Der Österreichische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (ÖAAB, früher Österreichischer Arbeiter- und Angestelltenbund) ist die Arbeitnehmer-Organisation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Aufgrund der bündischen Struktur der ÖVP sind alle Mitglieder des ÖAAB zugleich Mitglieder der ÖVP.
Politische Arbeit Nach dem Seniorenbund ist der ÖAAB derjenige Bund der ÖVP, der die meisten Mitglieder aufweist. Die Zahl der Mitglieder wurde im Jahr 2016 mit 153.770 angegeben.ÖAAB: Die Hoffnung auf mehr Wiener Zeitung, 19. April 2016, abgerufen am 8. Februar 2022 Im Verhältnis zu seiner Mitgliederzahl ist er allerdings in deren Führungspositionen unterrepräsentiert, da parteiintern auf ein politisches Gleichgewicht mit den anderen Bünden der ÖVP geachtet wird.
Der ÖAAB ist eine Gruppierung innerhalb der Arbeiterkammer, der gesetzlichen Vertretung der Arbeitnehmer.
Dem ÖAAB nahesteht die Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG), eine Fraktion innerhalb des Österreichischen Gewerkschaftsbunds. Bei Betriebsratswahlen kandidieren oft Listengemeinschaften von ÖAAB und FCG.
Gründung mini|Das Haus der Christlichen Gewerkschaft in Wien, in dem 1945 der ÖAAB gegründet wurde Der ÖAAB wurde am 14. April 1945 in Wien gegründet. Schon während des Zweiten Weltkrieges schufen im Untergrund tätige christliche Gewerkschafter die Konzepte für eine neue einheitliche christliche Arbeiterbewegung. Am 6. April 1945 wurden Lois Weinberger, Felix Hurdes, Otto Troidl, Hans Pernter und Leopold Figl gemeinsam aus der Gestapo-Haft im Wiener Landesgericht entlassen. Die ersten politischen Gespräche nach der Freilassung fanden im Keller von Weinbergers Wohnhaus in der Neutorgasse im 1. Wiener Bezirk statt, an denen neben Weinberger und Hurdes auch die ehemaligen christlichen Gewerkschafter Ferdinand Rechberger, Heinrich Woboril und Alois Küblböck teilnahmen. Nachdem es gelungen war, das ehemalige Haus der Christlichen Arbeiterbewegung in der Laudongasse 16 zurückzugewinnen, fanden weitere Besprechungen in den dortigen Räumlichkeiten statt.Schmit 2013, S. 174.
Erster Bundesobmann wurde Lois Weinberger, stellvertretende Vorsitzende waren Heinrich Woboril und Franz Bauer, Sekretär wurde Karl Kummer.Schmit 2013, S. 175–176. Leopold Kunschak, der bereits 1892 den christlichsozialen Arbeiterverein gegründet hatte und als dessen Vorstand bis 1934 einer der führenden Persönlichkeiten der christlichen Gewerkschaften war, hatte zuvor die Obmannschaft abgelehnt und wurde Ehrenvorsitzender.
Der ÖAAB ist drei Tage älter als die ÖVP. Der ÖAAB war eine der Triebfedern für deren Gründung, sowohl Weinberger als auch Kunschak waren Gründungsmitglieder der ÖVP.
Mit dem Wiener Programm wurde 1946 das erste Grundsatzprogramm des ÖAAB beschlossen. Darin wurde berufliche und wirtschaftliche Selbstverwaltung gefordert. Diese Selbstverwaltung sollte ihren Ausdruck in einem „Volk von Eigentümern“ finden, indem persönliches Eigentum der Arbeitnehmer betont wurde und Mitarbeiter an Unternehmen beteiligt sein sollten.
Obleute mini|August Wöginger, seit 2016 Obmann des ÖAAB 1945–1960: Lois Weinberger 1960–1971: Alfred Maleta 1971–1978: Alois Mock 1978–1987: Herbert Kohlmaier 1987–1991: Robert Lichal 1991–1997: Josef Höchtl 1997–2003: Werner Fasslabend 2003–2009: Fritz Neugebauer 2009–2011: Michael Spindelegger 2011–2016: Johanna Mikl-Leitner 2016–: August Wöginger
Generalsekretäre 1945–1946 Karl Kummer 1946 Franz Latzka 1946–1947 Leopold Jochberger 1947–1953 Fritz Bock 1953–1956 Ignaz Köck 1956–1972 Rudolf Harramach 1972–1975 Johann Gassner 1975–1993 Walter Heinzinger 1993–2002 Walter Tancsits 2003–2009 Werner Amon 2009–2010 Beatrix Karl 2010–2012 Lukas Mandl 2012–2016 August Wöginger 2016–2018 Karl Nehammer 2018–2025 Christoph Zarits seit 2025 Lukas Brandweiner
Siehe auch Leopold-Kunschak-Preis
Literatur Georg-Hans Schmit: Die Christliche Arbeiterbewegung 1933–1946. Vom Untergang der Demokratie bis zum Beginn der Zweiten Republik (= Berichte und Forschungen zur Gewerkschaftsgeschichte. Band 3). ÖGB Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-7035-1604-7, S. 173–215 (Kapitel „Die Gründung des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes (ÖAAB)“).
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