Oeventrop () ist heute ein Stadtteil der Stadt Arnsberg und war bis zur kommunalen Neugliederung von 1975 eine eigenständige Gemeinde. Diese entwickelte sich aus den Teilorten Oeventrop, Dinschede und Glösingen. Hinzu kam mit Wildshausen (an der Stelle eines Haupthofes und einer ehemaligen Burg der Grafen von Arnsberg) später noch ein weiterer Ort.
Lage Oeventrop liegt an der mittleren Ruhr an der Grenze der heutigen Stadt Arnsberg zur Stadt Meschede (Ortsteil Freienohl), sowie zur Stadt Warstein (Ortsteil Hirschberg). Innerhalb der Stadt Arnsberg grenzt Oeventrop an die Stadtteile Rumbeck und Uentrop ruhrabwärts und nach Norden an Breitenbruch. Das Zentrum des Ortes mit der Kirche, den wichtigsten Geschäftsstraßen, Bahnhof und Gewerbegebieten liegt im Tal der Ruhr selbst. Eine Reihe von Wohngebieten an den Hängen der umliegenden Berge. Im Norden grenzt der Ort an den Naturpark Arnsberger Wald. Südlich des Ortes verläuft die A46 über zwei Talbrücken. Der Stadtteil ist räumlich von Arnsberg abgesetzt und ist am Rand des Naturparks Arnsberger Wald ein Grundversorgungszentrum sowie Gewerbe- und Wohnstandort.
Geschichte mini|Kloster Oeventrop, Ansicht um 1907 mini|hochkant|Pfarrkirche Oeventrop
Mittelalter und frühe Neuzeit Im Übergang vom Früh- zum Hochmittelalter existierte in unmittelbarer Nähe des heutigen Ortes die Hünenburg. Eine erste Erwähnung des Teilortes Glösingen geschah im Zusammenhang mit einer Landschenkung im Jahr 1193 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Bruno von Berg. Der Beginn der gemeinsamen Geschichte der drei Dörfer, die auch Ruhrdörfer genannt wurden, geht bis ins Jahr 1232 zurück, als Erzbischof Heinrich von Köln die Zehnten dieser Orte, auf die ein Edelherr Hermann von Rüdenberg zuvor verzichtet hatte, an das Stift Wedinghausen übertrug.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen: Scan der Originalurkunde: Erzbischof Heinrich von Köln überträgt dem Kloster Wedinghausen den Zehnten in Lenole, Oeventrop, Dinschede, Glösingen, sowie Einnahmen von sechs Schilligen, die ihm Hermann von Rüdenberg resigniert hat. Soest 1231 (1232) März 8. Digitalisat online Der Kern von Oeventrop, Dinschede und Glösingen bestand jeweils aus etwa vier bis fünf Bauernhöfen, deren Anzahl während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit relativ konstant blieb. Die meisten Höfe gehörten einem adeligen Grundherren oder einem Kloster. Die wichtigsten adeligen Grundherren waren die Familien von Ketteler, von Wrede und von Eickel. Eng verbunden waren die Orte mit dem Stift Wedinghausen und dessen „Filiale“ Kloster Rumbeck. Trotz einer beträchtlichen Entfernung von mehreren Kilometern war dieses jahrhundertelang die Pfarrkirche der drei Dörfer und gleichzeitig im Besitz einiger Höfe. Neben dem Einfluss der Grundeigentümer gab es mit der Dinscheder Mark einen genossenschaftlichen Aspekt. Die Hofeigentümer bestimmten über die Nutzung dieses beträchtlichen Waldgebiets, das zur Viehhude sowie zur Versorgung mit Bau- und Brennholz diente.
19. und 20. Jahrhundert mini|Bahnhof
Ein erster Wandel trat zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, als mit der hessischen und später preußischen Reformpolitik die Bauern Landeigentümer wurden und der Genossenschaftsbesitz allmählich ebenfalls privatisiert wurde. Wichtiger noch war die industrielle Entwicklung vor allem seit der Hochindustrialisierungsphase. Seit 1870 gibt es einen Bahnhof an der Oberen Ruhrtalbahn und es begannen sich in der Folge zahlreiche Fabriken anzusiedeln. Ein wichtiges frühes Unternehmen war eine 1886 gegründete Glashütte. Wichtiger wurde die holzverarbeitende Industrie. Seit 1883 entstand in Wildhausen eine der ersten Zellstofffabriken, später kamen Stuhl- und Möbelfabriken sowie eine chemische Fabrik hinzu. Im Jahr 1902 wurde das Kloster Oeventrop eröffnet, in dem sich bis 1969 die Ordenshochschule der Herz-Jesu-Missionare (Hiltruper Missionare) befand.Gerd Kessler: Stationen des „Alten Klosters“ – Eine Hochschule in Oeventrop. In: Sauerland. Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes, , Jg. 2009, Heft 1, S. 25–27.
Am 6. Mai 1905 wurde der damalige Name der Gemeinde, Dinschede, in Oeventrop geändert.
Wie auch in fast allen anderen Orten begann am 21. März 1933 die NS-Herrschaft mit einer Feier zur Eröffnung des neuen Reichstages. Das öffentliche Leben wurde immer mehr von den Nationalsozialisten kontrolliert, politische Gegner wurden verfolgt. Zu Anfang gab es im Ort einen NSDAP-Stützpunkt, danach formierte sich besonders die SA.Carl Kessemeier: Die Ruhrdörfer. Stroveldruck, Arnsberg 1982, S. 73. Der 1. Mai wurde feierlich als Tag der nationalen Arbeit begangen. Eine erste Sonnenwendfeier fand unter Teilnahme der neugegründeten Hitler- und Schuljugend statt. Um die neue Dinscheder Brücke bauen zu können, musste die alte Brücke am 1. August 1933 abgebrochen werden. Die Gemeindevertretung löste sich wegen des Gleichschaltungsgesetzes am 23. August 1933 auf, und acht neue Gemeindevertreter mit einer NS-Mehrheit wurden ernannt (nicht gewählt). Bei der Volksabstimmung Für Frieden, Ehre und Gleichberechtigung erreichte die NSDAP 92 % der abgegebenen Stimmen. Bis zum Dezember 1933 hatten sich als weitere Organisationen die BDM-Ortsgruppe, die Frauenschaft und das Jungvolk gegründet. Die Parteigliederungen verfolgten ihre Gegner rigoros, einige Arbeiter wurden, auch wegen angeblicher staatsfeindlicher Äußerungen, entweder inhaftiert oder in Konzentrationslager gebracht. Konfessionelle Jugendverbände mussten ab 23. März 1934 Einschränkungen hinnehmen, sie durften ihre Mitglieder nur noch religiös betreuen. Da die beiden Geistlichen der Kirche der NSDAP kritisch gegenüberstanden, galten sie ab 1935 als nicht mehr national zuverlässig, und ihre Veranstaltungen und Gottesdienste wurden kontrolliert. Die im Ort stationierte Einheit des Arbeitsdienstes wurde für Arbeiten an Rodung und Aufforstung, Drainage und Befestigung der Ruhrufer eingesetzt. Der Ortsbauernführer Assmann erhielt seine Ernennung zum Gemeindevorsteher, dies Amt hatte er bis zum Einmarsch der amerikanischen Besatzungstruppen inne. Während des Novemberpogroms 1938 schlugen Anhänger der NSDAP die Schaufenster von jüdischen Geschäften ein und demolierten die Wohnungen der jüdischen Mitbürger. Die Männer kamen in Haft. Fast alle jüdischen Familien wanderten danach aus. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten das Missionshaus und das Schwesternhaus zugunsten eines Reserve-Lazarettes weichen. Die katholische Kirche musste im Januar 1941 zwei Glocken abliefern. Die chemische Fabrik errichtete 1942 eigene Lager, um dort Zwangsarbeiter, hauptsächlich aus Russland, unterzubringen. Die letzten sieben im Ort verbliebenen Juden wurden 1941 deportiert und vermutlich in Lagern ermordet.Carl Kessemeier: Die Ruhrdörfer. Stroveldruck, Arnsberg 1982, S. 74–75.
Im Oktober 1943 kamen Flüchtlinge aus dem Raum Aachen nach Oeventrop, sie fanden in der Schule in Dinschede Unterkunft, bis zum Dezember erhöhte sich die Zahl. Am 16. Dezember 1944 nahmen hier vor Beginn der Ardennenoffensive, Einheiten der Waffen-SS Quartier. Die Mitglieder des örtlichen Volkssturmes wurden am 28. Januar 1945 vereidigt. Im Februar erfolgte Angriffe der Alliierten, bei denen 15 Einwohner den Tod fanden. Die Textillager der Germania und die Oellager Sauerländer Stuhlfabriken wurden im April von der Bevölkerung geplündert. Die Germania hatte große Bestände für die Heeresverwaltung eingelagert. Nach einem vorherigen Beschuss mit Granatwerfern, nahmen die amerikanischen Truppen den Ort am 10. April 1945 ein. Einen Tag vorher sprengten sie die Ruhrbrücke bei Wildshausen. Die Amerikaner setzten am 12. April 1945 Paul Schönert als neuen Bürgermeister ein, am 2. Mai bestimmte die neue Zivilverwaltung Paul Kordel zum Bürgermeister. Insgesamt starben in Verbindung mit dem Zweiten Weltkrieg 276 Oeventroper Bürger.Carl Kessemeier: Die Ruhrdörfer. Stroveldruck, Arnsberg 1982, S. 75.
Am 1. Januar 1975 wurde Oeventrop in die Stadt Arnsberg eingemeindet.
Die Ruhrdörfer mini|Blick auf Glösingen
Die Ruhrdörfer, bestehend aus den drei Weilern Oeventrop, Dinschede und Glösingen, wurde 1232 urkundlich erwähnt; aus ihnen entwickelte sich bis 1975 der Stadtteil Oeventrop.Gründung der Ruhrdörfer In dieser Urkunde wurden die drei Dörfer Overendorp, Dinterscede und Clusinchem erstmals in einem Rechtszusammenhang genannt. Der Erzbischof Heinrich von Köln übertrug dem Kloster Wedinghausen den Zehnten in diesen Dörfern, der Edelherr Hermann von Rüdenberg hatte zuvor auf diese Ansprüche verzichtet. Der übersetzte Text der Urkunde lautet:
Diese Urkunde bezieht sich somit nicht nur auf die Entstehung des Ortes, sondern sie liefert auch einen landesgeschichtlichen Einblick, sie wird im Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv in Münster aufbewahrt. Das mandelförmige Siegel zeigt den sitzenden Erzbischof mit Krummstab und einem Buch.Carl Kessemeier: Die Ruhrdörfer. Stroveldruck, Arnsberg 1982, S. 9–13. Seit dem Entstehen der Ruhrdörfer bis in die 1970er Jahre war das dörfliche Leben überwiegend bäuerlich geprägt, die Anzahl der Höfe in den einzelnen Dörfern blieb im Wesentlichen unverändert. Der Siedlungsbereich im Ruhrtal war durch die natürlichen Gegebenheiten begrenzt. Ackerboden konnte zwar durch Rodungen hinzu gewonnen werden, war aber durch die gebirgige Landschaft eingeschränkt. Das Recht zu Anteilen am Gemeinschaftsbesitz wurde nach der Größe des einzelnen Anwesens als kleiner Kotten, Mittelkotten, großer Kotten und Hof berechnet. Jedes der Einzeldörfer bestand aus etwa vier bis fünf Höfen. Die Bauern waren nur Pächter, nicht Eigentümer. Der Grund und Boden gehörte adeligen Grundherren. Die Pächter mussten jedes Jahr Abgaben leisten und die Verträge wurden üblicherweise alle zwölf Jahre neu geschlossen, der Grundherr konnte, musste aber nicht verlängern. Drei Familien, die Freiherren von Ketteler, die von Eickel und die von Wrede, dominierten das Pachtwesen, sie besaßen die größten Ländereien.Carl Kessemeier: Die Ruhrdörfer. Stroveldruck, Arnsberg 1982, S. 14–15. Eine besondere Beziehung der Ruhrdörfer bestand zum Kloster Wedinghausen, das die geistliche Obhut über die Bewohner hatte. Im Laufe der Zeit gewann das Kloster Rumbeck durch den Kauf vieler Höfe den größeren Einfluss. Die Markgenossenschaft der Dinscheder Mark wurde 1310 urkundlich erwähnt, sie hatte ein großes Waldgebiet, in dem die Viehhude und die Gewinnung von Holz durch die Genossenschaft geregelt wurde. Die Erbberechtigten entwickelten so über die Jahrhunderte, bis zum Ende des Mittelalters, ein starkes wirtschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl.
Bedeutung der Ortsnamen Dinschede wurde 1232 als Dinterscede erwähnt, scede bedeutet Scheide, also Ort unterhalb einer Bergscheide. Die Bedeutung der ersten Silbe ist nicht bekannt. Wildshausen wurde 1429 als Wildeshusen bezeichnet, Husen (Ansiedlung) in einer wildreichen Landschaft. Glösingen wurde 1193 als Clusinchem genannt, wobei der letzte Namensbestandteil chem Heim bedeutet. Der Anfang des Namens beinhaltet vermutlich einen Sippen- oder Personennamen wie Klaus oder Nikolaus. Also Heim oder Haus des Klaus.Carl Kessemeier: Die Ruhrdörfer. Stroveldruck, Arnsberg 1982, S. 17.
Zukunftsplanung Ziel der Stadtplaner ist es, aus dem Stadtteil unter Berücksichtigung des demografischen Wandels, einen Wohnstandort zu schaffen und zu erhalten, der attraktiv und lebenswert ist. Marktfähiger Wohnraum für unterschiedliche Interessentengruppen und Verbesserung der Infrastruktur sollen die Nahversorgung sichern. Die Ruhr wird Naherholungsbereich und Gewerbeflächen werden gesichert.Stadtplanung
Bevölkerungsentwicklung Mit der Veränderung der Wirtschaftsstruktur ging eine Zunahme der Bevölkerung einher. Außerdem wuchsen die Bauerndörfer allmählich eng zusammen, und die Sozialstruktur war für etwa ein Jahrhundert stark gewerblich geprägt.
Seit Beginn des Jahrtausends ist die Bevölkerungszahl rückläufig.