mini|Kurt E. Becker (2023) Kurt Eugen Becker (Pseudonym: Oliver Baum; * 26. Oktober 1950 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Publizist, Rhetorik-Lehrer, Universitätsdozent, Kommunikationsberater und Managementcoach.
Leben und Werk Kurt E. Becker wurde 1950 als Sohn von Hildegard Becker, geborene Böhm, und Michael Becker in Ludwigshafen am Rhein geboren. Nach dem Abitur in Frankenthal/Pfalz und einer Ausbildung als Offizier bei der Bundeswehr (Fallschirmjäger) an den Heeresoffiziersschulen in Hannover und München sowie der Kampftruppenschule in Hammelburg, letzter Dienstgrad Hauptmann der Reserve, studierte er Politische Wissenschaft, Philosophie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik in Freiburg im Breisgau und Stuttgart.
Charisma-Forschung Seine Doktorarbeit Der römische Cäsar mit Christi Seele. Eine Analyse von Max Webers Charisma-Konzept unter Einbeziehung biographischer Fakten (1984, als Buch erschienen 1988), mit der er zum Dr. phil. promoviert wurde, schrieb er als M. A. bei Martin Greiffenhagen, Günter Endruweit und Eckart Olshausen. Dem Phänomen „Charisma“ gilt seither sein wissenschaftliches Interesse. Populärwissenschaftlich aufgegriffen hat er das Phänomen u. a. in seinen Essays Charisma. Der Weg aus der Krise (1996)Vgl. Ulla Hofmann in FAZ vom 11. November 1996: „Beckers Essay ist ein Plädoyer für die Wiedergewinnung einer Balance zwischen Vernunft und Emotion.“ und in Der Charisma-Faktor. Glücklichsein mit Sisyphos (2016)Vgl. Ronald Richter in die Drei. 8–9, 2016: „Beckers Buch ist eine gebildet-unterhaltsame Lektüre durch die Kulturgeschichte auf den Schwingen des Charismas […]“, letzterer den berühmten Mythos sozialphilosophisch durchdringend, indem Becker Camus‘ Glücksindividualismus eine soziale Dimension verleiht: „In einem sozialen Akt der Vergemeinschaftung erweist sich Sisyphos kraft Charisma als heilsstiftender Überwinder des Absurden und Führer aus der menschlichen Sinnkrise“ (Der Charisma-Faktor, S. 10).
Philosophische, literarische, psychoanalytisch inspirierte, anthroposophische und historische Kronzeugen seiner charismatisch sinnstiftenden Vergemeinschaftungsthese sind für Becker Nietzsches Zarathustra, Goethes Faust, Freuds Moses, aber auch ein Ajatollah Chomeini, sowie Rudolf Steiner und Karl König mit ihren Ideen zur Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Heilpädagogik.
Über das „große Böse“ im Charisma in Gestalt Hitlers hatte Becker in Charisma. Der Weg aus der Krise (S. 111 ff.) reflektiert und dazu die Philosophien eines Sokrates und eines Lao-Tse kontrastiert. Regina C. Henkel schrieb dazu im Januar 1997 in Wirtschaftsbild (S. 6 f): „Der promovierte Philosoph, Unternehmer, Management-Coach und Autor versteht es..., mehr als ein Strickmuster à la einmal rechts einmal links anzubieten. Sein Stil ist...literarisch geschliffen und filigran im Detail...Der Begriff 'Charisma' ist Beckers Vehikel, mit dem er durch Zeiten, Situationen und Philosophiegeschichte rauscht, um den Leser zu einer spannenden wie unterhaltsamen Tour der Befindlichkeiten des Menschen einzuladen.“ Olaf Lismann kommentierte am 8. November 1996 in Die Rheinpfalz: „Dieses Buch ist eine Aufforderung nachzudenken, über uns und die Welt, die wir erschaffen haben. Es ist aber auch eine Herausforderung, weil es uns, so wie wir leben, in Frage stellt.“
Dass die Krise des Menschen existentieller Natur sei, genauso wie die Chancen und Risiken zu deren Bewältigung, hatte Becker bereits 1988 in seiner Doktorarbeit Der römische Cäsar mit Christi Seele beschrieben, eine grundlegende Frage Max Webers thematisierend (S. 150): „Wenn die existentielle Problematik des abendländischen Menschen mit einer Erkenntniskrise beginnt, mit der Erkenntnis nämlich, daß Gott tot ist, dann ist die dieser Erkenntniskrise folgende eine praktische, die Frage nämlich, woran er sein Handeln in der Praxis des täglichen Miteinander orientieren soll. Nicht zuletzt darauf gibt der charismatische Führer ... eine Antwort. Und nicht zuletzt auf dieser geistig seelischen Krise des Menschen kann Totalitarismus, die entzauberte, entheiligte Form des Charismatismus entstehen.“
Das Thema „Krise“ ist auch Initial von Beckers viertem Charisma-Buch: „Der Charisma-Effekt“. Werner Rohmert schreibt dazu in seiner Rezension in „Der Immobilienbrief“ Nr. 564 vom 24. November 2023, S. 20: „Mit Hilfe seiner charismatischen Protagonisten - von Jesus Christus, Imam Khomenei, über San Myung Mun und Donald Trump bis hin zu Greta Thunberg - nimmt er uns mit auf eine bemerkenswerte Tour d‘Horizon, geleitet von der Frage, ob es denn in dieser komplexen Welt einfache Antworten geben könne. Becker macht nämlich deutlich, dass der Mensch in Krisenzeiten…immer auch auf der Suche nach Erlösung verheißenden Heilsangeboten war und ist.“
Schriftsteller und Herausgeber Becker lebt in Emmendingen bei Freiburg im Breisgau und in Wattenheim/Pfalz, ist Autor und Herausgeber von mehr als 40 Büchern zu Fragen der Zeit und des Menschen in ihr. Seine Erfahrungen bei der Bundeswehr verarbeitete er in Romanform (Du darfst Acker zu mir sagen).Vgl. Der Romanführer, Anton Hiersemann, Band XVIII, S. 31 ff., sowie: Kritische Würdigung in: Gerhart Mayer, Der deutsche Bildungsroman, J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1992, S. 322 ff. Das weltanschauliche Sfumato des Romans gründet in Beckers unmittelbarer Erfahrung terroristischer Gewalt bei den Olympischen Spielen in München 1972. Dorthin war er von seiner Einheit zum Olympischen Komitee abkommandiert worden und vor Ort eingesetzt im Ehrengastbereich der Boxhalle, wenige hundert Meter entfernt vom Ort der Geiselnahme des israelischen Nationalteams durch palästinensische Terroristen im damaligen olympischen Dorf im Morgengrauen des 5. September. In einem kleinen Essay mit autobiografischem Charakter liefert Becker einige Hinweise zu seinen Eindrücken vom schicksalhaften Einbruch der Barbarei in die Friedenswelt der Olympischen Spiele 1972.Vgl. Kurt E. Becker: 1972 bis heute. Ein Münchener Olympiamärchen. In: Quintessenz. 2019, Nr. 1, S. 18 ff.
Unter anderem war er Herausgeber von Rudolf Steiner. Ausgewählte Werke in 10 Bänden. Zusammen mit Hans Peter Schreiner leistete Becker, unterstützt von Hella Wiesberger, Edwin Froböse und Friedrich Hiebel, in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Pionierarbeit bei der Publikation anthroposophischer Themen in großen deutschen Verlagen wie Kindler in München und S. Fischer in Frankfurt. Sammelbände wie Anthroposophie heute (erste Auflage 1981) oder Beckers Essay Anthroposophie – Revolution von innen (erste Auflage 1985, unveränderter Reprint 2015) erzielten hohe Auflagen. Quasi leitmotivisch für diese Publikationen schrieb Becker in der Einführung zu „Rudolf Steiner. Ausgewählte Werke“ (1985): „Den individuellen Menschen im Mittelpunkt entwickelt sie (die Anthroposophie) - ganz ohne dogmatischen Impetus - ein allumfassendes Koordinatensystem vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Kleinsten zum Größten, vom Vergangenen zum Zukünftigen. In diesem Anspruch der Anthroposophie liegen auch ein Maßstab und eine Herausforderung für die etablierten Bollwerke jener Vorstellungen von einem ... relativen Menschen. Denn der Mensch im Mittelpunkt der Anthroposophie ist der ganze Mensch als kleinster 'Baustein' einer Einheit der Welt und gleichzeitig Abbild einer kosmischen Gesamtheit.“ (Band I, S. 17).
Veranstaltungs- und unternehmerische Initiativen Becker ist Mitbegründer der „BSK Becker + Schreiner Kommunikation GmbH“ in Willich, betreute unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit der Baumeister-Haus GmbH in Frankfurt, die deutschsprachige Öffentlichkeitsarbeit von Jones Lang LaSalle (von Januar 1988 bis Ende 2021) und war Autor im deutschsprachigen BlogDas Dreischeibenhaus: Architektonischer Phönix an der Nördlichen Düssel, auf jll.de von „JLL - vorBUILDer - Der CRE Immobilien Blog von JLL Deutschland“. 1988 war Becker Initiator des „Club der Kurpfälzischen Wirtschaftsjournalisten“. Gert Goebel, damals Wirtschaftschef des „Mannheimer Morgen“, wurde dessen erster Vorsitzender (bis 2019) und Dieter Mauer, damals Chef des privaten Hörfunksenders RPR in Ludwigshafen, sowie Kurt E. Becker, damals u. a. Kommunikationschef Pegulan-Werke in Frankenthal, wurden dessen Stellvertreter.Historie Wie alles begann, ein Interview mit Gert Goebel, auf cdkw.de Becker war für die Konzeption, Organisation und Moderation zahlreicher Veranstaltungsreihen wie „Frankenthaler Gespräche“, „Bauen und Leben“, „Futurion“, „Wirtschaft und Gesellschaft im neuen Jahrtausend“ verantwortlich. Bereits 1983 thematisierte er als Leiter der „Frankenthaler Gespräche“ die brisante Frage nach einer „Weltmacht Islam?“. Und ein Jahr später rückte er in der gleichen Veranstaltungsreihe die Anthroposophie in den Fokus öffentlichen Interesses: „Im Mittelpunkt der Mensch“. U. a. Manfred Schmidt-Brabant, Konrad Schily und Ernst Schuberth waren Beiträger des Kongresses. Von Becker konzipiert und moderiert und in Kooperation mit der Universität Witten Herdecke sowie der früheren Thyssen AG als Sponsor und Organisator realisiert, wurde 1996 unter Schirmherrschaft des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl die „Digitalisierung“ thematisiert. Beiträger des Düsseldorfer Symposions „Die Informationsgesellschaft im Neuen Jahrtausend“Im selben Jahr als gleichnamiges Buch erschienen. Bergisch Gladbach: Lübbe, 1997. waren zum Beispiel Arnulf Baring, Johan Galtung, Neil Postman und Alphons Silbermann. In den Jahren 1997/1998 folgte in Erfurt, Hamburg und Berlin die Kongressreihe „Geht uns die Arbeit aus? Beschäftigungsperspektiven in der Gesellschaft von morgen“, dokumentiert als gleichnamiges Buch im Campus Verlag 1998 mit Beiträgen zum Beispiel von Gail D. Fosler, Gunda Röstel, Peter Glotz, Gregor Gysi, Lothar Späth, Reinhard Marx, Claus Wisser und Jeremy Rifkin. In der Einleitung zu diesem Buch schrieb Becker (S. 14): „Auf dem Prüfstand steht nichts anderes als das So-und-nicht-anders-Gewordensein der Industriegesellschaft vornehmlich westlicher Prägung im allgemeinen, sowie deren dadurch in ihrer Lebensweise und in ihrem Verhalten geprägten Individuen im besonderen. Fraglos: Die moderne Welt ist an einem Scheideweg angelangt.“
Auf mediales InteresseEwig was Neues. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1982, S. 43 f.Neuer Typ. In: Der Spiegel. Nr. 49, 1985, S. 118. stießen auch die Einzelgespräche der Frankenthaler. mini|Kurt E. Becker (links) im Gespräch mit Otto von Habsburg (1982) Veranstaltungsreihe – mit Esther Vilar etwa über ihr damals neues Buch Alt. Manifest gegen die Herrschaft der Jungen (1980), mit Mehdi Navab-Motlagh, damals Botschafter der Islamischen Republik Iran in Deutschland, über die Revolution in seinem Land (1981), mit Ephraim Kishon über Israel (1981), mit Erhard Eppler über die „Friedensbewegung“ (1982) oder mit Otto von Habsburg über „Konservatismus“ (1982), die beiden Letzteren auch dokumentiert in der begleitenden Buchreihe Frankenthaler Gespräche, erschienen im gleichen Jahr in der Pfälzer Verlagsanstalt, Landau/Pfalz. Zwischen 1982 und 1985 verzeichnete die Buchreihe insgesamt acht Bände, der letzte zum Thema „Menschenrechte“ basierend auf einem zweitägigen Symposion in Waldkirch/Brsg., unterstützt von der Stadt Waldkirch und ihrem Bürgermeister Richard Leibinger, mit Beiträgen zum Beispiel von Romani Rose, Hadayatullah Hübsch, Julius H. Schoeps, Paul Goma und Wladimir Maximow.
1993 war er Mitbegründer der Artists for Peace Association (AfP) bei den Vereinten Nationen in Genf. Bis zu ihrer Auflösung 1999 veranstaltete die AfP weltweit zahlreiche Ausstellungen und Workshops, u. a. mit dem Frankenthaler Bildhauer Erich Sauer, die Ausstellungsreihe startend 1994 mit einer großen Werkschau der Sauer-Plastiken im Palais de Nation in Genf.