mini|Außenansicht Schauspielhaus Graz mini|Logo Schauspielhaus Graz
Das Schauspielhaus Graz ist ein österreichisches Sprechtheater. Es steht im Bereich der Grazer Stadtkrone im ersten Bezirk Innere Stadt.
Geschichte „Ein wohlgeordnetes Schauspiel sei eine wahre Schule der Sitten, Höflichkeit und Sprache“, heißt es in einem Appell des Grafen Orsini und des Polizeipräsidenten an die steirischen Stände im Jahr 1770. Nach längeren finanziell bedingten Komplikationen wurden die Bauarbeiten für ein neues Grazer Theatergebäude am 24. Oktober 1774 in Angriff genommen. Nach einer Bauzeit von nicht ganz zwei Jahren wurde das neue Theater am 9. September 1776 eröffnet. Es handelte sich um ein landständisches Theater, das vom damaligen Grazer „landschaftlichen Maurermeister“ und späteren Hofbaumeister Joseph Hueber geplant und errichtet wurde. Die 10-achsige Hauptfront lag an der Hofgasse, die vier Eingangstüren lagen in den Achsen 3 und 4, sowie 7 und 8. Über jedem Türpaar lag ein Balkon.
Erster Direktor des neuen Hauses war Josef Jakobelli (Herbst 1776 bis Ostern 1778), Johann Baptist Mayer (Ostern 1778 bis Ostern 1779), Franz Guerrieri (1779–1780), Graf Podstatzky und General Anton de Gazinelli, Kalchegger (1780–1783; verpachtet 1781/82 an Emanuel Schikaneder, danach an Rößler und daraufhin an Mayer).
Später folgten Johann Nouseul (1783–1785), Franz Guerrieri (1785–1786), Josef Berner (1786–1787), Roman Waizhofer (1787–1792),, Joseph Bellomo (1792–1797), Karl Friedrich Domaratius (1797–1813), Franz Hysel (1813–1818), Andreas Hirsch (1818/19), Graf Max von Thurn und Ignaz Freiherr von Born (1819/20), Karl Friedrich Domaratius und Andreas Winter (1820–1822), Andreas Hirsch (1822/23) und Johann August Stöger und Johanna Liebich (1823–1833). Die 1819 ernannte Direktion hatte ihr Amt aus finanziellen Gründen bereits nach wenigen Monaten im Jänner 1820 niedergelegt. So stand das Theater von Jänner 1820 bis Ostern 1820 unter Städtischer Regie (Verordneter Meng).
Das eben renovierte Theater brannte in den Morgenstunden des Christtag 1823 bis auf die Haupt- und Mittelmauern völlig aus, wurde jedoch nach den Plänen des k.k. Hofbaurats Peter von Nobile wieder aufgebaut. Bis Ende Jänner 1824 wurde im Landhaus sowie in zwei Liebhabertheatern gespielt. Von 29. Jänner 1824 bis 3. Oktober 1825 fanden die Vorstellungen in dem in der ständischen Reitschule in der Reitschulgasse (heute: Mondscheingasse 3) neu eingerichteten Aushilfstheater statt. Gleich nach dem Brand 1823 gingen die Stände daran, an der gleichen Stelle ein neues Theater zu errichten. Das kleine und das große Ballhaus wurden niedergerissen und dadurch ein freier Platz vor dem Theater gewonnen, der heutige Freiheitsplatz. Gleichzeitig wurde der sogenannte Suppansche Garten, der zwischen Theater und Karmeliterplatz lag und mit einer Stützmauer gegen das große Ballhaus grenzte, aufgelassen und die Hartiggasse als Verbindung vom Franzensplatz zum Karmeliterplatz geschaffen. Durch die Eröffnung des Franzensplatzes ergab sich die Entwicklung der Hauptfront des Theaters gegen diesen. Der Haupteingang in der Hofgasse blieb jedoch bestehen, weil das Parterremauerwerk relativ unbeschädigt geblieben war und der Verbindungsgang mit der Hofburg hier mündete, daher die Entwicklung der Vorräume unbedingt auf die Hofgassenseite verlegt werden musste. So blieb der Eingang an der Hauptfront stets nur ein Nebeneingang, da infolge der Lage des Bauplatzes die Längsachse von Bühne und Zuschauerraum senkrecht auf die Hofgasse zu stehen kommen musste.
In Österreich herrschte Inflation und das Aufbringen der nötigen Gelder gestaltete sich schwierig. Die Mittel wurden aus dem Verkauf der letzten in Triest lagernden ständischen Kanonen an den König von Neapel, aus Einnahmen der „Rohitscher Sauerbrunnenoperationskassa“ und vorschussweise aus der ständischen Depositenkassa gedeckt.100 Jahre Grazer Schauspielhaus. Verlag Leykam, Graz 1925, S. 69f. Den Entwurf des Bauplanes übernahm Theaterdirektor Stöger. Stögers Pläne wurden allerdings dem Hofbaumeister Peter von Nobile nach Wien zur Korrektur übersendet. Dieser hatte nur wenige technische Änderungen anzubringen. Außer den beiden Genannten entwarf Professor Meißner in Wien die Beheizungsanlagen. Im Hinblick auf die geringere Feuergefahr war für das gesamte Gebäude als lufterwärmendes Heizsystem der Meißner’sche Apparat installiert worden. Die Einrichtung der Maschinen übernahm der damals bekannte Wiener Theatermaschinist Adam Roller.
Die Überwachung des Baues lag in den Händen von Baron Mandell, dem ständischen Bauadjunkt Johann Nepomuk Edler von Ortenhoffer und dem ständischen Bauassistent Perschon.100 Jahre Grazer Schauspielhaus. Verlag Leykam, Graz 1925, S. 71. Peter von Nobile erkundigte sich bei Baron Mandell regelmäßig nach dem Baufortschritt und erwähnte in einem Schreiben vom 18. Mai 1824: „Seine Majestät besahen alles mit der höchsteigenen Güte, zergliederten das System der Dekoration mit bewundernswürdiger Einsicht und erklärten sich für jene Zeichnung, welche den Charakter einer rationellen Einfachheit an sich trägt, und bemerkten hiebey, daß Ihnen (den Ständen) die Wahl zustehe.“100 Jahre Grazer Schauspielhaus. Verlag Leykam, Graz 1925, S. 72.
Am 4. Oktober 1825, dem Namenstag von Kaiser Franz I., konnte das ständische Theater (später: Landschaftliches Theater, danach: Landestheater) wieder eröffnet werden (Adresse ab 1838: Franzensplatz; ab 1918 bzw. 1938: Freiheitsplatz 7). Am Eröffnungsabend wurden gegeben: Styria und die Kunst als gedichtetes Vorspiel von Karl Gottfried von Leitner sowie, als Hauptstück, das Trauerspiel (in fünf Aufzügen) Weißröschen (auch: Turturell) von Joseph Christian von Zedlitz.
Berühmtester Schauspieler in dieser Ära des Neubeginns war Johann Nestroy, der in der Grazer Elisabethstraße verstarb.
Spätere Direktoren waren Joseph Pellet (1833–1839), Ferdinand Funk (1839–1844), Karl Remmark (1844–1850), Franz Thomé (1850–1853), Adolf Schwarz (1853–1854), Anton Balvánsky (recte Metzger; 1854–1864), Eduard Kreibig (1864–1876; leitete parallel dazu von 1866 bis 1871 auch das am 28. März 1864 eröffnete Grazer Thalia-Theater), Robert Müller (1876–1878; vereinigte Leitung der beiden Theater), Carl Joseph von Bertalan (1878–1880), Moritz Alexander Krüger (1880–1884), C. J. von Bertalan (1884–1886) oder Moritz Alexander Krüger (April bis Mai 1886). Von Mai bis August 1886 war das Theater geschlossen, während die Vorstellungen im städtischen Thalia-Theater damals vom Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs geleitet wurden.
Im August 1886 wurde die interimistische Leitung von Alfred Schreiber übernommen, ehe das Theater am 1. Juli 1887 in städtische Regie überging und in Stadttheater umbenannt wurde. Nachfolgende Direktoren waren etwa Andreas A. Amon, Heinrich Gottinger, Otto Purschian oder Alfred Cavar.
Nach Eröffnung des neuen Stadttheaters 1899 wurde das Haus in Theater am Franzensplatz umbenannt, nach dem Ersten Weltkrieg in Schauspielhaus Graz.
Von 1902 bis 1904 war die Schauspielerin Tilly Wedekind am Theater engagiert.Hartmut Vinçon: Zeittafel. In: Hartmut Vinçon (Hrsg.): Frank und Tilly Wedekind. Briefwechsel 1905–1918. Band 2 Kommentar. Wallstein Verlag, Göttingen, 2018, S. 424–425
1953 wurde das Haus aus baupolizeilichen Gründen geschlossen. Nach Umbauten unter Wahrung des historischen Baubestandes und mit einem Neubau des Bühnenhauses wurde es 1964 mit „Hamlet“ – die Hauptrolle verkörperte Helmuth Lohner – wiedereröffnet. Seither ist das Schauspielhaus dem Sprechtheater verpflichtet und fixer Bestandteil der steirischen Kulturszene. Die letzte große Erneuerung der gesamten Bühnentechnik geschah in den Sommerpausen 1999 und 2000. Sukzessive wurde in diesen Jahren auch das architektonisch erneuerte Foyer den Gegenwartsbedürfnissen angepasst. Neben Haus Eins (Hauptbühne) mit 540 Sitzplätzen werden auch Haus Zwei (ehemalige Probebühne mit circa 100 Sitzplätzen) und Haus Drei (ehemalige Ebene 3 mit circa 50 Sitzplätzen) bespielt. Im Schauspielhaus gibt es auch den Redoutensaal als Veranstaltungsort.
Von 2000 bis 2006 stand das Schauspielhaus Graz unter der Leitung von Schauspieldirektor Matthias Fontheim, ab der Saison 2004/05 war er Geschäftsführender Intendant. Matthias Fontheim wechselte anschließend an das Staatstheater Mainz. Ab der Spielzeit 2006/07 bis zur Spielzeit 2014/15 war die Theaterregisseurin und bisherige Generalintendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses, Anna Badora, Intendantin in Graz. Unter Badora wurde das Schauspielhaus Graz 2008 als einziges österreichisches Theater in die U.T.E. (Union des Théâtres de l’Europe) aufgenommen.
Mit der Spielzeit 2015/16 übernahm Iris Laufenberg als Geschäftsführende Intendantin die Leitung am Schauspielhaus Graz, ehe sie nach acht Jahren an das Deutsche Theater Berlin wechselte. In dieser Zeit wurde das Schauspielhaus Graz Mitglied der ETC (European Theatre Convention).
Seit der Spielzeit 2023/24 ist Andrea Vilter Geschäftsführende Intendantin des Schauspielhaus Graz. Als Chefdramaturgin fungiert Anna-Sophia Güther.
Architektur und Gestaltung Der dreigeschoßige Baublock hat eine spätklassizistische Fassadengestaltung mit zweigeschoßigen Pfeilerarkaden und gusseiserne Masken der Komödie und Tragödie neben einer Lyra an der Seite zur Hofgasse. Die West-Seite zum Freiheitsplatz ist mit einem Frontispiz und einem Altan versehen. Zusätzlich gibt es eine Bauinschriftstafel, datiert mit 1776, und fünf Sandsteinreliefwappen des Landeshauptmanns und einiger Verordneter: für den damaligen Landeshauptmann Graf Herberstein den mittleren, größten Schild mit Sparren; rechts und links davon die Wappen des Grafen Anton Inzaghi (viergeteilt mit drei schreitenden Löwen und dem Doppeladler darüber) und des Grafen Karl von Trauttmannsdorff (mit der Rose im Herzschildchen); außen rechts das Wappen Josephs Edlen von Lendenfeld (mit den diagonal angeordneten Garben) und links schließlich mit zwei Ovalen, das Wappen des Stainzer Propstes Johann de Angelis. Diese steinernen Wappen sind nach dem letzten Umbau des Grazer Schauspielhauses im Jahr 1964 an der Freiheitsplatz-Seite des Bühnenhauses angebracht worden.Walter Zitzenbacher: Ein Schauspielhaus für Graz. Unter der Verwendung des Manuskripts „Theater in Graz“ aus dem Nachlaß von Robert Baravalle. Leykam-Verlag, Graz 1976, S. 55 f.
Der klassizistische Zuschauerraum des Schauspielhauses hat den Typus eines Logentheaters.Horst Schweigert: Dehio Graz. S. 56.
Im Wandelgang des Foyers ist ein Wandteppich (1964) nach einem Entwurf von Dina Kerciku zu sehen.
Gegenwart Intendanz von Andrea Vilter mini|Andrea Vilter, neue Intendantin seit der Spielzeit 2023/24
Die [neue] künstlerische Leitung hat zum Start [ihrer Intendanz und] in die Spielzeit 2023/24 ein Drama einer weiblichen Autorin „ausgegraben“ und [...] dieses zur Uraufführung [gebracht]: Christiane Karoline Schlegels Stück »Von einem Frauenzimmer« [...]. Schlegel war Zeitgenossin von Goethe und Schiller und hat einen Klassiker aus weiblicher Perspektive geschrieben.Pressemeldung Pressekonferenz, 23.05.2023 Website des Schauspielhaus Graz. Abgerufen am 15. September 2023 Am 24. November 2024 wurde das Stück mit dem Preis „Beste Bundesländer-Aufführung“ bei der 25. NESTROY-Verleihung im Wiener Volkstheater ausgezeichnet. Website des Wiener Bühnenvereins, abgerufen am 28. Januar 2025