The West Wing – Im Zentrum der Macht (Originaltitel: The West Wing) ist eine US-amerikanische Politserie, die zwischen 1999 und 2006 produziert und ausgestrahlt wurde. Sie spielt vorwiegend im Weißen Haus und versucht auf realistische, dramatische und auch humorvolle Weise den Arbeitsalltag des US-Präsidenten und seiner engen Berater darzustellen. Die Idee zur Serie hatte Aaron Sorkin, der bis zu seinem Abgang nach der vierten Staffel auch einen Großteil der Drehbücher schrieb.

Die Serie wurde erstmals im Jahr 1999 auf dem Sender NBC ausgestrahlt. Während The West Wing in den Vereinigten Staaten bis zu 17 Millionen Zuschauer erreichen und auch bei Preisverleihungen einen überdurchschnittlich großen Erfolg für sich beanspruchen konnte, lief The West Wing im deutschsprachigen Raum nur auf dem Pay-TV-Sender FOX. Viermal wurde die Serie mit dem Emmy in der Kategorie Beste Dramaserie ausgezeichnet. Auch die jeweiligen Darsteller, die als gleichwertiger Teil eines Ensembles anzusehen sind, wurden mehrfach mit Emmys ausgezeichnet. Sowohl während der Ausstrahlung als auch danach wurde The West Wing von Kritikern, früheren Beratern des Weißen Hauses und Medien für die scharfsinnigen Dialoge und die unterhaltsame Erklärung politischer Vorgänge gelobt. In diversen Bestenlisten renommierter Fachmagazine und Tageszeitungen wurde die Serie zu den besten Serien aller Zeiten gezählt.

Ein charakteristisches Merkmal der Serie sind die wortlastigen und schnell gesprochenen Dialoge, die typisch für Serienschöpfer Aaron Sorkin sind. Ein weiteres, häufig genutztes Element ist die sogenannte walk and talk-Regieführung. Bei der von Thomas Schlamme etablierten Kameratechnik führen die Figuren ihre Konversationen, während sie die Korridore des sogenannten West Wing beschreiten. Der Titel der Serie spielt auf den Gebäudeflügel des Weißen Hauses an, in dem sich das Oval Office sowie die Büros der engsten Präsidentenberater und ihrer Mitarbeiter befinden. Auch diverse Berater früherer Präsidenten waren Teil des Entstehungsprozesses.

Handlung Die Serie handelt vom Alltag des US-Präsidenten Josiah Bartlet und seines Beraterstabs. Die erste Staffel setzt ungefähr ein halbes Jahr nach der Amtseinführung des Präsidenten ein. Zahlreiche Handlungsstränge begleiten die Figuren im Laufe der Serie. Während sich die Figuren auf nationaler Ebene mit der Verabschiedung von Gesetzen, Wahlkämpfen und der republikanischen Partei auseinandersetzen müssen, dominieren auf internationaler Bühne Konflikte mit und zwischen verfeindeten Nationen. Zudem werden die Figuren im privaten Umfeld mit brisanten Angelegenheiten wie zum Beispiel Prostitution, Drogen- und Alkoholabhängigkeit oder chronischen Krankheiten konfrontiert.

Staffel 1 setzt ungefähr ein halbes Jahr nach der Amtseinführung des demokratischen Präsidenten Josiah Bartlet ein. Während sich der stellvertretende Kommunikationsdirektor Sam Seaborn mit einer Prostituierten anfreundet, muss sich Pressesprecherin C.J. Cregg der romantischen Avancen eines Reporters erwehren. Stabschef Leo McGarry wird aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit von seiner Vergangenheit eingeholt. Unterdessen setzt Kommunikationsdirektor Toby Ziegler alles daran, einen Richter für den Supreme Court zu nominieren. Präsident Bartlet gesteht seinem Stabschef Leo nicht nur seine MS-Erkrankung, auch will er zwischen den verfeindeten Regierungen von Indien und Pakistan für Frieden sorgen. Auf nationaler Ebene sieht sich der Präsident mit der eigenen, festgefahrenen Neutralität und Regierungsunfähigkeit konfrontiert, welche gegen Ende der Staffel aufgebrochen wird. Am Ende der Staffel geraten der Präsident und sein Stab nach einer öffentlichen Veranstaltung ins Zielkreuz von Extremisten.

Staffel 2 stellt den Zeitraum zwischen der Mitte des zweiten und der Mitte des dritten Jahres dar und schließt unmittelbar an die erste Staffel an. Sie umfasst ein breiteres Spektrum der Gesetzgebung als die erste Staffel und beschäftigt sich unter anderem mit extremistischen Hassgruppen, überparteilicher Zusammenarbeit, Atomwaffen, der Aufnahme chinesischer Flüchtlinge und der Erforschung des Weltraums. Gegen Ende der Staffel konfrontiert Präsident Bartlet seinen Stab und die Öffentlichkeit ungewollt mit seiner ihm schon vor der Präsidentschaft bekannten Erkrankung an Multipler Sklerose. Die Staffel endet mit der Frage einer Reporterin, ob er für eine zweite Amtszeit kandidieren wolle.

Staffel 3 umfasst den Zeitraum zwischen der Mitte des dritten und der Mitte des vierten Jahres. Sie beginnt mit der Ankündigung Bartlets, erneut für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen. Später geht es um den Wahlkampf, die Ermittlungen des Kongresses gegen Bartlet wegen Wahlbetrugs, eine Morddrohung gegen die Pressesprecherin C.J. und die daraus resultierende Beziehung zu einem zu ihrem Schutz eingesetzten Agenten des Secret Service. Weiterhin plant der Verteidigungsminister des fiktiven Staates Qumar einen Terroranschlag gegen die Vereinigten Staaten. Das Staffelfinale klärt einige dieser Handlungsstränge auf. Unter anderem fällt der Verteidigungsminister von Qumar einer von Präsident Bartlet befohlenen und vor der Öffentlichkeit geheimgehaltenen Tötung zum Opfer.

Staffel 4 wird zunächst von den anstehenden Präsidentschaftswahlen bestimmt, bei denen Präsident Bartlet gegen seinen republikanischen Widersacher Robert Ritchie antreten muss. Letztlich gewinnt Präsident Bartlet die Wahl deutlich. Im Kommunikationsbüro wechselt das Personal: Weil Sam nach dem Tod eines Kongresskandidaten bei einer Kongresswahl in Kalifornien als Ersatz einspringt, übernimmt die neue Figur Will Bailey die Position des stellvertretenden Kommunikationsdirektors. Am Ende der Staffel wird Zoey Bartlet, die Tochter des Präsidenten, auf einer Party entführt. Da er aufgrund der psychischen Belastungen sein Amt nicht mehr ausüben kann, entbindet sich Präsident Bartlet vorerst von seinen Pflichten. Statt Vizepräsident John Hoynes, der sich wenige Tage zuvor aufgrund eines Skandals zum Rücktritt gezwungen sah, gehen die Aufgaben gemäß dem 25. Verfassungszusatz auf den republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses über.

Staffel 5 widmet sich in den ersten Folgen der Suche nach der entführten Präsidententochter Zoey Bartlet. Dies gelingt, sodass Präsident Bartlet gemäß Verfassung wieder in sein Amt zurückkehren kann. Nach der Ernennung des Vizepräsidenten Bob Russell führt ein Streit zwischen Demokraten und Republikanern zu einem Government Shutdown, der später durch einen cleveren Schachzug des Präsidenten zu seinen Gunsten aufgelöst wird. Später gelingt es Präsident Bartlet, eine liberale Richterin als erste Frau in der Geschichte für den Posten des Chief Justice am Supreme Court zu nominieren. Die Staffel endet mit einem Bombenanschlag in Gaza. Daraufhin drängt Präsident Bartlet auf Friedensgespräche mit Israel. Unterdessen entfremdet er sich von seinem Stabschef Leo.

Staffel 6 beschäftigt sich größtenteils mit den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahlen und somit mit der Nachfolge von Präsident Bartlet. Während Josh den Abgeordneten Matt Santos von einer Kandidatur überzeugen kann, arbeiten Will und Joshs frühere Assistentin Donna Moss für die Wahlkampagne von Vizepräsident Bob Russell. Bei den internen Vorwahlen der Republikaner zeichnet sich früh ab, dass der Senator Arnold Vinick sie für sich entscheiden kann. In der letzten Folge sichert sich Santos die Nominierung der zerstrittenen Demokraten. Kurz zuvor hat Leo Joshs Angebot angenommen, für das Amt des Vizepräsidenten anzutreten.

Staffel 7 steht ganz in Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs zwischen dem Demokraten Matt Santos und dem favorisierten Republikaner Arnold Vinick. Am Wahltag stirbt Santos’ Vizepräsidentschaftskandidat Leo McGarry. Trotzdem erringt Santos mit einem knappen Vorsprung die Präsidentschaft. In den Wochen bis zur Amtseinführung, der Phase des Übergangs, bietet er Vinick die wichtige Position des Außenministers an. Die Staffel endet mit der Amtseinführung und dem gleichzeitigen Auszug von Präsident Bartlet aus dem Weißen Haus. Zuvor war es Josh als Santos’ Stabschef gelungen, Sam als seinen Stellvertreter ins Team zu holen.

Figuren

Josiah Bartlet mini|hochkant=0.7|Martin Sheen spielt Präsident Bartlet

Josiah Bartlet ist der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten. Er ist Mitglied der Demokratischen Partei und war vor seiner Präsidentschaft Gouverneur seines Heimatstaates New Hampshire. In den parteiinternen Vorwahlen konnte er sich als Außenseiter gegen den Favoriten und späteren Vizepräsidenten John Hoynes durchsetzen. Die erste Staffel setzt ein halbes Jahr nach der Amtseinführung ein. Während der Staffel gesteht Bartlet seinem Stabschef Leo nach einem Zusammenbruch, dass er seit ungefähr 10 Jahren an Multipler Sklerose leidet. Am Ende der ersten Staffel gerät Bartlet nach einer Veranstaltung an einer Universität unbeabsichtigt unter Beschuss und wird verletzt. Das Attentat galt eigentlich seinem Assistenten Charlie. Nach einer Operation und einem Krankenhausaufenthalt kann er sich wieder seinem Amt widmen. Aufgrund eines Manövers seines Vizepräsidenten John Hoynes erfährt sein Beraterstab vor dem Ende der zweiten Staffel von der MS-Erkrankung. Bartlet gibt am Ende der zweiten Staffel seine erneute Kandidatur bekannt, nachdem er zuvor unentschlossen war. Vor Beginn des Wahlkampfes setzt der Kongress einen Untersuchungsausschuss ein, der sich mit der Verheimlichung der Krankheit beschäftigt. Die Ermittlungen enden vor dem Beginn des Wahlkampfs damit, dass Bartlet als erster Präsident in der Geschichte vom Kongress offiziell gerügt wird. Zum Ende der dritten Staffel und während des Wahlkampfs befiehlt Bartlet in einer geheimen Mission die Tötung des Verteidigungsministers des fiktiven Staates Qumar im Nahen Osten. Dieser hatte zuvor als Anführer einer Terrorzelle einen Anschlag auf die Golden Gate Bridge geplant. In der vierten Staffel besiegt Bartlet bei den Präsidentschaftswahlen seinen republikanischen Kontrahenten Robert Ritchie deutlich und sichert sich das Amt für vier weitere Jahre. Am Ende der vierten Staffel wird Zoey Bartlet, eine seiner drei Töchter, bei der Abschlussfeier ihrer Universität entführt. Er legt sein Amt daraufhin temporär nieder und übergibt es dem Republikaner Glen Allen Walken, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. Bartlets eigentlicher Stellvertreter Hoynes war nur wenige Tage zuvor aufgrund eines Skandals vom Amt des Vizepräsidenten zurückgetreten. In diese Phase fällt auch die Veröffentlichung der Informationen über die Tötung des qumarischen Verteidigungsministers. Nachdem Zoey zu Beginn der fünften Staffel gefunden wird und Bartlet die Amtsgeschäfte wieder übernimmt, scheitern die Haushaltsverhandlungen mit den Republikanern. Daraufhin kommt es zeitweise zu einem Government Shutdown. Im späteren Verlauf der Staffel gelingt es Bartlet, zwei Richter am Obersten Bundesgericht einzusetzen, darunter die erste Frau im Amt des Chief Justice. In der sechsten Staffel schließt Präsident Bartlet mit Israel und Palästina ein Abkommen zur Friedenssicherung im Nahen Osten. Sein letztes Jahr im Amt wird von der Veröffentlichung streng geheimer Informationen überschattet. So wird durch ein Informationsleck bekannt, dass die Vereinigten Staaten ein militärisches Space Shuttle besitzen. Seine Amtszeit endet in der letzten Folge, in der er dem neugewählten Präsidenten Matt Santos das Amt übergibt.