mini|Die ehemalige Putzwollfabrik, das Hauptgebäude des KZ Kemna, im Jahr 2007

Das Konzentrationslager Kemna, kurz auch KZ Kemna, die Kemna oder damals offiziell Konzentrationslager Wuppertal-Barmen genannt, war ein frühes Konzentrationslager in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Lager wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 in einer ehemaligen Putzwollfabrik errichtet und stand unter der Leitung der SA-Gruppe Düsseldorf.Broschüre: Begegnungsstätte Alte Synagoge und Evangelischer Kirchenkreis Wuppertal (Hrsg.): Beschimpft, beschmutzt und geschlagen. Das frühe Konzentrationslager Kemna. Wuppertal 2023. Dieses Fabrikgelände befand sich an der Wupper im Wuppertaler Ortsteil Kemna zwischen Beyenburg und Oberbarmen. Noch heute befindet sich das Hauptgebäude an der Beyenburger Straße 164. Die SA betrieb das Lager von 1933 bis 1934.

Das Konzentrationslager Kemna diente dazu, politische Gegner des NS-Regimes zu unterdrücken und zu terrorisieren. Zu den politischen Gegnern, die dort inhaftiert waren, gehörten insbesondere Kommunisten, aber auch Sozialdemokraten, regimekritische Christen, Gewerkschaftler und Juden. Die Inhaftierungen erfolgten dabei meist willkürlich und beruhten auf persönlicher und politischer Gegnerschaft. Besonders betroffen waren dabei missliebige kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter, die als entschlossene Vertreter ihrer Überzeugungen von lokalen NS-Funktionären denunziert und in „Schutzhaft“ genommen wurden.

Wenn die Verhörmethoden der Polizei versagten, brachte man Häftlinge nur für wenige Stunden oder Tage nach Kemna, weil man sich erhoffte, dort die gewünschten Geständnisse zu erzwingen.David Mintert: Konzentrationslager, S. 136 u. S. 243–253.

Im Gegensatz zu späteren Konzentrationslagern stammten sowohl die Gefangenen als auch die Wachmannschaften aus der näheren Umgebung und kannten sich oft bereits aus den politischen Kämpfen der 1920er Jahre. Dies verstärkte die Brutalität der Misshandlungen, die in Kemna tagtäglich waren. Die Schreie der Gefolterten waren für die Menschen in der Umgebung hörbar, schwer verletzte Häftlinge wurden in nahegelegene Krankenhäuser gebracht. Dadurch verbreiteten sich schnell Berichte in der Bevölkerung über die Grausamkeiten im Lager.

Im Oktober 1933 kam es zu einer größeren Entlassungswelle von Häftlingen. Diese mussten vor ihrer Entlassung eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichteten, über die erlebten Misshandlungen zu schweigen. Bei Zuwiderhandlung drohte ihnen eine erneute Inhaftierung. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Begriff „Konzentrationslager“ in der Bevölkerung Schrecken verbreiten, fürchteten jedoch, dass die exzessive Gewalt im Konzentrationslager Kemna und anderen frühen Lagern die öffentliche Meinung gegen sie aufbringen könnte. Aus diesem und auch anderen Gründen wurde das Lager im Januar 1934, nur sechs Monate nach seiner Eröffnung, wieder geschlossen.

Nachdem die SA aufgrund des Röhm-Putsches an politischem Einfluss verlor, führten Berichte über die Folterungen zu einer Untersuchung und Anhörung, doch die Verantwortlichen kamen mit einer Verwarnung davon. Strafrechtliche Konsequenzen blieben zunächst aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der sogenannte Kemna-Prozess zum ersten großen deutschen Verfahren in Wuppertal im Zusammenhang mit einem Konzentrationslager. Dennoch geriet das Lager für lange Zeit in Vergessenheit und es gab kaum historische Aufarbeitung. Jahrzehntelang stützte sich die Forschung auf lediglich zwei bzw. drei Quellen. Erst 1983 wurde ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer errichtet – allerdings gegenüber dem ehemaligen Lager, da der damalige Grundstückseigentümer jegliche Gedenktafeln auf dem Gelände selbst untersagte. Die Gestaltung basierte dabei auf Entwürfen einer Kunst-AG des Gymnasiums Am Kothen. Seitdem findet dort jährlich eine Gedenkveranstaltung statt.

Im Jahr 2019 ging das Gelände in den Besitz des Gesamtverbandes evangelische Gemeinden im Kirchenkreis Wuppertal über. Neben einem neuen Standort für das Archiv des Kirchenkreises ist dort die Errichtung eines Gedenk- und Lernortes für das ehemalige Konzentrationslager geplant.

Geschichte Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 und der darauffolgenden Reichstagsbrandverordnung, die die meisten bürgerlichen Freiheiten außer Kraft setzte, gingen die Nationalsozialisten rasch gegen ihre politischen Gegner vor. Politische Gegner wurden verhaftet, nicht nur um sie einzusperren, sondern auch, um sie durch Terror physisch und psychisch zu schwächen.

Masseninhaftierungen innerhalb nur weniger Tage führten zu einer Überbelastung der regulären Gefängnisse. Aus diesem Grund begann das preußische Innenministerium unter Hermann Göring bereits im März 1933 mit der Suche nach neuen Standorten für Konzentrationslager. Zwischen März und Mai 1933 wurden inhaftierte Personen im Bergischen Land in Schulen, SA-Kasernen, Kellern und anderen Gebäuden untergebracht. Diese unterstanden zunächst der Kontrolle von SA- und SS-Formationen und sollten als kurzfristige Übergangslösung die regulären Gefängnisse entlasten.

Da diese provisorischen Unterkünfte jedoch meist in Wohngebieten lagen, führte die dort praktizierte Folter zu Unruhe in der Bevölkerung. Die örtliche SA suchte daher nach einer neuen zentralen Haftstätte in den Außenbezirken von Wuppertal. Schließlich fand sie eine leerstehende Fabrik an der Beyenburger Straße. Der Eigentümer, Wilhelm Sönnecken, stellte das Gebäude der SA vorübergehend mietfrei zur Verfügung, nachdem ihm die örtliche Bezirksregierung zugesichert hatte, die Immobilie später zu kaufen.

Das Konzentrationslager bestand 199 Tage, vom 5. Juli 1933 bis zum 19. Januar 1934. Es wurde von der SA-Untergruppe Düsseldorf und dem Wuppertaler Polizeipräsidenten und SA-Brigadeführers Willi Veller mit Rückendeckung der Bezirksregierung Düsseldorf betrieben. Als Lagerkommandant des Konzentrationslagers war für kurze Zeit SA-Sturmführer Hugo Neuhoff. Er wurde bald abgelöst von dem gebürtigen Wuppertaler Alfred Hilgers, der als Personalverantwortlicher des Stabes der SA Untergruppe Düsseldorf gleichzeitig der SA Standarte 258 in der Schutzhaftstätte Koburg in Mettmann vorstand. Hilgers war von Mitte Juli bis Anfang Dezember Lagerkommandant im KZ Kemna. Als sein Stellvertreter fungierte ab Juli 1933 Bruno Wolff (* 1910), der ebenfalls aus dem Raum Wuppertal-Barmen stammte. Ihnen unterstanden ca. 40 SA-Männer. Der letzte Kommandant des Lagers war nach der Beurlaubung Hilgers Sturmbannführer Wolters aus Essen. Er wurde mit der Auflösung und Abwicklung des Lagers beauftragt. Bevor jedoch im Januar 1934 die letzten Häftlinge das Lager verließen, wurde Wolters erschossen aufgefunden.

Die Wachmannschaften des Lagers unterstanden dem Lagerkommandanten und bestanden aus etwas 35 SA-Männern, die auf dem Gelände untergebracht waren. Sie waren in drei Wachkommandos unterteilt, benannt nach ihren Truppführern Ernst Maikranz, Ernst Cappel und Wilhelm Bläsing. Der Wachdienst folgte einem rotierenden Schichtsystem mit 24 Stunden Dienst, 24 Stunden Bereitschaft und 24 Stunden Freizeit. Trotz fester Schichteinteilung beteiligten sich SA-Männer aller Kommandos unabhängig von ihrem Dienststatus an Misshandlungen und Folterungen der Gefangenen.

In eine ehemalige Putzwollfabrik an der Beyenburger Straße direkt am Wupperufer pferchte die SA-Wachmannschaft die Gefangenen unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen zusammen. Das Lager selbst war ursprünglich für ca. 200–300 Insassen geplant. Zwischen August und November 1933 waren im KZ Kemna durchschnittlich 700–800 Häftlinge eingesperrt. Folter und willkürliche Gewalt waren an der Tagesordnung. Mit ca. 1.100 Häftlingen im Herbst 1933 erreichte die Kapazität des Lagers ihren Höhepunkt. Die Zahl der Inhaftierten im Laufe der sieben Monate dieses KZs wird auf 2500 bis 3000 geschätzt.

Mit dem Erlass vom 14. Oktober 1933 ordnete das preußische Innenministerium die Zentralisierung der Schutzhaft an. Nur noch "staatliche Konzentrationslager" sollten Schutzhäftlinge aufnehmen dürfen. Infolgedessen kam es bereits im Oktober 1933 zu einer größeren Entlassungswelle. Die letzten rund 200 Häftlinge verließen Kemna am Morgen des 19. Januars 1934 in Richtung Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen. Ein Teil der Gefangenen wurde in die Lager im Moorgebiet im Emsland gebracht.

Inhaftiert wurden in erster Linie politische Häftlinge aus den Reihen der KPD und der SPD aus dem Bergischen Land. Transporte und Einzelgefangene kamen aber auch aus den zum Regierungsbezirk gehörenden Städten Duisburg, Düsseldorf, Krefeld und Essen.

Während die Wachmannschaften in vielen anderen Konzentrationslagern aus verschiedenen Teilen Deutschlands zusammengesetzt waren, so stellte Kemna diesbezüglich eine Besonderheit dar: Insassen und Wachmannschaften kannten sich häufig persönlich, da die Wachmannschaft des KZ Kemna sich aus Teilen der örtlichen SA zusammensetzte.Karl Ibach: Kemna – Wuppertaler Lager der SA. 1933. Hrsg. Vorstand des VVN Wuppertal (August 1948), S. 22.Ähnlich in München im KZ Dachau und in Danzig.

Konzentrationslager Lagerbestandteile Das Konzentrationslager Kemna umfasste eine Gesamtfläche von etwa 8.700 m2. Es war mit einem etwa drei Meter hohen Maschendrahtzaun versehen. Es bestand zudem aus mehreren Gebäuden. Das dreigeschossige Hauptgebäude diente als zentrale Unterkunft und Verwaltungseinheit des Lagers. Im Erdgeschoss befanden sich unter anderem die Wach- und Schreibstube, in der die Häftlinge registriert und oft misshandelt wurden. Unter der Treppe sowie in einem Lastenaufzug wurden Gefangene unter besonders verschärften Bedingungen festgehalten.

Die erste Etage umfasste die Unterkünfte des Lagerkommandanten und den Saal III, der zunächst als Unterkunft für die Wachmannschaften und später für Häftlinge genutzt wurde. Zudem war er Schauplatz zahlreicher Misshandlungen. In der zweiten Etage befanden sich weitere Häftlingssäle, eine Schreibstube sowie ein separater Bereich für „Schutzhäftlinge“ aus den Reihen der SA, SS und NSDAP. Die Fenster des Gebäudes waren mit Teerfarbe überstrichen, um Einblicke von außen zu verhindern.

Neben dem Hauptgebäude gab es zwei ebenerdige Fabrikhallen, die als Häftlingssäle I und II dienten. Ein angrenzender Raum, als „Bunker“ bezeichnet, wurde zur Isolierung von Gefangenen genutzt. Auf einer quadratischen Fläche von etwa 4,5 Metern Seitenlänge, waren dort teilweise bis zu 50 Häftlinge auf einmal gefangen. In Saal II befand sich zudem ein abgetrennter Bereich für das Kartoffelschälkommando.

Während des Bestehens des Lagers fanden umfangreiche Bautätigkeiten statt, darunter der Bau eines dreigeschossigen Anbaus mit Einzelzellen und einem schallisolierten Verhörraum. Dieser Neubau wurde jedoch erst nach Schließung des Lagers 1934 und nicht vor 1939 fertiggestellt. Insgesamt war das KZ Kemna ein improvisiertes Lager in einer ehemaligen Industrieanlage.

Häftlinge Die Gesamtzahl der Häftlinge wird auf 2500 bis 3000 geschätzt. Eine genaue Rekonstruktion ist aufgrund gezielt vernichteter Lagerunterlagen nicht möglich. Bis heute konnten 646 Personen namentlich identifiziert werden.