Unter der Bezeichnung Kraftwerk Schwarze Pumpe wird heute ein 1993 bis 1998 errichtetes und von der LEAG betriebenes Braunkohle-Großkraftwerk, bestehend aus zwei Kraftwerksblöcken mit einer Leistung von je 800 MW, verstanden. Es befindet sich auf dem Areal des Industrieparks Schwarze Pumpe. Auf diesem Gelände gab es bereits seit 1955 mehrere, heute nicht mehr existierende Kraftwerke.
Mit einem CO2-Ausstoß von 11,8 Mio. Tonnen verursachte das Kraftwerk im Jahr 2021 die achthöchsten Treibhausgasemissionen aller europäischen Kraftwerke.
Gaskombinat Schwarze Pumpe (1955–1998)
Im Rahmen der Errichtung des VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe wurden auf dem Gelände des heutigen Industrieparks auch drei Kraftwerke mit der Bezeichnung Kraftwerk Schwarze Pumpe West, Mitte und Ost in Betrieb genommen. Der erste Kraftwerksblock lieferte ab 1959 Elektroenergie sowie Prozessdampf. Die Blockleistungen betrugen zwischen 25 und 100 MW. Mit dem Ende des Gaskombinats wurden zwischen 1990 und 1998 auch die zugehörigen Kraftwerke stillgelegt und abgerissen.
Kraftwerk Schwarze Pumpe (seit 1992) Das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe wurde als Gemeinschaftskraftwerk von den damals noch eigenständigen Unternehmen VEAG und Energiewerke Schwarze Pumpe AG (ESPAG) geplant und gebaut. Der entsprechende Vertrag dazu wurde am 13. Februar 1992 unterzeichnet und im März desselben Jahres wurde der Planungsauftrag für einen Kraftwerksbau an Siemens erteilt.
Wichtige Eckdaten Nach nur 13 Monaten, am 15. März 1993 erfolgte die offizielle Eröffnung der Baustelle „Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe“. Am 20. April 1993 wurden die erforderlichen Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz erteilt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. Oktober 1993 durch den damaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe. Am 25. April 1994 wurde der 100.000. Kubikmeter Beton auf der Baustelle eingebracht. Am 30. September 1994 begann mit dem Setzen der ersten Kesselstütze am Block A die Ausrüstungsmontage. Das Kesselgerüst des Block A konnte noch im selben Jahr, am 23. Dezember 1994 fertiggestellt werden. Am 1. Januar 1995 übernahm die VEAG die Anteile am Kraftwerksbau von der Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LBV). Diese war aus der Verschmelzung von ESPAG und Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) zur gemeinsamen LAUBAG und der anschließenden Spaltung in LAUBAG und LBV entstanden.
Während der Bauphase kam es am 25. März 1995 zu einer schweren Havarie. Von einem Montagekran lösten sich in 160 m Höhe sechs Gegengewichte und stürzten in die Tiefe. Bei diesem Zwischenfall entstanden Schäden sowohl am Kesselgerüst des Block A als auch an der Bodenplatte.
Am 29. August 1995 wurde Richtfest für die Kühltürme des Block A und B gefeiert. Am 28. Juni 1996 erfolgte bereits die Druckprobe am Dampferzeuger Block A, wobei eine von 60.000 Schweißnähten zu beanstanden war. Am 23. September 1996 wurde der 420 Tonnen schwere Generatorständer des Block montiert. Die Druckprobe am Dampferzeuger Block B am 14. Dezember 1996 erfolgte ohne Beanstandungen. Am 16. April 1997 wurde der erste Kohlewaggon mit Rohbraunkohle aus dem Tagebau Welzow-Süd entladen. Am 19. April 1997 erfolgte am Dampferzeuger Block A das erste Zünden mit Ölfeuer, am 3. Mai das erstmalige Kohlefeuer bis hin zum 23. Mai, als um 20:01 Uhr die erste Netzschaltung des Block A durchgeführt wurde.
Am 1. Oktober 1997 übernahm das Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe offiziell die Fernwärmeversorgung für die Stadt Spremberg; ab 14. Oktober 1997 erfolgte auch die Versorgung der Stadt Hoyerswerda mit Fernwärme. Im Jahr 2020 waren es noch ca. 60 % der Einwohner von Hoyerswerda, die mit Fernwärme versorgt wurden. Ebenfalls am 1. Oktober 1997 erfolgte die erste Gipslieferung an die in unmittelbarer Nähe errichtete Gipsfabrik der Firma Knauf Gips.
Am 29. November 1997 um 17:07 Uhr erfolgte dann auch am Block B die erste Netzschaltung. Der Block nahm am 15. Dezember 1997 seinen Dauerbetrieb auf. Am 15. Januar 1998 erreichte der Block B erstmals eine Leistung von 800 Megawatt und am 20. Januar 1998 das Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe erstmals seine projektierte Leistung von 1600 Megawatt.
Am 3. Juni 1998 fand die offizielle Inbetriebnahme des Neubaukraftwerkes Schwarze Pumpe statt. Zu den Gästen gehörten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sowie der damalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe.
Am 25. August 1998 wurde das Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe durch den Vorstand der VEAG an die Geschäftsleitung des Kraftwerkes Schwarze Pumpe übergeben. Erster Kraftwerksleiter war Dietrich Kirmse.
Geplant und gebaut wurde eine 2 × 800-Megawatt-Doppelblockanlage für den Grundlastbetrieb auf Basis von Rohbraunkohle. Die benötigte Rohbraunkohle wird aus dem benachbarten Tagebau Welzow-Süd bezogen.
Neben der Erzeugung von Elektroenergie gehört die Bereitstellung von Prozessdampf für Unternehmen im nahegelegenen Industriepark Schwarze Pumpe sowie die Versorgung des Ortes Schwarze Pumpe und der Städte Spremberg und Hoyerswerda mit Fernwärme zu dessen wichtigsten Aufgaben. Das Kraftwerk Schwarze Pumpe gehört mit seinen etwa 290 Arbeitnehmern (Stand 31. Dezember 2016) zu einem der größten Arbeitgeber der Region.
Am 18. April 2016 wurde bekannt, dass Vattenfall seine gesamte Braunkohlensparte in der Lausitz an den tschechischen Konzern Energetický a Průmyslový Holding (EPH) verkauft.Vattenfall verkauft Braunkohle Geschäft an tschechische EPH. In: Spiegel Online, 18. April 2016. Am 30. September 2016 wurde EPH neuer Eigentümer des Kraftwerks Schwarze Pumpe. EPH und ihr Finanzpartner PPF übernahmen die gesamte Braunkohlensparte (Kraftwerke und Tagebaue) von Vattenfall und führen sie unter dem Dachnamen LEAG weiter. Betreiber des Kraftwerks Schwarze Pumpe ist die „Lausitz Energie Kraftwerke AG“ (LEAG).EPH Aufsicht-Vorstand-Übernahme-Sitzung-Vattfall. In: rbb24, 11. Oktober 2016.
Das Kraftwerk Schwarze Pumpe ist seit seiner Inbetriebnahme auch ein wichtiger Besuchermagnet im Lausitzer Kohlerevier. Am 24. Mai 2023 konnte man den 400.000sten Besucher begrüßen.
Im Frühjahr 2025 kündigte die LEAG sämtliche geschlossenen Fernwärmelieferverträge ihrer Kraftwerke zum 30. April 2026. Betroffen davon waren auch die Lieferverträge des Kraftwerkes Schwarze Pumpe. Hintergrund war, dass mit der zunehmenden Flexibilisierung der Fahrweise der Kraftwerksblöcke die Fernwärmeversorgung, so wie vereinbart, nicht mehr zu gewährleisten wäre. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass sich die Stadtwerke Spremberg als regionaler Versorger und die LEAG auf einen neuen angepassten Fernwärmeliefervertrag bis zum 31. Dezember 2037 einigen konnten. Darin heißt es unter anderem: „Die Lieferung von Fernwärme aus den Blockanlagen des Kraftwerks Schwarze Pumpe richtet sich dabei nach der hoch flexiblen Kraftwerksfahrweise. Dies bedeutet, dass an Tagen, an denen aus wirtschaftlichen Gründen keine Fernwärme aus Braunkohle zur Verfügung steht, die Wärmeversorgung mit ölbetriebenen Hilfskesseln sichergestellt wird.“.Was bringt neuer Fernwärmevertrag mit LEAG?. In: LR-Online 23. Februar 2026Stadtwerke Spremberg und LEAG beschließen Folgevertrag für eine sichere Wärmeversorgung. In: Homepage LEAG 23. Februar 2026
Technische Daten mini|Schlagrad einer Kohlemühle mini|Revision im KW Schwarze Pumpe
Brennstoff Rohbraunkohle Brennstoffverbrauch: 36.000 t/Tag Bruttoleistung: 1600 MW (2 × 800 MW) Wirkungsgrad: > 40 %
Dampferzeuger Hersteller: Alstom Bauart: Zwangdurchlaufkessel Dampfleistung je Kessel: 2420 t/h Frischdampfdruck: 268 bar Frischdampftemperatur: 547 °C Zwischendampfdruck: 55 bar Zwischendampftemperatur: 565 °C Brennstoffmenge je Dampferzeuger: ca. 785 t/h Brennstoff für Zünd- und Stützfeuer: Heizöl EL 8 Kohlemühlen je Dampferzeuger mini|Turbinensaal im KW Schwarze Pumpe mini|ND Läufer
Turbine Hersteller: Siemens Power Generation Bauart: viergehäusige Entnahmekondensationsturbine Nenndrehzahl: 3000/min
Generator Hersteller: Siemens Nennspannung: 27 kV Scheinleistung 1000 MVA
Kühlturm pro Block 1 Naturzugnasskühlturm Wasserdurchsatz je Kühlturm: 65.600 m³/h
Rauchgasreinigung Entstaubung: Elektrofilter Entstickung: gestufte Luftfahrweise Entschwefelung: Kalksteinnasswäsche (Absorber)
Hilfsdampferzeuger Hersteller: BABCOCK Anzahl: 2 Brennstoff: Heizöl EL Dampfleistung je Kessel: 100 t/h Dampfparameter: 17 bar / 350 °C
Flexibilität
Infolge des immer weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien sind auch im Kraftwerk Schwarze Pumpe seit dem Jahr 2015 vermehrt Anstrengungen unternommen worden, die technische Mindestlast der beiden Kraftwerksblöcke weiter zu verringern. Hauptziel ist dabei, noch flexibler auf die Anforderungen der schwankenden Einspeisung von Wind- und Solarenergie zu reagieren.
Die beim Bau des Kraftwerkes planmäßige Mindestleistung von 400 Megawatt (Brutto) je Block war in einem ersten Schritt auf 350 Megawatt (Brutto) abgesenkt worden. Seit dem Jahr 2016 ist es – nach umfangreichen Anpassungen der Block- und Regelstruktur – möglich, die technische Mindestlast jedes Blockes bis auf 195 Megawatt (brutto) abzusenken und in diesem Zustand für maximal 10 Stunden zu verharren. Ein weiterer Aufruf zu dieser Fahrweise kann dann erst wieder nach minimal 24 Stunden erfolgen. Um die Versorgung der angeschlossenen Vertragspartner mit Fernwärme und Prozessdampf sicher gewährleisten zu können, kann jeweils nur einer der beiden Blöcke die 195 Megawatt (brutto) Mindestleistung anfahren.
Als weiterer möglicher „Lastpunkt“ ist auch das gezielte Anfahren in den Inselbetrieb möglich, in dem dann für maximal 6 Stunden verharrt werden kann.
Aufgrund des zunehmenden Ausbaus der erneuerbaren Energien und die damit einhergehenden häufigeren Negativpreise setzt man im Kraftwerk Schwarze Pumpe seit dem Jahr 2026 auf die Strategie des „Null-MW-Kraftwerks“. Erfolgreiche Versuche dazu wurden im Oktober 2025 durchgeführt. Ebenso wurden die Fernwärmelieferverträge mit den angeschlossenen Versorgern angepasst. Erstmals gezielt zur Anwendung kam diese Strategie am 1. Mai 2026. Der Börsenstrompreis lag an diesem Tag laut dem Wirtschaftsmagazin „Cleanthinking.de“ bei −855 Euro pro Megawattstunde.Stadtwerke Spremberg und LEAG beschließen Folgevertrag für eine sichere Wärmeversorgung. In: Homepage LEAG 23. Februar 2026Negativer Strompreis: PV-Anlagen abschalten am 1. Mai. In: Homepage Cleanthinking Zu viel Wind und Sonne! Kohle-Konzern will Kraftwerke abschalten. In: Berliner Zeitung 25. Juni 2025
Mitverbrennung Nach Inbetriebnahme der Kraftwerksblöcke A und B wurde laut erteilter Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutz Gesetz (BImSchG) aus dem Jahr 1998, südlich des Kraftwerks, ein zusätzliches Modul errichtet, über welches es möglich war, Ersatz- und Mischbrennstoffe dem Rohbraunkohlestrom zum Kraftwerk zuzumischen. Als Ersatz- oder Sekundärbrennstoffe sind dabei Trockenstabilat und Faserstoffe und als Mischbrennstoff organische Abfälle wie z. B. gemischte Teere, Holzhackschnitzel (Altholz), Rohbraunkohle Mischprodukte und Kohleabrieb zu verstehen. Die erste Anlieferung von Mischbrennstoff erfolgte im Dezember 2002. Die Anlieferung erfolgte auf dem Straßenweg mit Walking Floor Fahrzeugen. Da die vorhandenen Kapazitäten den gestiegenen Bedarf an Mitverbrennung nicht mehr gerecht wurden und die eingesetzte Technik im Modul 1 den Erfordernissen nicht immer entsprach, ließ die Vattenfall Europe Generation AG im Jahr 2011 ein zweites, größeres Modul errichten, welches das erste Modul ersetzte. Das erste Modul wird seitdem als Zwischenlager genutzt.