Das Studio Babelsberg in Potsdam-Babelsberg ist das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt und das größte Filmstudio Europas.

Seit 1912 haben zahlreiche namhafte Filmemacher des Studios und seiner Vorgänger Decla-Bioskop, UFA und DEFA in und um Potsdam und Berlin mehr als 4000 Filme produziert.Studio Babelsberg Historie

Zu den bekanntesten Produktionen gehören unter anderem Metropolis, Melodie des Herzens, Der blaue Engel, Die Feuerzangenbowle, Die Legende von Paul und Paula, Sonnenallee, Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Babylon Berlin, Dark, V wie Vendetta, Operation Walküre, Der Ghostwriter, Cloud Atlas, Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1, Matrix Resurrections, Das Bourne Ultimatum, Inglourious Basterds, Grand Budapest Hotel, Bridge of Spies und Foundation.

Geschichte mini|Glashaus-Atelier und ehemalige Kunstblumenfabrik 1911

Gründerjahre 1912–1933 Im November 1911 legte der Kameramann und technische Leiter der Filmgesellschaft Deutsche Bioscope Guido Seeber mit dem Gelände in der heutigen Medienstadt, das er zunächst nur pachtete, den Grundstein für die Babelsberger Filmstudios. Die Vorgängerfirma der Deutschen Bioscop war 1899 von Julius Grünbaum gegründet worden und drehte zunächst in Berlin, bis sie wegen der von der durch die heißen Scheinwerfer häufig ausgelösten Feueralarme der Pappmaschee-Dekoration und wegen der Arbeit mit dem damals hochexplosivem Zelluloidfilm von der Feuerwehr gebeten wurde, den bewohnten Innenstadt-Bereich zu meiden. Seeber errichtete das sogenannte Kleine Glashaus, ein erstes 15 mal 20 Metern großes Filmatelier an der Stahnsdorfer Straße südlich angrenzend an das heute denkmalgeschützte Gebäude der Kunstblumenfabrik Hachenburg in nur wenigen Monaten. Nach Renovierung entstanden in dem Backsteingebäude Werkstätten, Garderoben, Büros und Entwicklungslabore. In diesem Gebäude fiel am 12. Februar 1912 zum ersten Mal die Klappe für den Stummfilm Der Totentanz von Urban Gad mit Asta Nielsen in der Hauptrolle. Später kam es zur Fusion von Bioscop mit der Decla, der deutschen Niederlassung des französischen Filmkonzerns Éclair, zur Decla Bioscop, die 1921 von der alten Ufa übernommen wurde.

Der damals noch unbekannte Regieassistent Alfred Hitchcock drehte 1924/25 im Studio Babelsberg seinen ersten Film. Jahre später resümierte er: „Alles, was ich über das Filmemachen wissen musste, habe ich in Babelsberg gelernt.“Babelsberg – Wo Hitchcock in die Lehre ging, Mitteldeutsche Zeitung vom 10. Februar 2012, abgerufen am 2. Juni 2021.

mini|links|Fritz Lang bei Dreharbeiten für "Frau im Mond", 1929 1926 entstand für den Science-Fiction-Film Metropolis von Fritz Lang das größte Großatelier Europas,Filmmuseum Potsdam. 5.400 Quadratmeter groß und 14 Meter hoch: die denkmalgeschützte Marlene-Dietrich-Halle, sogenannt seit den 1990er. 1929 wurde für Melodie des Herzens, den ersten deutschen abendfüllenden Tonfilm, auf dem Gelände ein Tonfilmatelier errichtet – das sogenannte Tonkreuz. Das noch heute genutzte denkmalgeschützte Gebäude war das modernste Tonstudio seiner Zeit mit vier kreuzförmig angeordneten Ateliers.

Fritz Lang erfand 1929 in Babelsberg für seinen zweiten Science-Fiction-Film Frau im Mond den Countdown, während Josef von Sternberg hier den Erfolgsfilm Der blaue Engel mit Marlene Dietrich drehte.

Billy Wilder schrieb in Babelsberg diverse Drehbuchfassungen, darunter 1929 das Drehbuch für Menschen am Sonntag (Regie: Robert Siodmak) sowie 1930 für die Verfilmung von Erich Kästners Roman Emil und die Detektive (Regie: Gerhard Lamprecht).

Die Zeit der Weimarer Republik gilt als Geburtsstunde des expressionistischen Films in Deutschland: pragmatische Denkweisen im Stil der neuen Sachlichkeit, Konsolidierung der Filmindustrie durch Einführung des Tonfilms sowie zunehmende Politisierung des Films standen hierbei im Vordergrund.

In den 1930er und 40er Jahren entstehen in Babelsberg zahlreiche erfolgreiche Revuefilme.

In Babelsberg arbeiteten Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau (u. a. Der letzte Mann mit der Erfindung der „entfesselten Kamera“), Fritz Lang (u. a. Dr. Mabuse, Die Nibelungen, Metropolis, M – Eine Stadt sucht einen Mörder) sowie Georg Wilhelm Pabst (u. a. Die freudlose Gasse, Die Büchse der Pandora, Don Quichotte).

Weiterhin standen hier in dieser Zeit Schauspieler wie Hans Albers, Lil Dagover, Willy Fritsch, Gustav Fröhlich, Greta Garbo, Heinrich George, Lilian Harvey, Johannes Heesters, Emil Jannings (erster und bisher einziger deutscher Oscar-Preisträger als Schauspieler), Zarah Leander, Ernst Lubitsch, Hans Moser, Ossi Oswalda, Henny Porten, Marika Rökk, Hans Söhnker, Heinz Rühmann und Sybille Schmitz vor der Kamera.

Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 Während der Zeit des Nationalsozialismus entstanden in den Studios neben NS-Propagandafilmen, wie beispielsweise Jud Süß, zahlreiche Unterhaltungsfilme – zu den bekanntesten gehören Frauen sind doch bessere Diplomaten, Münchhausen, Die Feuerzangenbowle sowie der kommerziell erfolgreichste Film der NS-Zeit Die große Liebe. Am 1. April 1938 wurde die Stadt Nowawes mit der Gemeinde Neubabelsberg zu der dann bereits 1939 nach Potsdam eingemeindeten Stadt Babelsberg zusammengelegt, wobei der neue Name gezielt den slawischen Namen Nowawes auslöschen sollte.Webseite des Kulturhauses Babelsberg, Eintrag „1. April 1938“, Stadtnavigator Berlin, Abschnitt „Nowawes (Babelsberg)“, siehe auch die topografischen Karten Meßtischblatt 3644/1 Potsdam-Süd, 1912 und Deutsches Reich 1:200.000 Potsdam (C), 1922. Erst seit diesem Zeitpunkt befindet sich das Gelände tatsächlich in einem als Babelsberg benannten Ort. Reichsfilm- und Propagandaminister Joseph Goebbels – aufgrund seines nahen Wohnortes auf der Havel-Insel Schwanenwerder und zahlreicher nachgesagter Affären auch der „Bock von Babelsberg“ genanntGoebbels und die Frauen, Spiegel Online, einestages.spiegel.de, abgerufen am 5. Februar 2014. – begann mit den Ausbauplänen des Geländes zur „Babelsberg Ufastadt“.Ausstellung 60 Jahre Bahnhof Griebnitzsee, aus Signal 4/2009 (September 2009), Seite 30, signalarchiv.de abgerufen am 5. Februar 2014.

Nachkriegszeit und DDR 1945–1990 Während das filmpolitische Hauptziel der westlichen Besatzungsmächte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs darin bestand, künftig jegliche Machtanhäufung in der deutschen Filmindustrie zu verhindern und die westlichen Alliierten, allen voran die Amerikaner, mehr Interesse daran hatten, den deutschen Kinomarkt für die eigenen Erzeugnisse zu erschließen, als die deutsche Filmindustrie schnell wieder Fuß fassen zu lassen und damit die Reorganisation der Filmwirtschaft in Westdeutschland nur sehr zögerlich vonstattenging, gliederte hingegen die sowjetische Militärregierung, der an einem raschen Wiederaufbau der deutschen Filmindustrie unter sowjetischer Aufsicht gelegen war, die Babelsberger Ateliers der am 17. Mai 1946 gegründeten DEFA ein.

Zwei Monate zuvor begannen unter der „DEFA i. Gr.“ (DEFA in Gründung) bereits die Dreharbeiten zu Wolfgang Staudtes Die Mörder sind unter uns, dem ersten deutschen Spielfilm der Nachkriegsgeschichte (Drehzeitraum 16. März 1946 bis Juli 1946).Gründung der DEFA bundesarchiv.de, abgerufen am 2. April 2019.Filmportal: „Die Mörder sind unter uns“ filmportal.de, abgerufen am 2. April 2019. Damit entstand der erste deutsche Trümmerfilm u. a. in den Althoff-Ateliers in Babelsberg und in Berlin.

Von 1946 bis 1990 entstanden in Potsdam-Babelsberg über 700 Spielfilme, mehr als 150 Kinderfilme sowie in den Jahren von 1959 bis 1990 über 600 Filme für den Deutschen Fernsehfunk. Bekannte Produktionen wie beispielsweise Die Legende von Paul und Paula, Die Geschichte vom kleinen Muck und Spur der Steine wurden hier gedreht. 1974 entstand mit Jakob der Lügner die einzige Filmproduktion der DDR, die für einen Oscar nominiert wurde. Coming Out aus der Zeit der politischen Wende gilt als der einzige Kinofilm der DDR mit zentral homosexueller Thematik.

Das Althoff-Atelier wurde vom DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme genutzt, die so genannten DOKFILM-Studios Alt Nowawes. Die ursprünglich auch in Babelsberg vorhandene Animationsfilmproduktion wurde 1955 nach Dresden ins damals neugegründete DEFA-Studio für Trickfilme verlagert.

siehe auch: Liste der DEFA-Filme

Seit 1990 mini|Der Haupteingang zum Studio Babelsberg mit Torbogen, 2006 Am 1. Juli 1990 wurde das Gelände der Treuhandanstalt im Rahmen der Übernahme der DEFA übertragen, die es als DEFA-Studio Babelsberg GmbH zunächst weiterführte und 1992 an den französischen Konzern Compagnie Générale des Eaux (heute Vivendi und Veolia Environnement) verkaufte. Nun unter dem Namen Studio Babelsberg GmbH firmierend, wurden Millionensummen in den Ausbau der Studios und den Aufbau der Medienstadt investiert. Von 1992 bis 1997 war Volker Schlöndorff Geschäftsführer von Studio Babelsberg, sein Nachfolger wurde Rainer Schaper, der 2001 überraschend verstarb.

2004 verkaufte die mit dem Filmstudio unternehmerisch erfolglose Compagnie Générale des Eaux ihre Anteile an die neuen Besitzer, Carl Woebcken und Christoph Fisser und ihre Beteiligungsgesellschaft FBB – Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH. Diese brachten das Unternehmen als Studio Babelsberg AG 2005 an die Börse. Die Aktie wurde am 30. Juni 2016 aufgrund von schlechter Performance von der Börse genommen. Im Jahr 2012 feierte das Studio Babelsberg sein einhundertjähriges Bestehen.

mini|links|Teil der Neuen Berliner Straße während der Dreharbeiten zu Babylon Berlin, 2016

Größere Bekanntheit erlangte die in diversen Filmen verwendete Außenkulisse eines Großstadtstraßenzugs Berliner Straße. Sie entstand 1998 für den Film Sonnenallee.() Nach den Dreharbeiten wurde die Kulisse ausgebaut und kam in weiteren Produktionen zum Einsatz, unter anderem in den Filmen Der Pianist, Inglourious Basterds und Die Bücherdiebin. Ende 2013 wurde die Kulisse abgerissen.

Die alte Berliner Straße wurde 2014 durch eine Kulisse ersetzt, die international unter dem Namen Metropolitan Backlot vermarktet wird. Sie besteht aus gründerzeitlichen und anderen Fassadenrücksetzern, die mit Outdoor-Greenscreens kombiniert werden können. Die Kulisse wurde durch die Produktion der Serie Babylon Berlin finanziert.

Das Filmstudio seit 2022 mini|Marlene-Dietrich-Allee Besitzverhältnisse Seit Januar 2022 steht das Studio Babelsberg durch die mehrheitliche Übernahme durch den Immobilienfonds TPG Real Estate Partners, einer Immobilieninvestmenttochter von TPG Capital unter der Leitung der deutschen Kino Bidco, einer Unternehmenstochter der Cinespace-Gruppe. Der Immobilienfonds erlangte eine Mehrheit am Studio, indem es ein Anteilspaket vom Hauptanteilseigner Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH zu einem Preis von 4,10 € je Aktie nach einem öffentlichen Übernahmeangebot erwarb. Das Studio Babelsberg soll als eigenständige Marke erhalten bleiben.Außerordentliche Hauptversammlung. Studio Babelsberg verliert voraussichtlich seine Eigenständigkeit. RBB.

Konzernstruktur Zu den wichtigsten Tochterunternehmen der Studio Babelsberg AG gehören:Konzernstruktur – Studio Babelsberg AG. Studio Babelsberg Motion Pictures GmbH (100 %) – Geschäftsführer Marcus Loges Art Department Studio Babelsberg GmbH (100 %) – Geschäftsführer Michael Düwel Nefzer Babelsberg GmbH (50 %) Spezialeffekte – Geschäftsführer Gerd Nefzer

Art Department Studio Babelsberg Die Tochterfirma Art Department mit Tischlerei, Bildhauerei, Styropor- und Kunststofftechnik (3D-Labor), Metallbau und Kunstmalerei plant und fertigt in langer Tradition die Sets auf über 10.000 m² neben den Ateliers und Studios.

Gelände Das Gelände von Studio Babelsberg erstreckt sich auf eine Fläche über 173.000 m². Mit 21 Studios mit einer Gesamtinnenfläche von über 25.000 m² ist das Studio gemäß der Eigendarstellung der größte zusammenhängende europäische Filmstudiokomplex.

Neue Berliner Straße