mini|Jean de Dietrich (1719–1795) mini|Isidore Pils (1849) - Rouget de Lisle singt zum ersten Mal die Marseillaise, rechts neben de Lisle sitzt De Dietrich mini|Albert de Dietrich (1802–1888) mini|Eugène de Dietrich auf dem Rücksitz eines Dietrich-Bugatti, am Steuer Ettore Bugatti (1902) De Dietrich (deutsch: von Dietrich) ist eine Industriellen-Dynastie im Nord-Elsass (Unterelsass). Die Familie stammte ursprünglich aus Straßburg und war (wie viele spätere Industriellen-Familien des Elsass) evangelischer Konfession.

Geschichte 16. bis 18. Jahrhundert Die Familie De Dietrich hieß ursprünglich Didier und stammt aus Saint-Nicolas-de-Port in der Nähe von Nancy. Demange Didier wurde im Alter von 12 Jahren nach Straßburg in die Lehre zu einem Handelshaus geschickt, 1578 beantragte er das Straßburger Bürgerrecht, um zu heiraten. Gleichzeitig änderte er seinen Namen in Dietrich, Straßburg war zu der Zeit deutschsprachig.Zeitschrift Les Saisons d’Alsace, Nr. 56, DNA Strasbourg, 2013, ISSN 0048-9018, S. 104ff. 1684 erwarb Johann (Jean) Dietrich den von Adam Jäger gegründeten Eisenhammer in Jägerthal bei Reichshofen bei Hagenau. Er bezahlte dafür 10.000 Florins (Gulden), dies entsprach 26.750 Livres tournois. Er investierte noch einmal dieselbe Summe, um einen neuen Hochofen und andere Ausrüstungen zu bauen. 1719 wurde er zum Freiherrn des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation geadelt. Im Jahre 1761 wurde Jean Dietrich, der Enkel des Firmengründers, für seine militärischen Verdienste von König Ludwig XV. in den Adelsstand erhoben. Jetzt kaufte Jean de Dietrich die Gutsherrschaft von Reichshofen und die zugehörigen Wasserrechte Franz von Lothringen ab und begann, im Elsass eine Eisenindustrie aufzubauen. Zwischen 1767 und 1771 übernahm oder gründete er die Schmiede (La Schmelz) in Reichshofen sowie die Eisenhämmer am Rauschendwasser bei Reichshofen, in Bad Niederbronn, Zinsweiler, Rothau, Mutterhausen und Merzweiler. Rauschendwasser lag am Schwarzbach unterhalb von Jägerthal, die beiden Werke arbeiteten zusammen. Jean de Dietrich ist der eigentliche Gründer der Firma De Dietrich. 1778 erlaubte ihm der König die Benutzung eines Markenkennzeichens, das Jagdhorn, eine Anspielung auf Adam Jäger. Um seine wachsende Arbeiterschaft unterzubringen, baute Jean de Dietrich Mehrfamilienhäuser, Kasernen genannt, mit umliegenden Gemüsegärten zur Selbstversorgung. Für die Kinder errichtete er Schulen.

1787 waren in den De Dietrich Fabriken 918 Arbeiter beschäftigt, 168 waren in der Eisenschmelze und Schmiede tätig, 300 arbeiteten als Bergmänner in der Erzgewinnung, 150 waren Holzfäller, 160 Köhler und 160 brachten mit Pferdewagen die Rohstoffe in die Fabriken.

mini|Markenkennzeichen De Dietrich 1778 Anfangs wurde Eisenerz von minderer Qualität aus der Umgebung verarbeitet. Gefördert wurde in Schmelzberg, Katzenthal, Thalenberg, Baerenthal und Mutterhausen. Das Erz kam entweder in Adern im Sandstein vor oder sedimentär in Kugelform, Erbsen genannt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die lokale Förderung eingestellt. Der hohe Bedarf an Holzkohle wurde durch Köhler in der Umgebung gedeckt, z. B. in Lembach. 1787 beschäftigte De Dietrich 918 Arbeiter. Auch Johann Wolfgang von Goethe erwähnt in den Notizen aus seiner Straßburger Studienzeit die Schmieden von Niederbronn, geleitet von Frédéric de Dietrich. Dort interessierte der junge Goethe sich für Mineralogie, Chemie und Alchemie (evtl. spätere Aufarbeitung in der „Hexenküche“ seines Faust). Zitat aus Dichtung und Wahrheit, Buch X „… und so erfuhr ich auch hier bei einiger Nachfrage gar leicht, dass von Dietrich früher als andre sich der Gebirgsschätze, des Eisens, der Kohlen und des Holzes, mit gutem Erfolg zu bedienen gewusst und sich zu einem immer wachsenden Wohlhaben hervorgearbeitet habe“.

Der Sohn von Jean de Dietrich Friedrich von Dietrich war Naturwissenschaftler, der als Geologe im Auftrag des Königs die Bodenschätze Frankreichs untersuchte und kartographierte, später wandte er sich der Politik zu.

1789 schlug Friedrich von Dietrich vor, die Holzkohle durch Steinkohle von der Saar zu ersetzen, die Transportkosten waren aber zu hoch, so dass weiterhin Holzkohle genutzt wurde. Die Bahnstrecke Haguenau–Falck-Hargarten verband erst ab 1869 Niederbronn mit Saargemünd.

Der Plan des Johann Dietrich Die Familie Dietrich war eigentlich im Handels- und Bankgeschäft aktiv, 1684 erwarb Johann Dietrich eine Beteiligung von 20 % am Eisenhammer Jägerthal. Dies entsprach einem Plan, die Gunst des Königs Ludwig XIV. zu gewinnen. Nach 1681 geriet die Familie unter den Druck des französischen Königs, zum Katholizismus zu konvertieren. Da sich Dominikus Dietrich, der Vater von Johann, weigerte, wurde er zunächst nach Guéret, später nach Vesoul verbannt. 1689 durfte er nach Straßburg zurückkehren, stand aber bis zu seinem Tod unter Hausarrest. Der Eisenhammer hatte seit seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1631 ständig finanzielle Probleme. 1685 übernahm Johann die Mehrheit der Firma. Seine Überlegungen waren: Der französische König wird das Elsass zu einer militärischen Basis gegen die deutschen Staaten ausbauen, dazu benötigt er Armeen und diese wieder Waffen. Für Waffen braucht man Eisen und dies konnte er in Jägerthal produzieren. Es gelang ihm, die Produktion zu steigern und am Ende konnte er die traditionelle Eisenquelle Belfort für die Waffenfabrik in Klingenthal z. T. ersetzen. Mit der Erhebung in den Adelsstand 1761 durch Ludwig XV. hatte die Familie ihr Ziel erreicht.

Französische Revolution und 19. Jahrhundert Friedrich von Dietrich war zu Beginn der Französischen Revolution Bürgermeister von Straßburg und starb 1793 während der Jakobiner-Schreckensherrschaft auf der Guillotine. Im Zuge der Französischen Revolution wurden die Fabriken defizitär und häuften Verluste an. Nach 1800 verkaufte Jean Albert Frédéric De Dietrich privaten Besitz wie das Haus in Straßburg und das Schloss in Reichshoffen und gab Aktien aus, um Liquidität zu beschaffen. Als er 1806 im Alter von 33 Jahren starb, setzte seine Witwe Amélie de Berckheim die Entschuldung fort und es gelang ihr, bis 1827 die Firma wieder vollständig in Familienbesitz zu überführen, 1844 übernahm sie das Eisenwerk in Mouterhouse. Sie beendete auch die Eisenerzeugung und setzte auf die Eisenverarbeitung, insbesondere Eisenbahnausrüstung. 1817 beschäftigte De Dietrich 1121 Arbeiter. Ab 1848 engagierte sich die Familie verstärkt im Eisenbahnbau, bekannt als De Dietrich Ferroviaire. Später wurden auch gusseiserne Öfen in Bad Niederbronn produziert.

Albert de Dietrich (1861–1956) war Bergbauingenieur (ingénieur civil des Mines). Zunächst arbeitete er in der Firma in Niederbronn mit, 1882 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an, zog nach Paris und übernahm die Vertretung von De Dietrich für Südamerika. 1892 heiratete er Marie-Louise Lucie Hottinguer, die aus einer sehr reichen Familie stammte und zog sich aus dem Geschäftsleben zurück. Er kaufte und renovierte die Léonardsau, ein Landgut unterhalb des Mont Sainte-Odile, das er zeitweise bewohnte. Er war Amateurmaler und Kunstsammler und hatte Kontakt zu seinen Nachbarn vom Cercle de Saint-Léonard, einer Künstlervereinigung.

Technische Entwicklungen In den 1840er Jahren produzierte die Fabrik in Reichshoffen Eisenbahnzubehör wie Waggons und Räder. Die Räder benötigen Radreifen, Stahlreifen, auf denen die Räder laufen. Reichshoffen bezog die Radreifen von der unabhängigen Fabrik in Mouterhouse, der Preis war hoch. Trotz des hohen Preises machte die Fabrik in Mouterhouse bei der Herstellung Verluste. 1844 kaufte die Familie De Dietrich die Fabrik in Mouterhouse, um sich ihren Lieferanten zu sichern. Nach jahrelangen Experimenten gelang es, die Radreifen profitabel zu produzieren und es wurden auch andere Firmen beliefert. Hinweis: Der Stahl, damals Schmiedeeisen genannt, wurde in einem manuellen Verfahren hergestellt, dem Puddeln. Dabei „rühren“ die Arbeiter mit langen Eisenstangen im flüssigen Gussstahl. Dadurch werden Kohlenstoff und andere störende Elemente entfernt. Der Puddler muss darauf achten, den Prozess im richtigen Moment abzubrechen, dazu war viel Erfahrung notwendig. De Dietrich gelang es, fähige Puddler auszubilden. Die Firma hatte lange Zeit eine führende Stellung auf diesem Gebiet. In den 1860er Jahren wurde das Puddeln durch das Bessemer-Verfahren ersetzt, 1862 war De Dietrich eine der ersten Firmen in Frankreich, die eine Bessemerbirne installierten.

Auch in anderen Bereichen verbesserte die Fabrik den Herstellungsprozess. Man nutzte die Abwärme, um den Wind der Gebläse der Hochöfen vorzuwärmen. Die Abgase der Hochöfen wurden aufgefangen und weitergeleitet, um damit Kalk und Ziegel zu brennen.

Ausbildung De Dietrich bildete seinen Arbeiter selbst aus. Es wurden nur Lehrlinge aufgenommen, die Lesen und Schreiben konnten. Alle Lehrlinge durchliefen eine theoretische Schulung mit Mathematik, Grammatik der Sprachen Deutsch und Französisch und den Grundlagen der Entwurfszeichnung. Danach begann die übliche 3- bis 4-jährige Lehre. Manche Lehrlinge blieben in der Entwurfsabteilung und wurden besonders geschult. Nach seiner Gesellenprüfung konnte der Arbeiter ein Jahr lang in Frankreich „auf die Wanderschaft“ gehen, oft nach Creusot und anderen Zentren der Schwerindustrie. In dieser Zeit behielt er seinen Anspruch auf den Arbeitsplatz.

20. und 21. Jahrhundert 1896 erwarb Eugène de Dietrich eine Lizenz von Amédée Bollée fils zur Herstellung von Automobilen. 1897 begann in den De Dietrich-Werken in Niederbronn und Lunéville die Produktion. Von 1902 bis 1904 arbeitete Ettore Bugatti bei De Dietrich und es entstand eine Reihe von Pkw und Rennwagen (siehe Dietrich-Bugatti). Ab 1934 gründete De Dietrich Filialen in Lyon und in Algerien, so konnten sie die Beschlagnahmungen während der deutschen Besatzung 1940–1944 überstehen. 1994 brachte die Familie ihre Firma an die Börse, um Kapital für die weitere Expansion zu erhalten. Neben seriösen Investoren fanden sich aber bald auch Spekulanten ein, die die Firma zerschlagen und in Einzelteilen verkaufen wollten. Die Familie zog sich 2001 von der Börse zurück, um dies zu finanzieren, verkaufte sie Teile ihrer Gruppe. 1996 übernahm De Dietrich die Firma OERTLI, einen Hersteller von Brennern, und 1999 die Interdomo GmbH Emsdetten für die Entwicklung und Produktion von Brennwert- und Stahlheizkesseln. 2000 wurde die De-Dietrich-Gruppe mit Zustimmung des Managements durch die Société Industrielle du Hanau (SIH) übernommen. 2004 fusionierte die Gruppe De Dietrich Thermique mit dem niederländischen Brennwertkesselhersteller Remeha; die Gruppe De-Dietrich-Remeha schloss sich 2009 mit der englischen Baxi-Gruppe zur BDR Thermea BV mit Hauptsitz in Apeldoorn in den Niederlanden zusammen. Die Haushaltsgeräte-Sparte von De Dietrich wurde in den spanischen Fagor-Konzern eingegliedert, der durch die Wirtschaftskrise in Südeuropa 2013 Insolvenz anmelden musste. Nach der Ausgliederung des Eisenbahnbaus und der Haushaltsgerätesparte wurde 2000 die verbliebene Herstellung von Anlagen für die chemische und pharmazeutische Industrie in De Dietrich Process Systems zusammengefasst. mini|De Dietrich Logo Die Firma wird von angestellten Managern geleitet, der Aufsichtsrat ist aber in den Händen der Familie De Dietrich. Auch im Logo dieser Firma ist das Jagdhorn-Markenzeichen enthalten.

Das Vermögen der Familie wird seit 2004 von der Holding Gesellschaft Société Financière Jaegerthal verwaltet. Präsident der Holding ist Marc-Antoine de Dietrich. Im Januar 2023 kaufte die Familie die Anteile zurück, die sie 2008 an die Bpifrance (Staatliche Investmentgesellschaft) verkauft hatte.

De Dietrich in den Nordvogesen