Tadeusz Łomnicki (* 28. Juli 1927 in Podhajce, Polen, heute: Ukraine; † 22. Februar 1992 in Posen) war ein polnischer Schauspieler.
Leben miniatur|Grab von Tadeusz Łomnicki auf dem Powązki-Friedhof in Warschau Tadeusz Łomnicki begann seine Schauspielausbildung 1945 an der Schauspielschule des Teatr Stary in Krakau. Der hochbegabte Schauspieler durfte bereits im selben Jahr die Schauspielerprüfung ablegen und trat 1946 sein erstes Engagement in Katowice an. Ein Jahr später kam er zurück nach Krakau und spielte dort an beiden großen Theatern, ehe er 1949 von Erwin Axer am Teatr Współczesny in Warschau engagiert wurde. Er gehörte bis 1974 zum Ensemble dieses Theaters. Nebenbei begann er in den 1950er Jahren ein Regiestudium an der Staatlichen Schauspielschule PWST in Warschau, deren Rektor er später von 1970 bis 1981 war. Sein Diplom als Regisseur legte er 1954 ab. Neben seiner Arbeit am Theater Axers spielte er ab 1950 in zahlreichen Filmen und als Gast am Polnischen Nationaltheater in Warschau.
Als vom sozialistischen Regime hochgeschätzter Schauspieler, der noch dazu Parteimitglied war, bekam er 1976 die Möglichkeit ein neues, eigenes Theater aufzubauen. So entstand das Teatr na Woli in Warschau, das er bis 1981 leitete. Zwei Tage nach der Ausrufung des Kriegsrechtes im Dezember 1981 durch General Wojciech Jaruzelski gab er sein Parteibuch zurück. Er stand danach nur noch in kurzen Engagements am Teatr Polski und Studio-Theater in Warschau, arbeitete jedoch ab den 1980er Jahren vor allem als freier Schauspieler an unterschiedlichen Theatern und spielte in Filmen.
Łomnicki galt als der wichtigste und angesehenste Schauspieler im polnischen Theater und Film, dem ab den 1950er Jahren die höchsten polnischen Ehrungen zuteilwurden. Zahlreiche Filmrollen, die er übernahm, gehörten zu den Klassikern des polnischen Kinos. Seine herausragende Filmrolle war die Titelrolle in der Henryk-Sienkiewicz-Verfilmung des dritten Teils der Trilogie Pan Wolodyjowski. Er starb 1992 während der Proben zu König Lear am Teatr Nowy in Posen. Er trat mit einem Lear-Monolog von der Bühne ab und starb in seiner Garderobe an einem Herzinfarkt.
Wichtige Rollen im Theater 1947: Puck in Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare in Katowice 1956: Titelrolle in Kordian von Juliusz Słowacki am Nationaltheater Warschau – Regie: Erwin Axer 1957: Orestes in Die Fliegen von Jean-Paul Sartre am Nationaltheater Warschau – Regie: Erwin Axer 1961: Arturo Ui in Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui von Bertolt Brecht am Teatr Współczesny Warschau – Regie: Erwin Axer 1970: Edgar in Play Strindberg von Friedrich Dürrenmatt am Teatr Współczesny – Regie: Andrzej Wajda 1974: Titelrolle in Lear von Edward Bond am Teatr Współczesny – Regie: Erwin Axer 1974: Der Gastgeber in Die Hochzeitsfeier von Stanisław Wyspiański am Nationaltheater Warschau – Regie: Adam Hanuszkiewicz 1976: König Peter in Leonce und Lena von Georg Büchner am Teatr na Woli Warschau – Regie: Krzysztof Zaleski 1978: Titelrolle in Leben des Galilei von Bertolt Brecht am Teatr na Woli – Regie: Rene Ludwik 1981: Antonio Salieri in Amadeus von Peter Shaffer am Teatr na Woli – Regie: Roman Polański 1983: Papkin in Zemsta von Aleksander Fredro am Teatr Polski in Warschau – Regie: Kazimierz Dejmek 1985: Krapp in Das letzte Band von Samuel Beckett am Teatr Studio Warschau – Regie: Antoni Libera 1988: Feuerbach in Ich, Feuerbach von Tankred Dorst am Dramatischen Theater Warschau in eigener Regie 1990: Bruscon in Der Theatermacher von Thomas Bernhard am Teatr Współczesny – Regie: Erwin Axer
Filmografie (Auswahl) miniatur|Łomnickis Stern auf dem Walk of Fame in Łódź 1954: Die Fünf aus der Barskastraße (Piątka z ulicy Barskiej) – Regie: Aleksander Ford 1955: Eine Generation (Pokolenie) – Regie: Andrzej Wajda 1958: Eroica (Eroica – Symfonia bohaterska w dwóch częściach) – Regie: Andrzej Munk 1958: Der achte Wochentag (Ósmy dzień tygodnia) – Regie: Aleksander Ford 1960: Die unschuldigen Zauberer (Niewinni czarodzieje) – Regie: Andrzej Wajda 1964: Der erste Tag der Freiheit (Pierwszy dzień wolności) – Regie: Aleksander Ford 1966: Angeklagt nach § 218 (Der Arzt stellt fest…) – Regie: Aleksander Ford 1967: Hände hoch! 1969: Pan Wołodyjowski – Regie: Jerzy Hoffman 1974: Sintflut (Potop) – Regie: Jerzy Hoffman 1977: Der Mann aus Marmor (Człowiek z marmuru) – Regie: Andrzej Wajda 1980: Die Braut sagt nein (Kontrakt) (TV-Film) – Regie: Krzysztof Zanussi 1981/87: Der Zufall möglicherweise (Przypadek) – Regie: Krzysztof Kieślowski 1986: Chronik von Liebesunfällen (Kronika wypadków milosnych) – Regie: Andrzej Wajda 1988: Dekalog, Acht (Dekalog, osiem) – Regie: Krzysztof Kieślowski 1991: Ferdydurke – Regie: Jerzy Skolimowski
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