Santa Maria del Popolo (), heute Basilica Santa Maria del Popolo, ist ein Kirchengebäude mit einem Klosterkomplex in Rom. Sie befindet sich an der Piazza del Popolo im Stadtteil Campo Marzio, direkt an der Porta del Popolo. Die Basilica minor ist seit dem 13. April 1587 eine der römischen Titelkirchen der römisch-katholischen Kirche. Die dreischiffige Gewölbekirche mit einer achteckigen Vierungskuppel und einer einfachen Fassade mit Pilasterschmuck zählt zu den wichtigsten Kirchenbauten der Frührenaissance in RomGrundmann: Architekturführer Rom. S. 105. und birgt eine Vielzahl bedeutender Kunstwerke der Architektur, Skulptur und Malerei. Zu den Päpsten, die diese Kirche besonders förderten, zählten Sixtus IV., Innozenz VIII., Alexander VI. und Alexander VII. Namhafte Künstler wie Pinturicchio, Andrea Bregno, Raffael, Bramante, Caravaggio und Bernini waren mit der Ausgestaltung der Kirche betraut und hinterließen bedeutende Werke.

mini|Piazza del Popolo mit Porta Flaminia, Kirche Santa Maria del Popolo und Konvent Geschichtlicher Überblick Vorgeschichte mini|Santa Maria del Popolo – Schedelsche Weltchronik 1493 mini|hochkant=1.2|Stich von Giovanni Maggi 1625 In den Libri IndulgentiarumHandschriften aus der Bibliotheca Apostolica Vaticana, die die Kirchen Roms, deren Reliquien und Ablässe aufführen wird die Vorgeschichte des Ortes, an dem heute die Kirche S. Maria del Popolo steht, ausführlich berichtet: Der Hochaltar steht an der Stelle, an der sich vor dem Bau der Kirche eine Pappel (lat. populus) befand. in der die bösen Geister wohnten, die das Grab des Kaisers Nero,Das Grabmal der Domitier befand sich auf dem darüber liegenden Pincio-Hügel: Sueton, Nero 50 das sich unter diesem Baum befand, bewachten und diejenigen belästigten, die die antike Porta Flaminia passieren wollten. Papst Paschalis II. (1099–1118) hörte davon und ließ in diesem Anliegen fasten und beten. Am dritten Tag hatte er eine Marienerscheinung, die ihn aufforderte, den Nussbaum zu fällen und dort eine Kirche zu erbauen. Dadurch wurde der Ort von den Dämonen befreit.J. Weißenberger: Römische Mariengnadenbilder. 2007, S. 49.

Nach einer Pestepidemie in Rom im Jahre 1231 ersetzte Papst Gregor IX. die Kapelle durch eine größere Kirche „für das Volk“ und übergab sie dem Franziskanerorden. Für die Bezeichnung „del Popolo“ gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Einer führt zurück auf die Finanzierung bzw. Errichtung der Kirche durch das Volk, ein anderer auf eine Pappel (populus) an der Stelle der Kapelle. Die heutige Interpretation geht davon aus, dass für die Gemeinde (plebes, populus), die sich um die Kapelle gebildet hatte, eine neue Kirche errichtet wurde. Papst Gregor IX. stiftete das dem hl. Lukas zugeschriebene „wundertätige“ Mariengnadenbild,Katalog der Mariengnadenbilder. S. 99ff. das sich vordem in der Capella Sancta Sanctorum am Lateranspalast befunden hatte. Bis heute ziert es den Hochaltar.

1250 kam die Kirche an den Orden der Augustiner aus Tuszien und 1472 schließlich an den Augustinereremitenorden der Lombardischen Kongregation.

Baugeschichte mini|hochkant=1.2|Stich von Giuseppe Vasi 1752 Papst Sixtus IV. della Rovere ließ 1472 unmittelbar nach seiner Wahl zum Papst den bestehenden Kirchenbau abtragen und eine neue Kirche sowie das anschließende Kloster errichten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erfuhr Rom eine umfangreiche städtebauliche Erneuerung, die auch die Restaurierung bestehender und die Errichtung neuer Kirchen umfasste. An dem bedeutenden Stadttor, der antiken Porta Flaminia, heute Porta del Popolo, das alle Reisenden und Pilger aus dem Norden, die über die Via Flaminia kamen, passieren mussten, sollte ein neuer, bedeutender Kirchenbau entstehen, der auch als Grabstätte für den Papst und seine Familie vorgesehen war. Die Bedeutung der Kirche zu dieser Zeit unterstrich die Vergabe von Patronatsrechten an Kapellen und Grablegen ab 1478 an zahlreiche Persönlichkeiten der römischen Gesellschaft und des Klerus, die diese von namhaften Künstlern ausschmücken ließen.

1505 wurde der ursprüngliche Mönchschor durch die Architekten Bramante und Andrea Sansovino in die Kapelle für die Kardinäle Ascanio Maria Sforza und Girolamo Basso della Rovere umgebaut. Durch die Raumwirkung und die Lichtführung gilt sie als Meisterwerk Bramantes in der Gestaltung suggestiver Räumlichkeit.Christoph Luitpold Frommel: Die Architektur der Renaissance in Italien. S. 129.

Durch den Erzbischof und Kardinal von Lissabon Jorge da Costa erhielt das Kloster durch testamentarische Verfügung 1508 Weinberge auf dem Gebiet des angrenzenden Pincio, die mit den klösterlichen Weinbergen zusammengelegt wurden.

In den Jahren 1655 bis 1660 gestaltete Gian Lorenzo Bernini im Auftrag Papst Alexanders VII. die Kirche im Geschmack der Zeit, insbesondere die Fassade und Teile der Innenausstattung.

Im Auftrag von Kardinal Alderano Cibo, Staatssekretär unter Papst Innozenz X., gestaltete der Architekt Carlo Fontana in den Jahren 1682 bis 1687 die Kapelle Cibo im Grundriss eines griechischen Kreuzes um und überwölbte sie mit einer Kuppel entsprechend der Kapelle Chigi, die symmetrisch gegenüber im linken Seitenschiff liegt. Die Kuppel ist von der Piazza del Popolo aus zu sehen.

Giuseppe Valadier konzipierte 1811 bis 1822 im Zuge der Umgestaltung der Piazza del Popolo die südliche Seitenfassade neu und passte die Nordseite der Kirche und Teile des Klosters in die Symmetrie des Platzes ein.

Stifterkirche der Päpste Die Augustinerkirche gewann unter den Päpste Sixtus IV., Innozenz VIII. und Alexander VI. zunehmend als Zentrum geistlicher und weltlicher Repräsentation an Bedeutung.

Sie förderten das Stiftungswesen, das während ihrer Herrschaft nicht nur ein Gradmesser für das Verhältnis zwischen Stifter und dem Augustinerkonvent war, sondern auch ein Gradmesser für das Verhältnis zwischen Stifter und Papst. Entscheidend war die Verbundenheit und Nähe zum Papst. Andererseits waren Schenkungen an die Kirche Zukunftsinvestitionen, die nur dann getätigt wurden, wenn davon ein Mehrwert, wie beispielsweise ein päpstliches Wohlwollen zu erwarten war. Das lässt sich auch am Spendenverhalten von Vannozza de'Catanei belegen, die die Mätresse von Alexander VI. und die Mutter von Cesare und Lucrezia Borgia war. Während des Pontifikats von Alexander VI. zählte sie zu den großzügigen Stifterinnen dieser Kirche. Ihr Grab, das ebenfalls in der Kirche war, ist heute verschwunden. Mit der Wahl von Julius II., der der italienischen della Rovere-Familie angehörte, endete dies abrupt.Philipp Zitzlsperger: Die Jagd nach dem roten Hut. S. 13–28. Noch heute lassen sich die Kreise der Stifter nachvollziehen und Rückschlüsse auf die klienteläre Beziehung zu den jeweiligen Päpsten bilden.

Architektur mini|Grundriss der Basilika Die Kirche wurde im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts als dreischiffige Basilika mit Querhaus und Chor im lombardischen Stil der Renaissance errichtet. Als Architekten der Kirche, des Klosters und einiger Kapellen bezeichnet Giorgio Vasari den Festungsbaumeister Papst Sixtus IV. Baccio Pontelli.Giorgio Vasari (1568): Vita di Paulo Romano e di maestro Mino scultori e di Chimenti Camicia architetto: Nach seinem Entwurf wurde die Kirche und das Kloster Santa Maria del Popolo gebaut und darin einige Kapellen; besonders die für Kardinal Domenico della Rovere … Auch Andrea Bregno wird als Architekt erwähnt, was jedoch nicht belegt werden kann. Das Langhaus wird an beiden Seiten von jeweils vier Kapellen gesäumt. An antike Bauten erinnert das Motiv der Konchen an den Abschlüssen der Querarme, ebenso der achteckige Tambour in der Vierung.

Fassade und Campanile In Rom beginnt die Geschichte der neuzeitlichen Querschnittsfassaden mit S. Maria del Popolo, nach Vorbild der von Leon Battista Alberti für die Kirche Santa Maria Novella in Florenz geschaffenen Fassade, die erstmals den Dreiecksgiebel und die Anschwünge zum erhöhten Mittelteil und die tiefe Position des Okulus in seinem Fassadenfeld zeigt. Die Kirchenfront deutet mit ihrer zweistöckigen Pilasterordnung den Aufbau des Inneren der Kirche mit ihren drei Kirchenschiffen an. Gleichzeitig gliedert sie die Front und gestaltet sie grafisch proportioniert. Das obere Stockwerk repräsentiert die Erhöhung des Mittelschiffs. Die Fassade weist auch spezifisch römische Elemente auf, insbesondere den hellen, römischen Travertin, der viele Fassaden der folgenden Zeit kennzeichnet sowie die großen, ungeschmückten Wandflächen.

Der mit Fialen bestückte Glockenturm stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Ausstattung In den Schiffen, den Kapellen und im Presbyterium der Kirche finden sich zahlreiche Meisterwerke der Malerei und der Plastik aus der Renaissance- und Barockzeit.

Hauptschiff mini|Hauptschiff Das Hauptschiff hat im Wesentlichen seine Struktur im 15. Jahrhundert erhalten. Bestimmend sind die Bündelpfeiler, um die sich unterschiedlich hohe Halbsäulen gruppieren. Sie tragen einerseits die Rundbögen zu den Seitenschiffen, andererseits strecken sie sich bis zum Kreuzgratgewölbe empor. Die Pilaster, die Halbsäulen und die Bogen des Hauptschiffes waren ursprünglich mit grauer Marmorimitation verputzt. Dieser Verputz wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge der Restaurierungsarbeiten durch Antonio Muñoz wieder entfernt. Auf dem um das Mittelschiff laufenden Gesims sind unterhalb der Längsgurte halb liegende allegorische Frauenfiguren gruppiert, den Abschlussbogen zum Querschiff ziert das prächtige, von Frauengestalten flankierte Wappen des Papstes Alexander VII.

Querschiff Das ursprüngliche Querschiff der Basilika aus der Zeit Sixtus IV. war wesentlich kleiner als heute. Es bestand aus zwei Flügeln mit je einer Apsis und einer Kapelle. Papst Alexander VII. beauftragte Gian Lorenzo Bernini zwischen 1655 und 1661 mit wesentlichen Umbauten in beiden Flügeln des Querschiffes, durch die das Aussehen des Innenraumes stark verändert wurde. Sie umfassten die Errichtung der beiden großen Altäre in den Apsiden und der Choremporen mit Stuckengeln. Die Freskenbemalung der Kuppel erfolgte 1656–1658 durch Raffaello Vanni mit der Darstellung der Verherrlichung der Jungfrau. Über den Kapellen wurde ein weit vorspringendes Zahngesims als Basis für die Statuen der Heiligen eingefügt.

Rechter Flügel In der Apsis dieses Flügels neben dem Hochaltar befand sich ursprünglich die der heiligen Lucia geweihte Grabkapelle der Borgia, in der Vanozza de’ Cattanei und ihr Sohn Juan Borgia begraben waren. Von den Grabmonumenten ist lediglich die Grabinschrift der Vannozza erhalten.sie befindet sich heute im Atrium der Kirche San Marco, Rom 1484 veranlasste Giorgio Croce, Ehemann der Vanozza Cattanei, die üppige Ausstattung dieser Kapelle. 1500 beauftragte Vannozza Andrea Bregno mit der Anfertigung eines Tabernakels für die Kapelle und wandelte sie in die Sakramentskapelle um. Pinturicchio malte das Altarbild und Wandfresken.Schüller-Piroli: Borgia. Walter Verlag Olten, 1963, S. 535 ff. Es stellte vermutlich die heilige Lucia mit den Gesichtszügen der Vannozza Cattanei dar.Mariano Armellini: Le Chiese di Roma. Edizione del Pasquino. Roma 1891, S. 319. Johannes Burckard, der Zeremonienmeister des Papstes Alexander VI. soll ebenfalls, wenn nicht in der Kapelle, so doch in der Kirche begraben gewesen sein.Mauro Lucentini: ROM Wege durch die Stadt – 2000. Pattloch Verlag, München, ISBN 3-629-01621-9. An den Seitenwänden des Schiffes, neben dieser Kapelle befanden sich mehrere Grabdenkmäler, die jetzt im Korridor und in der Sakristei aufgestellt sind,C. L. Frommel: Bollettino. S. 6. nachdem Papst Alexander VII. einen kompletten Umbau mit erheblicher Erweiterung der Kapellen veranlasste. Die beiden Kapellen im rechten Querschiff wurden im Zuge einer Angleichung an den Plan des linken Querschiffes unter Papst Alexander VII. von Carlo Fontana neu angelegt. Cappella di Santa Rita (7)