mini|H. Theodor v. Schön, auf der Brust das Großkreuz des Roten Adlerordens; Porträt von Christian Horneman. rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Heinrich Theodor von Schön (1773–1856), Geheimer Finanz Rath Schön Heinrich Theodor Schön seit 1840 von Schön (* 20. Januar 1773 in Schreitlaugken, Kreis Tilsit; † 23. Juli 1856 auf Gut Arnau bei Königsberg i. Pr.) war ein preußischer Staatsmann.

Leben Theodor (von) Schön wurde als drittes überlebendes von zwölf Geschwistern einer alten Domänenpächterfamilie geboren. Seine Mutter war Johanna Dorothea geb. Dallmer aus Plicken in der Nähe von Memel (* 22. September 1746; † 22. Oktober 1815 in Obstainen) und sein Vater Johann Theodor Schön (* 26. April 1744; † 5. Juni 1796), kgl. preuß. Amtsrat in Schreitlaucken und Gutsherr in Blockinnen. Sein Großvater Gottfried Theodor Schön (* 4. November 1704; † 3. Dezember 1770) war bereits Kriegsrat und Domänenpächter des Guts Schreitlaucken in der Nähe von Heydekrug und mit der adeligen Barbara Dorothea von Deutsch (* 4. Dezember 1723; † 18. Januar 1747) verheiratet. Zu seinen Vorfahren väterlicherseits gehören auch Johannes Schön, der bei der Belagerung von Kaunas durch den Deutschen Orden 1362 fiel, und Hans Schön, der in der Schlacht bei Tannenberg (1410) fiel.

Jugend und Ausbildung Die ersten 16 Lebensjahre verbrachte Schön in Schreitlaucken. Er wurde von Hauslehrern ausgebildet. Ab 1788 besuchte er die juristische Fakultät in Königsberg und widmete sich daneben bei dem mit seinem Vater befreundeten Immanuel Kant eingehenden philosophischen Studien. Nach dem Ende des Kurses wechselte er zu den Staatswissenschaften über, weil er merkte, dass ihm die Rechtswissenschaft nicht lag. Von 1792 bis 1793 absolvierte er ein praktisches Jahr im Domänenamt Tapiau. Er trat 1793 als Referendar an der Königsberger Kriegs- und Domänenkammer in den preußischen Staatsdienst. In Königsberg wurde er als Freimaurer aufgenommen.Wahrscheinlich in der Loge Zum Todtenkopf und Phoenix 1795 wurde er Kammerassessor am Hof in Berlin. 1796 legte er dort das Große Staatsexamen ab.

Politischer Werdegang mini|hochkant|Heinrich Theodor von Schön in Köln. Bis 1835 1796 unternahm Heinrich Theodor Schön eine Bildungsreise durch Deutschland sowie 1798 nach England und Schottland. Diese Reise hinterließ ihm einen bleibenden Eindruck: „Durch England wurd ich erst ein Staatsmann.“ Nach seiner Rückkehr 1799 nahm er seine Arbeit an der Kriegs- und Domänenkammer in Białystok auf. Diese Stadt hatte jahrhundertelang zum Großfürstentum Litauen gehört und war bei der letzten polnischen Teilung an Preußen gefallen. 1802 wurde Schön Geh. Finanzrat im General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Direktorium zu Berlin. 1806 folgte er dem königlichen Hof nach Königsberg. In der Kombinierten Immediatkommission verfasste ein Gutachten über die Erbuntertänigkeit, dessen Inhalt in das von Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein erlassene Gesetz zur Abschaffung der Leibeigenschaft, das sogenannte Oktoberedikt von 1807, einging. Auch Steins „Politisches Testament“ gehört dem Entwurf nach Schön an. Nach Steins Rücktritt trat Schön in die neu gebildete Regierung als Leiter des staatswirtschaftlichen Departements ein, legte jedoch seine Stelle nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon bald nieder und schloss sich den Reformern an, deren Ziel es war, den Staat über soziale und Verwaltungsreformen zu stärken und vor dem Untergang zu bewahren.

Schön kehrte nach Königsberg zurück und übernahm 1809 das Regierungspräsidium Litthauen zu Gumbinnen, das er bis mit zwei kurzen Unterbrechungen bis 1816 führte, und widmete sich trotz der schwierigen Kriegszeiten mit Erfolg der Verwaltung seines Bezirks. Als 1813 bald nach dem Abschluss des Yorckschen Waffenstillstandes russische Truppen in die Provinz Preußen einrückten und drohten, die östlichen Teile zu besetzen, trat Schön dem entgegen und veranlasste Stein, die Zurückberufung des Generals Filippo Paulucci zu bewirken. Am 15. Mai 1813 wurde Schön Generalgouverneur des Landes zwischen der Weichsel und der russischen Grenze, dann Mitglied des Verwaltungsrates der von den Alliierten besetzten deutschen Provinzen, kehrte aber im Mai wieder in seine vorige Stellung nach Gumbinnen zurück.

1816 wurde Theodor von Schön von König Friedrich Wilhelm III. zum Oberpräsidenten von Westpreußen ernannt und 1824, nach der Zusammenlegung dieser Provinz mit Ostpreußen, zum Oberpräsidenten der ganzen Provinz Preußen mit Sitz in Königsberg. Seit seinen Danziger Jahren war Theodor von Schön mit Eichendorff befreundet, der dem evangelischen Oberpräsidenten als „katholischer Rat“ zugeteilt wurde.Joseph von Eichendorff: Dichter und ihre Gesellen. In: Ders.: Werke in sechs Bänden. Hrsg. von Wolfgang Frühwald. Band 3. Erzählungen. Hrsg. von Brigitte Schillbach und Hartwig Schultz. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-618-60130-1, S. 682. Als Schön nach Königsberg wechselte, folgte Eichendorff Schön und leitete das katholische Schul- und Kirchenreferat im preußischen Oberpräsidium.Jürgen Manthey: Königsberg. Geschichte einer Weltbürgerrepublik. Hanser, München 2005, S. 426. Zu Schöns Freundeskreis, der in seinem Haus einander vorlas und miteinander debattierte, gehörte auch der Philosoph Karl RosenkranzHermann Dembowski: Nachwort. In: Karl Rosenkranz: Königsberger Skizzen, Nicolai, Berlin 1991 (= Deutsche Bibliothek des Ostens), ISBN 3-87584-383-5, S. 172. sowie der ostpreußische GroßgrundbesitzerErnst Moritz Arndt: Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn Heinrich Karl Friedrich von Stein. 2. Auflage, Weidmann, Berlin 1858, S. 147. und Kunstmäzen Fritz von Farenheid. Schön förderte die Erforschung der Volkskunde in Westpreußen und besonders in Ostpreußen sowie der Geschichte Ostpreußens und seiner „Altertümer“ (der materiellen Zeugen der Vergangenheit). So veranlasste er unter anderem – zusammen mit dem Historiker und Archivar Johannes Voigt – die sorgfältige, europaweit methodisch bahnbrechende Bestandsaufnahme der Wehranlagen der Prußen durch Leutnant Johann Michael Guise (1798–1861) in den Jahren von 1826 bis 1828.Mirosław J. Hoffmann: Die Geschichte der Archäologie in Ostpreußen. Von ihren Anfängen im 18. Jahrhundert bis in das Jahr 1920. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2018, ISBN 978-3-89876-899-3, S. 26.

Oberpräsident Theodor von Schön beförderte und verteidigte die Schulgründung in seinem Einflussbereich, denn im Jahr 1819 gründet der jüdische Regierungsbauinspektor Salomo Sachs eine Baugewerkschule in Marienwerder. Die Regierung in Berlin forderte daraufhin Theodor von Schön auf, einen Bericht abzugeben, und dieser schilderte dem Kulturminister Karl vom Stein zum Altenstein die Situation so, die Einrichtung sei allein der Initiative der Regierung zu Marienwerder zu verdanken, um „dem lebhaften und allgemein gefühlten Mangel an tüchtigen, kunstgerecht durchgebildeten Baugerksleuten im dortigen Departement so viel wie möglich abzuhelfen.“

Um 1835 war von Schön in den Prozess um den als „Muckerbewegung“ verleumdeten pietistischen Kreis um die Königsberger Pfarrer Johann Wilhelm Ebel und Georg Heinrich Diestel verwickelt.Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, S. 487.

Nobilitierung 1840 Am 10. September 1840 erfolgte durch die Verleihung des Schwarzen Adlerordens bei der HuldigungKarl Streckfuß: Der Preußen Huldigungsfest, nach amtlichen und andern sichern Nachrichten. Beilage C. Enslin (Ferd. Müller)/E. H. Schroeder, Berlin 1840, S. 9. zu Königsberg seine erbliche Nobilitierung in den preußischen Adelsstand.Rudolf Graf Stillfried-Alcantara: Liste der Ritter des Königlich Preußischen Hohen Ordens vom Schwarzen Adler 1871. VI. Von Seiner Majestät dem Könige Friedrich Wilhelm IV. ernannte Ritter, R. L. v. Decker, Berlin 18. Juni 1871, S. 56. Ein Diplom wurde damals nicht ausgefertigt.

Bis zum Lebensende Beim Thronwechsel 1840 war die Provinz Preußen die erste, die die preußische Verfassungsfrage erneut anstieß. Schön unterstützte dies durch seine zunächst nur privat zirkulierende, kritisch-liberale Denkschrift Woher und wohin?, die der Vormärzpolitiker Georg Fein zusammen mit einem eigenen Nachwort veröffentlichte; die Denkschrift erregte großes Aufsehen.Vgl. Dieter Lent: Findbuch zum Bestand Nachlaß des Demokraten Georg Fein (1803–1869) sowie Familie Fein (1737–) ca. 1772-1924. Niedersächsische Archivverwaltung, Wolfenbüttel 1991, S. 88 mit weiteren Nachweisen, ISBN 3-927495-02-6. Schön wurde unter Beibehaltung seines Postens als Oberpräsident zum Staatsminister ernannt und wiederholt nach Berlin berufen. Doch stimmten seine freisinnigen, streng philosophischen Ansichten so wenig mit denen von Friedrich Wilhelm IV. überein, dass er 1842 aus dem Staatsdienst ausschied. „Wenn es eine Persönlichkeit gibt, die die Königsberger Aufklärung in ihrer Absicht, praktische Philosophie zu sein, verkörpert und damit dem Berliner Neuabsolutismus entgegengewirkt hat, dann ist es dieser »poetische Staatsmann« (Rosenkranz), dieser »radikale Kantianer« (Rothfels), dieser »Pater Borussiae« (Gause).“Jürgen Manthey: Königsberg. Geschichte einer Weltbürgerrepublik. Hanser, München 2005, S. 424. Eichendorff schrieb unter dem Eindruck der Entlassung das Gedicht Der brave Schiffer (Als Heinrich Theodor von Schön aus dem Staatsdienst schied), das auch in die Festschrift zu Theodor von Schöns 50. Dienstjubiläum 1843 aufgenommen wurde.Günther Schiwy: Eichendorff. Der Dichter in seiner Zeit. Eine Biographie. C. H. Beck, München, s. 2. Aufl. 2007, ISBN 978-3-406-54963-2, S. 559.

1848 amtierte Schön als Symbolfigur der Reformzeit als Alterspräsident bei der ersten Sitzung der Preußischen Nationalversammlung.

Noch im Jahr der Verabschiedung Theodor von Schöns in den Ruhestand organisierten sich seine Anhänger und suchten nach Wegen, seine Verdienste in Preußen zu würdigen. Die Liste umfasste mehr als tausend Namen. Zu seinem 70. Geburtstag errichtete der Kreis seiner Verehrer in Königsberg einen Obelisken neben der Kunstakademie.

Der König ernannte Theodor von Schön zum Burggrafen von Marienburg, dessen Schloss er zu restaurieren begonnen hatte. Schön lebte seitdem auf seinem 1827 erworbenen Gut Preußisch-Arnau bei Königsberg, wo er am 23. Juli 1856 starb.

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