Die österreichischen Luftstreitkräfte sind Teil des Bundesheeres. Ihnen gehören 3500 Mann an, davon sind etwa drei Viertel Wehrpflichtige.
Aufgaben Laut einer Selbstdarstellung des Bundesheeresbmlv.gv.at sichern die Luftstreitkräfte Österreichs „den österreichischen Luftraum und unterstützen die Landstreitkräfte mit Hubschraubern, Transport- und Verbindungsflugzeugen. Zur Wahrung der Lufthoheit orten und identifizieren sie eindringende Luftfahrzeuge. Gegebenenfalls drängen sie diese ab oder zwingen sie zur Landung. Als passive Komponente der Luftraumüberwachung dienen ortsfeste und mobile Radaranlagen.“
Geschichte Die militärische Luftfahrt in Österreich geht zurück auf die k.u.k. Luftfahrtruppen in Österreich-Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg legte der Vertrag von Trianon fest, dass Österreich keine Luftwaffe haben durfte.Artikel 128 Dennoch wurde 1927 heimlich das Fliegerkorps der Heimwehr gegründet. Auch beim Bundesheer begann man ab 1928 mit der Ausbildung von Piloten. Die ersten Kampfflugzeuge (5 Fiat CR.20 Doppeldecker) wurden 1933 aus Italien geliefert. Weitere Flugzeuge aus italienischer Produktion folgten. Stationiert waren die Fliegerverbände in Wien-Aspern und Graz-Thalerhof. Das bis heute verwendete Hoheitszeichen der Luftstreitkräfte wurde 1936 eingeführt. Zum Zeitpunkt des Anschlusses im März 1938 bestand die Luftwaffe aus zwei Fliegerregimentern mit 36 Jagdflugzeugen Fiat CR.32, einigen wenigen Bombern und diversen Aufklärungs- und Schulflugzeugen.
Die heutigen österreichischen Luftstreitkräfte wurden im Jahr 1955 im Rahmen der Wiedererrichtung des Österreichischen Bundesheeres gegründet. Erste Flugzeuge waren acht von der Sowjetunion geschenkte Schulflugzeuge der Typen Jak-18 (4) und Jak-11 (4). Im Februar 1956 wurde der erste österreichische Hubschrauber, ein Bell 47G (H-13) beschafft. Als erstes Muster mit Strahlantrieb wurden 1957 de Havilland DH.100 Vampire erworben.Rudolf Höfling: Österreichs erste Kampfjets. Eine Vampire-Geschichte. In: Fliegerrevue X Nr. 49, 2014, S. 92–109 Im Jahr 1959 folgte der französische Strahltrainer Fouga Magister. In den Jahren 1960 bis 1962 wurden 30 gebrauchte Saab 29 Tunnan, bekannt auch als „Fliegende Tonnen“, in zwei Losen zu je 15 Maschinen nach Österreich geliefert. Im Jahr 1972 wurden die Saab J-29F „Tunnan“ ausgemustert, 40 Flugzeuge des Typs Saab 105OE übernahmen deren Aufgaben.
Bei den Hubschraubern wurden ab 1963 die ursprünglich beschafften Muster Alouette II und Sikorsky S-55 schrittweise durch den moderneren Agusta/Bell AB.204B und ab 1967 durch die Alouette III ersetzt, im Jahr 2024 wurde der Betrieb eingestellt. Im Jahr 1970 wurden noch elf Maschinen des Typs AB 206 „JetRanger“ und zwei Sikorsky S-65Oe beschafft. Zwölf Kampfhubschrauber des Baumusters Bell OH-58 Kiowa folgten 1976. Als mit der Lawinenkatastrophe von Galtür 1999 klar wurde, dass nicht ausreichend Helikopter-Transportkapazitäten zur Verfügung standen, wurden neun Sikorsky S-70A-42 „Black Hawk“ Transporthubschrauber erworben.
Für Transportaufgaben waren schon 1960 sechs Flugzeuge des Baumusters De Havilland Canada DHC-2 „Beaver“ in Dienst gestellt worden. 1969 folgten zwei Short Skyvan 3M. Die Beaver wurden später durch zwölf Maschinen des Baumusters Pilatus PC-6 „Turbo-Porter“ ersetzt. 2003 wurden drei C-130 Hercules (gebrauchte C-130K) Transportflugzeuge von der Royal Air Force erworben. miniatur|Saab 35 Draken Ab 1988 wurden Saab 35Oe „Draken“ zur Luftraumüberwachung eingesetzt. 1991 drangen während des Bürgerkriegs in Jugoslawien im Sommer 1991 jugoslawische Flugzeuge des Typs MiG-21 in den österreichischen Luftraum ein, es kam aber nicht zu Begegnungen mit österreichischen Flugzeugen. Durch die Militärischen und Luftfahrt-Bestimmungen des Staatsvertrages von Wien 1955 wären die österreichischen Flugzeuge eventuell auch nicht ausreichend bewaffnet gewesen, um effektiv eingreifen zu können. Durch Erklärung der Republik Österreich gegenüber den anderen Signatarmächten wurde der Artikel für obsolet erklärt und infolge der Untätigkeit der Signatarmächte völkerrechtlich anerkannt. Die Luftstreitkräfte verfügen seither auch über Lenkraketen. Die Frage der Beschaffung neuer Maschinen wurde in der Folgezeit in der österreichischen Öffentlichkeit lange und kontrovers diskutiert. miniatur|Eurofighter Typhoon Im Jahre 2002 entschied sich die damalige Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für die Beschaffung des Eurofighter Typhoon. Die 2005 ausgemusterten Draken wurden durch aus der Schweiz gemietete Northrop F-5 E Tiger als Übergangslösung bis zum Eintreffen der Eurofighter ersetzt.
Der seit dem 6. Dezember 2002 als Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte (Airchief) amtierende Erich Wolf wurde am 10. April 2007 wegen seiner Verwicklung in eine mögliche Bestechungsaffäre beim Eurofighterkauf von seinem Amt suspendiert.derstandard.at
Im Dezember 2008 wurden Erwägungen des Generalstabes publik, als Ersatz für die 40 Jahre alten Trainingsflugzeuge Saab 105 OE bis zu 20 Maschinen des Unterschall-Kampfflugzeugs Aero L-159 aus Beständen der Tschechischen Streitkräfte anzukaufen,Die Presse (15. Dezember 2008): Bundesheer will tschechische Kampf-Flugzeuge kaufen was aber letztlich nicht erfolgte. Seit 2018 verfügen die Luftstreitkräfte aber über vier Schulflugzeuge des Typs Diamond DA40 NG.
Als Folge der für 2023 geplanten Erhöhung des Verteidigungshaushalts in Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine im Frühjahr 2022 sollen drei gebrauchte Doppelsitzer Eurofighter Typhoon EF-2000T von der deutschen Luftwaffe übernommen werden.
Dienstgradabzeichen
— Offiziere — Rockkragen(Paroli) Waffenfarbe goldfarben violett Bezeichnung(Kurzform) Brigadier(Bgdr) Oberst(Obst) Oberstleutnant(Obstlt) Major(Mjr) Hauptmann(Hptm) Oberleutnant(Olt) Leutnant(Lt) Fähnrich(Fhr) NATO OF-6 OF-5 OF-4 OF-3 OF-2 OF-1
— Unteroffizier und Mannschaften — Dienstgradgruppen StabsunteroffiziereUnteroffiziereChargen Rekrut Rockkragen(Paroli) Waffenfarbe violett Bezeichnung(Kurzform) Vizeleutnant(Vzlt) Offiziersstellvertreter(OStv) Ober-stabswachtmeister(OStWm) Stabswachtmeister(StWm) Oberwachtmeister(OWm) Wachtmeister(Wm) Zugsführer(Zgf) Korporal(Kpl) Gefreiter(Gfr) Rekrut(Rekr) NATO OR-9 OR-8 OR-7 OR-6 OR-5 OR-4 OR-3 OR-2 OR-1
Geplante Investitionen
Nachfolge für „Hercules“ C-130 In Betracht kommen entweder neuere C-130J-Super-Hercules oder brasilianische Embraer C-390M. Bis zu fünf Maschinen sind vorgesehen. Am 20. September 2023 verkündete Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, dass in der Nachfolge der C-130 „Herkules“ alle weiteren Planungen auf die Embraer C-390 fokussiert werden. Am 22. Juli 2024 erfolgte die Vertragsunterzeichnung für die Anschaffung von vier Stück des Transportfliegers Embraer C-390 für das ÖBH für in Kooperation mit den Niederlanden. Die ersten beiden Transportflieger sollen ab 2028 in Österreich landen, und bis zum Jahr 2030 die Auslieferung abgeschlossen sein. Das neue Luftfahrzeugsystem wird in Hörsching stationiert und zumindest für 30 Jahre als Lufttransportsystem der österreichischen Luftstreitkräfte zur Verfügung stehen.
Anschaffung weiterer Kampfjets Die Anschaffung weiterer Kampfjets in der Doppelsitzer-Konfiguration, in Kooperation mit Deutschland, ist geplant. Bis zu vier Maschinen sind dabei vorgesehen. Die bereits vorhandenen 15 Eurofighter werden zurzeit modernisiert und erhalten Mittelstrecken-Lenkwaffen des Typs AMRAAM oder METEOR. Eine Ausflottung der Eurofighter ist in den 2030er-Jahren geplant. Es sollen 36 neue Jets angeschafft werden. Zur Auswahl stehen EurofighterT5, Dassault Rafale und die Lockheed Martin F-35 Lightning II. Anschaffung leichter Jets im Unterschall-Bereich mit leichter Bewaffnung für Trainingszwecke und Einsätze in der Luftraumüberwachung und dem Luft-Boden Kampf. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner geht bereits von einer solchen Beschaffung aus. Eine Entscheidung soll noch in der ersten Jahreshälfte 2023 fallen. Bis zu 18 Maschinen sind hierbei vorgesehen. Ende August 2024 wurde bekannt gegeben, dass ein Angebot zur Anschaffung von Leonardo M-346-Jets vom Bundesheer geprüft wird. Eine Entscheidung könnte noch 2024 fallen. Ende Dezember 2024 wurde bekannt gegeben, dass zwölf Leonardo M-346FA-Jets für das österreichische Bundesheer gekauft werden.
Anschaffung von Medium Altitude Long Endurance Drohnen Bis zu 2029 soll eine Staffel mit 12 MALE-Drohnen einsatzbereit sein. Welcher Typ dieser Klasse angeschafft werden soll, wurde vom Verteidigungsministerium noch nicht kommuniziert.
Gliederung Unterhalb des BMLV ist die Direktion 2 inklusive des Materialstabs Luft MSL sowie den Brigaden Luftraumüberwachung (Kdo LRÜ) und Luftunterstützung (Kdo LuU) sowie der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule (FlFIATS).
Kdo LRÜ Das Kommando Luftraumüberwachung „Kdo LRÜ“ (im Rang einer Brigade) ist in Salzburg stationiert. Aufgabe dieses Kommandos ist es die passiven (Luftraumbeobachtung) und aktiven Einsatzmittel (Luftraumüberwachungsflugzeuge und bodengestützte Fliegerabwehr) sowie die Fliegerführungselemente für die Luftraumüberwachung und -sicherung zu führen. Dem Kdo LRÜ unterstehen:
Radarbataillon (RadB) Technisch-logistisches Zentrum für Radartechnik Überwachungsgeschwader in Zeltweg (Eurofighter „Typhoon“) 2 Fliegerabwehrbataillone (FlAB 2 in Zeltweg, FlAB 8 in Salzburg) Fliegerwerft in Zeltweg Jägerbataillon Salzburg
Kdo LuU Das Kommando Luftunterstützung „Kdo LuU“ (im Rang einer Brigade unter dem Kommando Streitkräfte) ist in Hörsching stationiert. Aufgabe dieses Kommandos ist es die Bereiche Lufttransport (Fläche und HS) und Luftaufklärung zu führen und die Fliegerverbindungselemente für alle Einsatzkräfte zu stellen. Dem Kdo LuU untersteht: Flugbetriebskompanie (Erhaltung der Betriebsfähigkeit, durch Flugleitung, Feuerwehr, Platzlandwirtschaft, der Start- und Landepiste am Flughafen HÖRSCHING) zwei leichte Transporthubschrauberstaffeln (lTHSSta) mit Agusta-Bell AB-212 in Linz (taktischer Lufttransport) eine Lufttransportstaffel (LuTSta) mit Lockheed C-130K „Hercules“ in Linz (strategisch/operativer Lufttransport) eine Verbindungshubschrauberstaffel (VeHSSta) zwei Fliegerwerften in Hörsching und Langenlebarn einer Lufttransportumschlag-Einheit (LTU) welche unmittelbar geführt werden, sowie das Luftunterstützungsgeschwader (LuÜGeschw) in Langenlebarn mit einer mittleren Transporthubschrauberstaffel (mTHSSta) mit Sikorsky S-70A-42 „Black Hawk“ in Langenlebarn (taktischer Lufttransport) einer Mehrzweckhubschrauberstaffel (MzHSSt) mit Bell OH-58B „Kiowa“ in Langenlebarn (Verbindung, Aufklärung, Feuerunterstützung) einer leichten Lufttransport-Staffel (lLuTSta) mit Pilatus PC-6 in Langenlebarn (Verbindung, Aufklärung, Transport) einer Luftaufklärungsstaffel (LuAufklSta) in Langenlebarn (Abstützung auf Pilatus PC-6 „Turbo-Porter“ und Bell OH-58B „Kiowa“. Die Ausstattung mit Drohnen ist geplant.)
Die Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule „FlFlATS“ (als Truppenschule mit angeschlossener Wissenschafts- bzw. Forschungsabteilung unter dem Kommando eines Generalstabsoffiziers) in Langenlebarn, welche die gesamte Ausbildung für das bei Kdo LRÜ und Kdo LuU benötigte Personal verantwortlich zeichnet. Angefangen von den Piloten über Flieger-, Fliegerabwehr- und Radartechnik bis zum Flugsicherungs- und Radarleitpersonal wird dort alles ausgebildet was an Personal für die Luftelemente des Heeres benötigt wird. Dieser Schule sind unterstellt:
eine Lehrabteilung Hubschrauber in Langenlebarn eine Lehrabteilung Fläche mit Pilatus PC-7 „Turbo-Trainer“ in Zeltweg
Taktische Kennzeichnung