mini|Verlauf des Rheins und seiner Nebenflüsse
mini|Dachziegel mit Stempel CLAS(S)IS, aus Novaesium, Clemens Sels Museum Neuss mini|210px|Altar der Victoria aus dem Flottenkastell Alteburg, 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr.. mini|Karte der fossa Corbulonis mini|210px|Fragment einer Bronzetafel aus Naaldwijk (NL) mit der Inschrift CLASSISAV mini|210px|Grabstein des Marinesoldaten L. Valerius Verecundus, verstorben im aktiven Dienst im Lager Köln-Alteburg. mini|Römischer Marinesoldat (2. Jahrhundert n. Chr.) mini|Römische Trireme mini|Römische Flussliburne mini|Modell (vorne) und Originalfundstück (hinten rechts) eines römischen Lastkahns (Plattbodenschiff, Prahm vom Typ Zwammerdam 6) aus dem 1. Jahrhundert mini|Rekonstruktion eines römischen Flussfrachters mini|Modell eines römischen Transportschiffs (oraria navis) für den Einsatz auf Flüssen und in küstennahen Gewässern (Musée de l’Arles et de la Provence antiques) mini|Rekonstruktion einer Navis lusoria der Rheinflotte (Classis Germanica) im 4. Jahrhundert n. Chr. Sie basiert auf den Überresten von fünf römischen Schiffen die Anfang der 1980er Jahre im Rhein bei Mainz entdeckt wurden. Dieses Schiff, Typ Mainz A, wurde als schnelles Einsatzschiff mit langer, schmaler Form und flachem Kiel konstruiert. Es wurde von den Marinesoldaten gerudert (32 Ruder, je 16 auf jeder Seite). Die seitlich montierten Schilde schützten die Ruderer zusätzlich vor feindlichen Wurfgeschossen, ausgestellt im Museum für Antike Schifffahrt, Mainz mini|Die Regina, der Nachbau einer Navis lusoria durch die Uni Regensburg, bei einer Fahrt auf dem fränkischen Brombachsee mini|Nachbau des Weinschiffs von Neumagen mini|Rekonstruktionsmodell des spätantiken Ländeburgus von Ladenburg. Die Brücke ist archäologisch nicht nachgewiesen.
Die Classis Germanica war eine Teilstreitkraft der römischen Kriegsflotte in Germania superior und Germania inferior. Sie war neben der Kanalflotte (Classis Britannica) einer der größten Marineverbände des Römischen Reiches und rangierte vor allen anderen Provinzflotten.
Die römische Rheinflotte wurde in der Zeit um 13 v. Chr. aufgestellt. Ihre Einheiten waren für die Überwachung des gesamten Rheins (ab der Einmündung des Vinxtbaches), dessen schiffbare Nebenflüsse sowie den Küstenstreifen von Zuidersee und der Nordsee im Gebiet des Rhein-Maas-Schelde-Deltas zuständig. In weiterer Folge wurden auch die Mündungen rechtsrheinischer Flüsse gesichert, um so den reibungslosen Transit- und Handelsverkehr am Rhein aufrechtzuerhalten. Die Zugehörigkeit der Classis Germanica zum niedergermanischen Heer (Exercitus Germaniae Inferioris) ist durch ein Militärdiplom (Fundort Niederlande) aus der Regierungszeit Trajans bestätigt. Es listet neben den dortigen Auxiliartruppen auch die Rheinflotte auf, die (in veränderter Organisationsform) vermutlich bis in das späte 4. Jahrhundert bestand.
Flottenoperationen Die Geschichte der Rheinflotte beginnt in der Zeit der Germanienkriege ab 13 v. Chr. Seitdem wurden vom römischen Oberkommando die Legionen und Hilfstruppen am Rhein konzentriert, von Anfang an war auch die Flotte in die Feldzüge des römischen Heeres eingebunden. In dieser Zeit waren die Einsätze der Rheinflotte noch offensiv geprägt. Mit Aufgabe der Expansionspläne in die Stammesgebiete rechts des Rheins durch Tiberius im Jahr 17 n. Chr. veränderten sich auch die Aufgaben der Classis Germanica.
1. bis 2. Jahrhundert In augusteischer Zeit wurden von den Römern mehrere massive Offensiven in Gang gesetzt. Man weiß von mehreren großangelegten Landungsunternehmen römischer Truppen an der Nordseeküste, die eng mit den Vorstößen der Landstreitkräfte koordiniert wurden. Drusus führte zu diesem Zweck die Rheinflotte im Zusammenhang mit den Drusus-Feldzügen (12 bis 8 v. Chr.) durch einen – oder mehrere – neu gegrabene Kanäle von der Zuidersee in die Nordsee (fossa Drusiana).Florus 2,30. Da Friesen und Chauken nur über primitive Einbäume verfügten, konnte er mit seinen weit überlegenen Kräften ungehindert in die Mündung der Weser (Visurgis) einlaufen und danach beide Stämme rasch unterwerfen.
Der Vorstoß des Tiberius an die Elbe (Albis) im Jahre 5 n. Chr. wurde mittels einer kombinierten See- und Landoperation bewerkstelligt. Seine Flotte fuhr den Fluss bis in die Gegend von Lauenburg/Elbe flussaufwärts und vereinigte sich dort wieder mit dem Landheer. Im nächsten Jahr segelten die Römer noch weiter nach Norden, „bis zum Gebiet der Kimbern“, vor. Die genaue Route und Endpunkt der Expedition sind unbekannt. Man hat wohl angenommen, dass die Schiffe dabei auch Helgoland passierten, aufgrund der von Tacitus erwähnte Legende, dass sich die Herculis Columnae (Säulen des Herkules) im Land der Friesen befunden hätten, doch fehlen dafür die Beweise.Helgoland wurde im römischen Zeitalter nicht von Friesen bewohnt. Die Flotte stieß angeblich bis Kap Skagen vor, da Plinius der Ältere in diesem Zusammenhang von einem „Kimbernkap“ berichtet. Die Kimbern siedelten zu dieser Zeit noch im Norden Jütlands. Nach der Umrundung des Kaps fand man ein großes Meer vor, das man – so der Chronist Velleius Paterculus – „teils erblickte, teils vom Hörensagen kannte“.Velleius Paterculus 2, 106. Die Anwesenheit einer römischen Flotte in diesem Gebiet dürfte auch wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich die germanischen Küstenstämme nach der Niederlage des Varus vorsichtshalber nicht der antirömischen Koalition unter den Cheruskern angeschlossen hatten.
15 n. Chr. drang eine römische Armee unter der Führung des Germanicus erneut in Germanien ein: Die Flotte landete beim heutigen Rheine hierfür insgesamt vier Römische Legionen an, die anschließend bis zum Schauplatz der Varusschlacht marschierten, um dort unter anderem die Gefallenen zu bestatteten. Nach schweren Kämpfen mit den germanischen Stämmen zogen sie sich wieder zu ihren an der Ems in Warteposition liegenden Schiffen zurück. Nur ein Jahr später setzte Germanicus eine der größten amphibischen Unternehmungen der antiken Kriegsgeschichte in Gang. Unter dem Befehl seiner Legaten Silius, Anteius und Caecina ließ er eine neue Flotte von über tausend Schiffen auf Kiel legen, darunter Spezialkonstruktionen wie zum Beispiel Landungsboote mit flachem Boden und Steuerrudern an Heck und Bug, Transporter (actuariae) für Wurfgeschütze, breite Archen für Kavalleriepferde, Brückenbaumaterial sowie Verpflegung und Ausrüstung. Mit ihr und einem über 8000 Mann starken Heer an Bord stach Germanicus im Frühjahr 16 n. Chr. wieder in See.
Germanicus baute die Bataverinsel (heute Beveland und Walcheren) zu einem befestigten Brückenkopf aus, da sie eine ideale strategische Lage als Ausgangspunkt für den Feldzug nach Germanien hatte. Von der Bataverinsel stieß die Flotte bis zur Mündung der Ems vor, wo die Armee beim heutigen Jemgum an Land ging. Nach den Kämpfen auf der Ebene Idistaviso und am Angrivarierwall (zwischen Weser und Steinhuder Meer), in der die Stämme der Angrivarier, Brukterer und Cherusker besiegt wurden, sollte ein Teil des Heeres von der Classis Germanica wieder in ihre Garnisonen zurückgebracht werden. Fast die gesamte Flotte mit den an Bord befindlichen Truppen fiel dabei aber einem schweren Sturm zum Opfer. Germanicus selbst strandete im Siedlungsgebiet der Chauken, blieb aber unverletzt.Tacitus, Annalen 2,9–24.
28 n. Chr. rebellierten erneut die Friesen gegen die römische Herrschaft: Die Rheinflotte brachte ein Expeditionsheer in das Aufstandsgebiet, um unter anderem auch den zu diesem Zeitpunkt belagerten befestigten Hafen von Flevum (Velsen) zu entsetzen. Dennoch konnte der Abfall der Friesen nicht verhindert werden und die Römer verloren die Kontrolle über die Nordseeküste bis zur Rheinmündung. 46 bis 47 versuchten die Römer erneut, die Friesen zu unterwerfen; trotz Einsatz der Flotte konnten sich die Römer jedoch nicht lange behaupten.
48 wurde unter dem Legaten Gnaeus Domitius Corbulo ein 27 km langer Kanal (fossa Corbulonis) zwischen den Mündungen der Oude Maas und des Oude Rijn fertiggestellt. Er wurde vor allem für Truppen- und Versorgungstransporte genutzt.
68/69 n. Chr. brach im Zuge des römischen Bürgerkrieges (Vierkaiserjahr) ein Aufstand unter den verbündeten Batavern unter Iulius Civilis aus, der sich auf fast alle übrigen rheingermanischen Stämme ausweitete. Alle Kastelle nördlich von Mogontiacum wurden belagert oder zerstört. Die Classis Germanica war durch den geringen Wasserstand des Rheins bei ihren Operationen stark eingeschränkt, außerdem erwiesen sich die meisten batavischen Rojer und Auxiliaren als unzuverlässig und desertierten in großer Zahl zu den Aufständischen. Zu alledem wurde sie auch noch schlecht geführt und konnte dadurch kaum etwas zur Unterstützung der hart bedrängten Rheinlegionen beitragen.Tacitus, Historiae 4, 14 ff. Unter den Legionen, die nach Niedergermanien entsandt wurden, um die Revolte zu zerschlagen, fanden sich auch die Legionen I und II Adiutrix, die aus Matrosen rekrutiert wurden.Raffaele D Amato, Graham Sumner: 2009, S. 7. Ein ganzes Geschwader der Classis Germanica fiel im Jahre 70 durch Verrat in die Hände der Bataver und wurde anschließend gegen die Römer eingesetzt.Tacitus, Historiae 4,16–17. Als der Oberbefehlshaber der Rheinarmee, Quintus Petillius Cerialis, durch Einheiten der Classis Britannica die Legio XIIII Gemina zur Verstärkung gegen die Rebellen an Land setzen ließ, geriet diese in einen Hinterhalt der mit den Batavern verwandten Cananefaten und wurde fast völlig aufgerieben. Cerialis eilte zwar von Novaesium aus mit der Classis Germanica zu Hilfe, wurde aber während der Nacht von den Batavern überfallen und büßte dabei sämtliche seiner Schiffe (darunter auch seine Trireme) ein.Tacitus, Historiae 4,79. Die Verluste konnten jedoch rasch wieder ersetzt werden. Mit ihrer neuen Flotte versuchten die Bataver nun, Versorgungstransporte der Römer aus Gallien im Rheindelta aufzubringen. Im Mündungsgebiet der Maas (Mosa) stellte sich schließlich die zahlenmäßig zwar unterlegene, aber besser ausgebildete Classis Germanica zum Kampf. Es kam jedoch nur zu einem kurzen Gefecht. Civilis zog sich ans nördliche Rheinufer zurück, und die Römer verwüsteten das Siedlungsgebiet der Bataver.Tacitus, Historiae 5,23. Der Flotte gelang es nie, im Bataveraufstand entscheidende Erfolge zu erringen.
89 n. Chr. meuterten große Teile der Rheinarmee gegen Kaiser Domitian. Die Classis Germanica stand jedoch loyal zum regierenden Kaiserhaus und bewährte sich bei der Niederwerfung der Rebellen. Ihr wurde dafür der Ehrentitel classis pia fidelis Domitiana verliehen.
Die Szenen auf der Trajanssäule zeigen, dass an den Dakerkriegen (101 bis 106) Trajans auch Flottenverbände beteiligt waren. In einer Inschrift wird ein gewisser Manlius Felix als Praefectus classium Pannonicae et Germanicae (Admiral der pannonischen und germanischen Flotte) genannt. Es dürfte also beide Flotten in Personalunion kommandiert haben. Das Zusammenziehen weit voneinander entfernt stationierter Flotteneinheiten für Feldzüge war auch in späterer Zeit noch üblich.
3. bis 4. Jahrhundert Nach dem Ende des sogenannten Gallischen Sonderreiches unter Postumus und nach wiederholten schweren Einfällen der Franken ging die Classis Germanica im letzten Drittel des 3. Jahrhunderts n. Chr. zugrunde. Ab dieser Zeit unterhielten die Rheinlegionen ihre eigenen Flottillen (milites liburnarii). Römische Flusskampfschiffe wurden am Rhein erst wieder im Jahre 280 erwähnt: Germanischen Invasoren gelang es dabei, mehrere der neuen naves lusoriae in Brand zu stecken.Historia Augusta, Bonos 15.