mini|hochkant=1.3|Ludwigskirche Saarbrücken

Die Ludwigskirche ist eine evangelische Kirche auf dem Ludwigsplatz in Saarbrücken. Der barocke Sakralbau wurde ab 1762 durch Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken von Friedrich Joachim Stengel errichtet. Die Ludwigskirche ist ein Wahrzeichen der Stadt und gilt als einer der bedeutendsten evangelischen barocken Kirchenbauten Deutschlands. Benannt ist sie nach ihrem Vollender Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken.

Geschichte Errichtung des barocken Sakralbaues Wilhelm Heinrich, Fürst zu Nassau und Graf zu Saarbrücken, ordnete in seiner Eigenschaft als „Summus episcopus“ der evangelisch-lutherischen Kirche seines Territoriums am 21. Oktober 1761 den Bau einer lutherischen Kirche in der Residenzstadt Saarbrücken an. Lange Zeit war die gotische Schlosskirche als Pfarrkirche, Hofkapelle und Begräbniskirche genutzt worden, die nun zu klein geworden war. Der Bau sollte inmitten eines neu zu errichtenden Platzes als „Gesamtkunstwerk“ im Sinne einer barocken place royale liegen und für große Repräsentationszwecke und als neue Grablege dienen. Für das Projekt lieferte Friedrich Joachim Stengel die Baupläne und am 4. Juni 1762 wurde der Grundstein zum Neubau der Kirche feierlich gelegt. Die lateinische Grundstein-Inschrift lautet ins Deutsche übersetzt:Robert H. Schubart, Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken. Saarbrücken 1988, S. 56.

Stengel wurde bei seiner Arbeit durch den Bildhauer Jacques Gounin tatkräftig unterstützt. Gounin fertigte sämtliche Modelle nach Stengels Angaben, vergrößerte dessen Zeichnungen maßstabsgetreu und war verantwortlich für die Arbeit an den Kapitellen und den Fensterumrahmungen.

mini|links|Die im Jahr 1704 vollendete Turmfassade der Kathedrale St. Pierre in Rennes mit auffälligen Parallelen zur Turmgestaltung der Ludwigskirche mini|hochkant|Die 1707 eingeweihte barocke Salzburger Kollegienkirche des Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach weist besonders im Glockengeschoss zahlreiche Strukturmuster des später errichteten klassizistischen Ludwigskirchturms vorbildhaft auf, hier linker Fassadenturm Friedrich Joachim Stengel lehnte sich bei seinen Kirchenbauten an die Breitsaal-FormenVollständige Anweisung, alle Arten von Kirchen wohl anzugeben…, Augsburg 1718 (Digitalisat bei digi.ub.uni-heidelberg.de). des Architekturtheoretikers Leonhard Christoph Sturm an und modifizierte sie nach den jeweiligen Erfordernissen.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen an der Saar 2009, S. 98–99.

Im Jahr 1761 hatte man als Zielvorgabe der Fertigstellung der Kirche das Jahr 1765 anvisiert. Als der Auftraggeber, Graf Wilhelm Heinrich im Jahr 1768 starb, war allerdings nur das Äußere der Kirche weitgehend vollendet. Der Turm war noch im Bau. Nach dem Tod Wilhelm Heinrichs verschleppte sich die Fertigstellung unter seinem Sohn und Nachfolger Fürst Ludwig zunehmend. Erst im Jahr 1772 waren die Stuckarbeiten des Innenraumes durch den Stuckateur Wunnybaldt Wagner fertiggestellt. Im Jahr 1773 verfügte Ludwig die Fertigstellung des Innenraumes und der gesamten Kirche sowie die Anlage einer Begräbnis-Gruft unter dem Westarm. Im selben Jahr fertigte der Schweizer Stuckateur Carlo Luca Pozzi zehn Karyatiden-Hermen für die Emporen im Innenraum, im Jahr 1774 vollendete der Bildhauer Johann Philipp Mihm zwei Karyatiden-Hermen für die Stützen der Nordempore. Mihm schuf ebenso die Amortissements des Außenbaues nach den von Gounin gefertigten Modellen. Für die Verfertigung des Statuenzyklus am Außenbau zeichnete der Wiener Bildhauer Franziskus Binck verantwortlich.Robert H. Schubart, Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken. Saarbrücken 1988, S. 58.

Im selben Jahr wurde auch der Prospekt der Orgel installiert, der bereits im Jahr 1768 hätte vollendet sein sollen. Kostenvoranschläge für die Orgel haben sich von den Manufakturen der Gebrüder Stumm aus Sulzbach im Hunsrück (vom 12. Juni 1762) und von Johann Andreas Silbermann aus Straßburg (vom 18. Februar 1762) erhalten. Da der Kostenvoranschlag der Manufaktur Silbermann um 25 % höher lag als der der Gebrüder Stumm, bekamen diese den Zuschlag und verfertigten 1763/1764 den Entwurf des Orgelprospektes.

Kanzel und Kirchengestühl wurden im Jahr 1774 fertig, im Jahr 1775 der Altar, sodass man am 25. August, dem Todestag des französischen Königs Ludwig IX. (des Heiligen) (gestorben am 25. August 1270 während des Siebten Kreuzzuges in Karthago), die Kirche mit einem feierlichen Gottesdienst und einer eigens zu diesem Anlass komponierten Kantate einweihen konnte.

Die lateinischen Inschriften über dem Hauptportal lauten in deutscher Übersetzung: Kartusche über dem Haupteingang: „Evangelisches Gotteshaus, geweihter Sitz des Heiligen Geistes, erhabene Wirkstätte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe. Zum öffentlichen Lobe Gottes von Wilhelm Heinrich, Fürst von Nassau, Landesvater der evangelisch-lutherischen Gemeinde, freigiebig, gottesfürchig, prächtig erbaut 1765.“ Inschrift Ludwigs im Tympanon des Hauptportals: „Dieses vom Vater begonnene Monument der Gottesverehrung hat vollendet und im Inneren zierlich ausgeschmückt und schließlich dem Gottesdienst gewidmet, der Sohn Ludwig, Schüler und Nacheiferer der väterlichen Tugend, Fürst von Nassau, Graf zu Saarbrücken, im Jahr 1773 nach der Geburt Christi.“

Seit der Einweihung nannte man die Kirche nach ihrem Vollender „Ludwigskirche“, während der sie umgebende Platz seit dem Jahr 1763 nach dessen Vater Wilhelm Heinrich noch Heinrichsplatz genannt wurde. Erst in späterer Zeit wurde der Platz in Analogie zur Kirche in Ludwigsplatz umbenannt. In manchen fremdsprachigen Übersetzungen wird die Kirche fälschlicherweise nach Ludwig dem Heiligen Eglise St. Louis oder St. Louis church genannt, obwohl eine Benennung von evangelischen Kirchen nach katholischen Heiligen – zumindest bei nachreformatorischen Neubauten – nicht gebräuchlich ist.Robert H. Schubart, Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken. Saarbrücken 1988, S. 3, S. 6.

Restaurierungsmaßnahmen mini|links|hochkant|Seitenaufriss der Ludwigskirche für eine geplante Neugestaltung im 19. Jahrhundert: man beachte die fehlenden Amortissements über dem Portal, den um ein Geschoss erhöhten Turm mit zusätzlichen Figuren und die gotisierenden Balustraden (Stadtarchiv Saarbrücken) mini|Zustand der Balustradenfiguren vor der Restaurierung 1906 In der Französischen Revolution wurde an der Ludwigskirche das Nassau-Saarbrückensche Landeswappen sowie der Namenszug und das Brustbild des Fürsten Wilhelm Heinrich an den Amortissements entfernt. Die Kirche wurde nun wieder „Neue Kirche“ in Relation zur gotischen Schlosskirche genannt. Drei Turmglocken wurden ausgebaut und nach Metz gebracht. Durch Diebstahl gingen die Bleiauskleidungen in der Rinne zwischen Dach und Attika und die Fallrohre verloren, was zu schweren Feuchtigkeitsschäden am Mauerwerk und zum Verlust des Verputzes und der weißen Außenfarbe führte.

Durch napoleonisches Dekret ging die Kirche am 5. Mai 1806 in die Verantwortlichkeit der Gemeinde über. Bürgermeister Johann Sebastian Bruch bestimmte im selben Jahr neun „gutdenkende“ protestantische Aufseher für die Ludwigskirche. Diese Aufseher sollten im Auftrag des Bürgermeisters den Zustand der Kirche überwachen, Spenden sammeln und Reparaturen anordnen.

In den Jahren von 1885 bis 1887 beseitigte man die 26 Geschlechterstühle in der Kirche und vermauerte die Querovalfenster in der Sockelzone, die diese ehemals mietbaren „Kirchenlogen“ erhellt hatten, um das Problem der Zugluft in der Kirche besser handhaben zu können. Ebenfalls wurde in dieser Zeit eine Zentralheizung in der Kirche eingebaut und die vorher im Raum stehenden großen Öfen entfernt.

Unter Pfarrer Julius Ebeling kam es in den Jahren 1906–1911 zu einer ersten grundlegenden Restaurierung des Bauwerkes durch die preußische Denkmalpflege unter der Leitung von Paul Clemen. Helmut Sachsenröder entfernte als Bauleiter vor Ort den graubraunen Innenanstrich der Ludwigskirche und die Ornamentvergoldungen, die man im 19. Jahrhundert aufgebracht hatte, und entdeckte darunter die originale Farbtönung Stengels. Die Aufzeichnungen Sachsenröders hinsichtlich der Restaurierungsmaßnahmen waren für den Wiederaufbau der Ludwigskirche nach dem Zweiten Weltkrieg von großem Wert. Helmut Sachsenröder tauschte am Außenbau die Attikazone, 14 der 28 Statuen der Dachregion, 10 Schmuckvasen und die Amortissements durch Kopien aus. Die durch die Nässeeinträge im Gefolge der Revolution entstandenen Bauschäden behob Sachsenröder durch eine umfangreiche Erneuerung der Gesimse und des Mauerwerks. Die bunte Fensterverglasung des 19. Jahrhunderts ließ der Bauleiter entfernen und durch Antikverglasung mit bescheidener Malerei ersetzen. Das Orgelwerk wurde durch die Fa. Walcker erweitert und versetzt, während man das alte Gehäuse beibehielt. Moderne Gaslaternen und eine Gasheizung wurden eingebaut.Robert H. Schubart, Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken. Saarbrücken 1988, S. 51.Ruth Bauer: Der Glaubenskrieg um die Ludwigskirche, Andere Zeiten, andere Geschmäcker. Wie die Bauten des Barock-Architekten Friedrich Joachim Stengel im Laufe der Jahrhunderte verändert wurden. In: Saargeschichten, Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend und dem Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes, 3/2012, S. 16–23.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ludwigskirche beim verheerenden britischen Bombenangriff auf Saarbrücken in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

Wiederaufbau mini|Ludwigskirche, Saarbrücken, Ostansicht bei Nacht, 2020. Foto: Panorama Stitch, Langzeitbelichtung mini|Die Ostfassade der Ludwigskirche, 2007

Nach den Zerstörungen begann die Gemeinde mit der Sicherung der Ruine: Trümmer wurden ausgeräumt und Mauerwerksschäden beseitigt. 1946 wurde offiziell der Auftrag zum Wiederaufbau durch die Gemeinde erteilt. 1947 lag die Baugenehmigung vor. Ziel war die Wiederherstellung der Kirche im Vorkriegszustand, also nicht im originalen Zustand Stengels. Der Wiederaufbau der Ludwigskirche begann im gleichen Jahr, ist aber bis heute noch nicht abgeschlossen. Unter Leitung des Architekten Rudolf Krüger wurde die Wiederherstellung des Außenbaues in alter Form begonnen. Am 26. Juli 1947 feierte man das Richtfest. Den Dachstuhl der Kirche hatte man aus vorhandenen Stahlrohren montiert. Krüger sanierte ebenfalls in den Jahren 1955–1957 das gesamte Kirchenfundament.

Als problematisch erwies sich die Gestaltung des Innenraumes des Sakralbaues. Krüger vertrat die Ansicht, dass eine barocke „Fürstenkirche“ nicht mehr in die moderne Zeit passe und ein moderner Innenraum dem Empfinden und den Bedürfnissen moderner Menschen angemessener sei als ein „barocker Festsaal“.Nachlass von Rudolf Krüger im Stadtarchiv Saarbrücken, G 4592, G 3377, G 1842, G 60 Nr. 290. Der Kirchenbauarchitekt Otto Bartning vertrat im Jahr 1952 als Gutachter die Auffassung, „dass die Ludwigskirche im Innern nicht in der gleichen Form, wie sie Stengel gebaut hat, wiederhergestellt werden darf, weil eine Kopie oder Doublette bekanntlich eine Fälschung ist. Die Kirche muss im Innern nach den Bedürfnissen unserer Zeit erneuert werden.“Julia Ricker: Die städtebauliche Entwicklung Saarbrückens. Interview mit Professor Josef Baulig, in: Monumente, 2011, abgerufen am 2. Dezember 2014.

Als erster Preisträger eines im Jahr 1958 ausgeschriebenen Architektur-Wettbewerbes begann Rudolf Krüger 1959 mit der Neugestaltung des Innenraumes. Die Decke wurde in den Kreuzarmen mit flachen Rautenmustern und in der Vierung mit Diamantquadern geschmückt. Drei moderne Stahlemporen sollten die alten Stengelschen Emporen ersetzen und eine große Orgel in einem freistehenden Kastengehäuse hätte den Einbau der Westempore verunmöglicht.