Als Waterboarding wird eine Foltermethode des simulierten Ertränkens bezeichnet. Beim Opfer wird durch Ausnutzen des Würgereflexes physiologisch der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen, indem durch ein Tuch über Mund und Nase, das ständig mit Wasser übergossen wird, der Atemwiderstand stark erhöht wird. Durch das Fixieren des Folteropfers in einer Position, in der sich der Kopf tiefer befindet als der restliche Körper, soll das Eindringen von Wasser in die Lungen und ein darauffolgendes tatsächliches Ertrinken verhindert werden.U.S. Department of Justice, Office of the Legal Counsel: Memorandum for John Rizzo, Acting General Counsel of the Central Intelligence Agency, August 1, 2002 (PDF; 2,0 MB), S. 3 f., 11, 15 (Kopie im Archiv der Federation of American Scientists). Waterboarding wird als Trauma wahrgenommen. Je nach der allgemeinen psychischen Stabilität des Opfers kann es zu schweren bis irreversiblen traumareaktiven Erkrankungen kommen.
Waterboarding gehört zu den Foltermethoden, die üblicherweise keine körperlichen Spuren hinterlassen (Weiße Folter), aber zu längerdauernden oder bleibenden psychischen Störungen führen können. Nachträgliche Beweise am Gefolterten selbst sind im Fall des Waterboardings daher nur selten zu erbringen.
Ursprüngliche Berichte behaupteten, dass der Widerstand der meisten Opfer in weniger als einer Minute breche. Dabei handelte es sich um Fehlinformationen, die aus der CIA an Medien weitergegeben wurden – tatsächlich wurde Waterboarding z. B. bei Abu Zubaydah 83 Mal eingesetzt.The New York Times: Ex-Officer Is First From C.I.A. to Face Prison for a Leak, 5. Januar 2013.
Geschichte Das zwangsweise Einflößen großer Mengen Wasser in Mund und Nase mit der Gefahr des Eindringens in die Luftröhre und die Lunge mit nachfolgendem Ertrinken ist als häufige Hinrichtungs- und Foltermethode nachgewiesen. Waterboarding in der technischen Definition der CIA unterscheidet sich davon zum einen durch ein Tuch oder ZellophanABC News: History of an Interrogation Technique, 29. November 2005, abgerufen am 15. Februar 2026. über Mund und Nase, durch das die Wirkung nicht das Eindringen von Wasser in die Atemorgane, sondern der erhöhte Atemwiderstand und der dadurch ausgelöste Stimmritzenkrampf ist, und zum anderen durch das Brett (board), auf dem die betreffende Person mit dem Kopf niedriger als der Rest des Körpers fixiert wird. Diese beiden Merkmale lassen sich durch die Geschichte der Folter verfolgen.
Die ältesten Nachweise für die Anwendung eines Tuchs über Mund und Nase liegen unter der Bezeichnung tormento de toca für die Spanische Inquisition vor.NPR: Waterboarding – A Tortured History. 3. November 2007, abgerufen am 26. Februar 2009. Die Spanier sollen die Methode in ihre Kolonien in Süd-Ost-Asien, insbesondere die Philippinen, gebracht haben.
Gerichtlich nachgewiesen ist die Verwendung durch japanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg. In einem Kriegsverbrecher-Prozess in der Nachfolge der Tokioter Prozesse wurde 1947 ein japanischer Offizier durch ein amerikanisches Kriegsgericht wegen Folter zu 15 Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt. Seine Opfer wurden so auf eine gekippte Krankentrage gebunden, dass die Füße oben waren. In dieser Position wurde ihnen Wasser über das unverhüllte Gesicht gegossen.The Washington Post: Waterboarding Historically Controversial. 5. Oktober 2006, abgerufen am 15. Februar 2026.
Im Algerienkrieg folterte die französische Armee im Rahmen der französischen Doktrin politische Gefangene. Der französisch-algerische Journalist Henri Alleg berichtete 1958 in seinem Buch La Question von der Methode, der er selbst ausgesetzt war. Man legte ihn über ein Brett, umwickelte seinen Kopf mit einem Kleidungsstück und ließ Wasser über ihn laufen, so dass es in Mund und Nase eindrang und er das Gefühl hatte, er werde ertrinken.The Independent: Waterboarding is torture, 1. November 2007, abgerufen am 15. Februar 2026. Einige der französischen Offiziere waren im Zweiten Weltkrieg von der Gestapo selbst auf diese Art gefoltert worden. Von der Résistance hatte sie die Bezeichnung baignoire (‚Badewanne‘) erhalten.Peter Scholl-Latour: Arabiens Stunde der Wahrheit. Ullstein, 2012, ISBN 978-3-548-37467-3, S. 240.
1968 erregte die Titelseite der Washington Post Aufsehen, auf der das Foto von US-Soldaten im Vietnamkrieg abgebildet war, von denen einer einem auf dem Boden liegenden Kriegsgefangenen Wasser über das mit einem Tuch verhüllte Gesicht goss.Das Foto online bei der Washington Post Der Täter wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und unehrenhaft aus der Armee entlassen.
mini|Waterboarding-Gestell im Tuol-Sleng-Museum, Kambodscha In den 1970er Jahren setzten die Roten Khmer beim Bürgerkrieg in Kambodscha regelmäßig Waterboarding-Methoden ein. Ihre Folterzentren waren mit fest installierten Gestellen zur Fesselung von Gefangenen mit tiefliegendem Kopf ausgestattet.BBC: Washington Diary: Water Torture. 12. Dezember 2007, abgerufen am 26. Februar 2009.
Im Jahr 1983 verurteilte ein texanisches Gericht einen Sheriff zu vier Jahren Haft, weil er im Rahmen eines Verhörs einen Verdächtigen durch Waterboarding mit einem Tuch über dem Gesicht zu einer Aussage gezwungen hatte.
Einsatz von Waterboarding durch die USA nach 2001 mini|Protest gegen Waterboarding bei einem Besuch von Condoleezza Rice in Island, Mai 2008
Infolge der Terroranschläge am 11. September 2001 ermächtigte US-Präsident George W. Bush die CIA am 17. September 2001 erstmals, Gefangene festzuhalten und zu vernehmen. Nachdem die CIA schon vorher rechtswidrige, gewalttätige Vernehmungsmethoden eingesetzt hatte, wurde im August 2002 ein formales Programm der enhanced interrogation techniques (deutsch etwa: erweiterte oder verschärfte Verhörtechniken) der CIA entwickelt. Es bestand aus verschiedenen Foltermethoden. Waterboarding war die am weitesten gehende der bekannten Folterformen. Sie musste individuell für jeden Gefangenen erlaubt werden.
Die CIA als Anwender dieser Praktiken definierte sie auch. Dabei übernahm sie eine „ungewöhnlich enge und rechtlich fragwürdige Definition von Folter“ des US-Justizministeriums von 2002.Brian Duignan (Hrsg.): The Executive Branch of the Federal Government. Purpose, Process, and People. New York 2009 Diese eng gefasste technische Definition ist umstritten. US-amerikanische Medien und Experten teilen sie nicht und stellen sie in einen weiteren Kontext von Foltermethoden des kombinierten Einsatzes von Wasser und Atemnot zur Erzeugung von Todesangst. Auf der Basis der CIA-Definition wurde Waterboarding vom Justizministerium der Vereinigten Staaten als grundsätzlich akzeptabel zugelassen. Das Gutachten des Justizministeriums ist nicht öffentlich zugänglich, der betreffende Abschnitt wird aber in einem Dokument der CIA von 2004 zitiert, das 2009 freigegeben wurde.CIA Office of Inspector General: September 2001-October 2003, May 7, 2004, Kopie auf der Website der ALCU.
Die ausführlichste Beschreibung des Waterboardings durch die CIA stammt aus einem Bericht des ICRC von 2007, der auf Befragungen von Gefangenen in Guantanamo Ende 2006 beruht.ICRC: , 2007, Abschnitt 1.3.1. Suffocation by Water.
Die Methode wurde laut Angaben von CIA-Direktor Michael Hayden gegen die drei mutmaßlichen al-Qaida-Angehörigen Chalid Scheich Mohammed, Abu Subaida und Abd al-Rahim al-Nashiri angewendet.The Guardian: CIA admit 'waterboarding' al-Qaida suspects. 5. Februar 2008. Die CIA zog dazu die beiden Psychologen James Mitchell und Bruce Jessen heran. Sie hatten als Ausbilder im SERE-Training der US Air Force Erfahrung mit Foltermethoden, weil dabei Soldaten auf Situationen vorbereitet werden sollen, in die sie als Kriegsgefangene geraten können, wenn der Gegner die Genfer Konventionen nicht einhält.Senate Select Committee on Intelligence: Committee Study of the Central Intelligence Agency's Detention and Interrogation Program, Stand: 9. Dezember 2014 Die Psychologen hatten aber weder Ausbildung noch Erfahrung in Vernehmungstechniken, keine Kenntnisse über Terrorismusbekämpfung oder Hintergrundinformationen über al-Qaida.
Bei mehreren Gefangenen wurde Waterboarding abweichend von der aus dem SERE-Training stammenden und für die CIA freigegebenen Form angewendet. Bei Chalid Scheich Mohammed wurde in einem Fall Waterboarding insofern abgewandelt, als der Vernehmungsleiter mit den Händen vor Mund und Nase des Gefangenen das Wasser bis zu einer Höhe von etwa 2,5 cm aufstaute. Damit wurde aus einer Methode, die physiologisch auf den erhöhten Atemwiderstand wegen des nassen Tuchs setzt, ein tatsächliches Ertränken.
Das Bekanntwerden dieser Praxis heizte die ohnehin laufende öffentliche Debatte weiter an, ob die Regierung unter Bush zur Verhinderung neuer Terroranschläge nach dem 11. September möglicherweise Verstöße gegen Menschenrechte und die Genfer Konvention in Kauf nehme. Im Zusammenhang mit Waterboarding erklärte ein Regierungssprecher, die amerikanische Regierung sehe dieses als akzeptable Verhörmethode von Gefangenen an, weil es sich dabei nicht um eine Foltermethode handle.
Im Herbst 2014 wurde bekannt, dass man bei mindestens zwei Beschuldigten die Wasserfolter ausweitete und den Kopf der Betroffenen so lange in einer Wanne komplett unter Wasser hielt, bis sie tatsächlich zu ersticken drohten.The Daily Telegraph: CIA tortured al Qaed suspects close to the point of death by drowning them in water-filled baths., 7. September 2014.
Erst im Dezember 2014 wurde die Kurzfassung der Committee Study of the Central Intelligence Agency’s Detention and Interrogation Program des United States Senate Select Committee on Intelligence veröffentlicht, die von 2009 bis 2013 erstellt worden war. Damit wurden Einzelheiten über die Folter von CIA-Gefangenen bekannt, auch mittels Waterboarding. Demnach kam es bei den Opfern zu erheblich gravierenderen medizinischen Folgen: Bei Abu Zubaydah wurde eine „Reduzierung der Vitalfunktionen“ erkannt, wobei „aus seinem offenen, wassergefüllten Mund Blasen aufstiegen“. Bei Chalid Scheich Mohammed entwickelte sich die Folter, bis er „mehrfach hintereinander beinahe ertrank“.
Abgesehen von den drei Personen, deren Folter mittels Waterboarding bereits bekannt war, enthält der Senatsbericht Hinweise, nach denen weitere Gefangene dem Waterboarding ausgesetzt wurden. Zudem machten Gefangene Aussagen, wonach sie mit Methoden gefoltert wurden, die vergleichbar oder ununterscheidbar von Waterboarding waren. Waterboarding wurde an zwei Gefangenen in einem Black Site in Bangkok, Thailand, und an einem weiteren in Stare Kiejkuty, Polen, nahe dem Flughafen Szymany angewendet. Außerdem enthält der Senatsbericht die Information, dass in einem weiteren CIA-Gefängnis in Bagram, Afghanistan, ein Waterboard existierte und es zusammen mit Zubehör fotografiert wurde, obwohl es keine Informationen darüber gibt, dass in dieser Einrichtung Waterboarding eingesetzt wurde.
US-Behörden und deren Reaktionen auf Kritik Die US-Regierung rechtfertigte die Inhaftierung und die Verhöre von Terrorverdächtigen im Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base damit, dass sie diese nicht als Kriegsgefangene im Sinne der Genfer Konvention betrachte, und behauptete, nur drei Personen der Verhörtechnik Waterboarding ausgesetzt zu haben., ABC News, 17. Dezember 2007. Joyce Hens Green, Richterin des United States District Court für den District of Columbia, erklärte diese Praxis jedoch in ihrem Urteil vom 31. Januar 2005 für gesetzwidrig.
Im Juni 2006 entschied der Supreme Court of the United States in dem Verfahren Hamdan vs. Rumsfeld unter anderem, dass auch für die Gefangenen in Guantanamo die Genfer Konventionen gelten würden. Vizepräsident Dick Cheney erregte 2006 Aufsehen, als er sich erneut zu der Folterpraxis bekannte und auf die Frage eines amerikanischen Radioreporters, ob er die Kritik daran angesichts der Gefahr, der man gegenüberstehe, nicht für ziemlich dumm halte, dieser Meinungsäußerung zustimmte.