Shinōkōshō (jap. , dt. „Schwertadel, Landwirtschaft, Handwerk, Handel“) bezeichnet das Vier-Stände-System im früh-neuzeitlichen Japan der Edo-Zeit, also die soziale und wirtschaftliche Ordnung zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Die Bevölkerung wurde je nach Beruf und Herkunft in 4 Stände aufgeteilt. Den obersten Stand bildete der Schwertadel (, bushi), gefolgt von dem der Bauern (, hyakushō) und der Stadtbevölkerung (, chōnin), die sich wiederum aus Handwerkern und Händlern zusammen setzte. Über dem System standen die Höflinge des Kaiserhofs in Kyoto und die religiösen Berufe, unter dem System die verschiedenen Pariagruppen (Buraku).

Schwertadel Hauptartikel: Samurai

Dieser Schicht, auch bekannt als Samurai, gehörten die Vasallen der Führungselite, aber auch die Lehnsfürsten (Daimyō) und der Shōgun selbst an. Zusammen bildeten die Samurai kaum mehr als 6 % der Gesamtbevölkerung.Fairbank 1976 Sie waren die politische und kulturelle Elite in der japanischen Frühen Neuzeit und standen in der Vier-Stände-Ordnung an oberster Stelle. Ihr Gehalt, das in der Regel in Reis bemessen wurde, bezogen sie von ihrem Lehnsherren, dem sie zur Treue verpflichtet waren. Nur selten wurde ihnen eigenes Land zugesprochen, von dessen Ertrag sie dann die gesamte Familie und die Bediensteten ernähren mussten. Sie waren verpflichtet in städtischen Quartieren zu leben, so entweder in der Burgstadt des Lehnsherren oder aber in den Unterkünften seiner Residenz in Edo. Samurai-Familien und ihre Bediensteten machten demnach einen beachtlichen Teil der Stadtbevölkerung aus.

Der Schwertadel ist aus einem Stand von Wehrbauern hervorgegangen und erst durch die zahlreichen Verordnungen der Tokugawa-Regierung sind sie zur herrschenden Klasse aufgestiegen. Ihre Privilegien bestanden unter anderem darin, dass sie als einzige Gesellschaftsschicht Familiennamen haben und zwei Schwerter, ein Langschwert (Katana) und ein Kurzschwert (Wakizashi), tragen durften. Dadurch hoben sie sich auch äußerlich am markantesten von der breiten Masse ab. Sie allein besaßen politisch-administrative Befugnisse. Registriert waren Angehörige des Schwertadels in Gruppen als Gefolgsleute von Lehnsherren. Der Zugang zu dieser Schicht sollte zwar durch Geburt stark begrenzt bleiben, geschickte Heiratspolitik ermöglichte es aber später Bürgern auch in diese Schicht aufzusteigen.

Besonders in der Anfangszeit der Tokugawa-Herrschaft gab es auch unter den Samurai noch erhebliche und genau zu beachtende Standesunterschiede. So wurde zum Beispiel differenziert, ob ein Samurai einem Daimyō oder aber dem Shōgun diente. Bis auf die ganz oberste Schicht vollführten Samurai eher unzureichend bezahlte Routineaufgaben, die zwar Zeit für Weiterbildungen und Vergnügungen ließen, viele aber dazu zwangen, sich zusätzlich als Lehrer oder Kleinhändler zu betätigen.

Durch die nach Beginn der Tokugawa-Herrschaft eintretende Friedenszeit stieg die Lebensqualität rasch an. Während dieser gesamten Periode aber bezogen Samurai trotz steigender und fallender Reispreise immer das gleiche Einkommen. Die Verordnungen des Bakufu, der Regierung unter dem Shōgun, zur Einhaltung von standesgemäßer Lebensführung (, Ken’yakurei) trieb besonders diese Schicht sehr schnell in wirtschaftliche Notlagen, sodass sich viele Familien und selbst die reichsten Fürstentümer (han) schon bald bei den aufsteigenden Kaufleuten hoch verschuldeten.

Bauern Die Bauern (, hyakushō) machten mit fast 80 % den größten Teil der Gesamtbevölkerung aus. Sie standen nach konfuzianischen Auffassungen an zweiter Stelle in der Gesellschaft und nahmen somit eine deutlich höhere Position ein, als es in Europa der Fall war. Das ist nur logisch, erzielten sie doch das Einkommen für den Schwertadel, dem eigentlich jegliche wirtschaftliche Erwerbstätigkeit untersagt war. Auch waren sie deshalb der Stadtbevölkerung übergeordnet, da sie eben durch die Reisproduktion für das Steueraufkommen des Staates einen sehr viel höheren gesellschaftlichen Nutzen hatten.

Zur Landwirtschaft (, nō) gehörte aber nicht nur der Anbau von Reis, sondern die Ausbeutung sämtlicher natürlicher Ressourcen, also auch die Erzeugung bzw. Gewinnung von Produkten wie Fisch, Seetang oder Holzkohle. Ebenso gehörte die Herstellung von Stoffen und Garnen zum Aufgabengebiet dieser Schicht, wobei letzteres eher von den Frauen übernommen wurde.

Organisiert war die bäuerliche Bevölkerung in zahlreichen Dörfern (mura), deren Bewohner, wie unter den Samurai auch üblich, in eine Ober- und Unterschicht eingeteilt waren. Zur dörflichen Oberschicht gehörten vor allem einige wohlhabende Grundbesitzer, die, im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung, teilweise gut gebildet waren. Meist als Dorfvorsteher tätig, regelten sie die Abgabe von Steuern, die Organisation von zu erbringenden Frondiensten und sorgten vor allem für Ruhe und Ordnung. Die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung aber war als Kleinbauer, Pächter oder Landarbeiter tätig. Sie standen unter einer strikten Kontrolle. So waren zum Beispiel Zusammenrottungen, direkte Eingaben an höhere Beamte oder gar Aufruhr strengstens untersagt.

Der Bauernstand war trotz seiner relativ hohen Stellung in der Gesellschaftsordnung mit am stärksten durch die Anti-Luxus-Gesetze betroffen. Die Verbote waren genauer, und selbst ihre Sprache war merklich unfreundlicher. Sie durften, wie die Stadtbevölkerung auch, keine Familiennamen haben und keine Waffen tragen. Jeglicher Luxus in Kleidung, Wohnung und auch Ernährung war ihnen untersagt. Sie durften lediglich Leinwand oder Baumwolle tragen, mit Ausnahme des Dorfältesten, dem grobe Seide zugesprochen wurde, und die Restriktionen gingen in späteren Jahren sogar so weit, dass ein Schnittmuster für ihre Kleidung vorgeschrieben war, um Stoff zu sparen.

Was die Ernährung anging, so durften sie in den meisten Regionen, außer an bon (Totenfest), Neujahr oder zu anderen besonderen Gelegenheiten überhaupt keinen Reis essen und hatten sich von Gerste, Hirse, Blattgemüse oder Rüben zu ernähren. In schlechten Erntejahren gab es sogar zusätzliche Verbote, die das Herstellen und Konsumieren von Sake, Nudeln, Klößen, Tofu oder ähnlichem betrafen.

Um die Produktivität zu steigern, war es in einigen Gebieten üblich, Bauern den Zugang zur Bildung zu verschließen. So war in Sendai sogar der Verkauf von Büchern verboten. Zudem durften Bauern in der Regel keine Ringkämpfe oder Theater besuchen. Sie hatten jeden Tag auf dem Feld zu sein und wurden sogar angehalten, sich von ihren Frauen zu trennen, wenn diese faul waren oder einen Hang zu übermäßigem Luxus hatten.

Stadtbevölkerung Zur Stadtbevölkerung (, chōnin) zählten vor allem Handwerker und Kaufleute. Auch sie waren, ähnlich wie Samurai und Bauern, nicht als Individuen, sondern als Nachbarschaftsgruppen registriert und wurden von einem vom Herrn der Burgstadt bevollmächtigten Beamten beaufsichtigt. Unter ihnen wurde nicht immer zwischen zwei Klassen unterschieden. Meist wurden sie lediglich als nicht-Samuraibevölkerung der Städte zusammengefasst. In der frühen Edo-Zeit spielten sie allerdings noch eine zahlenmäßig geringe Rolle.

In den bürgerlichen Haushalten herrschte ein ebenso strenges Regiment wie in denen des Schwertadels. Die Angestellten waren auch hier ihren Hausherren zu strengstem Gehorsam verpflichtet, ein Vergehen konnte sogar bis zur Todesstrafe führen. Die Bürger der Städte hatten ähnlichen Vorschriften zu folgen wie die Bauern. Sie hatten keine Familiennamen und durften auch keine Waffen tragen. Zudem war es ihnen untersagt, Land zu besitzen.

Die Bürger fanden in der Wirtschaftsordnung des shinōkōshō den größten Vorteil. Sie waren in ihrer Existenz zwar keineswegs gesichert, hatten aber gelernt, dies zu ihrem Vorteil zu nutzen. Gerade ihr schnelles Aufsteigen führte zu den immer umfangreicher werdenden Ken’yakurei, den Anti-Luxus-Gesetzen, die alle Klassen betrafen. Schon bald lag nicht nur das städtische Wirtschaftsleben, sondern auch das kulturelle Leben in ihren Händen.

Handwerker Da sie nach konfuzianischen Wertvorstellungen einen höheren gesellschaftlichen Nutzen hatten, standen sie in der Gesellschaftsordnung noch über den Kaufleuten. Zum Handwerk (, kō) zählten aber nicht nur die klassischen Handwerksberufe, auch Ärzte gehörten diesem Stand an, wobei diese anfangs eher „Arzt aus Erfahrung“ waren.Barth 1979 Erst in der Meiwa-Ära, Mitte des 18. Jahrhunderts, entwickelte sich daraus mit der Gründung des Igakukan (), des Instituts für medizinische Studien, ein Studiengang.

Handwerker standen meistens in einem bestimmten Dienstverhältnis zu den Häusern der bushi, für die sie verschiedene Arbeiten verrichteten. Geregelt wurde das Verhältnis durch so genannte oyabun. Diese waren für die Lieferung von Arbeitskräften für private, aber auch für öffentliche Arbeiten zuständig.

Handwerkliche Fähigkeiten wurden in der Regel von einer Generation an die nächste weitergegeben. Man musste den Beruf des Vaters erlernen und es war beinahe unmöglich aus dem Familienbetrieb auszusteigen. Selbstständigkeit konnte nur erlangt werden, wenn man sich vom Vater oder vom ältesten Bruder zum Oberhaupt einer Haupt- oder Zweigfamilie ernennen ließ.

Man unterschied unter den Handwerkern nochmal jene, die in der Burgstadt ein Haus hatten (, ishoku), das Haus verlassende Handwerker (, deshoku), wie zum Beispiel Zimmermann oder Maurer, und so genannte „Umherziehende“, die keinen festen Wohnsitz hatten (, watari). Kaufleute Händler bildeten die unterste Schicht der Gesellschaft in der japanischen Frühen Neuzeit. Da Japaner vor Beginn der Friedenszeit aber kaum Möglichkeiten zu eigenständiger wirtschaftlicher Betätigung hatten, wurde die Rolle der Händler vom bakufu enorm unterschätzt und sie fanden kaum Beachtung in den Vorschriften und Verordnungen. Natürlich unterlagen auch sie gewissen Einschränkungen, so durften sie zum Beispiel nur in Häusern mit maximal einem Obergeschoss wohnen und keine kostbaren Haushaltsgeräte besitzen. Sie lebten, wie Handwerker auch, getrennt von den Samurai, in Vierteln zusammen mit gleichen Berufsgruppen. Ansonsten hatten sie aber vergleichsweise viele Freiheiten und somit auch die Möglichkeit durch eigene Leistung zu Wohlstand zu gelangen.

Die Idee In den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts gelang es dem Daimyō Toyotomi Hideyoshi, Japan unter seiner Herrschaft zu vereinen. Durch scharfe Kontrollen und Überwachung sowie durch die Beseitigung der städtischen Selbstverwaltungsrechte setzte er eine starke Zentralgewalt durch und versuchte so, die feudalen Strukturen zu stabilisieren. Nach Hideyoshis Tod kam Tokugawa Ieyasu an die Macht. Dieser ließ sich 1603 zum Shōgun ernennen und knüpfte an die sozialen und ökonomischen Maßnahmen des Hideyoshi an. Das Tokugawa-Regime versuchte die Gesellschaft zu immobilisieren und einzufrieren.