Das Wiener Straßennetz umfasst derzeit (Stand: 2023) 6.947 Straßen mit einer Gesamtlänge von 2.798 Kilometern. 222 Kilometer davon sind Hauptstraßen (Hauptstraßen B, also ehemalige Bundesstraßen, und Hauptstraßen A), die restlichen 2.576 Kilometer und somit der Großteil der Wiener Straßen sind Gemeindestraßen. Die kürzeste Straße ist die Tethysgasse (11 Meter), die längste Straße die Höhenstraße (14,8 Kilometer). Zu den Straßen kommen noch mehr als 1.700 Brücken, die das Wiener Straßennetz um ungefähr 54 Kilometer ergänzen. Die Wiener Linien betreuen knapp 506 Kilometer Gleisanlagen quer durch die Stadt. Zudem gibt es mehr als 1.600 Kilometer an Radwegenetz.

Straßennamen

(Überblicksliste, führt zu den bezirksweise geordneten Listen) Straßenbaurechtliche Bezeichnungen Von den in bzw. von der Stadt Wien vergebenen, allgemein zugänglichen Straßennamen sind Bezeichnungen zu unterscheiden, mit denen Verkehrswege in straßenbaurechtlichen Gesetzen und Verordnungen des Bundes und des Landes Wien belegt wurden. So sind z. B. mehr als 20 Wiener Verkehrsflächen Teil der Wiener Straße, der Wien mit Salzburg verbindenden ehemaligen Bundesstraße 1.

Klosterneuburger Straße, als Straße im 20. Bezirk geläufig, ist gleichzeitig Bezeichnung der Landesstraße B 14 quer durch Wien. Die Wiener Gürtel Straße (so die der Rechtschreibung nicht gemäße offizielle Schreibung) umfasst als B 221 nicht nur den Gürtel mit seinen diversen Namen, sondern auch einen Teil der Landstraßer Hauptstraße und die Schlachthausgasse im 3. Bezirk.

Straßenbaurechtliche Bezeichnungen in Stadtpläne aufzunehmen ist allerdings nutzlos, da die Bezeichnungen nur in Vorschriften und Akten, nicht aber im Stadtbild ersichtlich sind.

Anwendung von Verkehrsflächennamen Die ältesten nachweisbaren Bezeichnungen von Straßen, Gassen und Plätzen in Wien sind Hoher Markt (erstmals erwähnt 1233) und Neuer Markt (1234). Die meisten dieser alten Namen beziehen sich auf Märkte.

Zur Orientierung dienten auch Hauszeichen und die Namen von Haus- bzw. Grundbesitzern. Abgesehen von Heiligen sind die ältesten nach einer Person benannten Verkehrsflächen der 1780 nach dem Kaiser benannte Josefsplatz im heutigen 1. Bezirk und die seit 1796 bekannte Neumanngasse in der damaligen Vorstadt Wieden (seit 1850 4. Bezirk), benannt nach dem Grundbesitzer und Fuhrwerksunternehmer Josef Neumann. Verwendet wurden die längste Zeit (wie in der Kartografie) die unter den Bewohnern geläufigen oder vom Grundherrn festgelegten Namen; amtliche Festlegungen dazu gab es damals nicht.

Mit dem provisorischen Gemeindegesetz vom 6. März 1850Das provisorische Gemeindegesetz vom 6. März 1850 mit dessen Nachtragsbestimmungen [bis 6. November 1866]. In: Bericht der vom Wiener Gemeinderathe eingesetzten Commission zur Revision des Gemeinde-Statutes. Erster Band. = Vorlagen zur Revision der provisorischen Wiener Gemeinde-Ordnung vom 6. März 1850, Selbstverlag Gemeinderat Wien, Wien 1868, S. 141, 173, 174 (Online-Version bei Google Books). wurden die Vorstädte innerhalb des Linienwalls eingemeindet, die Fläche der Stadt vervielfachte sich. Von 1861 an (damals wurde der heutige 5. vom 4. Bezirk abgetrennt und die geltende Einteilung der Bezirke 1–9, seit 1874 1–10, geschaffen; inzwischen waren seit 1858 auch die Stadtmauern um die Altstadt geschleift worden) wurde versucht, im Stadtgebiet vorkommende Mehrfachbelegung von Straßennamen zu beseitigen: Viele Straßen und Gassen in den ehemaligen Vorstädten mussten umbenannt werden. Beispiele: Bis dahin gab es eine Hauptstraße im 3., im 4. und 5. sowie im 9. Bezirk, eine Piaristengasse im 4. und eine im 8. Bezirk. Dazu wurden die Verkehrsflächennamen aus den Vorstädten von der Wiener Stadtverwaltung erstmals zentral erfasst. Bei dieser Gelegenheit wurden auch Namen transferiert. Beispiel: Die alte Burggasse im 8. Bezirk wurde 1862 zur Josefstädter Straße; der Name ging im selben Jahr auf die heutige Burggasse im 7. Bezirk über.

1874 wurde der Vorgang, Mehrfachbelegungen zu beseitigen, für den neuen 10. Bezirk, Favoriten, wiederholt, 1892 für die damals eingemeindeten Vororte, nunmehr die Bezirke 11–19 (hier gab es nach Czeike weitere 24 Hauptstraßen). Bei den Eingemeindungen 1905 (21. Bezirk, Floridsdorf) und 1938 (Groß-Wien, Bezirke 22–26, davon seit 1954 nur mehr 22 und 23) wurde zumeist ähnlich vorgegangen.

Die Verkehrsflächennamen werden seit langem von der Kulturabteilung im Magistrat der Stadt Wien vorgeschlagen und vom Gemeinderatsausschuss für Kultur beschlossen.

Konkrete Namensgebung Verwendete Namen Die Namen der Wiener Straßen, Gasse und Plätze sind meist historischen Ursprungs; sie erinnern etwa an Monarchen, an alte Gebäude, Ortskerne, Flur- und Gewässernamen. Speziell seit der Errichtung der Wiener Ringstraße ab 1858, als in den Neubaugebieten um den Ring viele neue Straßennamen benötigt wurden, und seit der 1862 begonnenen Beseitigung von Mehrfachbenennungen (siehe oben) wurden Benennungen nach Persönlichkeiten aus den Bereichen Musik, Malerei, Literatur und Schauspiel üblich. Bis um 2000 waren Benennungen nach Frauen stark unterrepräsentiert; heute wird der Geschlechtergerechtigkeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Einer Ende 2015 präsentierten Erhebung für einen Genderatlas zufolge waren 2015 nur 356 von 4.269 nach Personen benannten Wiener Verkehrsflächen nach Frauen benannt. Dies entspricht 5,2 % aller Straßen in Wien, gemessen an der Länge sind es lediglich 3 %, bzw. 109 km.

Insgesamt erinnern z. B. über 300 Wiener Straßen an Musiker. Des Weiteren finden sich die Namen von Wissenschaftlern, sowie von Politikern (von Franklin D. Roosevelt und Per Albin Hansson bis zu Ignaz Seipel, Karl Renner und Julius Raab), oft auch von Wiener Bürgermeistern (z. B. Kajetan Felder, Karl Lueger, Jakob Reumann, Karl Seitz, Franz Jonas, Bruno Marek), Stadträten und Gemeinderäten.

Auch die Benennung der Gassen mancher Gebiete nach einem bestimmten Thema hat sich etabliert. Beispiel: die Stadtrandsiedlung zwischen Hirschstetten und Stadlau im 22. Bezirk, in der zahlreiche Gassen vom Mohnblumenweg bis zur Magnoliengasse nach Blumen benannt sind.

Die Nummerierung von Straßen nach amerikanischem Vorbild, wie sie 1884 (vor der Eingemeindung Simmerings) in der Simmeringer Haide eingeführt wurde, konnte sich nicht durchsetzen: Von den bis zu elf „Haidequerstraßen“ schienen 2016 nur mehr 1., 7., 8., 9. und 11. auf dem Stadtplan auf.

Bemerkenswert ist, dass Benennungen nach Gebäuden sich gelegentlich auf längst nicht mehr bestehende Bauwerke beziehen. Das Schottentor, Name eines Platzes und einer Straßenbahnendstation an der Ringstraße und seit 1980 auch Name einer U-Bahn-Station, besteht seit den 1860er Jahren nicht mehr, da die Stadtmauern von 1858 an demoliert wurden; der Begriff wurde seither aber weiter verwendet. Auch der Name der 1991 eröffneten U-Bahn-Station Stubentor bezieht sich auf ein nicht mehr bestehendes Stadttor. Hier war die Bezeichnung allerdings nicht mehr in Gebrauch, jedoch wurden im Zuge des U-Bahn-Baus Fundamente der Stadtmauer um dieses ehemalige Tor gesichert. Die Rotundenbrücke über den Donaukanal ist nach einem 1937 abgebrannten Ausstellungsbauwerk im Prater benannt.

War früher meist die Kombination aus Familienname und -straße, -gasse etc. üblich (z. B. Stadiongasse, Schubertring, Reumannplatz, Billrothstraße), so werden neue Straßen heute häufig mit ausgeschriebenen Vor- und Familiennamen benannt. Dies wurde früher nur in einzelnen Fällen, wie etwa bei Teilen der Wiener Ringstraße (Dr.-Karl-Lueger-Ring, Dr.-Karl-Renner-Ring), angewandt. Auf die Verwendung von etwaigen akademischen Graden als Teil des Straßennamens wird heute gewöhnlich verzichtet.

Seit den frühen 1990er Jahren gibt es im zuständigen Gemeinderatsunterausschuss für Verkehrsflächenbenennungen einhelliges Einvernehmen und ist geübte Praxis, keine Verkehrsflächen nach Firmen, allenfalls nach Firmengründern, zu benennen.

Umbenennungen Umbenennungen fanden, historisch gesehen, im Lauf der Jahrhunderte immer wieder statt. Die Namen der Straßen, Gassen und Plätze im heutigen Stadtgebiet wurden lange Zeit nicht offiziell beschlossen, sondern sie haben sich aus lokalen Usancen entwickelt (siehe oben). Bei der Vergrößerung Wiens von 1850 bis 1938 mussten, um Orientierungssicherheit zu bieten, immer wieder Doppel- oder Mehrfachbenennungen behoben werden.

Nach 1918 benannte das Rote Wien einige nach Habsburgern benannte Verkehrsflächen um. So wurde z. B. im 9. Bezirk aus der Elisabethpromenade die Roßauer Lände, der Maximilianplatz wurde zum Freiheitsplatz (heute Rooseveltplatz).

In der Zeit der Diktatur 1934–1938 wurden nach linken Personen und Institutionen benannte Verkehrsflächen umbenannt: Im 2. Bezirk wurde aus der Lassallestraße vorübergehend die Reichsbrückenstraße, aus dem Volkswehrplatz der Erzherzog-Karl-Platz (heute Mexikoplatz).

In der Zeit des Nationalsozialismus von 1938 bis 1945 wurden zahlreiche Straßen in Wien umbenannt, insbesondere solche, die nach jüdischen, austrofaschistischen und sozialdemokratischen Persönlichkeiten benannt waren. Ein Beispiel dafür ist die Arnsteingasse, die nach dem angesehenen jüdischen Bankier Nathan Adam von Arnstein benannt war (und heute wieder ist), jedoch 1938 zu Ehren des preußischen Generalfeldmarschalls Blücher umbenannt wurde. Die meisten Umbenennungen zwischen 1934 und 1945 wurden nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder rückgängig gemacht.

Am 16. Mai 1946 wurden folgende Verkehrsflächen rückbenannt:16.5.1946: Rückbenennung von Straßen. In: Historischer Rückblick der Meldungen der Rathauskorrespondenz im Mai 1946, abgerufen am 29. September 2026. 1. Bezirk: Meistersingerstraße in Mahlerstraße 13. Bezirk: Georg Ritter v. Schönerer Gasse in Kardinal Piffl Gasse (heutige Schreibwiese: Kardinal-Piffl-Gasse) 16. Bezirk: Plankgasse in Kuffnergasse (siehe Ottakringer Brauerei) 20. Bezirk: Kolpingstraße in Winarskystraße 20. Bezirk: Pater Abel Platz in Friedrich Engels Platz (heutige Schreibweise: Friedrich-Engels-Platz

Umbenennungen sind bei Anrainern unbeliebt und werden daher heute nur in seltenen Fällen durchgeführt, wenn sich die namensgebende Person beispielsweise nachträglich als historisch besonders belastet erweist (siehe untenstehenden Abschnitt „Straßennamen als politische Erinnerungsorte“). Ein prominentes Beispiel hierfür war die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in Universitätsring im Jahr 2012.

Neubenennungen Wiener Straßen dürfen nach den vom Gemeinderat festgelegten Regeln heute nur Namen von Persönlichkeiten tragen, deren Tod mindestens ein Jahr zurückliegt („Interkalarfrist“). Vorschläge für die Benennung von neuen Straßen können von jedermann bei der betreffenden Bezirksvorstehung eingereicht werden. Die Entscheidung über neue Verkehrsflächenbenennungen erfolgt im Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft.

In den letzten Jahren ist die Tendenz erkennbar, dass von der Stadt Wien bis dato unbenannte Verkehrsflächen (meist kleine Plätze im Zuge von benannten Verkehrsflächen) zu Ehren bekannter Persönlichkeiten benannt werden. Die konkreten Adressen anrainender Gebäude sind regelmäßig auf die zuvor schon bestanden habenden Straßennamen abgestellt.

Die Bruno-Kreisky-Gasse neben dem Bundeskanzleramt weist beispielsweise weder zum Bundeskanzleramt noch zum auf der anderen Gassenseite anrainenden Innenministerium einen Eingang auf, so dass keine Postadresse anfiel. Weitere Beispiele sind der Leopold-Gratz-Platz hinter dem Parlament und die in Mariahilf liegenden Verkehrsflächen Kurt-Pint-Platz, Oskar-Werner-Platz und Bundesländerplatz sowie der Anna-Strauss-Platz in Hietzing.

Das zuständige Kulturressort der Stadt Wien begründet diese Praxis damit, man wolle Anrainern Adressänderungen ersparen. Gängige, heute jedoch seltener gebrauchte Alternativen wären etwa Denkmäler, Gedenktafeln oder die Benennung von Wohnhausanlagen. In letzter Zeit wurden auch viele kleinere Parks, die bisher noch keinen Namen trugen, nach bekannten Persönlichkeiten benannt.