mini|Das deutsche Spatenmodell 1898 mini|Schweizer Soldat mit einem Klappspaten auf dem Rücken Der Feldspaten ist eine militärisch genutzte kurze Variante des Spatens. Er wird von Soldaten zum Ausheben von Erdbefestigungen wie Schützenmulde und Kampfstand, auch Schützengraben oder Schützenloch benutzt. Früher war zudem der Begriff des Schanzzeugs gebräuchlich. In beiden Weltkriegen und auch heute noch wird der kurze Feldspaten als Nahkampfwaffe genutzt.
Eine Variante des Feldspatens ist der Klappspaten. Spatenstiel und Spatenblatt sind beim Klappspaten durch ein Scharnier verbunden, wodurch das Gerät zusammengeklappt werden kann und weniger Platz benötigt.
Geschichte und Verwendung mini|Römisches Pionierspatenblatt Schon in der Antike führten militärische Einheiten Schanzwerkzeuge mit sich. So ist aus antiken Quellen und archäologischen Funden bekannt, dass römische Armeeeinheiten ihre Lager und Stellungen mit aufwendigen Erdarbeiten ausbauten. Militärisches Schanzzeug, wie das Rutrum oder die Dolabra, war Teil der Grundausstattung für den römischen Soldaten. Schanzarbeiten gehörten für ihn zur praxisbezogenen Ausbildung und Übung. Der archäologische Befund kennt hunderte von Übungslagern, die sich oft rund um große Kastelle finden.
Der Erfinder des modernen Feldspatens ist der dänische Offizier Mads Johan Buch Linnemann. Sein Feltspade (dänisch für Feldspaten) oder auch Den Linnemannske Spade (M.1870) wurde 1870 patentiert und in der dänischen Armee eingeführt. Linnemann reiste durch ganz Europa und stellte verschiedenen Heeresleitungen seine Erfindung vor. In Österreich-Ungarn wurde der Feldspaten 1870 eingeführt und in Wien wurde ein Werk für den Bau seines Feldspatens gebaut. In Deutschland wurde der Feldspaten 1874 eingeführt. Das russische Heer führte den Feldspaten 1878 als MPL-50 ein. Frankreich führte den Linnemannschen Spaten 1879 ein. Für das US-amerikanische Heer wurde von Edmund Zalinski ebenfalls ein Feldspaten konzipiert.
Deutschland Kaiserliches Heer Modell 1874 mini|Der Feldspaten M1874 mini|Das Spatenmodell 1898 (Vorderseite) mini|Das Spatenmodell 1898 (Rückseite) mini|Maschinengewehrkompanien des kaiserlichen Heeres erhielten verkleinerte Ausführungen des Spatens Anfang April 1874 wurde von Feldversuchen berichtet, die „mit dem in der dänischen Armee eingeführten sogenannten Linnemann’schen Spaten“ gemacht wurden. Es war geplant bei einem günstigen Versuchsausfall große Mengen des Spatens anzuschaffen.Correspondenzen. In: Oesterreichisch-ungarische Militärische Blätter, Band 1, Prochaska, Teschen 1874, S. 356. In dieser Zeit wurde von Seiten einiger Offiziere gegen die Einführung des Spatens angeschrieben, so im August desselben Jahres. Es gab damals bereits etliche Verantwortliche, die den Grabenkrieg und das Heranführen der Gräben an den Feind als die Quintessenz der kommenden Kriegführung ansahen, was von anderer Seite bestritten wurde, da für diese das offensive Moment verloren ging. Vielmehr sah diese Fraktion den Graben als ein defensives Mittel an. Daher betrachteten die Gegner des Feldspatens dessen Mitführung durch den Infanteristen als Unglück, da so die Beweglichkeit der Truppe durch die Mehrbelastung des Einzelnen leiden würde.Militairische Zeit und Streitfragen – Schützengräben und Infanterie-Spaten. In: Militär-Wochenblatt. 62/1874, S. 592. Des Weiteren wurde bemängelt, dass der Soldat den kurzen Feldspaten nur kniend bedienen konnte, was ja eine unbequeme Haltung zum Graben sei. Die Feldspatengegner gingen davon aus, dass eine preußische Kompanie mit weniger Spaten von normaler Größe dasselbe leisten konnte.Rezension zu: Instruktion für die Anwendung des Infanterie-Spatens. (Nach System Limmemann.), Wien 1873. In: Militär-Wochenblatt 65, 1874, S. 621. Das Bild des in Frontstellung kauernden und grabenden Soldaten, das andere Offiziere durch die fortschreitende Waffentechnik bereits als künftiges Szenario im Blick hatten, war bei etlichen Verantwortlichen noch nicht angekommen. Vielfach war offensichtlich noch das Bild des klassischen Linieninfanteristen gegenwärtig.
Das deutsche Kaiserreich führte aufgrund der positiven Feldversuche den Spaten nach dem System LinnemannWilhelm Roth, Rudolf Lex (Hrsg.): Handbuch der Militär-Gesundheitspflege. 3. Band, Verlag von August Hirschwald, Berlin 1877, S. 117. als tragbares Schanzzeug am 26. November 1874 auf höchsten kaiserlichen Erlass hin für Infanterie- und Jägerbataillone ein. Mit der Bezeichnung tragbares Schanzzeug unterschied sich der 0,70 bis 0,77 Kilogramm schwere Spaten aus Eschenholz und gehärtetem Gußstahlblech vom großen Schanzzeug. Das Futteral für den Feldspaten M1874 umschloss das Spatenblatt und besaß einen Trageriemen, der 23 Zentimeter über dem Futteral eine 3,2 Zentimeter breite Öse für den Spatenstiel besaß. Das tragbare Schanzzeug wurde damit über die rechte Schulter, den Säbelgurt, den beiden Tornisterriemen und den Brotbeutelriemen gehängt und lag an der linken Tasche des Feldrocks an. Das nach rechts und oben zeigende Stielende des Schanzzeugs befand sich damit zwischen der Mantelrolle und dem Tornister.Das neue tragbare Schanzzeug der Deutschen Infanterie. In: Organ der Militär-wissenschaftlichen Vereine XII. Band Wien 1876, S. 53–55; hier: S. 54.
Modell 1887 Das erste Nachfolgemodell (M87) erschien 1887, wobei es sich hier eigentlich nur um eine veränderte Tragweise mit neuer Spatentasche handelte. Seit der Verfügung vom 3. März 1887 wurde das tragbare Schanzzeug hinter dem Seitengewehrschuh auf das Koppel geschoben.Reiner Herrmann: Uniformen der deutschen Infanterie 1888 bis 1914 in Farbe. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02292-3, S. 84. Damit übernahmen die Verantwortlichen unter anderem in ähnlicher Form die bereits von Anfang an in Österreich übliche Trageweise des Spatens.
Modelle 1898 Im Jahr 1898 (M98) erschien das nächste Spatenmodell, das als Hauptunterschied eine verstärkte Trittkante besaß, die links und rechts des Spatenblattes vernietet war. Anstelle des Metallrings, der die Tülle bisher zusätzlich zusammengehalten hatte, wurde diese Aufgabe nun von einem aus einem Stahlblech geschnittenen Werkstück übernommen. Im Bereich der Tülle ringförmig zusammengeschmiedet, wurde dieses Blech wie beim ursprünglichen Ring, durch eine Nietpunkt am Holzschaft des Griffes gesichert. Der Nietkopf war an diesem Punkt und an der weiter oben sitzenden Nietstelle der Tülle beim Modell 98 abgeflacht ausgeführt, da die halbrunden Nietköpfe beim Marschieren am Mann scheuern konnten.
Im Ersten Weltkrieg wurden alle drei Modelle eingesetzt und – scharf angeschliffen – zu einer gefürchteten Waffe im Grabenkrieg Mann gegen Mann. Da die Briten im Gegensatz zu den anderen Ländern keinen handlichen Feldspaten besaßen, sondern Konstruktion namens Pattern 1908 entrenching tool einsetzten, die erst zusammengesetzt werden musste und eine Mischung aus Spitzhacke und Feldspaten war, waren deutsche Feldspaten eine beliebte Beutewaffe.
Reichswehr Der nun als kleines Schanzzeug bekannte Spaten M98 wurde bei der Reichswehr in unveränderter Form beibehalten. Der Spaten besaß ein leicht gewölbtes rechteckiges Blatt, an dem mittels fünf Niete eine Tülle befestigt war, die einen kurzen naturfarbenen Holzstiel aufnahm. Die Gesamtlänge des Schanzzeugs betrug rund 55 Zentimeter, das Blatt selbst war rund 20 Zentimeter lang und 15 Zentimeter breit. Das Futteral für den Spaten bestand aus einem geschwärzten oder grauen Lederrahmen, der nach unten hin offen blieb. Dort konnte das Spatenblatt hineingeschoben werden. Mittels eines an den Rahmen genähten Lederriemens mit Dornschnalle, der um den oberen Spatenschaft geschlungen wurde, konnte der Spaten in dem Futteral fixiert werden. Am oberen Ende der Spatentasche waren je zwei Lederschlaufen eingenäht worden, mit denen das Schanzzeug transportiert werden konnte. Es wurden auch Spaten mit spitzen Blättern ausgegeben. In diesen Fällen war auch das Futteral für den Spaten entsprechend am oberen Ende spitz zulaufend gearbeitet. Diese Taschen besaßen nur eine Lederschlaufe an dem spitz zulaufenden Endpunkt. Wie die Verfügung vom 2. August 1921 vorschrieb, saß der auf das Koppel geschobene Spaten an der hinteren linken Hüfte, das Seitengewehr wurde zwischen den beiden Henkelschaufen der Spatentasche mit auf das Koppel gezogen und lag über dieser. Bei den spitz zulaufenden Futteralen wurde die Seitengewehrscheide vor der Schlaufe getragen. Der Lederriemen mit Dornschnalle wurde nach dem Anlegen von Seitengewehr und Spaten um die Scheide und den Spatenschaft gezogen und beide Gegenstände damit fixiert.Adolf Schlicht, Jürgen Kraus: Die deutsche Reichswehr. Die Uniformierung und Ausrüstung des deutschen Reichsheeres von 1919 bis 1932. Militaria, 2005, ISBN 3-902526-00-9, S. 387.
Wehrmacht Nachdem zu Beginn der 1930er Jahre das Widerstandsschweißen Einzug in die serielle Produktion hielt, kamen erstmals geschweißte Versionen des Spatens an die Truppe. Anstelle der bisherigen fünf Niete, die das Spatenblatt mit der Tülle verbanden, besaß dieser Feldspaten fünf Schweißpunkte. Der mit einer Niet fixierte Metallring, der die Tülle beim Urmodell zusätzlich umschloss, fehlte. Dafür war nun erstmals die Trittkante am Spatenblatt vollständig umbördelt.