Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg (ALM) betreut die Landesarchäologie von Baden-Württemberg, indem es archäologische Funde aus dem Land aufbewahrt, erforschtVgl. dazu: Martin Kemkes, Ralph Röber, Barbara Theune-Großkopf: Forschung am Objekt. Grundlagen schaffen. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg. 30 Jahre. Konstanz 2021, ISBN 978-3-00-072320-9, S. 156–163. und präsentiert. Es ist zusammen mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart eines von nur zwei historisch ausgerichteten Museen mit einem Zuständigkeitsbereich für das ganze Land Baden-Württemberg.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 16. Seine Rechtsform ist die eines Landesbetriebs.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 18. Die Ausstellungsfläche beträgt – einschließlich der der Zweigmuseen – 8.717 m².Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg. 30 Jahre. Konstanz 2021, ISBN 978-3-00-072320-9, S. 104.

Geografische Lage mini|Haupteingang mini|Kasse/Museumsladen mini|Gang – erkennbar geblieben ist die historische Struktur der Klosterzellen.

Die zentrale Schausammlung befindet sich im Konventsgebäude der ehemaligen Benediktinerabtei Petershausen in Konstanz. Weitere Sammlungen und Ausstellungen im Land werden in sieben Zweigmuseen gezeigt.Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg. 30 Jahre. Konstanz 2021, ISBN 978-3-00-072320-9, S. 40.

Geschichte Am 8. Juni 1990 beschloss das Kabinett ein Landesmuseum für Archäologie.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 16. Gründungsdirektor war Dieter Planck, der Landesarchäologe von Baden-Württemberg und Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Bis zu dessen Pensionierung 2009 bestand so eine enge Verbindung zwischen beiden Einrichtungen.Wolf, S. 10.

Da in Stuttgart für ein Landesmuseum geeignete Räumlichkeiten fehlten, in Konstanz aber das ehemalige Kloster Petershausen als Landesliegenschaft leer stand, wurde dort mit der Umsetzung des Projekts begonnen – ursprünglich als Außenstelle des später zu errichtenden Museums in der Landeshauptstadt – wozu es letztlich nie kam. Das Klausurgebäude des Klosters Petershausen war in seiner barocken Struktur mit langen Gängen und daran aufgereihten Klosterzellen noch gut erhalten und zuletzt von der Französischen Armee genutzt worden. Bei der Umgestaltung zum Museum wurde diese historische Struktur weitgehend erhalten, um Ausstellungsräume zu schaffen aber immer einige der ursprünglichen Zellen zusammengelegt.Theune-Großkopf: Die Dauerausstellung, S. 49. Bereits am 14. März 1992 konnte die Dauerausstellung des ALM in Konstanz eröffnen.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 16f; dies.: Die Dauerausstellung, S. 48.

1994 wurde dem ALM das Römerhaus Walheim angegliedert.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 17.

Das zum ALM gehörende Zentrale Fundarchiv entstand in Rastatt und wurde am 4. Juni 1999 eröffnetTheune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 17., am 18. September 2000 im Museum in Konstanz ein Anbau für das 10 Jahre zuvor gefundene Bodensee-Lastschiff aus dem 14. Jahrhundert eingeweiht.Theune-Großkopf: Die Dauerausstellung, S. 49.

Zum 1. Januar 2003 übernahm das ALM das Römermuseum Osterburken, das Limesmuseum Aalen, den Römerkeller Oberriexingen, die Römische Abteilung Arae Flaviae im Dominikanermuseum Rottweil und das Federseemuseum in Bad Buchau.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 18.

2010 wurde Claus Wolf Chef des Museums und damit die Personalunion von ALM und Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg wieder hergestellt.Wolf, S. 10. Nachdem der Plan eines archäologischen Zentralmuseums in Stuttgart aufgegeben wurde, ist das ALM in Konstanz seit 2010 auch ein eigenständiges Museum mit acht Außenstellen.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 18.

Seit 2012 ist das ALM ein Landesbetrieb. Im gleichen Jahr kam noch das Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren als Zweigmuseum hinzu.Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 18.

Zum Januar 2023 übernahm Nina Willburger von Barbara Theune-Großkopf die Ständige Vertretung der Wissenschaftlichen Direktion und ist damit die Leiterin der Schausammlung des ALM in Konstanz.

Leitung 1990–2009 Dieter Planck, zugleich Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg in Stuttgart, später in Esslingen 1990–1992 Judith Oexle als Leiterin vor Ort 1993–2010 Jörg Heiligmann als Leiter vor Ort 2010–2018 Jörg Heiligmann 2018/2019 Barbara Theune-Großkopf (kommissarisch) seit 2019 Claus Wolf, zugleich Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.

Museum Konstanz Das ALM in Konstanz beherbergt die umfangreichste Dauerausstellung des ALM. Die große Schausammlung präsentiert mit einer repräsentativen Auswahl archäologischer Funde einen Querschnitt der Landesgeschichte vom Paläolithikum bis in die Frühe Neuzeit. Diese Ausstellung umfasst 3000 m³ Ausstellungsfläche auf drei Stockwerken:

Erdgeschoss mini|Dauerausstellung zur Methodik archäologischer Ausgrabungen, Detail: Zeichenmaschine (Feldpantograph) mini|Neubau mit Dauerausstellung zur Schifffahrtsgeschichte

Infopoint zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen Nachgestellte Grabungsstätte (Räume 101–103): Hier werden die Methoden dargestellt, mit denen der Archäologe seine Erkenntnisse bei Ausgrabungen gewinnt. Menhir von Weilheim Der Mensch (Raum 104): zur Entwicklung des Menschen Einbaum, Lastensegler, Dampfschiff (Raum 105): Geschichte der Schifffahrt in Südwestdeutschland Schiffsfunde vom Bodensee (Raum 106), darunter auch das älteste Schiff vom Bodensee, ein mittelalterliches Lastschiff, das vor Immenstaad gefunden wurde. Der Umriss des Lastkahns wird von der Außenfassade des Anbaus besonders hervorgehoben. Ehemaliges Refektorium (Raum 111) für Vorträge

Erstes Obergeschoss mini|Votivstein für die Errettung nach einem Schiffsunglück (227 n. Chr.) aus Marbach am Neckar mini|Stufen aus dem römischen Theater von Ladenburg

Pfahlbauten am Bodensee und in Oberschwaben (Raum 201–203). Diese Ausstellung wurde 2015 eingerichtet.Theune-Großkopf: Die Dauerausstellung, S. 45, 50. Ladenburg (Raum 204): Reste der römischen Siedlung Lopodunum; Schatzfund von Ladenburg Lauchheim (Raum 205): Grabbeigaben Sonderausstellungsräume (Raum 206–208), ca. 400 m²Theune-Großkopf: Die Dauerausstellung, S. 50.

Zweites Obergeschoss mini|Dauerausstellung: Mittelalter mini|Bohlenwand aus einem mittelalterlichen Haus in Konstanz

Trossingen (Raum 301, 302) Lebensbedingungen in mittelalterlichen Städten und Dörfern (Raum 303) Konstanz (Raum 304): Stadtarchäologie – Die Entdeckungen der letzten zehn Jahre der Stadtarchäologie Konstanz und auch die Entwicklung des römischen Kastells werden präsentiert. Aus Latrinen lernen (Raum 305): Weggeworfenes erzählt uns die Geschichte Spaß und Spiel im Mittelalter (Raum 306); zu sehen ist unter anderem die älteste Maske aus Südwestdeutschland Gruftartefakte der Grafen von Sulz aus der Tiengener Kirche St. Maria Himmelfahrt (Raum 308): Die Religion bestimmt das Leben Das unterirdische Stadtarchiv (Raum 309): Die Türen zur Vergangenheit

Besondere Exponate Seit 2007 präsentiert das Landesmuseum die sogenannte Trossinger Leier, einen Fund aus einer alamannischen Grabstätte bei Trossingen, die auf das Jahr 580 n. Chr. datiert wird. Die Leier ist fast vollständig erhalten und gilt als das besterhaltene Stück unter den insgesamt 15 bekannten frühmittelalterlichen Exemplaren. Im Eingangsbereich, im Bereich der Treppe, steht das Original des Menhirs von Weilheim, eines teilweise reliefierten Monolithen aus der frühen Bronzezeit. Das älteste Schiff vom Bodensee aus dem Jahr 1340 n. Chr. diente zum Transportieren von Gütern und wird in einem eigens dafür errichteten gläsernen Anbau des Museums gezeigt.

Außenstellen, Zweigmuseen Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg betreut folgende Außenstellen: Federseemuseum in Bad Buchau, zugleich zentrales Informationszentrum für das UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die AlpenWolf, S. 12. Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren, zugleich zentrales Informationszentrum für das UNESCO-Welterbe Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen AlbWolf, S. 12. Die zentralen Dokumentationsstätten des UNESCO-Welterbes Obergermanisch-Raetischer Limes: Römerhaus Walheim seit 1994Theune-Großkopf: Geschichte des ALM, S. 17. Limesmuseum Aalen seit 1. Januar 2003 Römermuseum Osterburken seit 2003 Römerkeller Oberriexingen Dominikanermuseum Rottweil (Römische Abteilung) in Rottweil Das Zentrale Fundarchiv in RastattRalf Baumann: 25 Jahre Archäologisches Landesmuseum. In „Konstanzer Almanach“, 2018, S. 70–71. ist normalerweise öffentlich nicht zugänglich. Es befindet sich im Lazarett der ehemaligen Bundesfestung Rastatt und dient dem Aufbewahren, Konservieren und Restaurieren archäologischer Funde aus Baden-Württemberg, die nicht in den Museen ausgestellt werden. Hier ist auch das Referat Zweigmuseen des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg untergebracht. Da die Kapazität des Zentralen Fundarchivs in absehbarer Zeit erschöpft sein wird, ist ein Erweiterungsbau geplant (Stand 2021).Wolf, S. 12.

Ausstellungen Landesausstellungen Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg hat eine Reihe großer Landesausstellungen Baden-Württemberg organisiert, die überwiegend in wechselnden Ausstellungsgebäuden in Stuttgart gezeigt wurdenAngaben, soweit nicht anders angegeben aus: Röber / Theune-Großkopf: Sonderausstellungen, S. 56.: 1997: Die Alamannen 2001: Troia – Traum und Wirklichkeit. Hier lag die Federführung beim ALM 2005: Imperium Romanum – Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau 2009: Eiszeit – Kunst und Kultur 2012: Die Welt der Kelten. Zentren der Macht. Kostbarkeiten der Kunst in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Württemberg, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Historischen Museum Bern 2016: 4000 Jahre Pfahlbauten. Die Ausstellung wurde im Kloster Schussenried und im Federseemuseum Bad Buchau in einer Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg gezeigt 2024: Welterbe des Mittelalters – 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau (Große Landesausstellung) 2024/2025: THE hidden LÄND – Wir im ersten Jahrtausend, im Kunstgebäude Stuttgart

Sonderausstellungen Neben den Dauerausstellungen in Konstanz und den Zweigmuseen zeigt das ALM auch immer wieder Sonderausstellungen. In den ersten 30 Jahren seines Bestehens waren es 77 in Konstanz, 83 in den Zweigmuseen und 21 im AuslandArchäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg. 30 Jahre. Konstanz 2021, ISBN 978-3-00-072320-9, S. 104., darunterAngaben, soweit nicht anders angegeben aus: Röber / Theune-Großkopf: Sonderausstellungen, S. 52–55.: 1993: 25 Jahre Archäologie im Landkreis (Konstanz) 1993/94: Die Königsgruft von Mušov 1994: Entdeckungen – Aktuelles aus der Landesarchäologie 1995: Die Schraube zwischen Macht und Pracht – in Zusammenarbeit mit dem Museum Würth in Künzelsau 1997: Goldene Jahrhunderte – Die Bronzezeit in Südwestdeutschland 2000/2001: Von Augustus bis Attila – Leben am ungarischen Donaulimes 2002/2002: Kult der Vorzeit in den Alpen. Opfergaben – Opferplätze – Opferbrauchtum 2002: Über die Alpen. Menschen – Wege – Waren. Die Ausstellung wurde anschließend noch in Chur, Trient, München, Aalen, Kempten, Vaduz, Bregenz, Innsbruck und Bellinzona gezeigt. 2003: Entdeckungen – Aktuelles aus der Landesarchäologie 2005: Im Schutze mächtiger Mauern – Spätrömische Kastelle im Bodenseeraum 2006: Zwischen Vulkanen und Bodensee 2007: Entdeckungen – Aktuelles aus der Landesarchäologie 2009: Bevor die Römer kamen – Späte Kelten am Bodensee 2012: Glasklar – Archäologie eines kostbaren Werkstoffes 2012: Römer – Alamannen – Christen. Frühmittelalter am Bodensee 2016: Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee 2017: 50 Jahre Kreisarchäologie im Landkreis Konstanz 2017: Zu Gast bei Juden. Leben in der mittelalterlichen Stadt