mini|Beleuchtete Weltkugel an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses bei Nacht Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven ist ein Museum in Bremerhaven, Marie-Juchacz-Platz 1. Bei Eröffnung 2005 war es das erste Museum in Deutschland, das sich dem Thema Migration widmete.Deutsches Auswandererhaus erweitert Artikel vom 22. April 2012, Website der Bundesregierung. Abgerufen am 25. Juni 2019. Am historischen Standort gelegen – zwischen 1830 und 1874 war Bremerhaven der größte Auswandererhafen Kontinentaleuropas – präsentiert das preisgekrönte Erlebnismuseum inmitten detailgetreu rekonstruierter Ausstellungsräume und anhand realer Familiengeschichten sowohl die europäische Auswanderung nach Übersee als auch 340 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland.Sönke Möhl: Europas erstes Migrationsmuseum. In: Hamburger Abendblatt vom 20. April 2012 Das Museum verfügt über eine Sammlung zur Biographie-, Alltags- und Mentalitätsgeschichte von Migration seit dem 17. Jahrhundert. Neben der Dauerausstellung verfügt das Deutsche Auswandererhaus über die Möglichkeit zur Familienrecherche, ein Kino, das "Forum Migration", in dem Besucherumfragen zu den Themen Migration und Integration durchgeführt werden, ein Aufnahmestudio, eine Museumsgastronomie und die „ACOMIS“ (Academy of Comparative Migration Studies), in denen Workshops und Public Science Projekte zu den Themen Migration und Integration durchgeführt werden.
Direktorin und Geschäftsführerin ist seit 2006 die Historikerin und Migrationsforscherin Simone Blaschka (vormals: Eick).
Mit durchschnittlich 180.000 Jahresbesuchern zählt das Deutsche Auswandererhaus zu den 3,4 Prozent der besucherstärksten Museen in der Bundesrepubliklaut Institut für Museumsforschung Berlin, darüber hinaus ist es seit seiner Eröffnung das meistbesuchte Museum im Bundesland BremenStatistik des Senators für Kultur der Freien Hansestadt Bremen.
Entwicklung des Museums Vorgeschichte Engagierte Bürger Bremerhavens setzten sich ab den späten 1970er Jahren dafür ein, in der Seestadt ein Museum zu errichten, das sich dem für ihre Stadtgeschichte wichtigen Kapitel der historischen Auswanderung widmen sollte. Besonders der 1985 gegründete „Förderverein Deutsches Auswanderermuseum“ und der 1998 gegründete „Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung“ engagierten sich für die Errichtung eines solchen Hauses. Aus ihnen sind der Freundeskreis Deutsches Auswandererhaus e. V. und der „Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus“ hervorgegangen.
Eröffnung und Erweiterung Das Museum wurde am 8. August 2005 eröffnet. Es liegt am 1852 eröffneten Neuen Hafen im Gebiet der Havenwelten Bremerhaven – nahe zum Zoo am Meer, dem Deutschen Schifffahrtsmuseum und dem 2009 eröffneten Klimahaus. Der Entwurf für das Museum mit einer Gesamtfläche von 5.451 Quadratmetern stammt vom Hamburger Architekturbüro Andreas Heller Architects & Designers. Website des Deutschen Auswandererhauses. Abgerufen am 25. Juni 2019.
Zu Zeitpunkt der Eröffnung zeigte die Dauerausstellung die Auswanderung aus Europa und insbesondere über Bremerhaven im Zeitrahmen der 1830er bis 1970er Jahre. Im April 2012 wurde das Deutsche Auswandererhaus um einen zweiten Ausstellungskomplex erweitert, in dem über 300 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland präsentiert werden. Auch der erste Ausstellungsteil – zur Auswanderungsgeschichte – wurde in diesem Zusammenhang um den Aspekt der deutschen Einwanderung in die USA seit 1683 erweitert.Andrea Jeska: Ahoi-Brause statt Sonntagshut In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 22. April 2012 2021 wurde das Deutsche Auswandererhaus ein weiteres Mal erweitert und um sechs neue Ausstellungsräume ergänzt. Dabei wurden über 400 neue Objekte sowie mehr als 200 zusätzliche Hörtexte und Videointerviews integriert und die bestehenden Ausstellungsbereiche thematisch erweitert. Der neue Museumsanbau zur Einwanderungsgeschichte Deutschlands behandelt über Jahre Migration nach Deutschland und stellt gesellschaftliche Debatten sowie individuelle Migrationsbiografien vor. In die Fassade des Erweiterungsbaus von 2021 sind Porträt-Reliefs von Menschen eingelassen, die nach Bremerhaven eingewandert sind.
Realisierung Konzipiert wurde das Deutsche Auswandererhaus als Private-Public-Partnership-Projekt. Die Finanzierung des Haupthauses (2005) erfolgte durch Mittel des Landes Bremen und der Stadt Bremerhaven. Die finanziellen Mittel für den Erweiterungsbau (2012) und den teilweisen Umbau des Haupthauses wurden vom Bund, dem Land Bremen mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie von der Betreibergesellschaft aufgebracht. Die Stadt Bremerhaven stellte das Grundstück zur Verfügung. Betrieben wird das gemeinnützig geführte Museum von der Deutsches Auswandererhaus gemeinnützige GmbH.. Abgerufen am 25. Juni 2019.
Rundgang Während ihres Rundgangs durch inszenierte Ausstellungsräume begleiten die Besucher reale Familiengeschichten von Migranten. Sie erleben die einzelnen Stationen einer Auswanderung im 19./20. Jahrhundert nach. Der zweite Teil des Museums ist der Einwanderung nach Deutschland gewidmet, zum einen gesellschaftlichen Debatten im "Saal der Debatten", zum anderen einzelnen Biografien im "Salon der Biografien".taz
Zu Beginn erhält jeder Besucher mit dem BoardingPass ein RFID-Ticket (Radio Frequency Identity-Technologie), mit dem sich Audio- und Mediastationen in der Ausstellung aktivieren lassen.Andrea Jeska: Migration und Hintergrund In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21. August 2011
Auswanderung Der Museumsrundgang ist eine Zeitreise, die im Jahr 1870 beginnt, als der Norddeutsche Lloyd in Bremerhaven eine Wartehalle eröffnete. Er führt durch Nachbauten einer Wartehalle, entlang der historischen Kaje im Jahr 1888, an Bord dreier typischer Auswandererschiffe aus den 1850er, 1880er und 1920er Jahren, über die US-amerikanische Einwanderungsstation Ellis Island zum Bahnhof Grand Central Terminal in New York sowie in drei Orte des Alltagslebens der Auswanderer in der Metropole New York: Teilrekonstruktionen der Old Town Bar, eines Sweat Shops und eines Delis, den Einwandernde der Insel Föhr in New York betrieben.
Einwanderung Der Rundgang zum Thema Einwanderung führt durch den zweiten, im Jahr 2021 eröffneten Ausstellungskomplex. An inszenierten Schauplätzen des gesellschaftlichen Lebens werden hier vier für die Geschichte der Bundesrepublik relevante Debatten um Einwanderung aus verschiedenen Perspektiven vorgestellt und in der Auseinandersetzung durch Wissenschaft, Politik und Medien, Privatpersonen und Aktivismus reflektiert. Anschließend richtet sich der Fokus auf einzelne Biografien. In persönlichen Berichten und mit Original-Erinnerungsstücken werden Erfahrungen von Einwandernden in das Gebiet des heutigen Deutschland aus den vergangenen 340 Jahren erzählt.
Recherchemöglichkeiten Es gibt die Möglichkeit für Museumsbesucher, in den beiden Datenbanken – DIE MAUS und Ancestry – nach eigenen ausgewanderten Vorfahren zu suchen.
Sammlung und Forschung Sammlung Schwerpunkte der Sammlung zur Migrationsgeschichte im 17. Jahrhundert bilden die deutsche Emigration nach Übersee, die internationale Immigration nach und nationale Binnenmigration innerhalb von Deutschland sowie die europäische Transitmigration nach Übersee über deutsche Häfen (insbes. Bremerhaven) im 19. und 20. Jahrhundert: kollektive Gedächtnisobjekte, (Erinnerungs)Objekte, die die individuellen Lebensgeschichten begleiten und dokumentieren, persönliche und offizielle Dokumente, Medienträger, Werke der bildenden Kunst sowie gedruckte Publikationen.
Darüber hinaus sammelt das Deutsche Auswandererhaus in seinem Oral-History-Archiv mündliche Zeugnisse von Migranten – zusammengetragen durch persönliche Interviews der Wissenschaftler. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 hat das Museum Konvolute von mehr als 3.000 Familiengeschichten gesammelt, die zu Forschungszwecken genutzt werden. Website des Deutschen Auswandererhauses. Abgerufen am 25. Juni 2019.
Forschung Im Mittelpunkt der Migrationsforschung am Deutschen Auswandererhaus stehen die Ursachen für Auswanderung, Flucht und Vertreibung sowie der Prozess der Integration. Die Historiker, Sozialwissenschaftler, Migrationsforscher und Philosophen beschäftigen sich mit Fragen rund um die Biographieforschung, Alltagsgeschichte und Mentalitätsgeschichte. Die Ergebnisse der Forschungsprojekte fließen in Sonderausstellungen, Publikationen und Dokumentarfilme ein. Website des Deutschen Auswandererhauses. Abgerufen am 25. Juni 2019.
„museum4punkt0“ Das Deutsche Auswandererhaus ist von 2017 bis 2020 Partner in dem bundesweiten Verbundprojekt museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit insgesamt 15 Millionen Euro. Die Federführung hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin inne. Weitere Verbundpartner sind die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, die Museumsstiftung Post und Telekommunikation (Museen für Kommunikation), das Deutsche Museum München, das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz sowie die Fastnachtsmuseen Langenstein und Bad Dürrheim mit weiteren Museen der schwäbisch-alemannischen Fasnacht.Kultur für alle Website der Bundesregierung. Abgerufen am 2. Juli 2019.
„museum4punkt0“ verfolgt als visionär ausgerichtetes Pilotprojekt das Ziel, innovative Anwendungsmöglichkeiten für digitale Technologien für die Vermittlung, Kommunikation, Interaktion und Partizipation in Museen modellhaft zu erproben und zu entwickeln sowie für eine flexible Nachnutzung aufzubereiten.Start des bundesweiten Pilotprojektes museum4punkt0 Projekt-Website. Abgerufen am 25. Juni 2019.
Das Deutsche Auswandererhaus erstellte und testete dafür neue Vermittlungskonzepte für verschiedenste Aspekte der Migrations-/Integrationsgeschichte und -forschung mit Elementen aus der Mixed Reality-Technologie auf seiner Internetseite und in seiner Dauerausstellung.museum4punkt0 am DeutschenAuswandererhaus Website des Deutschen Auswandererhauses. Abgerufen am 25. Juni 2019.
Auszeichnungen Das Deutsche Auswandererhaus wurde am 5. Mai 2007 mit dem Preis Europäisches Museum des Jahres (European Museum of the Year Award EMYA) ausgezeichnet. Das Europäische Museumsforum EMF würdigte insbesondere die „emotionale Vermittlung von Geschichte über Inszenierungen“. Damit ging die renommierte Auszeichnung nach 15 Jahren erstmals wieder an ein deutsches Museum.
Ein Jahr später, 2008, wurde das Bremerhavener Migrationsmuseum mit dem Best in Heritage Award der gleichnamigen europäischen Exzellenzinitiative ausgezeichnet. Website des Deutschen Auswandererhauses. Abgerufen am 25. Juni 2019.
Im April 2022 wurde es mit dem Publikumspreis 2021 des Kulturlichterpreis - Deutscher Preis für kulturelle Bildung für das museumspädagogische Programm „Global Citizens – Wir sind Viele!“ ausgezeichnet.
Sonderausstellungen 2025: Verlockung Weltall. Auswandern auf Mond, Mars, Venus? 2024: „Über die Grenze muss man nicht weit.“ Polnisch-deutsche Geschichten – 1871 bis heute 2024: Neu anfangen, nur wie? Espelkamp und andere „Flüchtlingsstädte“ in den 1950er Jahren 2023: „Was siehst du, was ich nicht seh'?“ - Werkstattausstellung mit grenzüberschreitenden Geschichten 2022: Zusammen leben in der Goethestraße 2022: „… bisschen anders, aber genauso.“ Kubanisch-deutsche Geschichte 1964 bis heute 2021: GESCHAFFT! Eingewanderte fotografieren ihr neues Leben. Eine Fensterausstellung 2020: „und mitten in dem ganzen stehen die Frauen der Welt“. Exil und Rückkehr der AWO-Gründerin Marie Juchacz 2019/2020: „So far, so good“ – Die vergessene Pulitzer-Preisträgerin Lisel Mueller 2019: „Etwas besseres als den Tod findest Du überall ...“ Migration und Heimat in den Märchen der Brüder Grimm 2019: „Ich packe meinen Koffer“ Mit Kindern Migration erleben – in Kooperation mit Geolino