten. Fotografien von Gideon Sella (Juni–Oktober 2015) Helfen und Heilen. Jüdische Düsseldorfer Frauen 1933–1945 (November 2015-Januar 2016) Verlorene Kunst zurück. Das virtuelle Leopold Fleischhacker Museum (November 2015-Januar 2016) Im Gedenken der Kinder. Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit (Februar–Mai 2016) Neues Land. Fotografien von Hans Berben 1946–1951 (Mai–Dezember 2016) Fred Stein. Auf dem Weg. Dresden-Paris-New York (Januar -Mai 2017) Landschaft, die mich erfand... – Paul Celan, Rose Ausländer und die Bukowina als europäische Erinnerungsregion (Mai–Juli 2017) Ohne Obdach. Ohne Schutz. Soziale Außenseiter im nationalsozialistischen Düsseldorf (September 2017-Januar 2018) Menschen in Auschwitz. Häftlingsporträts von Josef R. Hein (Januar bis Juli 2018) Die Körper der SS. Ideologie, Propaganda und Verbrechen (September 2018 bis Januar 2019) weiblich – mutig – unvergessen. Düsseldorfer Frauen in der Geschichte (Februar bis März 2019) Goldsteins Traum. Von Düsseldorf ins Gelobte Land. Eine fotografische Annäherung (April bis Oktober 2019) Im Niemandsland. Die Abschiebung der polnischen Juden aus Düsseldorf 1938 (Oktober 2019 bis März 2020) Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand (März bis Juni 2020) "Im Namen des Volkes"!? § 175 StGB im Wandel der Zeit (Juni bis August 2020) "Du Jude!" – Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland (August bis Oktober 2020) Die Kommissare. Kriminalpolizei an Rhein und Ruhr 1920–1950 (November 2020 bis Dezember 2021) zwangs sterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934–1945 (Februar bis August 2022) Molari im Heinefeld. Bilder und Erzählungen von Otto Pankok zu Düsseldorfer Sinti und Sintizze (Oktober 2022 bis Mai 2023) 1933 – ein Jahr verändert Düsseldorf (Juni bis September 2023) Brandgefährlich. Die Düsseldorfer Feuerwehr im Nationalsozialismus (Oktober 2023 bis Mai 2024) Das war hier. Düsseldorfer Gedenkzeichen im öffentlichen Raum. Fotografiert von Thomas Stelzmann (Juni bis Oktober 2024) Innovativ, erfolgreich, jüdisch. Düsseldorfer Visionäre: Freundlich, Schöndorff, Loewy. (November 2024 bis September 2025) Düsseldorf 1945: ÜberLeben in der Stadt (April 2025 bis September 2025) Gefährdet leben. Queere Menschen 1933 bis 1945 (Oktober 2025 bis Juli 2026)

Förderverein Der am 27. Januar 1998 gegründete Förderkreis der Gedenkstätte ist überparteilich und gemeinnützig. Er hat fast 500 Mitglieder (Stand: Dezember 2021).Förderkreis der Mahn- und Gedenstätte Düsseldorf e V. auf duesseldorf.de, abgerufen am 15. Mai 2022. Vorstandsvorsitzende des Fördervereins: Hermann Laupsien (1998–2004) Susanne Reichstein (2004–2007) Wolf Jenkner (2007–2012) Rainer Pennekamp (2012–2018) Pfarrerin Henrike Tetz (seit 2018)

Themenaspekte und größere Forschungsprojekte Eine Auswahl von Themenaspekten, mit denen sich die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf auseinandersetzt: Juden in Düsseldorf – Geschichte und Gegenwart der Düsseldorfer Juden Stadthaus (Düsseldorf) – Hausgeschichte Aktion Rheinland und Weg der Befreiung – Widerstandsaktion zur Rettung Düsseldorfs im April 1945 Staatspolizeileitstelle Düsseldorf – die Gestapo im Regierungsbezirk Bahnhof Düsseldorf-Derendorf – Ort der Deportationen 1941–1945

Die Deportation ins Ghetto Litzmannstadt 1941 (2004–2012)