mini|Der junge Liang Qichao

Liang Qichao (Liáng Qǐchāo; ; Volljährigkeitsname Zhuórú ; Pseudonym Réngōng ; * 23. Februar 1873 in Xinhui, Guangdong; † 19. Januar 1929 in Peking) war ein chinesischer Gelehrter, Journalist, Philosoph und Reformer während der Qing-Dynastie, der einer neuen Generation Intellektueller angehörte, die sich nach dem Opiumkrieg gebildet hatte, und der andere chinesische Gelehrte mit seinen Verbesserungsbewegungen inspirierte.

Kurzbiographie Am 23. Februar 1873 wurde Liang Qichao in einem kleinen Dorf in Xinhui (新會) in der Provinz Guangdong geboren.

Als Sohn eines Bauern wäre ihm Bildung normalerweise versagt geblieben, doch sein Vater Liang Baoying (梁寶瑛, Volljährigkeitsname Lianjian 蓮澗) unterrichtete ihn ab dem sechsten Lebensjahr, so gut er konnte, und führte ihn in verschiedene literarische Werke ein.

Liang war zwei Mal verheiratet, mit Li Huixian (李惠仙) und Wang Guiquan (王桂荃). Aus den Ehen stammten neun Kinder, die allesamt erfolgreich wurden. Drei seiner Kinder gehörten später zum wissenschaftlichen Personal der chinesischen Akademie der Naturwissenschaften.

Frühes Leben Im Alter von 11 Jahren bestand Liang das Xiucai (秀才), eine im Niveau niedrige Abschlussprüfung, und lud 1884 dann die beschwerliche Aufgabe auf sich, für das traditionelle staatliche Examen zu lernen. Mit 16 Jahren bestand er dann das Juren (舉人), eine etwas weiterentwickelte Abschlussprüfung, und war damit der jüngste erfolgreiche Teilnehmer dieser Zeit.

1890 brach er dann aber mit dem traditionellen Bildungsweg, fiel durch sein Jinshi (進士), die nationale Abschlussprüfung in Peking, und erreichte niemals mehr einen höheren Abschluss. Er ließ sich von dem Buch Information About The Globe (瀛環志略) inspirieren und entwickelte ein großes Interesse an westlichen Ideologien. Nachdem er wieder aus Peking in seine Heimat zurückgekehrt war, begann er als Schüler von Kang Youwei, einem berühmten Gelehrten und Reformist, der am Wanmu Caotang (萬木草堂) lehrte, zu forschen und zu studieren. Die Lehren seines Lehrmeisters über ausländische Angelegenheiten verstärkten Liangs Interesse, China zu reformieren.

Mit Kang ging Liang 1895 wieder nach Peking um die Landesabschlussprüfung nachzuholen, doch fiel er ein zweites Mal durch. Trotzdem blieb er danach in Peking und half Kang Domestic and Foreign Information zu verbreiten. Außerdem half er, die Gesellschaft für nationale Verstärkung (強學會) zu organisieren, bei der er dann als Sekretär diente.

Die Reformen von 1898 Als Verfechter der konstitutionellen Monarchie war Liang nicht zufrieden mit der Regierungsweise der Qing-Herrschaft und wollte den aktuellen Stand in China ändern. So initiierte er mit Kang Youwei (康有為, 1858–1927) Reformen. Sie verfassten eine Eingabe an den Thron, die Kaiser Guangxu (光緒帝, 1871–1908, regierte von 1875–1908) aufgriff und in ein Reformprogramm münden ließ. Diese Bewegung ist als Wuxu-Reform oder die Hundert-Tage-Reform bekannt. Sie waren der Ansicht, dass China Selbststärkung brauche, und riefen zu vielen geistigen und institutionellen Veränderungen auf, darunter auch Bekämpfung der Korruption und Umbau des staatlichen Prüfungs- bzw. Aufbau eines nationalen Bildungssystems.

Durch den Reformeifer Guangxus wurde der Widerstand konservativer Kräfte geweckt, und auch Liang (der gar nicht in exponierter Stellung tätig war, sondern nur einen mittleren Beamtenrang bekleidete) sollte auf Anordnung der Tante des Guangxu-Kaisers Cixi (慈禧太后, 1835–1908), die Führerin der politisch konservativen Partei war und später wieder Regentin wurde, verhaftet werden. Liang konnte den Häschern der Cixi entfliehen. Ihre Machtbasis war durch Guangxus Hundert-Tage-Reform bedroht und sie empfand sie als zu radikal. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts setzte Cixi ihrerseits ein Reformprogramm in Gang, das viele der Veränderungen umsetzen wollte, die sie zuvor noch abgewürgt hatte.

Der Konservative Putsch beendete 1898 alle Reformen und Liang wurde nach Japan ins Exil verbannt, wo er die nächsten 14 Jahre seines Lebens verbrachte. Doch ließ er sich dadurch nicht davon abhalten, Demokratie und Reformen aktiv zu verteidigen und benutzte seine Niederschriften dazu, den Rückhalt für die Reformatoren zu stärken, was bei Chinesen in Übersee, aber auch bei der eigenen Regierung auf offene Ohren stieß.

1899 reiste Liang nach Kanada, wo er unter anderem Dr. Sun Yat-sen traf, und führte seine Reise über Honolulu und Hawaii fort. Während der „Boxer-Revolution“ hielt sich Liang in Kanada auf, was er dazu nutzte, um „Gesellschaft zur Rettung des Kaisers“ (保皇會) zu formulieren.

Von 1900 bis 1901 besuchte Liang Australien in Form einer 6-monatigen Tour, die als Ziel hatte, mehr Befürworter für eine Kampagne zu finden, die das chinesische Reich auf einen modernen Stand bringen sollte, indem China die besten der westlichen Technologien, deren Industrie und Staatssystem annehme.

1903 machte Liang dann eine 8 Monate dauernde Lektorenreise durch die USA, bei der auch ein Treffen mit Präsident Theodore Roosevelt in Washington, D.C. vorgesehen war. Er kehrte danach über Vancouver, Kanada, wieder nach Japan zurück.

Ansprüche an den Journalismus Als Journalist Liang wurde von Lin Yutang (林語堂) einmal als „die größte Persönlichkeit der Geschichte des chinesischen Journalismus“ bezeichnet, während Joseph Levenson, Autor von Liang Ch’i-ch’ao and the Mind of Modern China, Liang als brillanten Gelehrten, Journalisten und politische Figur beschrieb.

Liang Qichao war der „einflussreichste Gelehrte und Journalist der Jahrhundertwende“, gemäß Levenson. Liang zeigte, dass Zeitungen und Magazine als ein effektives Medium zur Kommunikation politischer Ideen eingesetzt werden können.

Liang, als Historiker und Journalist gesehen, glaubte, und verkündete diese Ansicht auch öffentlich, dass diese beiden Berufe denselben Zweck und moralisches Engagement haben müssen. „Durch Untersuchung der Vergangenheit und Offenbarung der Zukunft werde ich den Menschen der Nation den Pfad des Fortschritts zeigen.“ Daraufhin gründete er dann seine erste Zeitung Qingyi Bao (清議報), die den Namen einer Studentenbewegung der Han-Dynastie trug.

Das Exil in Japan ermöglichte es Liang, frei zu sprechen und seine intellektuelle Autonomie auszuüben. Im Laufe seiner Karriere im Journalismus schuf er erste Zeitungen, wie Zhongwai Gongbao (中外公報) und Shiwu Bao (時務報). Außerdem veröffentlichte er seine moralischen und politischen Ideen in Qingyi Bao (清議報) und Der neue Bürger (新民叢報).

Darüber hinaus verbreitete er seine Ansichten über Republikanismus durch seine literarischen Werke in China und der ganzen Welt. Dadurch wurde er ein einflussreicher Journalist in Teilbereichen politischer und kultureller Aspekte und begann, neue Formen periodischer Journale zu verfassen. So wurde der Journalismus Liangs Vehikel, um seinen Patriotismus auszudrücken.

Bekennen zu den Prinzipien des Journalismus Eine Möglichkeit, Liangs journalistische Arbeiten ins Rampenlicht zu setzen, besteht darin, zu überlegen, ob seine Werke die Elemente des Journalismus enthalten, so wie im Buch von Bill Kovach und Tom Rosenstiel The Elements of Journalism beschrieben wird. Obwohl es erst 72 Jahre nach Liangs Tod veröffentlicht wurde, ist dieses Buch trotzdem ein hilfreiches Werkzeug bei der Frage, welcher Art von Journalisten Liang angehört, denn, so steht es in der Einführung des Buches, bestehen immer noch die gleichen Hauptnachrichtenwerte wie zu dieser Zeit.

»Des Journalismus erste Verpflichtung ist die Wahrheit« Die Art der Wahrheit, der Liang sich verschrieb, seinen Lesern näher zu bringen, war mehr ideologisch als faktisch. So war sein Magazin »New Citizen«, bei dem Liang als Chefredakteur tätig war, eine der ersten Veröffentlichungen dieser Art. Anstatt einfacher Reportagen brachte Liang relevante neue Ideen und Erkenntnisse ein und verbreitete in seinen Zeitungen seine Sicht von Demokratie, Republikanismus und Herrschaft in seiner Leserschaft sowohl in China als auch in Übersee. Für die meisten seiner Leser waren seine Ideen ganz neu. Und obwohl Demokratie und Republikanismus im konventionellen Sinne des Wortes keine Wahrheiten sind, waren sie nach Liangs Überzeugung das beste System, um China zu regieren. Sein Bekenntnis dazu, indem er diese Ideen den Bürgern näher brachte, erklärt, warum Liangs Arbeit das erste Element des Journalismus beinhaltet.

»Die erste Loyalität des Journalismus gehört den Bürgern« Liang stellte die Behauptung auf, dass eine Zeitung »der Spiegel der Gesellschaft«, »der Lebensunterhalt der Gegenwart« und »die Beleuchtung der Zukunft« ist. Er kategorisierte Zeitungen durch vier Typen: die Zeitung eines Einzelnen, Zeitung einer Partei, Zeitung einer Nation und Zeitung der Welt.

Letztendlich war es sein Ziel, eine Zeitung für die Welt zu produzieren, und er sagte, dass »eine Zeitung der Welt den Interessen der Humanität diene«.

In seinem Manifest Der neue Bürger kann man erkennen, dass Liang ein Verteidiger der Demokratie und des Republikanismus war. Im Mittelpunkt seiner Veröffentlichungen stand die Unterrichtung seiner Leser über die Ermächtigung der Bürger durch seine politischen Ideen. Seine Schriften und Arbeiten hatten ein großes Auditorium und halfen, die Leser in Ideen auszubilden, welche diese nicht selbst entdecken konnten. Es sprach viel dafür, dass Liang dazu strebte, den Bürgern Informationen zu vermitteln, die sie brauchten, um frei zu sein und sich selbst zu regieren, was genau das ist, was Kovach und Rosenstiel als die erste Absicht des Journalismus nannten.

»Seine Praktiker müssen Unabhängigkeit von ihren Veröffentlichungen behalten« Einst deklarierte Liang: »Wie großartig ist die Macht der Zeitung. Und wie schwerwiegend ist die Pflicht der Zeitung!« So glaubte Liang auch, dass die Freiheit des Gewissens, die Freiheit des Ausdrucks und die Freiheit der Presse die Mutter aller Zivilisation wären.

Liang wurde ins Exil nach Japan geschickt, da er während der WuXu-Reform sehr kritisch gegenüber der Qing-Dynastie war. Trotzdem ließ er sich nicht davon abhalten, weitere Artikel und Essays zu schreiben, welche politischen Veränderungen China brauche. Er hielt dem politischen Druck stand und hielt immer noch gegen die Qing-Dynastie, weshalb er das japanische Exil der literarischen und politischen Unfreiheit in China vorzog. Durch sein Exil blieb Liang unabhängig von der Qing-Regierung, über die er oft schrieb. Genau diese Unabhängigkeit von denen, die ihn zu unterdrücken versuchten, etwa die Kaisertante Cixi, erlaubte ihm den freien Ausdruck seiner Ansichten und Ideen über die politische Situation in China.

Das Journal Den Bürger erneuern (Xinmin Congbao 新民叢報) Liang produzierte ein Journal mit Namen Den Bürger erneuern (Xinmin Congbao 新民叢報), das alle vierzehn Tage erschien und eine enorme Verbreitung fand. Es wurde zum ersten Mal in Yokohama, Japan am 8. Februar 1902 veröffentlicht.

Das Journal beinhaltete viele verschiedene Themen, so auch Politik, Religion, Gesetz, Haushalt und Ökonomie, Business, Geographie und aktuelle und internationale Angelegenheiten. In diesem Journal wurden von Liang viele chinesische Äquivalente zu »Niemals-gehört-Theorien« oder »-Ausdrücken« geprägt und er nutzte das Magazin dazu, die Volksmeinung auch den entfernten Lesern zukommen zu lassen. Liang hoffte, dass durch die Nachrichten, Analysen und Essays New Citizen ein neuer Abschnitt in der chinesischen Zeitungsgeschichte beginnen könne.

Ein Jahr später erkannten Liang und seine Mitarbeiter eine Änderung in der Zeitungsindustrie und bemerkten, dass »seit der Einführung unseres Journals von fünf Jahren fast zehn weitere separate Journale mit demselben Stil und Design erschienen.«

Als Chefredakteur des Magazins New Citizen konnte Liang seine Niederschriften verbreiten. Fünf Jahre lang wurde das Journal ungehindert publiziert und endete erst 1907 nach 96 Heften. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Leserschaft auf eine Zahl von 200.000 geschätzt.

Die Rolle der Zeitung