Die atlantische Hurrikansaison 2005 begann, wie jedes Jahr, offiziell am 1. Juni und endete am 30. November. Innerhalb dieser Periode bilden sich fast alle tropischen Wirbelstürme, da nur zu dieser Zeit der Ozean warm genug ist, um günstige Bedingungen für Hurrikanbildung zu schaffen. Schon frühe Anzeichen, wie etwa die hohe Wassertemperatur, deuteten auf eine äußerst aktive Saison hin. So bildeten sich insgesamt 28 tropische Stürme. Dies stellte die seinerzeit aktivste Saison seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Atlantikbecken dar. Dieser Rekord wurde in der Saison 2020 übertroffen. Zudem bildeten sich 15 Hurrikane in nur dieser einen Sturmsaison. Von diesen 15 entwickelten sich sieben zu starken Hurrikanen, einer übertraf sogar den Rekord für den niedrigsten Zentraldruck seit Beginn der Aufzeichnungen 1950. Außerdem war 2005 die erste Hurrikansaison, in der der Vorrat an Hurrikannamen erschöpft wurde und zusätzlich griechische Buchstaben eingesetzt werden mussten. Schließlich war die Saison die dritte von bisher sechs Hurrikansaisons, in denen sich zwei oder mehr Hurrikans der Kategorie 5 bildeten (die anderen waren die Saisons 1960, 1961, 2007, 2017 und 2019).
Diese Hurrikansaison brachte viel Beschädigung, Tod und Zerstörung mit sich. Zusammengerechnet entstand ein Sachschaden von über 100 Milliarden US-Dollar (der meiste verursacht vom Hurrikan Katrina), mindestens 3937 Menschen kamen dabei zu Tode (davon allein 1833 durch Katrina).
Zusammenfassung der Sturmsaison + Todesfälle Saison 2005 Sturm Tote Arlene 1 Bret 1 Cindy 5 Dennis 88 Emily 17 Gert 1 Irene 1 Jose 8 Katrina 1836 Maria 4 Nate 2 Ophelia 3 Rita 125 Stan 1668 Tammy 10 Zweiundzwanzig 10 Wilma 87 Alpha 26 Beta 9 Gamma 39 Delta 19 Summe 3960 Die Saison begann sehr turbulent mit sieben tropischen Stürmen und zwei starken Hurrikanen, welche sich noch vor Ende des Monats August gebildet hatten. Diese frühe Aktivität, manifestiert in der Anzahl und Intensität der Stürme, deutete auf eine Rekordsaison hin. Der Trend bewahrheitete sich schnell. So bildeten sich sehr viele Stürme im Oktober; mehr, als in jedem anderen Monat. Normalerweise erreicht die Hurrikansaison ihren Höhepunkt schon im September. Insgesamt gab es 27 benannte Stürme, was einen neuen Rekord für das atlantische Basin darstellt. Überdies gab es zwei tropische Tiefdrucksysteme und ein subtropisches Tiefdrucksystem. Insgesamt wurden in der Saison 2005 16 Rekorde gebrochen.
Es gab mehrere starke Stürme während der Saison. Doch Hurrikan Wilma, mit einem minimalen Luftdruck von 882 hPa, stellte alle in den Schatten. Damit wurde auch der 17 Jahre alte Rekord von Hurrikan Gilbert (888 hPa) unterboten. Außerdem war es die einzige Saison in der sich vier Kategorie-5-Hurrikane auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala bildeten.
Die Stürme dieser Saison waren außergewöhnlich verheerend und brachten viel Zerstörung mit sich. Bereits am Anfang der Saison verursachten die Hurrikane Dennis und Emily Schäden in Milliardenhöhe. Ende August verursachte Hurrikan Katrina leichte Schäden in Süd-Florida, bevor er in den Golf von Mexiko zog, wo er katastrophalen Schaden in Alabama, Mississippi und Louisiana, besonders aber in der Stadt New Orleans anrichtete. Es war der kostspieligste Hurrikan in der Geschichte der USA, noch teurer als Hurrikan Andrew im Jahr 1992. Auf Katrina folgte Rita, welche wiederum in der Nähe des Landungsgebietes Katrinas auf Land traf und die Stadt New Orleans erneut überflutete sowie weiteren Schaden in Louisiana und Texas anrichtete. Später zogen die Reste vom Tropensturm Tammy und der subtropischen Depression Zweiundzwanzig über den Nordosten der Vereinigten Staaten und verursachten dort schwere Überflutungen.
Ein besonders seltener Sturm war Hurrikan Vince, welcher sich, von allen bisher beobachteten Stürmen, am weitesten nordöstlich über dem Atlantik gebildet hatte, die Stärke eines Hurrikans erlangte und zudem noch im Süden der iberischen Halbinsel auf Europa Festland erreicht hat. In weiterer Folge wurden vom Tropensturm Delta auf den kanarischen Inseln schwere Schäden verursacht und sieben Menschen getötet.
Ein weiteres Obskurium der Saison 2005 war, dass die Anfangsbuchstaben, verwendet für die Namen der Stürme, bald aufgebraucht waren. So musste letztendlich auch das griechische Alphabet für die Namen herhalten. Dies geschah im Jahr 2005 das erste Mal seit 1970. Doch damals gab man nur subtropischen und tropischen Tiefdruckgebieten Namen mit griechischen Lettern.
+ Durchschnittliche Hurrikansaisonim Vergleich zurHurrikansaison 2005(Region Nordatlantik) Systeme Durchschnitt 2005 Stürme 10 28 Hurrikane 6 15 Hurrikane der Kategorie 3+ 2 7 Hurrikane der Kategorie 5 0,3 4 Die intensive Aktivität dieser Saison hatte erhebliche ökonomische Konsequenzen. Wegen des Mehraufwandes bei der Produktion von Kraftstoffen und dem Problem der begrenzten Kapazität der Ölfördermenge und Raffinierung im Golf von Mexiko, trieben die Stürme den Preis für Rohöl in die Höhe. Die Behinderung der Raffineriekapazität in den Vereinigten Staaten veranlasste die Raffineriebetriebe den Spritpreis auf ein Rekordniveau anheben zu lassen. Diese Verteuerung des Spritpreises wurde in den USA nur durch die inflationären Höhepunkte in den Jahren 1918–1920 und 1979–1982 erreicht. Die Regierungen in Europa und der USA mussten daher die strategischen Ölreserven anzapfen. Zudem entstanden in den Tagen nach Katrina weitere Engpässe in der Öllieferung. Auch Wochen nach diesem Hurrikanereignis blieben die Preise auf einem Rekordhoch, obwohl die Gesamtfördermenge auf über eine Million Barrels pro Tag angehoben wurde. Rita beschädigte weitere Förderanlagen im westlichen Golf von Mexiko, welche jedoch in erster Linie zur Forschung dienten, was aber dazu führte, dass die Ölproduktion für einige Zeit gehemmt wurde.
Stürme Tropischer Sturm Arlene
Schon zu Anfang der Hurrikansaison bildete sich ein Tiefdruckgebiet und etablierte sich nördlich von Honduras. Trotz der starken Windscherung hatte sich das Tief organisieren können und wurde schließlich am 8. Juni 2005 als tropisches Tiefdrucksystem anerkannt. Am nächsten Tag entwickelte es sich zu einem tropischen Sturm.
Arlene brachte den Kaimaninseln und Kuba Winde in Sturmstärke und ergiebigen Niederschlag ein. Als Arlene am 10. Juni gegen Morgen Kuba überquerte und in den Golf von Mexiko zog, schwächte sich der Sturm weiter ab.
Arlene erreichte am 11. Juni westlich von Pensacola Land. Arlene war, seit Hurrikan Allison das östliche Florida im Jahr 1995 überquerte, der stärkste Juni-Sturm, der auf das Festland traf. Nachdem der Sturm in das Inland Richtung Indiana und Michigan gezogen war, existierte er noch für zwei Tage als Tiefdruckgebiet, und zog danach als extratropisches Tiefdruckgebiet Richtung Europa.
Das einzige Todesopfer war eine Frau, welche sich zu der Zeit der Passage des Sturmes am Strand von Miami Beach aufgehalten hatte.
Tropischer Sturm Bret
Ende Juni bildete sich eine Störung in der Bucht von Campeche. Das System organisierte sich schnell und wurde schließlich am 28. Juni gegen Abend als Tropisches Tiefdruckgebiet Zwei Zwei bezeichnet. Zwei Stunden später ergaben die Messungen eines Wetterflugzeuges, dass sich das System zu einem tropischen Sturm verstärkt hatte, welches von dem Zeitpunkt an den Namen Bret erhielt. Seit der Saison von 1986 war es das erste Mal, dass sich zwei tropische Stürme im Juni formten – das fünfzehnte Mal seit 1851.
Der Sturm bewegte sich in Richtung West-Nordwest, wo er am 29. Juni bei Tuxpan, Mexiko gegen sieben Uhr morgens als schwacher tropischer Sturm auf Land traf. Er bewegte sich landeinwärts, mit ergiebigen Niederschlägen über dem Bundesstaat Veracruz, bis sich der Sturm über den Bergen von San Luis Potosí, am späten Abend des 29. Juni, stark abschwächte.
Hunderte von Häusern und Wohnungen wurden beschädigt und einige Städte, insbesondere Naranjos und Chinampa (über 95 km südlich von Tampico), waren größtenteils überflutet. Die wohl einzige Tote war eine Insasse eines Autos, welches in Naranjos von Flutmassen davongeschwemmt wurde.
Hurrikan Cindy
Am 3. Juli verstärkte sich eine Tropische Welle zum tropischen Tiefdruckgebiet Drei im Nordwesten der karibischen See. Sie traf am 4. Juli auf die Halbinsel von Yucatán und zog weiter in den Golf von Mexiko. Spät abends hatte sich dann weiter nördlich vom einstigen Zentrum eine neue Zirkulation gebildet. Am Morgen des nächsten Tages verstärkte sich das System weiter zu einem Tropensturm. Der Sturm steuerte nordwärts weiter über den Golf von Mexiko und traf in der Nähe von Grand Isle, Louisiana, am 5. Juli auf Land. Als er in das Inland zog, schwächte er sich weiter ab und wurde am 7. Juli zu einem extratropischen Sturm.
Als Cindy weiter landeinwärts wanderte, entstand dabei ein F2-Tornado, welcher den Atlanta Motor Speedway und den Tara Field Flughafen in Hampton, Georgia beschädigte. Große, zum Teil rekordverdächtige Mengen an Niederschlag fielen über Teile von Louisiana, Mississippi, Alabama und Maryland. An zahlreichen Stellen fiel über 127 mm Regen.
Insgesamt gab es durch Cindy 5 Tote.
Cindy wurde nachträglich zum Hurrikan hochgestuft. Eine genau Datenauswertung bestätigte damit eine Vermutung die bereits vorher bestanden hatte. Cindy hatte kurz vor ihrem Landgang Hurrikanstärke erreicht. Dies wird durch das National Hurricane Center (NHC) im aktualisierten Tropischen-Sturm-Report für Cindy vom 26. Januar 2006 gemeldet.
Hurrikan Dennis
Das tropische Tiefdruckgebiet Vier formierte sich am Abend des 4. Julis in der südöstlichen karibischen See. Am nächsten Tag verstärkte sich das System zum tropischen Sturm Dennis. Der Sturm begann sich schnell in Richtung West-Nordwest zu bewegen und erreichte schließlich am Nachmittag des 6. Juli Hurrikanstärke, während er die südliche Küste von Hispaniola erreichte. Am nächsten Tag verstärkte er sich sehr schnell zu einem Hurrikan der Kategorie 4. Dennis war zum Zeitpunkt seiner Gipfelaktivität der stärkste beobachtete atlantische Sturm vor dem Monat August, wurde aber nur wenige Tage später von Emily übertroffen. Am 8. Juli überquerte Dennis die Insel Kuba mit Kurs auf die Hauptstadt Havanna. Eine zweite Episode von starker Intensivierung trat am 9. Juli auf, wo er nordwärts Richtung Golfküste der Vereinigten Staaten wanderte und erneut in Kategorie 4 eingestuft wurde. Dennis erreichte Land als Kategorie-3-Sturm südöstlich von Pensacola, Florida.
Dennis tötete 89 Menschen. Zudem wurden in Haiti mehr als 100 Leute als vermisst gemeldet. Er war eventuell der schlimmste Hurrikan für Kuba seit Hurrikan Flora im Jahr 1963. Die Summe der Schäden beläuft sich auf 4 Milliarden US-Dollar, der meiste davon in der Karibik.
Hurrikan Emily
Emily formte sich am 11. Juli als tropisches Tiefdruckgebiet Fünf östlich der Kleinen Antillen. Sie bewegte sich westwärts und erreichte Grenada am 14. Juli als ein Kategorie-1-Hurrikan. Schließlich erreichte sie die Karibische See und begann sich schnell zu intensivieren. Am 15. Juli wurde sie zu einem Hurrikan der Kategorie 5, auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala, aufgewertet. Emily brach den acht Tage alten Rekord von Hurrikan Dennis als den intensivsten Sturm vor dem Monat August. Der Sturm erreichte einen minimalen Luftdruck von 929 hPa mit Windspitzen von über 260 km/h am 16. Juli. Nachdem sie den Süden von Jamaika und die Kaimaninseln passiert hatte, traf Emily bei der Halbinsel Yucatán am Morgen des 17. Juli auf Land. Emily tauchte auch über der Küste von Campeche auf und erreichte zum zweiten Mal das Land nahe einer ländlichen Region nordöstlich von Mexiko bei Boca Madre, Tamaulipas, als ein Kategorie-3-Sturm.
Emily ist wahrscheinlich verantwortlich für 17 Tote.
Tropischer Sturm Franklin