mini|Puttkamer in seiner Zeit als preußischer Kultusminister (1879–1881) Robert Viktor von Puttkamer (* 5. Mai 1828 in Frankfurt (Oder); † 15. März 1900 auf Gut Karzin bei Stolp in Pommern) war ein preußischer Beamter und konservativer Politiker.

Als Jurist machte er zunächst Karriere in der preußischen Innenverwaltung, von 1877 bis 1879 war er Oberpräsident der Provinz Schlesien. Von 1879 bis 1881 war Puttkamer Kultusminister und anschließend bis 1888 Innenminister in der preußischen Regierung unter Otto von Bismarck. Während der Herrschaft Friedrichs III. trat er zurück. Unter dessen Sohn war er von 1891 bis 1899 Oberpräsident der Provinz Pommern. Daneben war er zwischen 1874 und 1891 mit Unterbrechungen Reichstagsabgeordneter für die Deutschkonservative Partei, von 1879 bis 1885 Abgeordneter im Preußischen Landtag sowie ab 1889 Mitglied des Herrenhauses.

Puttkamer war vor allem wegen der von ihm als Innenminister in den 1880er Jahren betriebenen konservativen Personalpolitik in der preußischen Beamtenschaft von erheblicher Bedeutung für die weitere Verwaltungsgeschichte Preußens bzw. des Deutschen Reiches.

Herkunft Robert Viktor entstammte der Plauther Linie der pommerschen Adelsfamilie Puttkamer. Sein Vater Eugen von Puttkamer war Gutsbesitzer von Groß Plauth (Kreis Rosenberg in Westpreußen), von 1839 bis 1847 Polizeipräsident in Berlin und von 1851 bis 1860 Oberpräsident der Provinz Posen. Seine Mutter Emilie (1803–1852) war eine geborene von Zitzewitz. Auch seine Brüder machten im preußischen Staat Karriere: Richard wurde Landrat, Bernhard Landtags- sowie Reichstagsabgeordneter und Jesco Regierungspräsident. Die Schwester Elisabeth heiratete einen entfernten Verwandten, den Generalmajor Bernhard von Puttkamer.

Ausbildung und Verwaltungskarriere Nach dem Schulbesuch am Gymnasium zum Grauen Kloster und dem Köllnischen Realgymnasium in Berlin studierte Puttkamer Rechtswissenschaften in Heidelberg, Genf und Berlin. Nach Abschluss des Studiums und vierjähriger Tätigkeit als Auskultator wurde er 1854 als Regierungsassessor in den Staatsdienst übernommen.

Von 1860 bis 1866 war Puttkamer Landrat im vorpommerschen Kreis Demmin. In dieser Funktion erwarb er das persönliche Vertrauen des damaligen preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, der ihn 1866 als Vortragenden Rat in das neu geschaffene Bundeskanzleramt berief, die Exekutivbehörde des Norddeutschen Bundes. Dort war er unter anderem mit den Militärkonventionen befasst, mit denen die einzelnen Teilstaaten des Norddeutschen Bundes ihre Truppen damals dem Oberbefehl des preußischen Königs unterstellten. Nach der Gründung des Kaiserreichs wurde Puttkamer 1871 Regierungspräsident des ostpreußischen Regierungsbezirks Gumbinnen. 1874 wechselte er als Bezirkspräsident in den Bezirk Lothringen des Reichslands Elsaß-Lothringen. Im Jahr 1877 übernahm Puttkamer die Funktion des Oberpräsidenten der preußischen Provinz Schlesien, die er bis 1879 innehatte.

Abgeordnetenmandate Von 1874 bis 1884 war Puttkamer Mitglied des Reichstags, wo er sich den Deutschkonservativen anschloss. Er vertrat dort zunächst den Wahlkreis Regierungsbezirk Gumbinnen 6 (Oletzko, Lyck, Johannisburg), anlässlich einer Ersatzwahl nach dem Tod des Liberalen Leopold von Hoverbeck wechselte er 1875 in den Wahlkreis Gumbinnen 7 (Sensburg, Ortelsburg). Inzwischen Oberpräsident in Schlesien übernahm Puttkamer zur Reichstagswahl 1878 den 5. Wahlkreis im Regierungsbezirk Liegnitz (Löwenberg), den er während zwei Legislaturperioden vertrat. Parallel dazu war er von 1879 bis 1885 auch Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Bei der Reichstagswahl 1890 wurde er noch einmal in den Reichstag gewählt, diesmal als Abgeordneter des pommerschen Wahlkreises Regierungsbezirk Köslin 1 (Stolp, Lauenburg). Das Mandat legte er anlässlich seiner Ernennung zum Oberpräsidenten im Jahr darauf nieder.

Amtszeiten als preußischer Minister Am 14. Juli 1879 ernannte König Wilhelm I. Puttkamer als Nachfolger Adalbert Falks zum preußischen Kultusminister. In dieser Funktion trug er zur Entschärfung des Kulturkampfs zwischen dem Reich und der katholischen Kirche bei. So stärkte er wieder die Stellung der Geistlichkeit im Schulwesen. Zwischen den beiden deutschen Orthographischen Konferenzen von 1876 und 1901 ließ er per Erlass vom 21. Januar 1880 in den Schulen Preußens die „vereinfachte deutsche Rechtschreibung“ einführen.

Am 18. Juni 1881 wurde Puttkamer als Nachfolger Botho zu Eulenburgs preußischer Innenminister und am 11. Oktober 1881 Vizepräsident des Preußischen Staatsministeriums, das heißt Stellvertreter Bismarcks in dessen Funktion als preußischer Ministerpräsident. In diesen Funktionen bemühte er sich vor allem, liberale Beamte aus dem Staatsdienst zu entfernen und durch konservative zu ersetzen. Zudem setzte er die Sozialistengesetze streng um, was ihm die Gegnerschaft linker und liberaler Kräfte einbrachte. Hier ist vor allem sein „Streikerlass“ vom 11. April 1886 zu nennen.Abgedruckt in: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 4. Band: Arbeiterrecht, bearbeitet von Wilfried Rudloff, Darmstadt 2008, Nr. 39

Der Historiker Eckart Kehr hat 1929 zuerst darauf hingewiesen, dass die flächendeckende und dauerhafte Durchdringung des preußischen Staatsapparats mit konservativen „Gesinnungsbeamten“ wesentlich mit dem lange wenig beachteten Wirken Puttkamers in Verbindung gebracht werden müsse.Eckart Kehr: Das soziale System der Reaktion unter dem Ministerium Puttkamer. In: Die Gesellschaft. Jg. 6 (1929), Nr. 2, S. 253–274. Die neuere regionalgeschichtliche Forschung konnte etwa mit Blick auf Ostpreußen zeigen, „dass Puttkamer politische Konformität bis hinab zur Ebene der Amtsvorsteher zu erzwingen trachtete.“Patrick Wagner: Bauern, Junker und Beamte. Lokale Herrschaft und Partizipation im Ostelbien des 19. Jahrhunderts. (= Moderne Zeiten. Bd. 9), Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-946-1, S. 512. Unter ihm brach die „seit den Reformen der Jahre nach 1807 nie verlorengegangene“Werner Conze (Hrsg.: Ulrich Engelhardt, Reinhart Koselleck und Wolfgang Schieder): Gesellschaft-Staat-Nation. Gesammelte Aufsätze. Stuttgart 1992, S. 291. liberale Beamtentradition ab.

Der neu gekrönte König Friedrich III. schrieb Puttkamer Anfang Juni 1888 einen groben und beleidigenden Brief und provozierte so wie beabsichtigt dessen Rücktritt am 8. Juni 1888. Kronprinz Wilhelm schrieb am 10. Juni entrüstet an Großherzog Friedrich I. von Baden, dass es sich bei dem Brief des todkranken Vaters um ein alleiniges Werk der Kaiserin Victoria im Verbund mit freisinnigen Politikern gehandelt habe. Ministerpräsident Bismarck unternahm nichts gegen die Behandlung Puttkamers, gab sich nach außen hin aber „wütend und perplex“ und bestritt, dass die Aktion des Königs mit ihm abgesprochen gewesen war.John C. G. Röhl: Wilhelm II. Band 1: Die Jugend des Kaisers, 1859–1888. 1993; 3. Auflage 2009, ISBN 978-3-406-37668-9, S. 817

Späte Jahre mini|Robert Viktor von Puttkamer Puttkamer wurde dann Domherr zu Merseburg. König Wilhelm II. berief ihn 1889 zum Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Zudem holte der neue Monarch ihn 1891 demonstrativ zurück in den Staatsdienst und ernannte ihn zum Oberpräsidenten der Provinz Pommern; dieses Amt bekleidete Puttkamer bis 1899. Außerdem zeichnete er ihn mit dem Schwarzen Adlerorden aus.John C. G. Röhl: Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie, 1888–1900. 2001, ISBN 3-406-48229-5, S. 575

Familie Er heiratete 1854 in Posen seine Cousine Ida von Puttkamer (1830–1920), diese war eine Tochter des preußischen Landrats Albert von Puttkamer (1797–1861) und dessen Ehefrau der Auguste von Pape (1795–1834). Das Paar hatte fünf Söhne und 2 Töchter, von denen eine früh starb: Jesko Albert Eugen (1855–1917), Gouverneur von Kamerun ⚭ 1914 Elisabeth Passow Wilhelm (1857–1895), preußischer Offizier Bernhard (1858–1941), Polizeipräsident von Kiel und Stettin ⚭ 1886 Magarethe Johanna Karoline Elisabeth von Puttkamer (* 21. Januar 1863) Albert August Wilhelm (1861–1931), 1906–1917 Regierungspräsident von Colmar ⚭ Magarethe Elisabeth Marie von Eickstedt-Peterswald (* 23. August 1872) Maximilian Albert August (1865–1920), Herr auf Klein-Machmin, preußischer Landrat ⚭ 1900 Rosine von Wessely (* 1883) Hedwig Karoline Eva Maria (1869–1923) ⚭ Oscar von Chelius (1859–1923), preußischer Generalleutnant

Robert von Puttkamer war der Urgroßvater des Politikwissenschaftlers und Schriftstellers Christian Graf von Krockow.

Siehe auch Liste der Oberpräsidenten in preußischen Provinzen

Literatur Albert von Puttkamer: Staatsminister Robert von Puttkamer. Ein Stück preußischer Vergangenheit 1828–1900. K. F. Koehler, Leipzig 1928. Gustav Seeber (Hrsg.): Gestalten der Bismarckzeit. Akademie-Verlag, Berlin (Ost) 1978, S. 355–377.

Ellinor von Puttkamer (Bearbeiterin): Geschichte des Geschlechts v. Puttkamer (= Deutsches Familienarchiv, Band 83–85). 2. Auflage, Degener, Neustadt an der Aisch 1984, S. 688–689. Christian Graf von Krockow: Zu Gast in drei Welten. Erinnerungen, Stuttgart/München 2000, S. 30–35. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser 1906. S. 631

Weblinks

Robert von Puttkamer auf der Seite des Verbandes des Geschlechts von Puttkamer

Einzelnachweise

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