mini|Die Alte reformierte Kirche im November 2020, im Vordergrund das Elberfelder Armenpflegedenkmal
Die Alte reformierte Kirche ist die älteste Kirche im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld. Sie ist der Nachfolgebau der bis zur Reformation katholischen Kirche St. Laurentius und ist seit 2005 als Citykirche Elberfeld die evangelische Hauptkirche des Kirchenkreises Wuppertal.
Geschichte mini|Bauphasenplan nach Hinz 1954
Die Geschichte der Alten reformierten Kirche wird vom Kirchenkreis Wuppertal in sechs Abschnitte eingeteilt, zeitlich gegliedert nach den Entstehungszeiten der einzelnen sechs Kirchenbauten.
Erster Bau um 955 Ursprünglich datierte man den ersten Kirchenbau Elberfelds auf die Zeit um das Jahr 1000. Erst nach neueren Untersuchungen diverser in den 1950er-Jahren ausgegrabener Baumsarggräber und deren Särgen konnte mit relativer Sicherheit ein erster Kirchenbau seit mindestens 955 angenommen werden, unter Umständen sogar früher.Elberfeld ist älter als bislang angenommen - Westdeutsche Zeitung vom 6. Januar 2017 Die mittelalterliche Geschichte der ersten Kirche ist urkundlich äußerst schlecht belegt. Als gesichert kann gelten, dass die erste Kirche dem Heiligen Laurentius von Rom geweiht war; wie auch viele andere Kirchen, welche in diesem Jahrzehnt entstanden. Belegt ist der Name der Kirche allerdings erst seit 1371.
Bei der Kirche handelte es sich höchstwahrscheinlich um eine rechteckige, steinerne Saalkirche mit quadratischem Choranbau an der Ostseite. Der zehn Meter lange und sechs Meter breite Kirchenraum war innen verputzt, geweißt und wurde von einem einfachen Satteldach bedeckt. Reste von einfachen bleigefassten Fenstern sind erhalten geblieben.
Die Kirche wurde um 1050 durch einen Brand bis auf die Umfassungsmauern zerstört.
Zweiter Bau um 1050 Bereits kurz nach dem Brand dürften die Wiederaufbauarbeiten der Kirche begonnen haben, wobei zunächst die erhaltenen Umfassungsmauern mit einbezogen wurden. Erweitert wurde die Kirche bereits kurz darauf mit einem acht Meter langen und fünf Meter breiten Anbau nach Westen hin. Weitere bauliche Details sind historisch nicht überliefert.
Auch diese Kirche wurde durch einen Brand zerstört, nach 1230 blieben nur noch Grundmauern erhalten.
Dritter Bau um 1230 mini|Ansicht der Elberfelder Burg mit der dritten Kirche mini|Die erhalten gebliebene Apsis der dritten Kirche
Nach dem Brand von 1230 wurde die dritte Kirche auf den Fundamenten des ersten und zweiten Baus komplett neu und vergrößert aufgebaut, mittlerweile war Elberfeld stark angewachsen. Die dritte Kirche dürfte sechzehn Meter lang und dreizehn Meter breit gewesen sein, der baulich separate und noch heute teilweise erhaltene Chor hatte eine Länge von zehn Metern. Eine Unterteilung des Kirchenraumes in ein Mittel- und zwei Seitenschiffe ist belegt, ein westlich angesetzter Turm hingegen kann nur vermutet werden. In den noch von der ersten Kirche stammenden Fundamenten befanden sich Erbbegräbnisse. Ab 1371 belegen Urkunden das Patrozinium des Heiligen Laurentius für die dritte Kirche.
Auch diese Kirche wurde Raub der Flammen und brannte mitsamt der Elberfelder Burg beim Stadtbrand am 18. April 1536 bis auf den Chor ab.
Vierter Bau ab 1536 und Reformation Mit dem Wiederaufbau Elberfelds nach dem Stadtbrand von 1536 begann wahrscheinlich auch der Wiederaufbau der Laurentiuskirche. Ein Eröffnungsdatum ist nicht belegt, eine erste Urkunde beschreibt 1551 den Einbau von 72 Kirchenbänken, gemäß der damaligen Tradition getrennt nach Geschlechtern.
Mitte des 16. Jahrhunderts vollzog sich der Übergang zur Reformation in Elberfeld. Als Kaplan an der Laurentiuskirche wirkte seit 1552 Peter Lo, welcher heute mit Ausnahme von Sonnborn und Schöller als Reformator der Stadt Wuppertal gilt.Hermann-Peter Eberlein: Festrede zum 450. Reformationsjubiläum in Wuppertal-Elberfeld, gehalten am 29. Oktober 2002 in der Citykirche Elberfeld. Er predigte seit Beginn seines Dienstes nach Martin Luthers Lehre, wurde von den Elberfeldern allerdings dafür angefeindet und 1556 vertrieben. Pfarrer Wilhelm Heimbach setzte in der folgenden Zeit weiterhin auf die Lehren Luthers und setzte den Gottesdienst in der reformierten Tradition an der Kirche durch, sodass Peter Lo 1565 nach Elberfeld zurückkehren und den 1563 entstandenen Heidelberger Katechismus lehren konnte. Ab 1600 und verstärkt während der Unruhen im Dreißigjährigen Krieg versuchte der katholische Landsherr mit Gewalt, den katholischen Gottesdienst wiederherstellen, so ließ er mit Hilfe von spanischen Truppen die Kirche 1629 gegen den Willen der Gemeinde besetzen. Niederländische Truppen und bewaffnete Bürger machten die Besetzung anschließend in gemeinsamer Arbeit rückgängig. Mit der Reformation wurden in der Kirche großzügige Emporen eingebaut.
Mit der Reformation verschwand der Name Laurentiuskirche langsam aus dem Gebrauch. Die Elberfelder Kirche erwies sich in den Folgejahren als eine der wichtigsten Gemeinden der 1589 gegründeten Bergischen reformierten Synode. Nach Verleihung der Stadtrechte an Elberfeld 1610 wurden in der Kirche bis zur französischen Besatzung jährlich am 1. Mai die Elberfelder Bürgermeister gewählt.
Die Kirche wurde beim Elberfelder Stadtbrand am 22. Mai 1687 schwer beschädigt, erneut blieb nur die Apsis der dritten Kirche erhalten.
Fünfter Bau von 1688 mini|links|hochkant|Der fünfte Bau der Kirche 1943
Das Konsistorium der Reformierten Gemeinde beschloss nach dem Stadtbrand den Neubau der Kirche unter Einbeziehung der erhaltenen Apsis und Abriss der Reste der vierten Kirche. Die Grundsteinlegung der neuen Kirche fand am 6. April 1688 statt, im Grundstein wurde die Inschrift aus Psalm 90,16 eingemeißelt. Das vorläufig fertiggestellte Kirchenschiff wurde am 22. Dezember 1690 durch Pastor Jakob Ahlius feierlich eingeweiht. Noch verfügte die Kirche über kein Dach und keinen Turm, das Dach wurde erst 1707 und die Turmhaube 1717 fertiggestellt. Bereits ab 1700 befand sich eine Uhr mit vier Ziffernblättern am Turm, diese wurde 1767 durch eine Turmuhr des Uhrmachers Wilhelm Winkel ersetzt. 1740 wurde die Inneneinrichtung fertiggestellt, welche ab 1804 mit dem Einbau der Orgel erneut grundlegend verändert wurde. Noch bis etwa 1750 war der Turm nachts mit einer dreiköpfigen städtischen Turmwache mit Trompeten besetzt. Der neben der Kirche gelegene Friedhof wurde 1785 aufgegeben und in eine öffentliche Grünanlage umgewandelt.
In den folgenden Jahrhunderten wirkten bedeutende Pfarrer an der Kirche, so unter anderem Daniel Schleyermacher, Gottfried Daniel Krummacher, Friedrich Wilhelm Krummacher, Karl Krafft und Karl Emil Krummacher. 1819 wurden an den Seiten und am Turm die neuklassizistischen Portale ergänzt. Weitere Bänke wurden ab 1848 eingebaut, da der Platz in der Kirche allerdings weiterhin nicht ausreichte, ließ die Gemeinde ab 1853 die Neue reformierte Kirche bauen, für die bis dahin Elberfelder Kirche genannte ehemalige Laurentiuskirche bürgerte sich seitdem der Name Alte reformierte Kirche ein.
Bei den Luftangriffen auf Elberfeld in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1943 wurde die Kirche schwer getroffen und brannte anschließend bis auf die Umfassungsmauern aus.
Sechster Bau ab 1953 mini|hochkant|Die zerstörte Kirche 1948
Im Jahr 1953 begann der Wiederaufbau der schwer zerstörten Kirche. Dem Beginn der Wiederaufbauarbeiten gingen vorher ausgeführte archäologische Ausgrabungen um und in der Ruine der Kirche voran. Die Kirche wurde außen nahezu originalgetreu rekonstruiert, im Innenraum allerdings bedeutend schlichter und funktioneller hergerichtet. Ausgeführt wurden die Arbeiten nach Plänen des Architekten Karl Schneider. Trotz der Vergleichbarkeit der Rekonstruktion der Kirche nach 1953 mit dem Bau von 1688 wird die wiedererrichtete Kirche aufgrund der massiven Veränderungen im Innenraum vom Kirchenkreis als sechster Bau bezeichnet.
Die reformierten Kirchengemeinden Elberfelds wurden neu geordnet, die Alte reformierte Kirche wurde das Zentrum der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Elberfeld-Mitte. Von 1967 bis 1989 fungierte die Kirche auch als Gottesdienststätte der Niederländisch-reformierten Gemeinde, welche sich 120 Jahre vorher von der Elberfelder Gemeinde abgespalten hatte. Ab 1981 war die Alte reformierte Kirche zusammen mit der Thomaskirche, dem Gemeindehaus Platz der Republik und dem Martin-Luther-King-Haus Teil der unierten Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld-Ost und deren Hauptkirche.
Citykirche Elberfeld seit 2001 Nachdem sich die historische Stadtmitte Elberfelds nach dem Krieg zu einer Einkaufsgegend ohne große Wohnbebauung entwickelte, nahm die Bedeutung der Alten reformierten Kirche als Gemeindekirche stetig ab, sodass ab Ende der 1990er-Jahre nach neuen Nutzungen für die älteste Kirche Elberfelds gesucht wurde. Eine Veräußerung oder Schließung kam nicht infrage, sodass die Kirche ab 2001 nach Plänen der Wuppertaler Architektin Gaby Fromm erneut einschneidend umgebaut wurde. Die Kirche ging in direkte Trägerschaft des Kirchenkreises Elberfeld über, dessen Hauptverwaltung nach dem Krieg direkt gegenüber der Kirche erbaut wurde.
mini|Gesellschaftliches Leben in der Citykirche: Helge Lindh im Gespräch mit Ralf Stegner, Julia Beerhold u. a. – Themenabend Chance oder Krise? Flüchtlingspolitik im Gespräch am 13. Januar 2016
Nach den Umbaumaßnahmen verfügt die Kirche nun über einen verkleinerten Gottesdienstraum und ein Café im vorderen Bereich, es entstanden auf der geteilten Etage im ersten Stock Räume für das Jugendreferat des Kirchenkreises. Die Kirche fungiert unter dem Namen Citykirche Elberfeld als offene Begegnungsstätte und Ort für politische, gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen aller Art. Sie ist häufige Spielstätte der Wuppertaler Bühnen in kleineren Produktionen, Ort für Konzerte, Lesungen und gastronomische Angebote im sogenannten WeltCafé. Der Elberfelder CVJM hat ebenfalls seine Räumlichkeiten im Dachgeschoss der Citykirche. Zum Konzept der Citykirche gehört ebenfalls ein neues, flexibles Gottesdienstprogramm; die samstäglichen Minutengottesdienste mit wechselnden Predigern haben sich zu einem Markenzeichen der Citykirchenarbeit in Wuppertal entwickelt. Gottesdienste zu „weltlichen“ Anlässen wie dem Wuppertaler Christopher Street Day oder dem Welt-AIDS-Tag sind ebenfalls in der Citykirche zuhause, auch Friedensgebete werden mehrmals in der Woche gehalten.
mini|Das Wimmelbild während der Sanierungsarbeiten
Im Oktober 2020 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Nordfassade der KircheAb Oktober wird die Elberfelder CityKirche saniert - Westdeutsche Zeitung vom 22. September 2020, das Gerüst wurde mit einem großen Wimmelbild verhüllt.Großstadt-Dschungel am Kirchplatz - Wuppertaler Rundschau vom 24. November 2020 Das ursprünglich geplante Ende der ersten Sanierungsarbeiten im Sommer 2021 wurde mehrfach nach hinten verschoben, unter anderem durch Asbestfunde beim Austausch der Kirchenfenster. Die Bauarbeiten an der Nordseite wurden im November 2021 beendet, 2022 werden die Arbeiten am Turm und an der Südseite fortgesetzt.
Baubeschreibung Die heutige sechste Kirche entspricht in ihrer wiederaufgebauten Form von 1953 äußerlich der fünften Kirche aus dem Jahr 1688. Sie befindet sich am Kirchplatz in der Elberfelder Innenstadt zwischen der Kirch- und der Calvinstraße und ist umgeben von der Einkaufszone des Stadtteils, das Verwaltungsamt des Kirchenkreises Wuppertal befindet sich gegenüber.
mini|Der Innenraum der sechsten Kirche kurz nach der Wiedereröffnung 1955