Die BSG Wismut Aue war eine Betriebssportgemeinschaft aus Aue im Bezirk Karl-Marx-Stadt der DDR. Aus ihr ging nach der Wende der FC Erzgebirge Aue hervor.

Organisatorische Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch Beschluss des Alliierten Kontrollrates alle Sportvereine aufgelöst. Um Sportlern die Möglichkeit zu geben, in engen regionalen Grenzen zugelassene Sportwettkämpfe durchzuführen, wurde im Sommer 1945 die Sportgruppe Aue, kurz SG Aue, gegründet. Die SG Aue führte die Fußballtradition des SV Aue weiter und beteiligte sich zunächst nur an Fußballwettkämpfen. Am 3. August 1948 wurde im Café Freundschaft die offizielle Gründung der Sportgemeinschaft Aue beschlossen. Nachdem 1948 in der Ostzone der Deutsche Sportausschuß die Einführung von Betriebssportgemeinschaften beschlossen hatte, übernahm das Pneumatikwerk Aue die bestehende Sportgemeinschaft und wandelte sie am 24. September 1949 in die BSG Pneumatik Aue um. Im Sommer 1950 übernahm die Sowjetische Aktien-Gesellschaft (SAG) Wismut die BSG als Trägerbetrieb und ihr Name wurde in BSG Zentra Wismut Aue geändert. Ein Jahr später wurde der Name in BSG Wismut Aue verkürzt. Die BSG gründete im Laufe ihres Bestehens zahlreiche Sportsektionen, von denen die Sektionen Fußball, Handball und Ringen am erfolgreichsten waren.

Am 6. November 1954 musste die BSG Wismut Aue einen Rückschlag erleiden, weil die Fußballabteilung der Betriebssportgemeinschaft zum neugegründeten SC Wismut Karl-Marx-Stadt delegiert wurde. Nach der Auflösung des Sportclubs im Jahr 1963 kehrte die Fußballabteilung, welche auch als Mitglied des SC Wismut Karl-Marx-Stadt weiterhin in Aue spielte, zurück zur BSG Wismut Aue.

Als nach der politischen Wende von 1989 das System der Betriebssportgemeinschaften zusammenbrach, zerfiel die BSG Wismut Aue in mehrere eingetragene Vereine, so zum Beispiel in den FC Wismut Aue (später in FC Erzgebirge Aue umbenannt) oder den Erzgebirgischen Handballverein Aue.

Sektion Fußball

BSG Wismut bis 1954 Die Fußballer bildeten die erfolgreichste Sportsektion der BSG Wismut. Sie war zwischen 1951 und 1990 ununterbrochen in der DDR-Oberliga vertreten, was neben ihr keiner anderen Mannschaft gelang. Sie brachte mehrere Nationalspieler hervor, hatte ihre größten Erfolge zwischen 1954 und 1963, als sie dem SC Wismut Karl-Marx-Stadt angeschlossen war.

Die SG Aue beteiligte sich 1946/47 an den erstmals auf Kreisebene ausgetragenen Meisterschaften und trat im Fußballkreis Erzgebirge an. In der Saison 1947/48 wurden die Kreismeisterschaften vorzeitig abgebrochen, die auf den beiden ersten Plätzen liegenden Mannschaften von Lauter und Aue wurden als Aufsteiger in die Bezirksliga Westsachsen eingestuft. Dort wurde die SG Aue 1948/49 unter zwölf Mannschaften Vierter. Zur Spielzeit 1949/50 wurde der Fußballspielbetrieb in der Ostzone neu strukturiert, unter der höchsten Spielklasse Fußball-Liga (später DDR-Oberliga) wurden fünf Landesklassen eingerichtet, und die nun umgebildete BSG Pneumatik Aue wurde in die Fußball-Landesklasse Sachsen eingegliedert. Dort erreichte sie in der Staffel West Platz 2 und qualifizierte sich damit für die zur Saison 1950/51 neu gegründete zweitklassige DDR-Liga. Inzwischen in Zentra Wismut umbenannt, erreichte die Auer Mannschaft in der Südstaffel den 1. Platz und stieg in die DDR-Oberliga auf. Mit 18 Treffern wurde Armin Günther zusammen mit Gerhard Hänsicke Torschützenkönig der DDR-Liga. Zum Spielerstamm des Aufsteigers gehörten die späteren Nationalspieler Karl Wolf und Siegfried Wolf.

In ihrer ersten Oberligasaison erreichte die BSG Wismut 1951/52 unter 19 Teams den 7. Platz und brachte mit Willy Tröger einen weiteren potentiellen Nationalspieler hervor. Die Spielzeit 1952/53 beendete die BSG punktgleich mit der SG Dynamo Dresden an der Tabellenspitze. Damit musste ein Entscheidungsspiel über die Meisterschaft entscheiden. Das Entscheidungsspiel am 5. Juli 1953 im Ost-Berliner Walter-Ulbricht-Stadion entschied Dynamo Dresden mit 3:2 nach Verlängerung für sich. In der Saison 1953/54 erreichte die BSG Wismut den 4. Platz und stellte mit Heinz Satrapa den Torschützenkönig, der jedoch mit 21 Treffern seinen Erfolg mit dem Erfurter Siegfried Vollrath teilen musste.

SC Wismut Karl-Marx-Stadt

Am 6. November 1954 gründete die zentrale Sportvereinigung Wismut als ihr Leistungszentrum den SC Wismut Karl-Marx-Stadt. Dazu war vorgesehen, dass die Fußballsektion der BSG Wismut Aue in den Sportclub eingegliedert wurde. Nach Protesten der BSG-Mitgliederversammlung und der Auer Bevölkerung fand sich die Sportvereinigung Wismut bereit, die Fußballmannschaften weiter im Auer Erzgebirgsstadion spielen zu lassen (siehe fuwo 1954/45, S. 4). Unter dem Namen SC Wismut Karl-Marx-Stadt erlebten die Auer Fußballer ihre erfolgreichste Zeit. Sie wurden dreimal DDR-Meister (1956, 1957, 1959) und gewannen 1955 den DDR-Fußballpokal. Im Europapokal der Landesmeister kam der SC Wismut 1959 bis in das Viertelfinale. Während der Sportclubzeit entwickelten sich in Aue fünf weitere Nationalspieler, so Dieter Erler und Manfred Kaiser – das erfolgreiche Mittelfeldgespann der Zeit. Am 1. Juli 1963 fusionierte der SC Wismut mit dem SC Motor Karl-Marx-Stadt zum neuen SC Karl-Marx-Stadt. Da der SC Motor eine eigene Fußballsektion einbrachte, erhielten die Auer Fußballer ihre Selbstständigkeit zurück und schlossen sich wieder der BSG Wismut Aue an.

BSG Wismut ab 1963 Nach Abschluss der Saison 1962/63 waren die bisherigen Stammspieler Dieter Erler und Albrecht Müller beim SC Karl-Marx-Stadt geblieben und die in Aue verbliebenen bisherigen Leistungsträger wie Siegfried Wolf (37), Manfred Kaiser (34) und Bringfried Müller (32) waren in die Jahre gekommen. Damit konnte die BSG Wismut in der Spielzeit 1963/64 und auch danach nicht mehr an die guten Leistungen des SC Wismut anknüpfen. Nach Platz 10 1964 erreichte Wismut Aue 1985 und 1987 mit Rang 4 die beste Platzierung. In den meisten Spielzeiten landete die Mannschaft im unteren Drittel der Oberligatabelle. Fünfmal war Wismut Aue beste Betriebssportgemeinschaft der Saison, und die Auer Anhänger hatten achtmal die Genugtuung, dass ihre Mannschaft die Saison vor dem Bezirksrivalen SC/FC Karl-Marx-Stadt liegend abschloss.

Mit den vierten Plätzen 1985 und 1987 qualifizierte sich Wismut Aue zweimal für den UEFA-Pokal. 1985/86 schied man gegen die damals sowjetische Mannschaft Dnepr Dnepropetrowsk bereits in der 1. Runde aus (1:3, 1:2). 1987/88 kam Aue nach zwei Unentschieden (0:0 und 1:1) gegen Valur Reykjavík aus Island in die 2. Runde, wo ein 1:0-Heimsieg gegen den albanischen Vertreter Flamurtari Vlora nicht reichte, denn im Rückspiel unterlag Aue mit 0:2.

Im DDR-Fußballpokal erreichte Wismut 1964/65, 1974/75 und 1988/89 das Halbfinale und ebenfalls dreimal das Viertelfinale. 1989 unterlag man im Duell der Bezirksrivalen dem FC Karl-Marx-Stadt zuhause mit 1:2. Tiefpunkt der Pokalhistorie war das Ausscheiden 1986 in der 1. Hauptrunde gegen die zweitklassige Mannschaft von Dynamo Eisleben.

Nach 1963 brachte Wismut Aue noch vier Nationalspieler hervor. Die meisten Länderspieleinsätze konnte Jörg Weißflog zwischen 1984 und 1988 mit 15 Berufungen verbuchen, während Bernhard Konik, Steffen Krauß, Harald Mothes jeweils ein Länderspiel bestritten.

Die letzte Saison im DDR-Fußball bestritt die BSG Wismut Aue 1989/90, die ab Februar 1990 vom neu gegründeten FC Wismut Aue beendet wurde. Es wurden 29 Spieler eingesetzt, die in den 26 Oberligaspielen nur fünf Siege und acht Unentschieden erreichten, aber 13 Niederlagen hinnehmen mussten. Mit dem negativen Torverhältnis von 25:36 landete die Auer Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz und stieg als längstjähriger Oberligavertreter nach 40 Spielzeiten ab. Der FC Wismut spielte 1990/91 in der zweitklassigen Nordost-Liga weiter.

Trainer

Ligen- und Pokalbilanz Saison Liga (Spielklasse) Platz Tore Punkte Zuschauer Ø FDGB-Pokal 1950/51 DDR-Liga (II) 1 50:15 27-9 5.556 nicht ausgetragen 1951/52 Oberliga (I) 7 75:62 40-32 9.778 nicht qualifiziert 1952/53 Oberliga (I) 2 57:48 38-26 10.719 1952–19541. Runde 1953/54 Oberliga (I) 4 59:42 33-23 11.0001954/55 Oberliga (I) 2 62:38 33-19 14.000 Pokalsieger1955 Oberliga (I) 1 30:13 20-6 14.000 nicht ausgetragen1956 Oberliga (I) 1 53:21 38-14 11.462 Halbfinale1957 Oberliga (I) 1 49:28 36-16 9.038 Achtelfinale1958 Oberliga (I) 4 43:32 28-24 5.331 Viertelfinale1959 Oberliga (I) 1 44:25 39-13 7.500 Pokalfinale1960 Oberliga (I) 5 40:32 30-22 5.269 Halbfinale1961/62 Oberliga (I) 6 60:48 40-38 5.053 Achtelfinale1962/63 Oberliga (I) 4 43:42 28-24 5.815 Viertelfinale 1963/64 Oberliga (I) 10 23:32 23-29 8.385 3. Runde 1964/65 Oberliga (I) 9 23:36 24-28 6.385 Halbfinale 1965/66 Oberliga (I) 6 33:33 28-24 7.808 Viertelfinale 1966/67 Oberliga (I) 9 45:43 26-26 8.077 2. Runde 1967/68 Oberliga (I) 11 32:40 22-30 9.077 Achtelfinale 1968/69 Oberliga (I) 9 33:31 25-27 12.385 Achtelfinale 1969/70 Oberliga (I) 7 31:34 27-25 9.462 Achtelfinale 1970/71 Oberliga (I) 11 30:36 21-31 9.231 Achtelfinale 1971/72 Oberliga (I) 10 34:46 23-29 9.115 Viertelfinale 1972/73 Oberliga (I) 11 27:46 20-32 6.769 2. Runde 1973/74 Oberliga (I) 11 29:38 22-30 7.000 Achtelfinale 1974/75 Oberliga (I) 12 24:43 21-31 8.154 Halbfinale 1975/76 Oberliga (I) 6 30:35 27-25 8.692 2. Runde 1976/77 Oberliga (I) 10 27:45 22-30 9.731 2. Runde 1977/78 Oberliga (I) 11 22:47 22-30 8.231 2. Runde 1978/79 Oberliga (I) 11 34:49 19-33 6.923 2. Runde 1979/80 Oberliga (I) 9 26:42 20-32 9.500 2. Runde 1980/81 Oberliga (I) 12 34:60 18-34 10.308 Achtelfinale 1981/82 Oberliga (I) 10 33:48 23-29 12.538 2. Runde 1982/83 Oberliga (I) 10 30:45 20-32 11.692 Achtelfinale 1983/84 Oberliga (I) 8 28:34 25-27 12.231 Viertelfinale 1984/85 Oberliga (I) 4 38:33 32-20 12.077 Achtelfinale 1985/86 Oberliga (I) 11 31:40 24-28 9.462 2. Runde 1986/87 Oberliga (I) 4 40:26 32-20 11.715 1. Runde 1987/88 Oberliga (I) 10 24:34 23-29 8.646 Achtelfinale 1988/89 Oberliga (I) 7 35:35 28-24 10.646 Halbfinale 1989/90 Oberliga (I) 13 25:36 18-34 9.700 2. Runde

Spielstätte

Vor 1950 war das Städtische Stadion in Aue die Heimstätte der Auer Fußballer. Dieses Stadion wurde am 27. Mai 1928 eröffnet und wegen des möglichen Aufstiegs in die DDR-Liga in der Saison 1949/50 durch ein neues Stadion an der gleichen Stelle ersetzt. Es wurde am 20. August 1950 im Beisein des namensgebenden DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl mit einem Freundschaftsspiel eröffnet. Die Begegnung zwischen der BSG Zentra Wismut Aue und der BSG Waggonbau Dessau endete mit einem 3:3-Unentschieden.

Am 10. Oktober 1984 diente das Stadion in Aue einmal als Spielort der DDR-Nationalmannschaft. In diesem Spiel traf die Mannschaft von Nationaltrainer Bernd Stange zum dritten Mal auf Algerien und gewann das Spiel mit 5:2. Als einziger Auer Spieler wirkte Jörg Weißflog in der 2. Halbzeit mit.

Nachfolgeverein

Neugründung 2019 125px|mini|Logo der neuen BSG Wismut Aue Am 4. März 2019 wurde in Aue der BSG Wismut Aue e. V. neu gegründet. Erster Präsident wurde der ehemalige Aue-Spieler Holger Hasse. Der Verein sieht sich als Traditionsnachfolger zur alten BSG, will aber keine Konkurrenz zum FC Erzgebirge Aue sein, welcher sich ebenfalls auf die Tradition der BSG Wismut Aue beruft. Für die Saison 2019/20 meldete der Verein eine Mannschaft für die 2. Kreisklasse.

Sektion Handball