mini|Erich Correns (1961)
Erich Paul Hubert Correns (* 12. Mai 1896 in Tübingen; † 18. Mai 1981 in Berlin) war ein deutscher Chemiker und DDR-Funktionär. Er leitete von 1951 bis 1962 das Institut für Faserstofforschung der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (Ost) und lehrte von 1953 bis 1959 als Professor für chemische Technologie der Zellstoffherstellung an der Technischen Hochschule Dresden. Correns war von 1950 bis zu seinem Tod Präsident des Nationalrates der Nationalen Front, ab 1954 Abgeordneter der Volkskammer in der Fraktion des Kulturbundes und ab 1960 Mitglied des Staatsrats der DDR.
Leben mini|Correns (rechts) mit Richard Sorge, 1915 Correns wurde 1896 als Sohn des Biologen Carl Correns in Tübingen geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Leipzig und Münster absolvierte er seinen Wehrdienst. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, wo ihm u. a. das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen wurde und lernte dort Richard Sorge kennen. Von 1918 bis 1922 studierte er an den Universitäten in Berlin und Tübingen Chemie, Botanik und Physik. Er wurde 1922 zum Dr. phil. promoviert und war von 1922 bis 1924 als Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin und an dem von Max Bergmann geleiteten Kaiser-Wilhelm-Institut für Lederforschung in Dresden tätig.
Im Jahr 1925 nahm Correns eine Arbeit als Industriechemiker bei der I.G. Farben in Elberfeld an und wurde 1931 Leiter des Acetylcellulose-Betriebs Elberfeld. 1933 wurde ihm die Leitung der Kupfer-Kunstseidenfabrik in Dormagen übertragen. Ab 1937 leitete er den Aufbau der Zellwolle- und Kunstseide GmbH im thüringischen Rudolstadt-Schwarza.
Nach Maßregelungen durch die Behörden trat er 1939 als Betriebsleiter zurück und wurde beratender Chemiker bei der Thüringischen Zellwolle AG und dem Zellwolle-Kunstseiden-Ring. Seine angeblich jüdische EhefrauIhr Vater war vom jüdischen zum reformierten Glauben übergetreten. Margot Sara Correns, geborene Susman, liess sich 1938 von ihrer Schweizer Heimatgemeinde Mellingen bestätigen, dass sie aus einer Familie stamme, die der evangelisch-reformierten Landeskirche angehöre. wurde am 24. Mai 1944 während einer Corrensschen Dienstreise verhaftet und starb einen Tag später im Gestapogefängnis auf dem Petersberg in Erfurt. Ihre zwei Kinder entgingen als angebliche „Halbjuden“ der Verschleppung ins Konzentrationslager.
Nach Kriegsende wurde Correns 1946 Direktor der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein. Ab 1948 übernahm er die Leitung der Thüringer Kunstseidenwerke in Schwarza. Im Jahr 1951 wurde Correns Direktor des Instituts für Faserstoff-Forschung der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Teltow-Seehof. Er war ab 1951 ordentliches Mitglied der Akademie. Correns leitete das Institut bis 1962, sein Nachfolger wurde der später langjährige Akademiepräsident Hermann Klare. Von 1953 bis 1959 hatte er eine Professur für chemische Technologie der Zellstoffherstellung an der Technischen Hochschule in Dresden inne. 1956 wurde Correns Dr. jur. h. c. an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1961 wurde er emeritiert. Er war Mitbegründer der Zeitschrift Faserforschung und Textiltechnik (später Acta Polymerica).
Von 1950 bis zu seinem Tod 1981 war der parteilose Correns Präsident des Nationalrates der Nationalen Front, der SED-dominierten Dachorganisation der Blockparteien und Massenorganisationen in der DDR. Ab 1954 war er Abgeordneter der unfrei gewählten Volkskammer in der Fraktion des Kulturbundes. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied des Präsidialrats des Kulturbundes und des Zentralvorstandes der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF). Ab 1957 war er Mitglied des Forschungsrates der DDR. Von 1960 bis zu seinem Lebensende gehörte Correns dem Staatsrat an, dem kollektiven Staatsoberhaupt der DDR. Er war das einzige Mitglied der Staatsführung, das keiner Partei angehörte.New York Times: Prof. Erich Correns, 85, An East German Leader, 19. Mai 1981.
mini|hochkant|Grabstätte Correns erhielt 1954 als einer der ersten 22 Ordensträger den Vaterländischen Verdienstorden in Gold,ND vom 8. Mai 1954. 1965 die Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in GoldBerliner Zeitung, 7. Oktober 1965, S. 5. sowie 1971 den Karl-Marx-Orden. Seine Urne wurde in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.
Darstellung Correns’ in der bildenden Kunst der DDR Bert Heller: Porträt Prof. Dr. Erich Correns (1969, Öl)
Werke (Auswahl) 1922: Versuche über den Verlauf der Beckmannschen Umlagerung (Diss.) 1944: Zusammenhänge zwischen morphologischer Struktur und Kettenlänge bei nativen Zellulosefasern (Mitautor) 1944: Zusammenhänge zwischen morphologischem Bau und Reaktionsweise technischer Zellstoffe
Literatur Dorit Petschel: 175 Jahre TU Dresden. Band 3: Die Professoren der TU Dresden 1828–2003. Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e. V. von Reiner Pommerin, Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-02503-8, S. 147.
Weblinks
New York Times: Prof. Erich Correns, 85, An East German Leader Nachlass Bundesarchiv NY 4256
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR Kategorie:Mitglied des Staatsrates der DDR Kategorie:Abgeordneter der Volkskammer Kategorie:Träger des Karl-Marx-Ordens Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) Kategorie:Hervorragender Wissenschaftler des Volkes Kategorie:Ehrendoktor der Humboldt-Universität zu Berlin Kategorie:Person (Bayer AG) Kategorie:Funktionär des Kulturbundes der DDR Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Wissenschaft und Technik Kategorie:Träger des Banners der Arbeit Kategorie:Ehrenbürger von Teltow Kategorie:Held der Arbeit Kategorie:Person (Nationale Front der DDR) Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1896 Kategorie:Gestorben 1981 Kategorie:Mann