mini|Pummerin mit dem alten Klöppel, der am 11. März 2011 ausgetauscht wurde mini|Pummerin, Nationalfeiertag 26. Oktober 2013, 6 min 3 sec Die (neue) Pummerin [, wienerisch ] ist eine seit 1957 im Nordturm des Stephansdoms in Wien hängende Kirchenglocke. Die alte Pummerin aus dem Jahre 1711 hing im SüdturmEduard Castle: Wiener Glocken. In: Neues Wiener Tagblatt. 1. April 1941 (Digitalisat). und war beim Dombrand am 12. April 1945 herabgestürzt und zerbrochen.

Die jetzige Pummerin wurde 1951 in St. Florian bei Linz gegossen und ist mit 20.130 kg (ohne Klöppel und sonstige Armaturen) und 314 cm Durchmesser die größte Glocke Österreichs, die drittgrößte Glocke West- und Mitteleuropas, die sechstgrößte schwingende der Welt und die drittgrößte freischwingende in einem Kirchturm.

Sie erklingt im Schlagton c0 +4/16 (a1 = 435 Hz) und wird nur zu bestimmten Anlässen geläutet. Darunter ist traditionell der Jahreswechsel, wobei gleichzeitig Aufzeichnungen in Radio und Fernsehen gesendet werden, bevor dort der ebenso traditionelle Donauwalzer erklingt. Geweiht ist sie der heiligen Maria, laut Inschrift die „Königin von Österreich“.

Wegen des teilweise aus Kanonen des osmanischen Heeres stammenden Materials und ihres Neugusses in der Anfangszeit der Zweiten Republik ist sie auch ein Symbol für den Frieden, die wiedererlangte Freiheit nach der Besatzungszeit und, als Geschenk des Bundeslandes Oberösterreich, für den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stephansdoms. Etwas überschwänglich wird die Pummerin auch als „Stimme Österreichs“ bezeichnet. Der Name leitet sich her von dem tiefen, „pummernden“ Schlagton.

Viertelpummerin Im Jahr 1619 goss Georg Wening seine größte Glocke (ca. 5000 kg), die sogenannte Neue Glocke (= Viertelpummerin) für St. Stephan. Die Glocke zersprang 1681 und wurde von Balthasar II. Herold umgegossen.Wiener Gießer des Frühbarock (1600–ca. 1650). Georg Wening (ca. 1615–1625). In: Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal Verlag, Lienz in Osttirol 2006, ISBN 3-902128-10-0, S. 223.

Alte Pummerin mini|hochkant|Alte Pummerin, Josephinische Glocke, zwei Eichenholzbalken stützten im heraufgeschraubten Zustand die schwere Glocke zusätzlich zur Aufhängung im hölzernen Glockenstuhl des Südturmes. Zum Läuten der Glocke wurden sie wieder heruntergeschraubt. Ihre Vorgängerin war die von 1711 bis 1945 im großen Südturm hängende Alte Pummerin, ursprünglich Josephinische Glocke genannt. Sie wurde aus zurückgelassenen Kanonen der Zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 gegossen. Mit ihrer reichen barocken Zier war sie künstlerisch qualitätvoll, klanglich jedoch weniger gelungen. Die Alte Pummerin ertönte zum ersten Mal am 26. Jänner 1712 anlässlich der Heimkehr Karls VI. von seiner Kaiserkrönung.

Beim Brand des Doms zu Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 brach der hölzerne Glockenstuhl zusammen. Die Glocke zerschellte auf dem Gewölbering über der Turmhalle; ihre Bruchstücke fielen durch die Öffnung in die Turmhalle. Ihre Trümmer sowie Reste weiterer zerstörter Domglocken wurden beim Guss der neuen Pummerin wiederverwendet.

Guss und Glockenbeschreibung Am 18. Dezember 1710 erhielt der Stückgießer, wobei Stück ein alter Ausdruck für Geschütz ist, Johann Achamer (1650–1712) von Kaiser Joseph I. († 17. April 1711) den Auftrag, aus Kanonen, welche von den Türken in der Zweiten Türkenbelagerung im Jahre 1683 vor Wien zurückgelassen worden waren, eine Glocke zu gießen. Am 21. Juli 1711, dem Namenstag der kaiserlichen Witwe, wurde die Glocke in der Wendelstadt (heute Burggasse; Nr. 55) gegossen. Die dort am Eck beginnende Stuckgasse erinnert noch an die Gießerei.

Die Alte Pummerin hatte bei der EinweihungGerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele, Anton Köhler (Hrsg.): Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien: ein belehrendes und unterhaltendes Nachschlag- und Lesebuch in anekdotischer, artistischer, biographischer, geschichtlicher, legendarischer, pittoresker, romantischer u. topographischer Beziehung II. Band, Realis, 1846, S. 262: „Pummerin (Die)“, (). insgesamt eine Masse von etwas mehr als 402 Zentner (22.512 kgUmrechnung nach: Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung, Komet MA-Service und Verlagsgesellschaft, Frechen 1998, ISBN 3-89836-198-5: S. 229: Wiener Fuß 18. Jh: 32,032 cm (19. Jh.: 31,610 cm; amtliche Umrechnung: 31,6081 cm) S. 23: 1 Fuß = 12 Zoll beim deutschen Längenmaß (bei Geometrischen Einteilungen manchmal: 1 Fuß = 10 Zoll) S. 241: Wiener Handelspfund: 560,012 g; 100 Pfund = 1 Zentner (56 kg).), davon die Glocke ohne Joch 324 Zentner 31 Pfund (18.317 kg); das Joch hatte 70 Zentner (3.920 kg) und der Klöppel 7 Zentner 75 Pfund (812 kg). Die am Glockenrand angegebenen 30.000 Pfund entsprechen 16.800 kg. Der Durchmesser betrug 10 Schuh (320 cm), die Höhe samt Krone 9 Schuh, 8½ Zoll (295 cm) und die Dicke des Schlagrings betrug 8 Zoll (21 cm). Sie erklang mit dem Schlagton H –4/16 mehr als einen Halbton tiefer als die heutige Pummerin, wobei Glocken damals mehr nach Gewicht und nicht nach Klang gegossen wurden. Bis in das 19. Jahrhundert hieß sie offiziell nach dem Stifter Josephinische Glocke, wurde aber bald von der Bevölkerung, lautmalerisch an ihren tiefen Ton anknüpfend, „Pummerin“ genannt.

Die Glocke besaß vier lateinische Inschriften:Albert Camesina: Wien’s Bedrängniß im Jahre 1683 – [2. Teil] – Begebenheiten ausserhalb Wien während der zweiten Türkenbelagerung 1683. In: Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hrsg.): Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien. Jahrgang 1864, Band 8, In Commission der Buchhandlung Prandel und Meyer, Wien 1865, S. 135–137, Fußnote 2, mit zeitgenössischen Zitaten aus dem Wiennerischem Diarium Nr. 862, 873, 874, 886 und der Kameramtsrechnung () Unter einem Bild des auf einer Wolke stehenden heiligen Joseph, neben dem die Wappen von Ungarn und Böhmen angebracht waren, stand: Unter dem Bild der Unbefleckten Empfängnis, neben dem der kaiserliche Adler im Herzschilde Österreichs und Kastiliens Wappen angebracht waren, stand: Unter dem Bild des heiligen Leopold mit dem Wappenschild Österreichs (Bindenschild) stand: Um den mit Laubwerk verzierten Rand stand, wobei bei „CCICC“ die letzten beiden „C“ umgedreht waren:

Transport und Weihe mini|Überführung der josephinischen Glocke nach St. Stephan (1711) mini|hochkant|Ungefährer Transportweg von der Gießerei zum Stephansdom auf einem Plan mit Stand 1704 Da die Glocke so groß war und nur durch eines der Stadttore passte, konnten von der Gießerei zum Dom keine direkten und niveaumäßig günstigen Wege gewählt werden. Man musste einen Umweg über das Glacis rund um die Stadt zur Obere Fallen beim Roten TurmWerner Arnold Steinhausen: Grundrissplan der Stadt Wien mit dem Glacis und angrenzenden Teilen der Vorstädte, 1710, Reproduktion durch Gustav Adolph Schimmer als Farbpause 1847 (Online, Ausschnitt 8 / Zeile 3 Spalte 2). (später FischerthorIgnaz de Luca: Wiens gegenwärtiger Zustand unter Josephs Regierung. Georg Philipp Wucherer, Wien 1787 (, ; der Name wurde vor allem für ein danebenliegendes Tor Richtung Nordosten verwendet. Als Schanzl wurde der Streifen zwischen Stadtmauer und Donauufer bezeichnet)., heute etwa Morzinplatz) machen. In der neuen Befestigungsanlage war nur dieses Tor groß genug. So musste man in Kauf nehmen, vor allem ab dem Schottentor bergab und von der Stadtmauer zum Dom relativ steil bergauf zu ziehen. Diese Umstände führen bis heute dazu, dass nicht selten fälschlicherweise die dem Tor nächstgelegene Vorstadt, die über der Donau gelegene Leopoldstadt, als Gussort angegeben wird. Schon Monate vorher wurde einem Baumeister der Auftrag erteilt, auf der Strecke vom Roten Turm bis zum Stephansfriedhof (die heutige Rotenturmstraße) die Festigkeit aller unterirdischer Gewölbe zu kontrollieren und falls erforderlich durch Pölzung mit Pfosten zu verstärken.Memo – Ideen, Mythen, Feste: Wolfgang Slapansky: „Die Pummerin“ – Geschichte einer Institution. Radiosendung in Ö1, oe1.orf.at, 1. Jänner 2016, 19:05 Uhr.

Am 29. Oktober begann der Transport auf einem eigens gebauten Wagen. Dieser wurde von 200 Freiwilligen – vom Adeligen bis zum Handwerksburschen – an zwei mächtigen Seilen gezogen. Den ursprünglichen Plan, Pferde zu verwenden, ließ man fallen, da man fürchtete, dass sie nicht im Gleichmaß gezogen hätten. Am 4. November war man beim Fischertor angelangt, und am 6. November erreichte man den Stephansdom. Da der Wagen etwas breiter als die Glocke war, die lichte Weite des Domportals nur 2,4 m beträgt und der Abstand zwischen den innersten Gewändesäulen nur 3,2 m misst, mussten zumindest die Türpfosten im unteren Bereich entfernt werden. Ebenso wurde eine Vierung aus dem unteren Teil des Tympanons ausgeschnitten und wieder ersetzt, dessen Unterkante heute 4,4 m über dem Boden liegt.Rudolf Koch: Ergebnisse der bisherigen bauanalytischen Untersuchung an der Westanlage und am „Riesentor“ von St. Stephan in Wien, univie.ac.at, 1992–1997; abgeändert veröffentlicht in: Friedrich Dahm (Hrsg.): Das Riesentor. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2008, ISBN 978-3-7001-3690-3, S. 107–130. Beim ganzen Transport wurden zwei Maurer schwer verletzt, für welche die Stadt die Behandlungskosten übernahm.

Am 15. Dezember 1711 wurde die Glocke von Bischof Franz Ferdinand Freiherr von Rummel geweiht, die Weihepredigt hielt Pater Reifenstuhl.Franz Tschischka: Die Metropolitankirche zu St. Stephan in Wien. Carl Gerold, Wien 1841, S. 118. Ab dem nächsten Tag begann man, sie in den „Albertinischen Turm“ aufzuziehen. Zum ersten Mal geläutet wurde sie am 27. Jänner 1712 zum Gottesdienst zur Rückkehr Karl VI. von seiner Krönung als Römisch-Deutscher Kaiser. 16 Mann mussten zusammen am Glockenstrang ziehen, und es dauerte eine Viertelstunde, bis der Klöppel das erste Mal anschlug.

Betrieb bis zur Zerstörung Üblicherweise wurde sie an zehn Tagen im Jahr geläutet. Beim großen Geläute anlässlich eines Dank-Gottesdienstes für den Frieden von Wien (1738)Wien, 1. Juli 1739. In: Wienerisches Diarium / Wiener Zeitung, Num. 52, 1. Juli 1739, S. 538 (Tagesseite Nr. 6). unter Anwesenheit hoher und allerhöchster Persönlichkeiten, die da wären „beide regierenden kaiserlich königlichen katholischen Majestäten, den durchlauchten Erzherzoginnen in Begleitung des päpstlichen Nuntius Paulucci, des französischen Botschafters Marquis de Mirepoir und des venetianischen Botschafters Herrn Alexander Zen, den kaiserlichen geheimen Räten und Kämmerern wie auch vieler anderer hoher Standespersonen beiderlei Geschlechts“, zersprang am 28. Juni 1739 der Schwengel. Beim Hammerschmied Sebastian Wiener (Wimer) in „Pising hinter Neustadt“ (heute Piesting) wurde daher ein neuer, angeblich 15 Zentner 70 Pfund schwerer Schwengel gegossen (879 kg möglicherweise erst 1740, 1952 soll dieser Schwengel 813 kg gehabt haben, linzansichten.at, letztgenanntes Datum im Bericht: 21. Dezember 1951.). Dieser Klöppel soll auch anfangs bei der neuen Pummerin verwendet worden sein. Wegen des großen Gewichts ruhte die Glocke gewöhnlich auf zwei Eichenbalken, die man vor dem Läuten herunterschraubte.Reinhard H. Gruber: Der Wiener Stephansdom – Porträt eines Wahrzeichens, Innsbruck 2011, S. 63.